http://www.nachhaltigkeit.at
Home

Das Österreichische
Nachhaltigkeitsportal

Servicelinks

Hauptnavigation

Suche



Inhalte

Dialog des Monats 04/09: Nachhaltigkeitsblogger über das Potential von Web 2.0

Was kann Web 2.0 für eine nachhaltige Entwicklung leisten? Diese Frage stellte nachhaltigkeit.at ausgewählten Bloggern, die sich mit Netzkultur, Nachhaltigkeit und Umweltschutz beschäftigen und mit den Web 2.0-Welten vertraut sind.

 
Hannes Offenbacher
RSS Zeichen
Foto: wordpres...
(selbst Blogger) erbat aus seinem Blognetzwerk Antworten auf das Fragenbündel: 
 
„Wo liegen die großen Potentiale von Web 2.0 für die Beschleunigung hin zu einem neuen Nachhaltigkeits-Bewusstsein der breiten Masse und wie kann Web 2.0 – ganz konkret an Beispielen - zu einer nachhaltigen Entwicklung bzw. einer nachhaltigen Lebensweise der Gesellschaft führen?“
 

Nachfolgend finden Sie die spannenden und teils ausführlichen Antworten von:

 

  1. Roman Mesicek (Geschäftsführer von respACT)
  2. Sebastian Backhaus (Inhaber von Backhaus Marketingberatung)
  3. Roland Dunzendorfer (Projektleiter von BOKUfirst)
  4. Oliver Selaff (Mitgründer des Zunft[institut] )
  5. Reto Stauss (Schweizer Nachhaltigsblogger)
  6. Christoph Harrach (Marketingberater und Konsumblogger)
  7. Andreas Kühl (Energieeffizienz Blogger)
  8. Klaus Werner-Lobo (Autor & Clown)
 
 
 
Roman Mesicek
Foto: (c) Fotostudio...
ROMAN H. MESICEK

Geschäftsführer von respACT - austrian business council for sustainable development
CSR Blog von Roman Mesicek
Xing Profil

Hilft die Beschleunigung bei der Entschleunigung?
Die Menschheit hat eine Geschwindigkeit erreicht – bei Konsum, Kommunikation, Arbeit und in Beziehungen – bei der der Einzelne und unsere Umwelt vielfach auf der Strecke bleiben. Nachhaltigkeitsexpertinnen und -experten fordern deshalb seit langem schon eine Entschleunigung unseres Lebensstils in Industrienationen, ein Überdenken der Werte die unsere Gesellschaft ausmachen, und rufen ganz allgemein zum Verzicht auf. Ziel all dieser Bemühungen ist es, eine nachhaltige Lebensweise unserer Gesellschaft zu erreichen.

Vielen Mitgliedern der eingeschworenen Nachhaltigkeits-Community mag es deshalb sauer aufstoßen, wenn jetzt die These aufgestellt wird, dass eben diese neue Technologien einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, dem Ziel der Nachhaltigen Entwicklung näher zu kommen. Ich möchte jedoch für letzteres – ohne dabei in Euphorie zu verfallen – eine Lanze brechen. Anbei deshalb an dieser Stelle drei Beobachtungen, die mich darin bestärken, das neue Medien das Potential haben, die Diskussion rund um Nachhaltigkeit voran zu treiben:

Einer meiner (persönlichen) Kritikpunkte an der Nachhaltigkeitsszene war immer die strikte schwarz/weiß Trennung in Befürworter und Akteure sowie jene die nichts mit dem Thema am Hut hatten bzw. diesem kritisch gegenüber standen. Schnittpunkte waren rar, Feindbilder beiderseits schnell und einfach gefunden. Das Web 2.0 mit seinen neuen Plattformen und unmittelbaren Kommunikationswegen führt zu einer Verwischung dieser Grenze. Eine neue, junge Nachhaltigkeits-Szene ist im entstehen. Ohne Berührungsängsten zu NGOs, Politikern, Wissenschaftern oder UnternehmerInnen. Ohne alte Dogmen, aber mit vielen neuen Ideen.


Im Mittelpunkt dieser jungen Szene – der sich nebenbei auch immer mehr „alteingessessene“ öffnen – steht die Vernetzung. Sei es der gemeinsame Einsatz für übergeordnete Anliegen über soziale Netzwerke, als Beispiel die Gruppe „100.000 Gesichter für die Chance Nachhaltigkeit“ auf Facebook, das Anbahnen von Geschäftsbeziehungen und Partnerschaften auf Xing oder das Modell des Crowd-Sourcing bei neuen Sustain-Events, bei der die Termine für Nachhaltigkeitsveranstaltungen von jedem Veranstalter selbst eingepflegt werden. All das sind Beispiele, wie das Internet hilft, die –weltweite – Vernetzung zu fördern.


Nebeneffekt der guten Vernetzung und auch Charakteristikum der jungen Szene: Nachbarschaftshilfe steht hoch im Kurs. So helfen Micro-Blogging Dienste wie Twitter dabei, rasch Auskunft zu erhalten. Oft schon Minuten, nachdem man eine Frage formuliert und abgesendet hat, erhält man Antworten und Tipps. Der Zugang zu den relevanten Informationen passiert so einfacher und schneller, weil die Gruppe gleichzeitig als Filter fungiert, der (aus)sortiert und gewichtet.

Zurück zu der Eingangsfrage: Hilft die Beschleunigung bei der Entschleunigung? Ehrlicherweise muss eine Antwort derzeit Nein lauten. Abschätzen lässt sich jedoch, dass das Web 2.0 der Verbreitung des Gedankenguts der Nachhaltigen Entwicklung bereits jetzt einen unheimlichen Schub gegeben hat und in Zukunft wohl noch einiges mehr an Dynamik zu erwarten ist. Was wiederum langfristig das Potential hat, uns einer – entschleunigten – nachhaltigen Gesellschaft näher zu bringen.
 
Sebastian Backhaus
Foto: Sebastian Back...
Sebastian Backhaus

Inhaber von Backhaus Marketingberatung
Blog von Sebastian Backhaus
XING Profil

Das Web 2.0 bietet eine Reihe an Möglichkeiten um das Thema Nachhaltigkeit einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Machen wir jedoch zuerst eine Momentaufnahme. Was hat sich in letzter Zeit in der Online-Welt getan?

Wir haben vollkommen neue Dienste und Angebote im Web 2.0. Hierunter lassen sich Communities, Blogs, Wikis, Twitter, Foren, File-Sharing, Bild- und Video-Datenbanken, RSS-Feeds, Podcasts, Bewertungstools, Tags, e-Learning, Social Bookmarking und eine Reihe weiterer Dienste zusammenfassen.
Die Auswirkungen dieser neuen Angebote und Dienste lassen sich kurz zusammengefasst wie folgt beschreiben:

Das Web 2.0...

· ermöglicht soziale Vernetzung und bringt Menschen zusammen
· bietet ideale Voraussetzungen für eine schnelle Informationsübermittlung
· erhöht die Reichweite der Kommunikation
· bietet Nischenthemen eine Plattform
· wird zum "Mitmachweb"
· stellt neue Öffentlichkeiten her
· hat einen Paradigmenwechseln in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden geschaffen
· ermöglicht neue Formen des Wissensmanagements
· schafft Transparenz
 
Welche dieser Auswirkungen lassen sich für die Verbreitung nachhaltiger Themen nutzen bzw. wo gibt es bereits Beispiele dafür, dass dies geschehen ist?

Soziale Vernetzung: Durch Social Communities, Blogs und Twitter-Accounts finden gleich gesinnte Menschen zueinander. Sie verknüpfen sich, tauschen sich aus und verbreiten ihr Wissen auch an Menschen, die bisher keine Berührungspunkte mit nachhaltigen Themen hatten. Aus diesen Online-Kontakten entstehen wiederum echte Begegnungen und Aktionen im realen Leben. Hierzu lassen sich auch Barcamps, wie zum Beispiel das Greencamp von KarmaKonsum http://www.karmakonsum.de/greencamp, zählen. Weitere Beispiele sind das Bloggertreffen der Nachhaltigkeitsblogger http://www.bloggertreffen.org oder Carrotmob http://www.carrotmob.org aus San Francisco.

Schnelle Informationsübermittlung: Informationen verbreiten sich durch das Web 2.0 schneller als über alle bisherigen Kommunikationskanäle. Positive Nachrichten aber auch negative Entwicklungen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft erreichen Menschen durch das Web 2.0 wesentlich früher als noch vor ein paar Jahren.

Reichweite der Kommunikation: Informationen lassen sich durch die Möglichkeiten des Web 2.0 einfach verbreiten. Es sind heutzutage nicht mehr nur die klassischen Medien, die die Menschen mit Informationen versorgen. Die vielen Angebote und Dienste des Web 2.0 ermöglichen es Menschen die Informationen der klassischen Medien oder die eigenen Informationen zu verbreiten.

Plattform für Nischenthemen: Nachhaltige Themen haben in der Vergangenheit in den klassischen Medien eher weniger Beachtung gefunden. Durch die neuen Angebote des Web 2.0 haben nachhaltige Themen eine eigene Plattform gefunden. Die Vernetzung der Menschen, die über Nischenthemen schrieben oder in anderer Weise berichten kann zu Trends führen, die die großen Medien wiederum aufgreifen.

Mitmachweb: Nicht nur durch Blogs, Social Communities oder Twitter kann sich inzwischen jeder im Internet engagieren. Es gibt eine Vielzahl an Internetseiten, die Besucheraktionen zulassen. So gibt es neben unterschiedlichsten Bewertungsseiten inzwischen auch Online-Petitionen wie www.avaaz.org/de oder vorformulierte E-Mails von Organisationen, die an einen bestimmten Empfänger geschickt werden.

Paradigmenwechsel in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden: Die Gewinner des Web 2.0 öffnen sich ihren Kunden im Internet, gehen auf sie ein und führen einen offenen und ehrlichen Dialog mit ihnen. Die klassische Werbung, bei der es den Sender und Empfänger einer Botschaft gibt, greift im Web 2.0 nur bedingt. Unternehmen müssen lernen damit umzugehen. Für nachhaltige Unternehmen und Organisationen bietet sich dieser Kommunikationskanal gerade zu an, da sie von sich aus für Transparenz und einen offenen Dialog stehen. Es gibt bereits eine Vielzahl an Unternehmen, die diese neuen Möglichkeiten (wie zum Beispiel Corporate Blogs) nutzen: GLS Bank, MEMO und Hess Natur.

Neue Formen des Wissensmanagements: Wikipedia ist das beste Beispiel für eine neue Form des Wissensmanagements im Internet. Neben Blogs, die auch als Wissensspeicher gezählt werden können, gibt es eine Reihe weiterer Beispiele für innovatives Wissensmanagement, gerade auch im Bereich nachhaltiger Themen. Das Wiki für grüne Themen ist Green Wiki: http://green.wikia.com/wiki/Wikia_Green

Transparenz: Menschen verlangen immer mehr Informationen über Unternehmen, Produkte und Prozesse. Neben Corporate Blogs bieten inzwischen auch Online Spenden-Portale wie zum Beispiel Helpedia http://www.helpedia.de oder betterplace http://www.betterplace.de die notwendige Transparenz in Hinsicht auf die Vorstellung einzelner Projekte und der Verwendung der Spendengelder, die viele Menschen bisher vermisst haben.

Es gibt eine Reihe weiterer Beispiele, wie das Web 2.0 nachhaltigen Themen und Veränderungen gerecht werden kann:

· Die Earth Hour http://www.earthhour.org wurde unter anderem dank den Möglichkeiten des Web 2.0 weltweit zur größten Umweltaktion des Jahres. Die Möglichkeiten Informationen global verbreiten zu können und Menschen verschiedene Interaktionsmöglichkeiten zu bieten haben mit unter zu diesem Erfolg geführt.
 
· Die Internetseite Utopia http://www.utopia.de ist ein Portal für strategischen Konsum. Neben eigenen redaktionellen Beiträgen wird den Besuchern ein eigener Community-Bereich geboten, in dem sie sich über ein nachhaltigeres Leben austauschen können.

· Unternehmen können durch die Möglichkeiten des Web 2.0 unter öffentlichen Druck geraten. Organisationen wie zum Beispiel Foodwatch http://www.foodwatch.de oder der Klimalügendetektor http://www.klima-luegendetektor.de finden im Internet eine breite Öffentlichkeit und prangern Missstände bei Unternehmen und Organisationen an.

· Das Web 2.0 bietet Unternehmensgründern eine ideale Plattform, um auch rein online neue Geschäftsmodelle an den Start zu bringen. Im Bereich fair gehandelter Organic-Kleidung gibt es eine Reihe innovativer Unternehmen, die dank des Web 2.0 einen interessanten Vertriebsweg gefunden haben.
 
Das Web 2.0 bietet der Verbreitung nachhaltiger Themen eine neue Chance. Es sind nicht nur Chancen für nachhaltige Organisationen und Unternehmen, die ihre Botschaften mit Hilfe von neuen Angeboten schneller und effektiver verbreiten können. Es sind die Chancen für jeden einzelnen, der mit seinen Informationen andere anstecken und für mehr Bewusstsein sorgen kann. Und es sind die Chancen jedes einzelnen, dessen Stimme online zum Druckmittel gegen Missstände werden kann.

Wir sollten die Chancen des Web 2.0 nutzen: schnell, weil die Zeit drängt; kreativ, weil sie das Potential dazu bieten; und überlegt, weil das Web 2.0 nichts vergisst.

 
Roland Dunzendorfer
Foto: Roland Dunzend...
Roland Dunzendorfer

Projektleiter BOKUfirst
Blog von Roland Dunzendorfer
XING Profil

Nachhaltigkeit ist eine Lebens- .... nein, eine Überlebensstrategie. Es ist nicht die Frage, ob wir uns Nachhaltigkeit leisten können - wie die Wirtschaft oft fragt. Es ist die Frage, ob wir uns Nicht-Nachhaltigkeit leisten können. Und dazu kommt noch die Frage, wie lange wir uns Nicht-Nachhaltigkeit in der jetzigen Form noch leisten wollen.

Ich behaupte, dass kein Mensch bewusst nicht-nachhaltig lebt. Die meisten Menschen folgen einem Trend, einer Mode, dem, was die Werbung, die Medien, die Industrie einem anbietet. Dafür wurden und werden immer größere Budgets eingeplant. Früher war das die einzige Möglichkeit möglichst viele Menschen zu erreichen. Und nur über eine große Zahl an Menschen, über einen großen Bekanntheitsgrad konnte man seine Botschaft gut anbringen.

Schon seit einigen Jahren verschiebt sich ein immer größer werdender Anteil an diesem Werbebudget ins Internet-Marketing. Es war nie leichter mit einer einfachen, nahezu ortsunabhängigen Adresse (Domain), so viel an Inhalt an die Menschen, die daran interessiert sind zu bringen. Ganze Abteilungen wurden dafür eingerichtet.

Das Web 2.0 hat diese Form der Kommunikation aus den Zentralen der großen Konzerne herausgeholt und der breiten Basis zur Verfügung gestellt. Plötzlich kann jedeR an vielen Orten (Foren, Blogs, Web-Enzyklopädien, Social Networks) sein/ihr Wissen über oder seine/ihre Kritik und sein/ihr Lob an Produkten veröffentlichen und damit zur Transparenz bzw. Meinungsvielfalt beitragen. Es war noch nie so einfach sich über alles und jeden zu informieren (mit all den darin verborgenen Gefahren).

Dennoch scheint bisher gerade das Thema Nachhaltigkeit davon noch nicht im großen Maßstab zu profitieren. Die Gründe dafür liegen für mich auf der Hand. Nachhaltigkeit war lange und ist es bis heute noch eine Sache der Freiwilligkeit. Kein Gesetz, keine steuerliche Regelung verpflichtet bisher dazu, nachhaltig (in seiner gesamten komplexen Struktur) zu handeln. Viele Handlungen werden im Bereich der Freiwilligkeit gesetzt. Es gibt kaum Methoden dieses Handeln durch objektive Kriterien zu überprüfen. Um diese freiwilligen Handlungen auch zu transportieren bietet heute das Web 2.0 vielfältige Möglichkeiten.
Im Unternehmensbereich kann man Weblogs führen und damit das eigene Handeln sowie die Philosophie und der Antrieb der dahinter stehen publizieren. Ein gutes Beispiel dafür sind die Unternehmer Gutmann, Zotter und Rogner, die 2008 ihr Bad Blumauer Manifest publizierten (http://badblumauermanifest.blogspot.com/).
Organisationen stehen ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Ein gutes Beispiel dafür ist ATTAC. Vom Microblog (http://twitter.com/attacaustria) über die Community (http://community.attac.at) bis zur Wiki (http://wiki.attac.at/) wird das Web 2.0 in zahlreichen Bereichen genutzt. Die Inhalte werden dabei frei zur Verfügung gestellt (http://creativecommons.org/ oder http://en.wikipedia.org/wiki/Copyleft).

Die Möglichkeiten viele Menschen mit dem Thema Nachhaltigkeit zu erreichen sind also vorhanden und werden auch schon breit eingesetzt. Das hat dazu geführt, dass bereits sehr viele Menschen sensibilisiert sind für das Thema Nachhaltige Entwicklung. Doch hat dies im gleichen Ausmaß auch schon dazu geführt, dass diese Menschen einen nachhaltigen Lebensstil führen? Meine Antwort darauf ist: Nein!

Der Grund dafür liegt in einer sehr banalen Realität: Die Menschen sind damit beschäftigt Ihren Alltag zu bewältigen. Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und daraus resultierendes Engagement beschäftigen die meisten Menschen immer noch meist nur in ihrer Freizeit. Es müssen also Rahmenbedingungen geschaffen werden, die ein nachhaltiges Handeln zum Alltag werden lassen.
 
Oliver Selaff
Foto: Oliver Selaff
Oliver Selaff

Mitgründer des Zunft[institut]
Zunft Blog
XING Profil

Web 2.0 ist aus Sicht des Zunft[instituts] eher eine Art Themen-Wolke, nichts wirklich Spezifisches. So etwas wie "regenerative Energien". Dabei beschreibt Web 2.0 ein Teil dessen, was wir als Veränderung in der Art wie Arbeit und Austausch zwischen Menschen (auch in Unternehmen) stattfindet, wahrnehmen. Der Begriff ist 2004 geschaffen und 2005 populär geworden.

Unserer Meinung nach beschreibt das Cluetrain Manifest die Entwicklungen, die mit Web 2.0 bezeichnet werden, bereits im Jahre 1999 - und geht weit über Web 2.0 hinaus. Das Cluetrain Manifest ist so die "Mutter" oder der Quell von Web 2.0 und enthält auch die Entwicklungen, die beispielweise unter der Bezeichnung Enterprise 2.0 beschrieben werden.

Weil Web 2.0 eben mehr eine Wolke ist, versteht fast jeder etwas anderes darunter, was wiederum dazu führt, dass wirkliche Detail-Dialoge auf Augenhöhe über Inhalte und Erscheinungsformen von Web 2.0 eher selten sind.

Für den einen sind Kundenbewertung in Shops (z. B. wie bei amazon) Web 2.0, andere meinen die intelligente Zusammenarbeit von vielen (Crowdsourcing), beispielsweise in einer Wiki, wenn sie von Web 2.0 sprechen. Und alle haben Recht. Auch Erscheinungsformen wie YouTube und Facebook werden oft Web 2.0 zugeordnet. Ob des Wolken-Charakters von Web 2.0 darf auch das sein. Auch Napster, die Musiktauschbörse, war schon eine Art Web 2.0 - allerdings bereits im Jahre 1999.

Also: Web 2.0 beschreibt Entwicklungen seit 2004, die im wesentlichen im Internet stattgefunden haben und noch stattfinden. Diese Entwicklungen haben einen kleinen Teil der Welt und einen kleinen Teil der Menschen dahingehend verändert, dass diese nun zum Teil anders arbeiten, anders zusammenarbeiten und auch ein wenig anders leben. Und es ist zu beobachten, dass diese kleinen Teile, die Web 2.0 bisher erfasst hat, deutlich größer werden - wenn wir heute auch noch nicht von der "breiten Masse" schreiben können. Das Cluetrain Manifest sagt in einer seiner Kernthesen: "Märkte sind Gespräche" und wenn man so will hat Web 2.0 und damit das Internet einem Teil der Menschen diese Gespräche zurück gebracht, die in den Zeiten der Massenmedien eben weniger an der Zahl waren. "Gespräche" meint in unserer Interpretation auch das Teilen von Erlebnissen, die auf Video oder Bildern dokumentiert sind. Und Gespräche (vielleicht auch Dialoge), die per E-Mail, Chat, in Foren oder per SMS geführt werden. Auch Bewertungskommentare in Shops können ein Teil dieser Gespräche sein.

Worum geht es bei Web 2.0 für Unternehmen und Organisationen? Ich lehne mich da mal an Wilms Buhse von Core Media an:

(1) Zuhören - (kritisches) Feedback annehmen und sich dafür bedanken, denn es wird etwas dran sein, an diesem Feedback

(2) Transparenz - bringe Dich und Deine Prozesse in Ordnung und öffne Dich

(3) Bereite eine Bühne - für den Austausch und die Reputation rund um Dein Tätigkeitsfeld

That’s it. Und alle die, für die das jetzt komisch klingt oder gar anarchisch, die nicht so recht daran glauben können oder wollen, werden zukünftig ein Problem bekommen. Diese Menschen werden versuchen Web 2.0 aufzuhalten, sie werden dagegen kämpfen und dann werden sie irgendwann das Zittern anfangen.
All das hat mit Wandel zu tun. Und eben mit Menschen - mit immer mehr Menschen.
 
Wer in der Vergangenheit Web 2.0 als Internet-Quatsch oder die nächste Blase oder Hype abgetan hat, hat sich nicht bewusst gemacht, dass Web 2.0 auf das Vertrauen unter Menschen aufbaut. Und das Zittern bezog sich eben auf die Menschen, die ein Problem mit diesen Prozessen haben ... meist im mittleren Management verortet. Buhse nannte die Menschen die "Lehmschicht" oder die "Strombergs", die es in jeder Firma gibt und denen wir dann frohes Zittern wünschen möchten. So hat der Wandel zum Web 2.0 oder zur Enterprise 2.0 immer auch etwas mit Erneuerung zu tun - an einigen Stellen schneller, an anderen langsamer.

Jetzt werden Sie wohl denken: "Und was ist jetzt mit der Nachhaltigkeit?

Hier soll es doch auch um Nachhaltigkeit gehen?" Und es soll auch Beispiele geben ...
Für uns ist es nicht die Nachhaltigkeit alleine, die sich im Wandel deutlich zeigt. Es ist vielmehr ein Zusammenspiel der Themen Innovation, Wissen und Nachhaltigkeit begleitet von den Katalysatoren Transparenz und Vertrauen.

Wir sprechen in diesem Zusammenhang von "organisatorischer Nachhaltigkeit", die den vorbildlichen und fairen Umgang von Organisationen und Unternehmen mit ihren Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten zum Inhalt hat. Und genau an dieser Stelle unterstützt Web 2.0 - innerhalb und außerhalb einer Organisation oder eines Unternehmens.

Und wie kann Web 2.0 – ganz konkret an Beispielen - zu einer nachhaltigen Entwicklung bzw. einer nachhaltigen Lebensweise der Gesellschaft führen?
 
Diese Frage kann nur Generations-spezifisch beantwortet werden. So geht die Generation der sog. "Digital Natives" (geboren zwischen 1972 bis 1997) bereits heute ganz anders mit dem Themen Nachhaltigkeit und Transparenz um, als es ältere Generationen tun. Auch ist diese Generation aus unser Sicht mit verantwortlich für die schnelle Entwicklung des Konsumtyps LOHAS (lifestyle of health and sustainability) auch in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Der Kernunterschied dieser Generation zu älteren ist die Ablösung des Leitmediums TV (Masse) durch Internet und Mobiltelefon (Individuum). Und Beispiele gibt es alleine aus dem Umfeld von Facebook, Twitter und YouTube unzählige. Die älteren Generationen lernen gerade wieder zu lernen und so setzt sich hier der Nachhaltigkeits-Trend ein wenig langsamer durch.

Getragen wird dieser aber auch in diesen älteren Generationen durch das Internet und Mobiltelefone.
Wir sehen die Nennung und Beschreibung von konkreten Beispielen über diese eben genannten hinaus als ein wenig zweischneidig an. Oft wird nach Beispielen verlangt, damit man sehen kann, dass es funktioniert. "Wenn der das schafft, schaffe ich das auch?" Hier ist dann das Nachmachen und Kopieren von scheinbar erfolgreichen Strategien der nächste Schritt. Unsere Gesellschaft - so scheint es für uns - braucht immer jemanden der voraus geht, jemanden, der den Mut hat einen Pfad zu finden, jemanden, der mit Fehlern umgehen kann, der auch einmal falsch liegen kann. Im Themenbereich Nachhaltigkeit geht es aber vielmehr darum, dass jeder seinen eigenen Pfad findet. Nachhaltigkeit hat sehr viel mit Identität und Authentizität zu tun - und diese Eigenschaften sind für jede Organisation und Unternehmung individuell. Darum nutzen konkrete Beispiele auch recht wenig.
 
Gehen Sie los, seien Sie mutig ... und finden Sie Ihren eigenen Web 2.0 Pfad. Ein Pfad, der die Zukunftsfähigkeit Ihrer Organisation (nachhaltig) sichern hilft.

Zur Person: Oliver Selaff ist einer der Mitgründer des Zunft[instituts] und spezialisiert auf die Gebiete Wissenskonversation, Kommunikation und Internet. Er schreibt auch regelmäßig zu diesen und anderen Themen im Zunft[blog] unter http://blog.zunftnetz.org 
 
Reto Stauss
Foto: Reto Stauss
Reto Stauss

Blog von Reto Stauss
XING Profil:

Bezüglich der Bewusstseinsveränderung via Web 2.0 bin ich skeptisch, denn es sind immer die gleichen Menschen, welche aktiv sind (90-9-1-Regel), und auch Web 2.0 ändert daran erstmals nichts. Die breite Masse, so fürchte ich, "will" immer noch geführt werden, und dies geschieht durch diejenigen, welche "führen", d.h. die Regeln in Gesellschaft und Wirtschaft aufstellen.

Das Potential von Web 2.0 liegt aus meiner Sicht darin, dass sich die Veränderer global, ortsunabhängig und hierarchiefrei vernetzen und dadurch in dem Sinne kritische Massen bilden können, dass sie von den Machtinhabern angehört werden (müssen).

Weiterführender Artikel von Reto Stauss zu „Öko 2.0 auf dem Weg zur kritischen Masse

 
Christoph Harrach
Foto: Christoph Harr...
Christoph Harrach

Blog von Christoph Harrach
XING Profil
 
Meine These ist: Die Märkt werden durch das Web 2.0 transparenter! Transparenz ist eine zentrale Forderung von neogrünen Konsumenten.

Die Kunden schließen sich im Web 2.0 zu „Communities of Interest“ zusammen (Social Networking) Die Vernetzung führt zu einer Schwarmintelligenz, die größer ist als die der Unternehmen. Der User Generated Content (UGC) bricht die Informationshoheit der Massenmedien auf und es entstehen neue vertrauenswürdige Informationsquellen! Kunden können immer leichter Druck auf Unternehmen ausüben. Gutes Beispiel ist die „Green My Apple“ Kampagne von Greenpeace.

Auswirkungen auf das Marketing: Markenhalter verlieren im Web 2.0 die Kontrolle über die Marke. Stichwort Twitter. Durch eine offene Haltung können Unternehmen viel von Ihrer Community lernen, um die Produkte nachhaltiger und besser zu machen.

 
Andreas Kühl
Foto: Andreas K&#252...
Andreas Kühl

Energieeffizienz Blog
XING Profil
 
Wichtig ist für mich ein e breite Masse an Lesern zu gewinnen, um sie von einer nachhaltigen Lebensweise - bei mir das Thema Energieeffizienz und erneuerbare Energien unter www.energynet.de - zu überzeugen. Das heißt auch ohne große Einschnitte im Lebensstil oder große Investitionen, denn das will die breite Masse der Bevölkerung nicht oder nur selten.

Mit Hilfe von sozialen Netzwerken kann man seine Ideen weiter verbreiten und selbst Anregungen für das eigene Verhalten oder Ideen erhalten. Man kann sich austauschen, z.B. mit welchen Maßnahmen im Haushalt am meisten Energie eingespart werden kann oder wie die künftige Energieversorgung aussehen soll. Ohne Web2.0 wäre dies so nicht möglich, die Kommunikation wäre einseitig und Kritik oder weitere Ideen können nicht über Kommentare im Blog, im Netzwerk oder über Twitter ausgetauscht werden. Die Möglichkeiten des Web2.0 schaffen eine größere Aufmerksamkeit oder Vernetzung als herkömmliche Organisationen oder Gruppen, um erfolgreiche Aktionen oder Ideen zu starten.

 
Klaus Werner-Lobo
Foto: Klaus Werner-L...
Klaus Werner-Lobo

Autor (Schwarzbuch Markenfirmen, Uns gehört die Welt)
Blog (Webiste) von Klaus Werner-Lobo 
XING Profil
 
Information ist die Grundlage für nachhaltige Veränderung, und hinter Informationen stehen immer Interessen. Darin liegt auch das größte Potenzial von Web 2.0: Dass Interessen hier auch von jenen artikuliert und werden können und öffentliche Aufmerksamkeit finden, die über keine großen Kapitalvermögen verfügen und deren Interessen nicht primär profitorientiert sind, sondern letztendlich dem Gemeinwohl dienen.
 
 
 
*Leider konnten wir trotz bewusster Suche keine weibliche Bloggerinnen zum Thema Nachhaltigkeit für den Dialog des Monats finden. Wir freuen uns über Empfehlungen für spätere Beiträge!

03.04.2009, Nachhaltigkeit Home