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Dialog des Monats 03/09: Expertenstatements zur aktuellen Krise

Für den Dialog des Monats haben wir für Sie Kommentare von ExpertInnen eingeholt, die sich seit dem Beginn der Krise intensiv mit ihr auseinandersetzen.
 

 
Univ.Prof. Dr. Stefan P. Schleicher
Universität Graz
 
Nachhaltigkeit ist die Antithese und die Antwort auf die sich entfaltende Krise, die ausgehend von den Finanzmärkten über die Autoindustrie sich in allen Ecken der Wirtschaft ausbreitet.
 
Nachhaltigkeit sucht einen Wirtschaftsstil, der vom wirtschaftlichen Wohlstand bis zu den Beziehungen in unserer Mitwelt weniger gefährdend sein soll.

Nachhaltigkeit ist deshalb keine gelegentlich hergezeigte Etikette, sondern eine bewusste Gestaltung des nächsten Schrittes.
 
WEGENER ZENTRUM FÜR KLIMA UND GLOBALEN WANDEL
 
 

 
Dr. Raimund Dietz
Wirtschafts- und Finanzexperte, Geldphilosoph, Prognostiker, Coach und Unternehmensberater,
www.rd-coaching.at

… prognostizierte die Krise des Finanzsystems November 2006 und fasste sein Paper folgendermaßen zusammen: „Geld und Geldvermögen sind nicht Reichtum, sondern Anspruch auf Reichtum. Steigen diese Ansprüche über viele Jahre rascher als die Wertschöpfung, verlieren sie an Glaubwürdigkeit. Eine Korrektur der Vermögenswerte ist vorprogrammiert. Die Finanzindustrie reagiert auf die Schieflage, indem sie das Tempo des Vermögensspiels weiter akzeleriert und hybride Formen hervorbringt. Die Vermögensansprüche (stocks) steigen weit hinauf und werden umso tiefer fallen. Die Wirtschaft (flows) werden sie mitreißen. Es wird höchste Zeit darüber nachzudenken, wie das Spiel neu aufzusetzen ist.“
Nachhaltigkeit ist nicht dieses oder jenes, sondern dieses und jenes, und zwar in einer bestimmten Gewichtung oder Ordnung. Spezialwissenschaften und spezialisiertes Denken sind daher durch systemisches Wissen und Denken in (dynamischen) Ordnungen abzulösen. Grundlage von allem ist Aufmerksamkeit und Achtsamkeit – für die Gegenwart. Daraus kann Nachhaltigkeit entstehen. Gedanken über die Zukunft im Sinne der Modellierung von Auswirkungen jetzigen Handelns sind zusätzlich sinnvoll.
Der Mensch ist ein über sich selbst unendlich hinausweisendes Wesen. Entwicklung ist daher Wachstum. Wirtschaftswachstum kann und muss auf Dauer allerdings mit Schrumpfung des Materialdurchsatzes verbunden sein. Sieben Milliarden Menschen können nur friedlich miteinander leben, wenn sie mit Naturressourcen sparsamer und klüger umgehen. Geld ermöglicht eine Entmaterialisierung der Produktion. Dazu muss nicht nur das Steuersystem radikal umgebaut, sondern auch das enge Profitdenken überwunden werden.
Die Finanzkrise ist eine große Chance, dazuzulernen.
 
 
 
Heinrich Kohlmeyer
Berater für angewandte, spirituelle Metaphysik – metaSpirit®

Das Finanz- und Wirtschaftssystem basiert auf einem Transfer von Macht und Verantwortung. Indem die Menschen ihre Eigenverantwortung abgeben und diese Verantwortung von den  kollektiven Gestaltern (z.B. Management, Politik, Banken, usw.) angenommen wird, entsteht ein mit den Gesetzen von „richtig und falsch“ versehenes Machtgefälle. Es ist die Lebensenergie für alle WIR-Konzepte bei denen das einzelne Individuum eine untergeordnete Rolle spielt.
Nun verlagert der Mensch seine Macht vom WIR auf das ICH, um eigenverantwortlich sein zu können. Damit entzieht er den bestehenden Systemen die Energie und sie brechen zusammen. Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise ist eine Auswirkung dieser Veränderung des menschlichen Bewusst-Seins. Sie zeigt uns, dass sich der Mensch als Maßstab in den Mittelpunkt aller Dinge bringt und er nicht mehr bereit ist, sein ICH einem dominanten WIR unterzuordnen. Die einfache Lösung der Systemprobleme liegt in einer Schaffung echter Rahmenbedingungen für das ICH-Bewusst-Sein. Man kann es auch als „ehrliche Hinwendung zum Menschen“ bezeichnen.

Verlinkung zu meinem Artikel „Die Neue Ebene in Management und Wirtschaft“:
http://www.metaspirit.at/seiten/5publikationen/managment/Neue_Ebene_druck.html

 
Verlinkung zu meinem Artikel „Ein Neuer Ansatz zur Maximierung des Gewinns“:
http://www.metaspirit.at/seiten/5publikationen/managment/Gew_Maxi_druck.html
 
 
Dr. Stefan Gara
Föhrenbergkreis

Die Grenzen des Wachstums werden uns gerade brutal vor Augen geführt: der Zusammenbruch der Finanzwirtschaft, die massive Verknappung der Ressourcen (peak oil), die Klimakrise. Wir leben in einer alternden Volkswirtschaft, deren Zuwachsraten nur mehr durch exponentielles Wachstum der Finanzwirtschaft (Zinseszinseffekte) - auf Kosten der Realwirtschaft - aufrecht erhalten werden konnte. In der Natur sind alle realen Wachstumsvorgänge letztlich begrenzt, da die Ressourcen, aus welchen sich das Wachstum speist, nicht unbegrenzt vorliegen. Exponentielles Wachstum führt zum Tot des Organismus. Diese „Schutzfunktion“ der Natur stabilisiert das Gesamtsystem. Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen und neue nachhaltigere (Wirtschafts)strukturen aufbauen, muss uns die Natur als Vorbild dienen. Zukunftsfähigkeit – Sustainability - braucht Vielfalt und dezentrale Strukturen als Strategie zur Erhöhung der Ausfallsicherheit und Autarkie, Puffer um Systeminstabilitäten abzufedern und Rückkopplungsmechanismen die uneingeschränktes quantitatives Wachstum verhindern. Nur dann kann es uns gelingen unser Überleben zu sichern.
 
Föhrenbergkreis
 

zum Blog des Föhrenbergkreis
 
 
 
 
 
 
 
 

 
Wir laden Sie ein, mit uns in Dialog zu treten und Ihre Ansichten zum Thema „Krise“ und den individuellen Beiträgen mitzuteilen. Wir werden die gesammelten Kommentare in regelmäßigen Abständen online stellen und freuen uns bereits über Ihre Beiträge.

Das Team von www.nachhaltigkeit.at – das österreichische Nachhaltigkeitsportal

Ihre Kommentare bitte an: nachhaltigkeitsportal@lebensministerium.at

28.02.2009, nachhaltigkeit.at