Monatsthema 07/09: Qualitätssicherung für gesellschaftliche Verantwortung
Soziale Verantwortung gewinnt nicht nur in Unternehmen, sondern in allen Arten von Organisationen immer mehr an Bedeutung. Im Zuge dessen stellt sich zunehmend auch die Frage, wie und anhand welcher Kriterien Qualitätssicherung für gesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen werden kann.
Bereits seit einigen Jahren gibt es Bestrebungen dies in Normen und Richtlinien umzusetzen. Dieses Monatsthema beschäftigt sich daher mit der Frage der Qualitätssicherung für Soziale Verantwortung und im Speziellen mit der ISO 26000.
Die Frage nach der Qualität von Produkten ist ebenso alt wie die Geschichte der Güterproduktion. Die folgende Tabelle stellt einen kurzen geschichtlichen Abriss zur Entwicklung des modernen Qualitätsmanagement dar:
| Zeit | Art | Beschreibung |
| altes Ägypten | Längenmesstechnik | Kontrolle beim Bau der Pyramiden |
| Mittelalter | Schaumeister / Regelwerke | Zünfte setzten Schaumeister zur Kontrolle ein. Das Wissen darüber wurde in Regelwerken festgehalten |
| um 1900 | QualitätskontrolleNormen und Standards | Taylorismus; Entfernung von fehlerhaften Produktteilen; viele je Unternehmen unterschiedliche Normen und Standards |
| um 1930 | Qualitätsprüfung | Produktionssteuerung mit Hilfe von Statistik |
| um 1960 | Vorbeugung | vorbeugende Maßnahmen (Deming), Null-Fehler Programm (USA, Verteidigungsministerium) |
| 1980er-Jahre | Null-Fehlerstrategie, internationale Normen | Six-Sigma (z.B.: General Electric); Entwicklung der ersten internationalen Norm ISO9000 |
| 1990er-Jahre | Total-Quality Management | durchgehendes Qualitätsmanagement für das gesamte System |
Um Qualität von Produkten, Dienstleistungen oder Prozessen sicherzustellen und überprüfbar zu machen wurden zahlreiche Modelle und Tools entwickelt. Die bekanntesten Systeme sind das TQM-, EFQM-Modell oder auch KVP/Kaizen oder das Modell der ISO9000. Ebenso existieren unterschiedlichste Methoden und Werkzeuge wie zum Beispiel die RADAR-Logik, Six Sigma, TRIZ, Quality Function Deployment (QFD), Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA), Statistische Prozess-Regelung (SPC), Versuchsplanung (DoE), Pareto-Analyse, Ursache-Wirkungsdiagramm, Ishikawadiagramm, Fehler-Prozess-Matrix (FPM) oder die Fehlerbaumanalyse.
Von den bekannten ökonomisch orientierten, auf die Produktebene abzielenden Modellen war es ein nachvollziehbarer Schritt, Qualitätssicherung auch bei Gesellschaftlicher Verantwortung zu fordern. In den Anfängen wurden bereits bekannte Methoden und Werkzeuge auf Gesellschaftliche Verantwortung umgelegt bzw. angepasst. Zum Beispiel wurde die Balanced Scorecard für das Drei-Säulenmodell der Nachhaltigkeit transformiert (Sustainability Balanced Scorecard). Damit wird die Verbindung mit der Managementsystematik hergestellt: Setzt eine Organisation Gesellschaftliche Verantwortung in ihrem Handeln um, sollte im Hintergrund ein entsprechendes Managementsystem stehen, das für stabile Rahmenbedingungen und Qualität sorgt. Das klassische Qualitätsmanagement bildet hierbei die Basis und muss mit Regeln der Nachhaltigkeit und Gesellschaftlicher Verantwortung verschmolzen werden.
In den letzten Jahren wurden einige bedeutende Initiativen zum Thema Qualitätssicherung von CSR und gesellschaftlicher Verantwortung im Allgemeinen gegründet und auch die OECD und UN haben sich damit intensiv auseinandergesetzt. In der folgenden Tabelle sind einige Initiativen, Normen und Richtlinien exemplarisch dargestellt.
| Bezeichnung | Art | Organisation | Beschreibung |
| EBEN | Netzwerk | European Business Ethics Network | Vernetzung von Wirtschaftsakteuren zu Fragen ethischen Wirtschaftens, Gedankenaustausch |
| EU Grünbuch | Diskussionspapier | EU | Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen |
| GRI Leitlinien | zertifizierbare Leitlinien | GRI | Vorgaben für die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten und deren Inhalt |
| ILO Arbeitsnormen | Norm | ILO | Legt den Mitgliedsstaaten soziale Verpflichtungen auf (z.B. Verbot von Kinderarbeit) |
| ISO 26000 | Norm | ISO | internationale Norm zu gesellschaftlicher Verantwortung |
| OECD Leitsätze für multinationale Unternehmen | Empfehlung | OECD | Empfehlungen an Unternehmen für verantwortungsvolles Handeln (z.B.: Offenlegung von Information) |
| SA 8000 | Norm | SAI | Sozialstandard SA 8000 basiert auf internationalen Arbeitsplatznormen (z.B.: Arbeits-, Gesundheitsschutz; Verbot von Kinder-, Zwangsarbeit) |
| UN Global Compact | freiwillige Initiative | UN | Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz, Korruptions-bekämpfung |
| UN-Normen | Norm | UN | 23 Normen zu menschenrechtlicher Verantwortung von Unternehmen |
Seit 2004 läuft der Erstellungsprozess der ISO 26000 „Guidance on Social Responsibility“. Die ersten Ideen wurden bereits 2001 entwickelt und werden in der Arbeitsgruppe ISO/TMB/WGSR diskutiert und umgesetzt. Derzeit arbeiten 91 Länder und 42 Organisationen daran einen international akkordierten nicht zertifizierbaren ISO-Standard zu entwickeln, der praktische Leitlinien zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen zur Verfügung stellt. Das Dokument wird in einem weltweit einzigartigem Multistakeholder Prozess entwickelt, in welchem erstmals 6 Anspruchsgruppen (Unternehmen, Regierung bzw. Behörden, Konsumenten, Arbeitnehmer, Wissenschaft/Dienstleistung und Andere sowie NGOs) Handlungsfelder gesellschaftlicher Verantwortung definieren: Organisationsführung, Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Umwelt, anständige Handlungsweisen von Organisationen, Konsumentenfragen und regionale Einbindung und Entwicklung des Umfelds. Ebenso geht es um Orientierung zur organisationsweiten Integration gesellschaftlicher Verantwortung z.B. im Umgang mit Stakeholdern oder auch die Berichterstattung betreffend. Die Norm soll mit bestehenden internationalen Dokumenten, Abkommen, Konventionen und Normen stimmig sein und zu deren Aussagen keinen Widerspruch aufbauen: Das Bewusstsein für „Social Responsibility“ soll gestärkt werden. Die Erstveröffentlichung der ISO 26000 „Leitlinie gesellschaftlicher Verantwortung“ ist für 2010 geplant.
Einen Überblick über die zentralen Punkte der Norm zeigt die folgende Grafik
Die Kernthemen der Norm entstanden aus einer ganzheitlichen Betrachtungsweise: Rund um die Organisation sind dies Umwelt, Stakeholder, die Themen Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, und Produktionspraxis und verschiedene Konsumententhemen.
Besonders erwähnenswert war der bisherige Prozess zur Erstellung der Norm. Dipl.-Ing. Dr. Karl Grün (Director Development, Austrian Standards Institute) dazu: Es ist bei der Entwicklung der ISO 26000 gelungen, über 430 Expertinnen und Experten als Repräsentanten der Wirtschaft, Verwaltung, Arbeitnehmer, Konsumenten, Dienstleistung, Beratung, Forschung, und von Nichtregierungsorganisationen aus 91 Staaten und von 42 internationalen Organisationen einzubinden. Gemeinsam kommen sie zu dem Verständnis, was gesellschaftliche Verantwortung von Organisationen – seien es auf Gewinn orientierte oder nicht auf Gewinn orientierte – charakterisiert und wie diese Verantwortung im "Alltag" der Organisation gemeinsam mit ihren Stakeholdern für alle nutzbringend gelebt werden kann.
01.07.2009, Nachhaltigkeit Home



