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Web 2.0 Sustainopreneur Dania Gerhardt im Interview

Amazee ist ein Schweizer Startup-Unternehmen mit Sitz in Zürich und einer Repräsentanz in San Francisco, USA. Gegründet wurde es im Herbst 2007 von Dania und Gregory Gerhardt sowie Prodosh Banerjee.

Amazee ermöglicht und fördert die Zusammenarbeit im virtuellen Raum. Diese so genannte Social Collaboration findet auf Amazee in offenen und geschlossenen Projekten statt. Das kann beispielsweise das Zusammenstellen eines multinationalen Fussballteams sein oder der Aufbau eines Breitbandinternet-Netzes in ländlichen Regionen Afrikas. Amazee bietet seinen Mitgliedern die perfekte Plattform, um sich zusammenzuschliessen und gemeinsame Ziele zu veröffentlichen und zu verfolgen.
 
Das Amazee-Team glaubt an die Kreativität und den Goodwill seiner Mitglieder und ermutigt jeden, seine Ziele zu verfolgen und sie auf Amazee zu veröffentlichen. Denn auf Amazee hat jeder die Möglichkeit, die Welt zum Besseren zu verändern – und dabei Spaß zu haben. (Selbstbeschreibung Amazee.com)

 
Dania Gerhardt
Foto: (c) Amazee
Kurzbiographie: Dania Gerhardt wurde 1979 in Genf geboren und verbrachte ihre ersten Lebensjahre in San Diego, Kalifornien. 1987 zog sie mit ihrer Familie zurück in die Schweiz, nach Basel. Nachdem sie 2002 ihren Master in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel gemacht hatte, arbeitete sie bis 2007 als Wirtschaftsprüferin und Beraterin für das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG. Seit 2007 schlägt ihr Herz für Amazee. Als eine der drei Gründer von Amazee ist sie Finanzchefin und die Leiterin der Business-Operations.
 
Für nachhaltigkeit.at ist Hannes Offenbacher mit Dania Gerhardt im Gespräch über die Potentiale von Web 2.0 für eine nachhaltige Entwicklung.
 

 

Derzeit wird das Web 2.0 von einer grünen Welle erfasst. Immer mehr Blogs, Plattformen und online Magazine mit dem Fokus Nachhaltigkeit (Umwelt, Klima, Soziales, Fairtrade, etc.) gehen an den Start. Wie erlebst Du diese Entwicklung?

Sehr positiv natürlich! Das Web ermöglicht es Aktivisten auf eine ganz neue Art und Weise, die Bevölkerung für gewisse Themen zu sensibilisieren. Dies passiert momentan im Bereich der Nachhaltigkeit und ist dort auch dringend nötig. Natürlich braucht es auch eine Zeit, bis die "grüne Welle" von den Nischenmedien in den Medien-Mainstream schwappt. Wenn die Themen dort angekommen sind, wird sich eine Menge bewegen!

Du bist selbst Mitgründerin einer solchen Plattform. Mit „Amazee.com“ wollt ihr jenen unterstützen, die mit Projekten die Welt verbessern wollen. Wie kam es zu dieser Ideen und wie funktioniert Amazee?

Amazee ist eine logische Weiterentwicklung von bestehenden, klassischen Social-Networking-Plattformen. In den letzten Jahren haben sich sehr viele Internetnutzer mit klassischen Web-2.0-Anwendungen vertraut gemacht, selber Inhalte ins Web gestellt und sich mit Freunden vernetzt. Diese Generation hat sich weiterentwickelt und möchte das Web auch nutzen, um produktiv zu sein und gesellschaftliche Ziele zu erreichen. Amazee ermöglicht es diesen Personen und Organisationen, ihre Ideen und Vorhaben in Projekten zu initiieren, diese zu promoten, Gleichgesinnte zu finden und sich finanzielle Unterstützung zu sichern. Amazee ist das globale Aktionsnetzwerk!

Beispiele für erfolgreiche Projekte bei Amazee sind der Aufbau eines Internet-Ausbildungszentrums in Sri Lanka, die Planung von Internet-Unternehmertreffen in Zürich oder die Sicherstellung einer lückenlosen Wasserversorgung in einem südafrikanischen Dorf.

Ihr setzt damit voll und ganz auf Web 2.0. Welche Vorteile und Zukunftspotentiale siehst Du darin im Kontrast zu konventionellen Medien?

Auf Amazee werden Ziele zu Projekten und Projekte zu konkretem Handeln. Bei Amazee kann jeder Mensch ein Projekt lancieren und so Einfluss nehmen. Dies geht in konventionellen Medienformaten nicht.
 Im Web 2.0 ist der individuelle Nutzer am Hebel und hat die Macht, etwas zu bewegen. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Vor Kurzem hat eine amerikanische Amazee-Benutzerin ein Projekt aufgesetzt und innerhalb von 4 Tagen über 10.000 US-Dollar dafür gesammelt. Wie? Mit einem informativen und attraktiven Projekt auf Amazee und der Verbreitung via Facebook, Twitter und Co. Ich glaube da müssen wir gar nicht mehr weiter diskutieren, was das Potential von Web 2.0 im Kontrast zu konventionellen Medien ist: es ist offensichtlich.

Dennoch sehen wir klassische Medien als interessante potentielle Partner: Auf Amazee entstehen authentische, spannende Projekte, die auch in anderen Medien für gute Leserunterhaltung sorgen. D.h. es braucht Web 2.0 für die Entstehung dieser Aktionen und Geschichten, aber auch konventionelle Medien, um diese weiter hinaus zu tragen.

Obgleich man tagtäglich von Web 2.0 hört, entdeckt die eigentliche Wissenselite in Sachen Nachhaltigkeit noch sehr langsam die ersten Vorteile darin – die Wenigsten nutzen es. Woran mag das Deiner Meinung nach liegen?

Wir bemerken, dass Bildungsinstitutionen, staatliche und staatsnahe Institutionen teilweise Mühe haben, mit dem, was das Web 2.0 ausmacht: Interaktivität und Partizipation. Viele Verantwortliche bei Unternehmen und Organisationen müssen sich zuerst an die Vorstellung gewöhnen, andere Menschen mitreden zu lassen und loszulassen von der vollständigen Kontrolle. Web 2.0 bedeutet nicht nur informieren, sondern auch diskutieren und andere Meinungen anhören und Ernst nehmen.
 
Dennoch bemerken wir bei Amazee einen klaren Trend in die richtige Richtung: Immer häufiger bekommen wir von Universitäten, Bundesstellen oder anderen Institutionen Anfragen, wie sie soziale Netzwerke und Plattformen wie Amazee besser nutzen können und so besser mit ihren Zielgruppen und Stakeholdern kommunizieren können. Sie erkennen langsam, dass das Teilen von Informationen mehr Wert ist, als das Horten und die Chancen die Risiken aus der Offenheit im Web 2.0 eindeutig überwiegen.

Welche Web 2.0 Dienste und Plattformen sind für Dich derzeit die wichtigsten? Welchen schreibst Du das größte Zukunftspotential zu?

Für mich hat klar Twitter das größte Zukunftspotential der breiten Web-2.0-Dienste. Ich selber nutze Twitter auch und sehe wirklich einen echten Mehrwert daraus. Weiter nutze ich Facebook und Xing regelmäßig. Diejenigen Dienste, die es dem Nutzer leicht machen, einen Einstieg zu finden und die Nutzung attraktiv und intuitiv gestalten, werden langfristig erfolgreich sein. Twitter ist in dieser Hinsicht sicherlich derzeit das Nonplusultra, bei einem Dienst wie Facebook ist das Ende der kreativen Fahnenstange dagegen noch nicht erreicht.

Auf Amazee.com wurden bereits über 1000 Projekte eingestellt, 73 Allianzen gegründet. Regelmäßig schüttet ihr echtes Geld für Projekte aus. Im Hintergrund von Amazee.com steht eine Aktiengesellschaft mit Investor. Das klingt nach einem ernsten Geschäft. Wo seht ihr Euch in 3 Jahren?

Unsere Vision ist, dass Amazee in drei Jahren DAS globale Aktionsnetzwerk ist. Amazee soll zu einem Hub für Projekte jeder Art werden, so wie Flickr für Fotos und Youtube für Videos. Die globale Ausrichtung ist uns sehr wichtig. Wir haben bereits jetzt einen Drittel aller Benutzer aus den USA und Projekte aus ganz verschiedenen Ländern. Es sollen immer mehr länderübergreifende Bewegungen entstehen, denn viele gesellschaftliche Herausforderungen kennen keine Länder- und Sprachengrenzen.
 
Danke für das Gespräch!
 
 
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01.04.2009, Nachhaltigkeit Home