http://www.nachhaltigkeit.at
Home

Das Österreichische
Nachhaltigkeitsportal

Servicelinks

Hauptnavigation

Suche



Inhalte

Portraitfoto Christian Plas
Foto: Foto Wilke

Person des Monats 09/09: DI Dr. Christian Plas

DI Dr. Christian Plas, Gründer und Geschäftsführer der DENKSTATT, wurde als Experte für Nachhaltigkeit und CSR von Finanzminister Josef Pröll in die neu gegründete „Expertengruppe für neue Veranlagungsregeln der öffentlichen Hand“ berufen.

Für nachhaltigkeit.at bezieht er Stellung zum Thema „Steigende Bedeutung von nachhaltigen Investments“:

„Man muss es wohl offen bekennen: nachhaltige Investments haben in Österreich bislang keine Tradition. Wenn wir von einzelnen Vorreitern absehen (speziellen Bankinstituten, die ihre Fonds nach ethischen Kriterien ausrichten oder Instituten, die einzelne, ausgewählte Produkte anbieten), ist die Investmentlandschaft in unserem Land damit wohl eher dünn ausgestattet.

Fehlen in Österreich interessierte Investoren? Es würde mich wundern, ist hier doch das Bewusstsein für soziale und Umweltbelange sehr ausgeprägt. In vereinzelten Arbeitsgruppen werden solche Fragestellungen auch sehr ernsthaft bearbeitet, ich denke z.B. an die Gruppe „Grünes Geld“, die seit vielen Jahren in der ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik) wertvolle Arbeit leistet und den Kontakt mit internationalen Entwicklungen aufrecht hält.

Was mir aber auffällt ist, dass viele Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik Schwierigkeiten haben, die Zusammenhänge zwischen Nachhaltiger Entwicklung und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit nachzuvollziehen. Das unterscheidet uns von einigen Nationen, denen die Integration von Sozial- und Umweltfragen ins „real business“ offenbar leichter fällt. Und das sind ökonomisch durchaus erfolgreiche: USA, UK, Deutschland, Niederlande, Schweden, Norwegen, …

Wien rühmt sich, Europas größte Wirtschaftsuniversität zu beherbergen. Zugleich dürfte unsere WU zu den ersten in der westlichen Welt gehören, die das Nachhaltigkeitsthema nachhaltig aus dem Lehrplan genommen– und damit die wertvolle Aufbauarbeit einiger Professoren zunichte gemacht haben. Wie soll sich in Wien (bitte um Verzeihung, wenn ich reduziere) eine Kultur des nachhaltig Wirtschaftens, der nachhaltigen Veranlagung, nachhaltiger Finanzsysteme etablieren, wenn uns unsere Vorbilder bedeuten, dass das Thema zwar allenfalls nett, aber nicht „erfolgsrelevant“, nicht „business relevant“ ist.

Ich bin überzeugt, dass wir dringend Forschung auf diesem Gebiet brauchen. Wir brauchen Wissenschafter, die herausfinden, mit welchen Methoden unser Wirtschaftssystem so verändert werden kann, dass Lösungen nicht nur im Verzicht zu finden sein werden.

Umso positiver ist zu sehen, dass das Bundesministerium für Finanzen bei der Besetzung der Expertengruppe für die Ausarbeitung von Empfehlungen zur Veranlagungsstrategie der ÖBFA (Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur) auch an die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten gedacht hat und einer solchen positiv gegenübersteht.

Es muss aber auch klar gesehen werden, dass die Möglichkeiten, nachhaltige Anlageformen einzusetzen, sehr stark von den Aufgabenstellungen der investierenden Organisation abhängen. Private Investoren sind sehr frei in der Wahl der Finanzinstrumente und des damit verbundenen Risikos, Vorsorgekassen und Pensionsfonds müssen unter völlig anderen Risikobetrachtungen an die Auswahl ihrer Veranlagungen herangehen.

Die Wichtigkeit der Betrachtung des öffentlichen Sektors ist nach den bitteren Erfahrungen im Zuge der Finanzkrise besonders offensichtlich geworden. Doch auch dieser Sektor ist sehr diversifiziert: Gemeinden, Länder und der Bund agieren als Anleger mit völlig verschiedenen Fristigkeiten, mit ganz unterschiedlichen Finanzinstrumenten – und derzeit auch entsprechend unterschiedlichen Risiken. Auch deren Risikomanagement ist völlig verschieden gut ausgeprägt: von hoch professionell bis de facto nicht vorhanden.

Die Beschäftigung mit genau dieser Gruppe wird der Schwerpunkt der Arbeiten in der Expertengruppe sein. Aus meiner Sicht können bei deren unterschiedlichen Aufgaben recht spezifische Empfehlungen als Resultat entstehen. Eine Verstärkung der Aufmerksamkeit hinsichtlich Nachhaltigkeitskriterien würde zumindest bei einigen Anlegern der öffentlichen Hand aus meiner Sicht sehr positiv sein. Das würde wahrscheinlich auch eine intensivere Beschäftigung mit nachhaltigen Veranlagungen im BMF selbst bedingen. Was für ein schönes Zukunftsbild! Vielleicht können wir auf diese Weise einen Beitrag zur Entwicklung der Finanzwirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit leisten.“



CV
Nach seinem Studium der Kulturtechnik und Wasserwirtschaft an der BOKU Wien und einem post graduate Jahr an der TU München arbeitete DI Dr. Christian Plas 5 Jahre am Institut für angewandte Mikrobiologie bis zu seiner Dissertation. 1993 gründete er die DENKSTATT mit einigen Freunden aus der „Jungen Industrie“. Inhaltlich beschäftigt er sich hauptsächlich mit Nachhaltiger Entwicklung, integriertem Management, Risikomanagement und Klimaschutz und ist ständig beschäftigt, die DENKSTATT in einem Netzwerk mit verschiedenen anderen Organisationen zu verankern.

01.09.2009, Nachhaltigkeit Personen & Ansichten