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Dialog des Monats 08/09: Nachhaltiger Tourismus

Sieben ExpertInnen im Bereich nachhaltigen Tourismus sind unserer Einladung gefolgt, Ihre Sichtweisen zu präsentieren. Lesen Sie mehr, wie VertreterInnen der öffentlichen Hand, der Tourismusindustrie, Nichtregierungsorganisationen und der Wissenschaft Stellung beziehen.

 
 
Peeters
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Paul Peeters, ao. Professor für nachhaltigen Transport und Tourismus an der NHTV Breda University for Applied Sciences, Niederlande.

 
Das Märchen vom nachhaltigen Tourismus 

  
 
Als ich vor 7 Jahren in die Tourismusforschung einstieg war ich überrascht. Eindrucksvolle Bezeichnungen wie Ökotourismus, Tourismus gegen Armut oder verantwortlicher Tourismus gab es im Überfluss und jede „verantwortungsbewusste Tourismus“-Webseite war voll von Palmenstränden und tropischen Paradiesen. Das war weit weg von dem, was ich unter nachhaltigem Tourismus verstand: Die nette Familie, die eine zweiwöchige Radfahrtour von zuhause antritt und mit dem Zug zurückreist. Wie können die beworbenen „nachhaltigen Tourismusangebote“ wirklich nachhaltig sein? Eine Fernreise verursacht 5 bis 10 Mal so viele Treibhausgasemissionen im Vergleich zu einem durchschnittlichen Urlaub, abgesehen von einem nachhaltigen.
 
Aber die Tourismusindustrie, die vor allem von den in den Köpfen entstandenen Bildern der KundInnen lebt, ist voll von diesen Märchen. Treibhausgasemissionen? Kompensier sie halt: Bezahle ein paar Euros für jemanden in einem armen Land um seine/ihre bereits geringen Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Niemand scheint zu realisieren, dass eine Tonne zu emittieren und zur gleichen Zeit wo anders einzusparen nie die gesamten Emissionen reduzieren wird, obwohl wir eine Reduktion von 80% innerhalb der nächsten drei bis vier Jahrzehnte brauchen.
 
Oder fliegen wir doch grüne Flugzeuge! Diese Flugzugingenieure sind großartig! Nun ja, ich habe einen Abschluss in Flugzeugtechnik und lassen sie mir sagen: Verkehrsflugzeuge, mit Solarenergie betrieben, sind einfach nicht möglich. Verbesserte Aerodynamik und fortschreitende Technologie können den Treibstoffverbrauch um weitere 50% reduzieren, aber dann stoßen wir an die Grenzen der Gesetze von Thermodynamik und Mechanik. Die Menschheit kann das nicht ändern. Neue Technologien bremsen den Anstieg von Emissionen, aber reduzieren sie nicht.
 
Und wie sieht es mit Biotreibstoffen aus? Wir brauchen sie, allerdings sind sie weit besser für Ernährung und Wohnung geeignet als damit um die Welt zu fliegen um gebräunt zu werden. Abgesehen davon verursachen die zur Zeit favourisierten Biotreibstoffe der Luftfahrtindustrie entweder mehr Emissionen als einfach Kerosin zu verbrennen oder der ökologische Fußabdruck hat eine Größenordnung von Hektars je Langstreckenflug. Man bräuchte einen Garten von 100 Nachbarn um diese anzubauen.
 
Daher müssen wir unser Fliegen reduzieren. Ich habe das einst einfach vorgeschlagen auf einer Konferenz, dabei wurden eifrige Stimmen laut: „Was ist mit den armen Menschen: Willst du ihnen die Touristendollar vorenthalten?“ Das ist eine knifflige Frage, weil sie schnell emotional wird. Werfen wir einen Blick auf die Fakten: momentane liegt der Tourismus, welcher zu den am wenigsten entwickelten Ländern führt, bei 1% von allen internationalen Urlaubsreisen. Warum also reduzieren wir nicht die Flugreisen für all die anderen 99% und erhöhen damit gleichzeitig die finanziellen Mittel, um die Armen zu unterstützen. Ich kann auch nicht den Vorteil erkennen, wenn arme Länder mit einer der meist verschmutzenden Industrien gefördert werden (wenn wir Fernreise-Tourismus als eigene Industrie annehmen).
 
Ist dieses Bild des nachhaltigen Tourismus zu düster? Es variiert. Österreich und Deutschland machen einen weit besseren Job als beispielswiese Großbritannien oder die Niederlande, da durch nachhaltigen Tourismus mit Reisedestinationen zu verbinden welche leicht mit Zug oder Reisebus erreicht werden können und umweltfreundlich gekennzeichnete Unterkünfte anbieten. Aber ist das genug? Der Unterschied der Treibhausgasemissionen zwischen diesen vier Ländern ist eher gering. Um den drohenden Klimawandel zu verhindern brauchen wir Regierungen die strenge Maßnahmen treffen, wie den Flugverkehr in einem gloabeln Emissionshandel mit einer festgelegten Höchstmenge der Emissionen einzubinden, CO Emissionen zu besteuern, die Nutzung von Kohle und Öl auslaufen zu lassen und in Bahn und nachhaltigen Energieträgern zu investieren. Und der Tourismussektor? Der könnte den Widerstand gegen die Minderungen von Treibhausgasemission stoppen und eine starke Lobby für Politikmaßnahmen starten, die dabei helfen würde, eine märchenhafte Königin der nachhaltigen Entwicklung zu werden.
 
 
 
Mag. Anton Zimmermann
Foto: Mag....

Mag. Anton Zimmermann, Leiter der Abteilung Tourismuspolitik, BMWFJ
 
Nachhaltige Tourismuspolitik: Ein „Fundament für die Zukunft“ 
 
"Unberührte" Natur, das kulturelle Erbe sowie Gastfreundschaft gelten als Hauptattraktionen der Urlaubsdestination Österreich, die Alpen sind dabei ein zentraler Angebotsfaktor. Dass der von einer intakten Natur abhängige Tourismus durch seine systemimmanente Expansionsdynamik quasi seine eigene Grundlage unter Druck setzt, ist eine große Herausforderung für die Tourismuspolitik. Der Tourismus ist allerdings auch einer der wenigen Wirtschaftsbereiche, der dezentral Arbeitsplätze schaffen bzw. erhalten kann - und das insbesondere in Regionen, die für eine andere wirtschaftliche Entwicklung wenig attraktiv scheinen. Daher spielt der Tourismus eine Schlüsselrolle für das ökologische, ökonomische und soziokulturelle Gefüge unseres Landes.
 
Die österreichische Tourismuspolitik setzt jedenfalls schon seit Jahren auf nachhaltigen Tourismus, quantitatives Wachstum ist daher längst nicht mehr das einzige und maßgebliche Ziel. Vielmehr gilt es, ökonomische Interessen in Einklang zu bringen mit der langfristigen Sicherung der natürlichen Ressourcen und Lebensräume. "Tourismus" und "nachhaltige Entwicklung" werden somit nicht als Gegensätze verstanden, sondern als gemeinsame und notwendige Basis für eine erfolgreiche Entwicklung.
 

 

Wilke | www.mediendienst.com
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Mag. Astrid Winkler, Soziologin, freiberufliche Trainerin, Autorin. Seit 2000 für respect und ECPAT im Fachbereich Kinderschutz als Projektleiterin, Trainerin und Expertin sowie Leiterin von Schulungen zur Umsetzung des Verhaltenskodex zum Schutz der Kinder für die Tourismuswirtschaft im In- und Ausland tätig. Seit 2008 Geschäftsführerin von ECPAT Österreich.

 

 
Maßnahmen gegen „Kindersextourismus“ und Nachhaltigkeit im Tourismus
 
 
Eine der negativsten Begleiterscheinungen von nicht-nachhaltiger touristischer Entwicklung ist der so genannte "Kindersextourismus". Durch die steigende Nachfrage von TouristInnen aus westlichen Industriestaaten hat diese Form des Missbrauchs von Kindern mit Ausbeutung stark zugenommen. Für ein paar Dollar werden in Ländern Südostasiens, Lateinamerikas, Afrikas und Osteuropas täglich Kinder zwischen 6 und 16 Jahren von Touristen sexuell ausgebeutet und die Opfer werden immer jünger.
 
Das Phänomen "Kindersextourismus" stellt eine Sonderform des, seit den 1970iger Jahren zunehmenden Massen-Sextourismus dar. Seit dem ersten Weltkongress gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kinder (1996) haben über 100 Nationen sowie die internationale Tourismuswirtschaft und die Weltourismusorganisation der sexuellen Ausbeutung von Kindern im Kontext von Tourismus den Kampf angesagt. So können z.B. seit 1997 österreichische StaatsbürgInnen, die im Ausland unter 18 Jährige für sexuelle Dienstleistungen ausbeuten, auch in Österreich strafrechtlich verfolgt werden.
 
Ein Meilenstein im Hinblick auf Kooperation mit und Sensibilisierung der Tourismusindustrie war 1998 die Entwicklung des „Verhaltenskodex zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus“ durch ECPAT[1] Schweden, in Kooperation mit der Welttourismusorganisation und schwedischen Reiseveranstaltern. Bisher wurde dieser Kodex[2] von rund 1000 Unternehmen und Verbänden in über 30 Ländern unterzeichnet. Da der Kodex ein freiwilliges Instrument einer ethischen Firmenpolitik ist, hapert es freilich dort und da an der Umsetzung der sechs Kriterien. Es gibt Best Practice-Beispiele vor allem in Destinationsländern, wie etwa in Costa Rica, wo die mit ECPAT assoziierte NGO, Fundacion Paniamor[3], in langjähriger Lobbyarbeit ein hohes Maß an Bewusstsein für die Problematik erwirken konnte.
 
Auf  Reiseveranstalter-Seite haben etwa Hotelplan Schweiz, Kuoni International, die internationale Hotelkette ACCOR sowie auch einige der großen deutschen Reiseveranstalter (Thomas Cook, TUI) den Kodex ganz ordentlich umgesetzt. In Österreich wurde der Kodex 2001 durch ÖRV[4] und ÖVT[5] unterzeichnet. Allerdings haben bislang nur wenige Mitglieder ihn auch umgesetzt. Sichtbare Maßnahmen haben nur Jumbo-Touristik[6], TUI Österreich[7] und Verkehrsbüro/Ruefa gesetzt. Das BMWFJ unterstützt seit 2001 die Umsetzungsbemühungen in Österreich, die im Wesentlichen von ECPAT und seiner Mitgliedsorganisation Respect getragen wurden bzw. werden.
 
Aber auch nach 10 Jahren Erfahrung zeigt sich, dass die Sensibilität für Kinderschutz vor sexueller Ausbeutung in der Branche insgesamt noch eher gering ist. Allen Nachhaltigkeitsberichten und -strategien großer Reiseunternehmen zum Trotz, stößt man bei TouristikerInnen dort und da immer noch auf eine diffuse Abwehrhaltung hinsichtlich der Thematisierung der Problematik. Es scheint, dass Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung in Tourismusdestinationen als notwendiger Teil jeder Nachhaltigkeitsstrategie im Bewusstsein der Unternehmen strukturell noch keineswegs verankert ist. Die Verantwortung dafür sieht man eher bei der Politik bzw. den Behörden (zB. Strafverfolgung der TäterInnen) sowie in den Destinationen selbst. Obwohl mehrfach widerlegt, fürchten Reiseveranstalter und Hotels teilweise immer noch um ihr „Image“, wenn sie dieses Thema aufgreifen. Es braucht offenbar verstärkte Kampagnen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit bzw. der Reisenden generell, damit diese bei der Reisebuchung auch ein „Kinderschutz-Gütesiegel" wie den Verhaltenskodex zum Schutz der Kinder einfordern bzw. touristische Leistungsträger dementsprechend auswählen.


[1] ECPAT steht für End Child Prostitution, Child Pornography and Trafficking of Children for Sexual Purposes. ECPAT ist eine internationale Kinderschutzorganisation, die in über 70 Ländern vertreten ist. In Österreich ist ECPAT seit 2003 tätig.
[2] www.thecode.org
[3] www.paniamor.or.cr
[4] Österreichischer Reisebüroverband
[5] Österreichischer Verein für Touristik
[6] www.jumbo.at
[7] Beispiel zur Umsetzung auf der Webseite unter: http://www.tui.at/page.cfm?vpath=ueberuns/ecpat
 
 
Karin Chladek
Foto: Kar...
Karin Chladek ist Mitarbeiterin von respect – Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung in Wien und Journalistin mit den Schwerpunkten Wissenschaft, Umwelt, Entwicklung und Reise / Tourismus. Kontakt: karin.chladek@respect.at
 
 
Peak Travel kommt sicher 
  
 
Ist Reisen nachhaltig? Dumme Frage, könnte man meinen, ist doch das Reisen an sich, das Umherziehen, das Wandern so alt wie die Menschheit selbst. Allerdings hat sich die Art der Mobilität seit Beginn des fossilen Zeitalters und damit der intensiven Nutzung von erdölbasierten Treibstoffen im frühen 20. Jahrhundert rasant verändert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man sich vor Augen hält, wie ressourcenintensiv die von uns oft als selbstverständlich angesehene Mobilität per Flugzeug und Auto ist, kann man die Frage, ob Reisen nachhaltig ist, wohl nur mit Nein beantworten. Sie kann weder von Dauer sein noch ist sie umweltverträglich. Stichwort Klimawandel: Es ist allseits bekannt, dass v.a. die CO2-Emissionen aus dem wachsenden Verkehr dafür sorgen, dass Österreich das gesetzte Kyoto-Ziel nicht erreichen wird. Der immense Aufwand an (letztendlich) öffentlichen Geldern, der für den Ausbau oder auch die Aufrechterhaltung von Infrastrukturen wie Autobahnen oder Flughäfen offenbar nötig ist, lässt auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der dominanten Mobilitätsformen zweifelhaft erscheinen. Auch ohne Skylink-Skandal …
 
Egal, für welchen Zweck gereist wird – von der Art der Mobilität hängt die mehr oder (meist) weniger große Umweltverträglichkeit von Reisen ab. Das gilt für Geschäftsreisen ebenso wie für Urlaubsreisen, die ein historisch relativ junges Phänomen sind. Das Reisen zur Erholung, aus Lust und Laune, ist in den Industriestaaten erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts ein Massenphänomen geworden, ein Traum von Freizeit und zeitlich begrenztem, kontrollierbaren Abenteuer, den sich die wachsenden Mittelschichten so genannter Schwellenländer wie Indien und China in zunehmendem Maße ebenso erfüllen wie wir in Europa, Nordamerika, Australien oder Japan.
 
Es ist jedoch eine Tatsache, dass sich die Mehrheit der aktuell mehr als 6 Milliarden Menschen auf der Welt diese Art von Reisen nicht leisten kann. Global betrachtet bleibt das touristische Reisen aus purer Lust also – im Gegensatz zu den aus ökonomischer oder sogar existenzieller Notwendigkeit unternommenen Reisen der Millionen von Migranten/innen – ein Privileg von wenigen.
 
Ebenso wie andere Vorteile aus der Nutzung fossiler Ressourcen kommt auch die extrem gesteigerte Mobilität hauptsächlich einer globalen Elite zu Gute. Doch diese Form der Mobilität kann nicht von Dauer sein, ebenso wie die Erdölvorräte der Welt nicht unerschöpfbar sind. Mit Peak Oil kommt garantiert auch Peak Travel: das Ende des Reisens in der heute in den Industrieländern als selbstverständlich geltenden Form, wohlgemerkt. Sicher nicht das Ende des Reisens an sich …
Wie eine zunehmend an das schnelle, ressourcenintensive Reisen über große Distanzen gewöhnte globale Gesellschaft mit dieser Gewissheit umgeht, ist die große Frage. Individuelle Wünsche – in den nächsten Jahren noch Neuseeland kennenlernen, bevor die Flüge dorthin vielleicht zu teuer werden – werden wohl nach dem Hinter-mir-die-Sintflut-Prinzip erfüllt werden, doch für eine Politik, die sich ihrer Verantwortung jenseits der Wahlperioden bewusst ist, kann dies keine Option sein. 
  
Links zu Klimagerechtigkeit und Tourismus:
 
* Auf der Website von respect – Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung bloggt Wolfgang Mehl, der langjährige Geschäftsführer von Klimabündnis Österreich, über Klimawandel aus schwedischer Perspektive: http://respect.at/content.php?id=248&m_id=6&ch_id=254&lang=2
http://klimalog.blogspot.com 
 
* Mehr Informationen über Klimapolitik und Tourismus aus NGO-Perspektive (NFI und EED-Tourism Watch): 
 
* Eine gute Zusammenfassung des Diskussionsstands auf Englisch bietet der Tourismus-Consulter Julian Fischer: http://www.tourism-climate.de 

* Auf der Website des finnischen Außenministeriums findet sich eine aktuelle Publikation zum Thema Entwicklung und Klimagerechtigkeit:
http://www.formin.fi/public/default.aspx?contentid=165894
Darin enthalten ist ein gut verständlicher wissenschaftlicher Aufsatz zur Thematik
(S. 100 – 120): "The Challenges of Tourism as a Development Strategy in an Era of Global Climate Change", by Stefan Gössling, C. Michael Hall and Daniel Scott
 
 
 
 
Peterleithner Josef
Foto: Fri...
Mag. Dr. Josef Peterleithner, Konzernsprecher TUI Austria Holding GmbH
 
 
Umweltqualität = Urlaubsqualität
 
Nachhaltige Entwicklung bedeutet auch im Tourismus den dauerhaft langfristigen Abgleich ökonomischer, ökologischer und sozialer beziehungsweise gesellschaftlicher und kultureller Erfordernisse. Hierdurch sichern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit, vermeiden Risiken und sichern Chancen, fördern die Potenziale von Mitarbeitern, verstärken die Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Anspruchsgruppen und verbessern nachhaltig die effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen an den Unternehmensstandorten und in den Urlaubsdestinationen.
Unternehmen, die in der Touristik tätig sind und Qualitätsstandards und Innovationen für Urlaubsreisen kontinuierlich weiterentwickeln, können sich auch den wachsenden gesellschaftlichen Erwartungen einer breiten Öffentlichkeit an „Nachhaltigkeit“ nicht entziehen. Mit zunehmender Mobilität der Reisenden wächst auch der Druck auf Umwelt und Natur. Wir stellen uns bewusst dieser komplexen Herausforderung.
TUI hat sich bereits 1992 zu Ihrer Verantwortung für die Umwelt am Unternehmensstandort und ihre Produkte bekannt. Der Schutz einer intakten Natur und Umwelt hat für TUI eine herausragende Bedeutung.
Deshalb wurde der Umweltschutz als Unternehmensgrundsatz verankert. Klimawandel und Umwelt sind Themen, die uns alle angehen. Eine intakte Umwelt ist die Voraussetzung für jedes besondere Ferienerlebnis. Sie ist damit nicht nur Grundlage für unser eigenes Geschäft, sondern auch gleichzeitig die Basis für eine lebenswerte Zukunft - für uns selbst und für unsere nachkommenden Generationen.
Kein anderer global tätiger Wirtschaftszweig ist so stark von sauberem Wasser, unversehrten Stränden, reiner Luft und intakter Natur abhängig wie der Tourismus. Dieser Verantwortung müssen wir uns in unserem täglichen Handeln bewusst sein, beruflich und privat. Somit trägt jedes Unternehmen Umweltverantwortung.
Die Umweltverträglichkeit unserer Produkte ist Bestandteil des Qualitätsstandards. Für die Glaubwürdigkeit unserer Umweltorientierung stehen wir ständig in der Pflicht. Wir sichern damit unsere natürlichen Ressourcen und die Zukunft unseres Unternehmens.
 
Einige „nachhaltige“ Beispiele der TUI:
 
TUI pflanzt Wald auf Mallorca
TUI baut sein Umweltmanagement konsequent aus und beteiligt sich an einem Wiederaufforstungsprojekt auf den Balearen. Insgesamt werden auf 48 Hektar genau 57.600 wilde Olivenbäume und Kiefern gepflanzt. Für jeden Mallorca-Gast stellt TUI ab dem Winter 2009/10 einen festen Betrag in das Budget für die Wiederaufforstung ein.
 
Futouris – TUI gründet Nachhaltigkeitsinitiative
Der im Frühjahr 2009 von TUI Gesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gegründete Verein „Futouris – Die Nachhaltigkeitsinitiative“ setzt auf den weltweiten Dialog mit der gastgebenden Bevölkerung. Futouris wird sich in Projekten zur Verbesserung der Lebensverhältnisse, zur Förderung von Bildungsmaßnahmen, zum Schutz von Natur und Umwelt und zum Erhalt der biologischen Vielfalt engagieren.
 
Mit Weitsicht für das Klima. Gemeinsam etwas bewegen: TUI Klimainitiative
Mit Beginn des Winterprogramms 2008/09 ist die TUI Klimainitiative unter Einbeziehung all seiner Veranstaltermarken Gulet Touristik, Delphin, TUI und 1-2-Fly gestartet. Bei Buchung einer Flugreise können Kunden eine Spende entrichten, die dazu dient, die Auswirkungen unter anderem des Flugverkehrs auf das Klima zu kompensieren. Die TUI Veranstaltermarken erhöhen jede Spende um 50 Cent. Realisiert werden die Klimaprojekte durch den TUI Kooperationspartner Myclimate. Das erste Projekt, das durch die Klimaspenden unterstützt wird, ist ein Windpark in der Türkei.
 
Umweltmanagement mit System
Um die Ziele im Umweltschutz effizient zu erreichen, wurde ein Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 aufgebaut und entsprechend zertifiziert. Unter dem Dach der ISO 14001 sind die Bereiche Umweltqualitätsentwicklung, - sicherung und -kommunikation zusammengefasst.
 
Kooperationsprojekte wie z.B. “year of the dolphin”
Über das unternehmensinterne Umweltmanagement hinaus engagiert TUI sich in Projekten, die beispielhaft Tourismus mit Naturschutz und nachhaltiger Entwicklung verbinden. Auch Tier- und Artenschutz sind auf Kooperation und Dialog angewiesen. So unterstützt TUI nach 2007 auch 2008 als einer der Hauptpartner die UN Kampagne zum Schutz der Delphine. Ziel dieser Kampagne ist es den Delphin als eine der meist bedrohten Tierarten ins öffentliche Bewusstsein zu bringen und entsprechende Initiativen einzuleiten und durchzuführen. Mehr dazu unter www.yod2007.org)
 
TUI Umweltchampion
Umweltgerechtes Verhalten sollte auch oder gerade im Urlaub eine Rolle spielen. So prämiert TUI jährlich die weltweit 100 führenden TUI Hotels und Ferienanlagen für umweltgerechte und zukunftsorientierte Hotelführung mit dem TUI Umweltchampion. Von Österreich unter den Umweltchampions für 2007 dabei: die Robinson Clubs Amade´, Ampflwang und Schlanitzen Alm sowie die Dorfhotels Schönleitn und Seeleitn.
 
TUI Naturerlebnisreisen
Für Naturfreunde und Entdecker bietet TUI vielfältige attraktive Urlaubsangebote: Naturerlebnisreisen zu Fuß, per Fahrrad oder mit der Bahn sowie Naturerlebnisausflüge, die gemeinsam mit lokalen Umweltgruppen entwickelt wurden.
 
Zug zum Flug – im Reisepaket inklusive
Bei jeder TUI, Gulet, Delphin oder 1-2-Fly Flugreise aus dem Katalogangebot ist die Fahrkarte 1. Klasse ÖBB für die An- und Abreise zum österreichischen Abflughafen inklusive. Kein Stress. Kein Stau. Keine Extrakosten.
 
TUI notiert als einziges Touristikunternehmen der Welt im Nachhaltig-keitsindex (DJSI)
Seit 22. September 2008 notiert die TUI erneut als einziges Touristikunternehmen weltweit im Dow Jones Sustainability World Index. Bestnoten gab es in den Kategorien Klimastrategie, Biodiversität sowie Umweltreporting und –strategie.
 
 

 Christian Hlade
Foto: Christia...
Christian Hlade, Geschäftsführer von Weltweit Wandern

 
 
Ein altes afrikanisches Sprichwort besagt: „Das Feuer wärmt und man kann erst damit das Essen kochen es kann aber auch das ganze Dorf und die Felder verbrennen.“ Tourismuskann ganze Regionen verändern und zerstören. Tourismus hat aber auch das Potential neue Perspektiven zu schaffen und kann wesentlich dazu beitragen, Kulturen und Naturlandschaften zu erhalten und zu bewahren. In vielen Regionen der Erde ist Tourismus der Motor für wirtschaftliche Entwicklung. Wir bei Weltweitwandern streben an, bei unseren Reisen nicht nur möglichst wenig Schaden anzurichten, sondern versuchen außerdem durch unsere Angebote eine positive Entwicklung in den besuchten Regionen anzuregen und zu unterstützen.
 
Soziale Gesichtspunkte und vor allem die kritische Reflexion der Auswirkungen unseres Handelns im sozioökonomischen Kontext waren schon immer ein zentraler Bestandteil von Weltweitwandern, war doch ein soziales Projekt – die Solarschule in Lingshed, Ladakh – für mich der eigentliche „Auslöser“ für die Firmengründung im Jahr 2000.
 
Ich möchte auch nicht verschweigen, dass die Positionierung am Markt als Anbieter von „Fairen Reisen“ auch viele Chancen, gerade für eine kleine und junge Firma, bietet. Dieser Aspekt ist – neben unserer ehrlichen Überzeugung – sicher eine zusätzliche Triebfeder an Aktivitäten in diese Richtung festzuhalten.
 
Ebenso wie Bio-Lebensmittel und fair produzierte Kleidung heute mit Qualität, Vielfalt und Design überzeugen, sind auch nachhaltige Urlaubsangebote nicht mehr asketisch und nicht unbedingt teurer als vergleichbare konventionelle Reisen. Zentral ist aber der Gedanke: Was anderen und der Umwelt schadet, kann mir selbst nicht gut tun. Umwelt- und sozialverträgliche Reisen haben zunehmende Bedeutung in der Gesellschaft. Gerade in Zeiten wie diesen, wo sich Dinge laufend verändern und die Wirtschaft für Überraschungen sorgt, suchen die Mensche nach Authentischem.
Jedoch sind wir nicht die Einzigen, die die Gegebenheiten vor Ort beeinflussen. Viele hunderte Beteiligte gestalten die Situation in den unterschiedlichen Regionen mit, wobei jedeR andere Traditionen und Wertvorstellungen mitbringt. Wir arbeiten daran, UNSEREN Einfluss auf eine Region nachhaltig zu gestalten. Hier müssen wir uns damit arrangieren, dass “Nachhaltigkeit” per Definition schwer auf den Punkt zu bringen ist und für jeden Menschen eine andere Bedeutung hat. Nachhaltigkeit kann nie zu 100% erreicht werden, denn woran sollte eine Erreichung festgemacht werden? Daher verstehen wir unter nachhaltigem Reisen nicht einen starren Zustand, sondern die Bemühung, uns immer wieder Gedanken über die Auswirkungen unserer Angebote zu machen. Wir halten Kontakt mit den Menschen vor Ort um zu erfahren, welche deren Bedürfnisse sind. Für uns bedeutet nachhaltiges Reisen, ein Bewusstsein für die Probleme und Bedürfnisse sämtlicher Beteiligter zu haben und nie müde zu werden, darüber nachzudenken, was das für unser Angebot bedeutet.
 
 
Regine Gwinner
Foto: Regine G...
Regine Gwinner, Chefredakteurin der Reisezeitschrift Verträglich Reisen 
 
 
Die Zukunft des nachhaltigen Tourismus: Raus aus dem Paralleluniversum 
 

 
Konventioneller Tourismus und nachhaltiger Tourismus tummeln sich immer noch in Paralleluniversen. Engagierte Hoteliers und Reiseveranstalter in ganz Europa beweisen seit vielen Jahren, dass Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit sich eher bedingen als ausschließen, dass Bioessen gute Qualität garantiert - und nicht verhindert – und dass die Nachfrage nach nachhaltigen Urlaubsangeboten in der aktuellen Wirtschaftskrise weit weniger sinkt als die nach beliebigen Pauschalen. Dennoch halten Wirtschafts- und Tourismuslobbyisten nach wie vor das Vorurteil am Leben, sanfter Tourismus sei ein Nischenprodukt, das sich nicht rechne und nicht für den allgemeinen Markt tauge.
 
Ironischerweise werden die Kritiker des Ökotourismus aus dessen eigenen Reihen bestärkt. Statt gemeinsam für ein besseres Image der Branche zu arbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen und weiter zu entwickeln, grenzen sich die Vertreter einzelner Ökolabels gegeneinander ab.
 
Natürlich gibt es auch unter den ökologisch engagierten Anbietern Qualitätsunterschiede. Wer von einem konventionellen auf ein ökologisches Angebot umstellt – egal ob in der Hotelerie oder als Reiseveranstalter –, muss ja erst einmal vorsichtig anfangen. Das haben die Top-Anbieter der Branche auch irgendwann so gemacht. Küche, Technik, Mobilität, Mitarbeiterschulung, Aktivitäten und Angebote... Arbeitsfelder gibt es genug. Um durchzuhalten, brauchen die Branchen-Neulinge langen Atem, Rückenwind aus den eigenen Reihen und möglichst viele Gäste, die das Umweltengagement auch würdigen.
 
Die besten Betriebe sind wichtig, weil sie zeigen, dass der nachhaltige Tourismus keine Vision, sondern ein erfolgreiches Geschäftsmodell ist. Sie sind Aushängeschild und Vorbild für die ganze Branche. Aber sie allein haben nicht die Macht, eine große politische Veränderung zu erwirken und die konventionelle Tourismusbranche nachhaltig zu verändern. Dafür brauchen sie die vielen anderen Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die noch nicht so weit sind, wie sie – oder nie so weit kommen werden.
Wenn die Guten die Schwächeren für minderwertig erklären oder gar als Mogelpackung abtun, etablieren sie eine kleine Elite und sorgen langfristig dafür, dass der Ökotourismus da bleibt, wo er zur Zeit ist: im Paralleluniversum. 
  
 
Unter www.vertraeglich-reisen.de gibt es viele nachhaltige Reiseangebote, einen umfangreichen Anreiseservice für Urlaub ohne Auto oder Flug und viele interessanten Reiseberichte.

03.08.2009, Nachhaltigkeit Personen & Ansichten