Monatsthema 09/09: Nachhaltige Investments: Chance auch für öffentliche Haushalte?
In Zeiten der Krise und des Umbruchs hin zu nachhaltigeren Wirtschaftsweisen findet das Thema „Nachhaltigkeit“ auch Einzug in die Finanzwelt - in Form von „Ethisch – ökologischen Investments“ (engl.: Social Responsible Investments -SRI). Doch was versteht man eigentlich darunter?
Begriffe wie „Nachhaltiges Investment“, „Ökologische Geldanlage“, „Grünes Geld“ oder „Ethisch-ökologisches Investment“ beschreiben im herkömmlichen Sprachgebrauch Formen von Veranlagungen, bei denen ökologische, soziale bzw. ethische Komponenten bei der Auswahl und Realisierung des Investments berücksichtigt werden. Nachhaltige Veranlagungen werden so beispielsweise in Unternehmen investiert, die in ihrer Geschäftspolitik ökologische und/oder soziale Grundsätze verfolgen und deren Produkte und Dienstleistungen einen gesellschaftlichen Nutzen erwirken. Doch auch der verantwortungsvolle Gebrauch von Mitspracherechten, die mit Anteilspapieren verbunden sind, kann mit „nachhaltigem Investment“ gemeint sein. [1]Grüne Geldanlagen ergänzen die drei ‚klassischen‘ Dimensionen von Anlageprodukten - Rentabilität, Sicherheit und Liquidität - um eine neue Dimension: die sozialen und ökologische Ausrichtung eines Finanzprodukts. Der/die AnlegerIn kann dadurch z.B. die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien unterstützen, eine an langfristigem Umweltschutz orientierte wirtschaftliche Entwicklung fördern, Menschenrechtsverletzungen verhindern oder an einem sinnvollen Wertewandel und einer Steigerung der allgemeinen Lebensqualität mitwirken. [2]
Um diese Ziele zu erreichen werden unterschiedliche Ansätze angewandt, wie z.B. der „Best-in-Class-Ansatz“, der besagt, dass stets die Anlageobjekte bevorzugt werden, welche die Nachhaltigkeitskriterien jeweils am besten erfüllen (z.B. innerhalb einer Branche werden die besten Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit ausgewählt). Dieser Ansatz fördert den Wettbewerb hin zu einer Stärkung der Natur- und Sozialverträglichkeit in Ländern und Unternehmen. Oder es werden Ausschluss-, Negativ – bzw. Positivkriterien angewandt – ein Beispiel für ein Auschlusskriterium wäre z.B. die Rüstungsindustrie. Häufig werden beide Ansätze für die Entwicklung eines nachhaltigen Investments genutzt. Eigens dafür spezialisierte Ratingagenturen bewerten die umwelt-, sozial- bzw. nachhaltigkeitsbezogene Performance. [3]
Konkrete Anlageformen
Nachhaltige Anlageprodukte gibt es in folgenden Formen: Sparformen, Aktien, Anleihen, Investmentfonds, Immobilien/Immobilienfonds, Unternehmensbeteiligungen/Direktbeteiligungen und Lebensversicherungen. Die Website „Grünes Geld“ bietet dazu umfassende Informationen [4], hier soll nur ein kurzer Überblick über eben diese Anlageformen gegeben werden:
Sparformen: Abgesehen vom Immobilienerwerb gelten Spar- und Termineinlagen bei Banken nach wie vor als wichtigste Form der privaten Geldanlage. Die gängigsten Anlageangebote sind Sparbriefe, Sparkonten und Festgelder (= Geldeinlagen, die für eine feste Zeitspanne einer Bank überlassen werden). Zu den Gemeinsamkeiten dieser Sparformen zählen eine etwas geringere Rendite als bei an der Börse gehandelten vergleichbaren Anlageprodukten, eine relativ hohe Sicherheit durch so genannte Einlagensicherungsfonds der Kreditwirtschaft sowie relativ präzise Vorgaben hinsichtlich der Verfügbarkeit des Geldes (meist kurz- bis mittelfristige Anlagen). Bei den meisten Sparbüchern wird nicht dargelegt, was mit dem Geld am Sparbuch tatsächlich passiert. Bei "nachhaltigen" Sparkonten, - briefen und Festgeldern wird das eingelegte Kapital an Kreditwerber umwelt- und sozialverträglicher Projekte vergeben – die Transparenz ist gegeben.
Aktien: Für die Geldanlage in Aktien spricht ihre meist recht hohe Rentabilität, man muss jedoch Einschränkungen in Bezug auf Sicherheit und Liquidität in Kauf nehmen. Sogenannte "Grüne Aktien" sind keine spezielle Anlagegruppe, sie beziehen sich vielmehr auf Aktien verschiedener Kategorien von Unternehmen, wie z.B.: Umwelttechnik-Unternehmen, Grüne Pioniere, Öko-Leader, Erneuerbare Energietechnologie-Unternehmen, soziale Vorreiter, u.a.
Anleihen: Als wichtiger Bestandteil vieler Depots privater und institutioneller KapitalanlegerInnen haben Anleihen (auch Rentenpapiere oder (fest)verzinsliche Wertpapiere genannt) folgende Hauptmerkmale: einfacher Kauf und Verkauf, relativ konstante Kurse und breite Auswahl bei Sicherheit und Rendite der Papiere. Es gibt – wie bei Aktien – verschiedene Bewertungsmethoden nach ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien. Die Qualität der Nachhaltigkeit ist für die AnlegerInnen relativ transparent dargelegt.
Investmentfonds: Investmentfonds bündeln die Gelder vieler AnlegerInnen, um sie in verschiedenen Vermögenswerten anzulegen. Es gibt folgende Varianten: Aktien- und Rentenfonds und Mischfonds (hier finden sich sowohl Aktien als auch Anleihen). Investmentfonds werden an der Börse gehandelt und sind somit eine recht liquide Geldanlage – Rentabilität und Sicherheit hängen wesentlich von den Charakteristika ihrer Vermögensanlagen ab. Es gibt eine breite Auswahl an nachhaltigen Investmentfonds, wie beispielsweise Öko-Aktienfonds oder ethisch-ökologische Fonds. Die Auswahl der einzelnen Fondstitel erfolgt nach sozialen und ökologischen Kriterien, zumeist stellt eine eigene Researchagentur die Auswahl für ein nachhaltiges Anlagenspektrum zusammen.
Immobilien/Immobilienfonds: Mit Immobilienfonds können sich KapitalanlegerInnen mit verhältnismäßig kleinen Beträgen an Immobilien beteiligen. Investitionen in Immobilienaktien sind jedoch mit deutlich mehr Risiko als die übrigen Anlageformen verbunden. Erst in letzter Zeit entwickelten sich nachhaltige Immobilienfonds mit besonderer Berücksichtigung auf ökologisches und soziales Bauen.
Unternehmensbeteiligungen/Direktbeteiligungen: Durch die Tätigung einer Direktbeteiligung werden KäuferInnen zu MiteigentümerInnen an einem Unternehmen oder Projekt. Unter Direktbeteiligungen fallen z.B. Beteiligungen an Unternehmen als Kommanditist, stille/r GesellschafterIn oder GesellschafterIn einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Die Rendite kann durchwegs rentabel sein, allerdings hängt die Sicherheit von den wirtschaftlichen Aussichten des Projekts bzw. des Unternehmens, seiner Rechtsform und dem Beteiligungsvertrag ab. Hinsichtlich Nachhaltigkeit sind Direktbeteiligungen diejenige Anlageform, die am meisten Transparenz gewährt (Bsp.: Beteiligung an einem Windpark).
Lebensversicherungen: Lebensversicherungen existieren in sehr unterschiedlichen Vertragsgestaltungen (z.B. in Form von Sparanlagen, oder Risikolebensversicherungen). Der bedeutendste Vorteil von Lebensversicherungen mit Sparfunktion gegenüber anderen Geldanlageformen besteht in der steuerlichen Begünstigung. Nachteilig sind jedoch die zumeist geringe Rendite und die schlechte Liquidität. Die häufigste Form ökologischer Lebensversicherungen sind fondsgebundene Lebensversicherungen (Veranlagung in nachhaltigen Investmentfonds) – man kann zwischen verschiedenen Öko-Fonds auswählen.
Die Rolle des Staates und öffentlicher Haushalte in Zeiten der Finanzkrise
Die aktuelle Finanzkrise führt uns vor Augen, dass die derzeitige Finanzmarktstruktur nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung führen kann. Dabei gibt es seit mehr als einem Jahrzehnt Warnungen vor einer tiefen Krise unseres auf Wachstum ausgelegten Wirtschafts- und Finanzsystems (- siehe dazu auch das Thema des Monats 2/2009 Finanzkrise)
Die Deregulierung der Finanzmärkte seit Beginn der 70er und v.a. in den 80er und 90er Jahren war im Grunde der untaugliche Versuch, die Verlangsamung des industriellen Wachstums durch übermäßige Expansion der Finanzdienstleistungen zu kompensieren und trifft inzwischen auf breite internationale Kritik.
Die Hauptdefizite des globalen Finanzsystems liegen
- in mangelnder Transparenz und Risikokontrolle
- im Ausufern des Geldschöpfungspotentials und
- in der Freistellung des Finanzkapitals von der Sozialbindung des Eigentums, soweit diese eine Befolgung des Nachhaltigkeitsprinzips erfordert. [5]
Wie kann auf diese Defizite nun reagiert werden? Wie können Finanzmärkte bzw. das gesamte Finanzsystem neu strukturiert und reguliert werden, um nachhaltigen Wettbewerb zu gewährleisten? Diesbezüglich gibt es zahlreiche Bereiche, an denen Staat und Wirtschaft ansetzen können, um neuen und nachhaltigen Wind in veraltete Strukturen zu bringen.
Grundsätzlich ist es an der Zeit, dass der Staat seine Verantwortung, die in der Vergangenheit zunehmend auf private Institutionen ausgelagert wurde, für das Funktionieren des „Gemeingutes“ Finanzmarkt wieder deutlicher wahrnimmt bzw. geeignete Lösungen dafür sucht und schafft. Aufgabe des Staats ist es, im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung geeignete Rahmenbedingungen zu setzen, um eine Um- bzw. Neustrukturierung des Finanzsystems zu gewährleisten.
Folgende Punkte sollen einen Auszug möglicher Maßnahmen darstellen:
- Alle großen Finanzmarktakteure müssen gegenüber den zuständigen Aufsichtsorganen zur Transparenz aller eingegangenen Risiken verpflichtet werden. Dabei ist es erforderlich, dass demokratische Kontrolle und internationale Kooperation an die Stelle des Wettbewerbs zwischen den Nationalstaaten treten. Bei ökonomischen Entscheidungen muss der Aspekt „nachhaltige Entwicklung“ Vorrang haben.
- Ein geeigneter institutioneller Rahmen muss errichtet werden. Die nationalen Aufsichten sowie die internationale Kooperation zwischen den Aufsichtsbehörden müssen gestärkt werden. Alle gegenwärtigen und künftigen Finanzmarktinnovationen müssen bei den Aufsichtsorganen melde- und genehmigungspflichtig werden. Unter diesem Gesichtspunkt sind staatsnahe und börsenorientierte Unternehmen zu verpflichten, über ihren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung regelmäßig und nach bestimmten Standards Bericht zu erstatten.
- Es bedarf einer Besteuerung aller Arten von Finanztransaktionen (Finanztransaktionssteuer), um Spekulationen zu reduzieren, die Geschwindigkeit der Finanzmärkte zu verlangsamen und der Kurzfristorientierung der Finanzmärkte entgegenzuwirken. Außerdem ist eine progressive Besteuerung von Kapitaleinkommen anzudenken, um einer steigenden Konzentration von Vermögen entgegenzuwirken. - Staatliche Subventionen, Zuschüsse und Förderungen sind an die nachweisbare Erfüllung vordefinierter Nachhaltigkeitskriterien zu binden.
- Managergehälter bzw. –boni bei Betrieben mit Staatseinfluss sind auch an das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen zu koppeln.
- Verbindliche Nachhaltigkeitskriterien bei der Geldanlage von staatsnahen Unternehmen sowie von Städten und Gemeinden: Diese könnten sich z.B. an bereits eingegangenen Verpflichtungen der Republik Österreich, wie z.B. Kyoto-Abkommen, Menschenrechtsdeklaration usw. orientieren.
Demnach muss der Staat dafür sorgen, geeignete Rahmenbedingungen für ein an einer nachhaltigen Entwicklung orientiertes Finanzsystem herzustellen. Ziel muss es sein, Missständen, die dem Staat die Umsetzung dazu geeigneter Maßnahmen erschweren oder verunmöglichen (z.B. falsche Anreizsysteme), entgegenzuwirken und eine ethisch-ökologische Gesamtreform des Finanz- und Wirtschaftssystems herbeizuführen.
Eine vorbildliche Führung öffentlicher Haushalte ist unabdingbar, auch wenn diese gerade in Zeiten der Finanzkrise besonders angespannt sind. Sozial verantwortliches Handeln und eine nach ethisch-ökologischen Kriterien ausgerichtete Finanzierungs- und Veranlagungspolitik sollten dabei eine wichtige Rolle spielen. Die langfristige Perspektive einer positiven Entwicklung der Volkswirtschaft sollte beim Umgang mit Steuergeldern im Mittelpunkt stehen. Was kann darunter beispielhaft verstanden werden:
- Stärkung von Branchen, die zukunftsweisende, ökologische Produkte produzieren;
- Ressourcenverbrauch stärker besteuern, Arbeitskraft steuerlich entlasten;
- Investitionen in den Aufbau umweltfreundlicherer Infrastruktur;
- Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern usw.
ExpertInnengruppe der Bundesfinanzierungsagentur
Einen Schritt in die richtige Richtung setzte die österreichische Regierung mit der Beauftragung einer ExpertInnengruppe, die mit dem Ziel gegründet wurde, Richtlinien für künftige Veranlagungen des Bundes auszuarbeiten. Die von Universitätsprofessor Stefan Pichler (Institut für Bankwesen der WU Wien) geleitete Arbeitsgruppe setzt sich aus einem Konsortium unabhängiger und anerkannter Expertinnen und Experten zusammen und erarbeitet derzeit im Finanzministerium ein Instrumentarium zur Risikominimierung bei der Veranlagung von Steuergeld. Bis Ende September soll ein Ergebnis dieser Arbeit vorliegen.
Neben Willi Hemetsberger (Investmentbanker und Ex-Bank Austria-Vorstand), Martha Oberndorfer (Chefin der ÖBFA), Wolfgang Duchatczek (Vizegouverneur der OeNB) und Wolfgang Peschorn (Präsident der Finanzprokuratur und oberster Anwalt der Republik) ist auch der „CSR“-Experte Christian Plas („Denkstatt“) als Vertreter der Plattform „Ethisch-ökologische Veranlagung in der Expertengruppe tätig. [6]
Für www.nachhaltigkeit.at stellte sich Christian Plas als „Kopf des Monats“ für eine persönliche Stellungnahme zum Thema „Nachhaltige Investments“ zur Verfügung. Neben DI Dr. Plas äußerten sich auch zahlreiche weitere ExpertInnen zum Thema. Ihre Statements finden Sie in der Rubrik "Thema & Dialog".
Richtlinien des Österreichischen Gemeindebundes für kommunale Finanzgeschäfte
Nicht unerwähnt bleiben sollen in diesem Zusammenhang auch die neuen Richtlinien für Finanzgeschäfte von Gemeinden (Österreichischer Gemeindebund). Der Österreichische Gemeindebund hat gemeinsam mit FinanzexpertInnen Richtlinien betreffend das Finanzierungs- und Veranlagungsmanagement (Finanzgeschäfte) durch Gemeinden erarbeitet. Diese wurden am 28.8.2009 der Öffentlichkeit präsentiert. Wenngleich eine direkte Erwähnung von ethisch-ökologischer Veranlagung darin fehlt, so sind diese Richtlinien doch ein Schritt in die richtige Richtung. Die wichtigsten Punkte der neuen Richtlinien des Österreichischen Gemeindebundes betreffen:
- klare Definition von Finanzprodukten
- Beachtung der Bonität von VertragspartnerInnen
- Geschäfte in Fremdwährungen
- Veranlagungen in Fremdwährung
- Spekulationsverbot
- Kurzfristige Veranlagungen
Die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) ist seit Jahren im Bereich „Nachhaltige Investments“ engagiert. Drei ausgewählte Aktivitäten, die mit Unterstützung des Lebensministeriums erfolgt sind, sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden.
Plattform "Ethisch-ökologische Veranlagung": Die Plattform wurde 2001 ins Leben gerufen und ist ein Zusammenschluss unabhängiger ExpertInnen und VertreterInnen fachbezogener Institutionen und Unternehmen. Sie verfolgt das Ziel der Stärkung und Festigung des Marktes für ethisch-ökologische Geldanlagen in Österreich. Aktivitäten wie die Erstellung und Verbreitung von Informationsbroschüren, die Erarbeitung eines Positionspapiers „Bestimmungen zur Informationspflicht von Einrichtungen zur betrieblichen und privaten Altersvorsorge“ oder die Abhaltung von Veranstaltungen zum Thema „Nachhaltiger Finanzmarkt“ werden von der Plattform durchgeführt. [7]
Nachhaltigkeitszertifizierung der betrieblichen Vorsorgekassen und Pensionskassen: Einige Vorsorgekassen zeigen sich als Vorreiter betreffend der Berücksichtigung von ethischen, ökologischen und sozialen Kriterien in der Veranlagung gegenüber anderen institutionellen Investoren. In Kooperation mit der Plattform "Ethisch-ökologische Veranlagung" vollzieht die ÖGUT die Veranlagungspolitik der betrieblichen Vorsorge- und Pensionskassen einer unabhängigen Prüfung hinsichtlich Nachhaltigkeit - mit dem Ziel, das Engagement der Kassen in diese Richtung zu unterstützen, um die Entwicklung eines nachhaltigen Finanzmarktes weiter voranzutreiben. Geprüft werden drei Bereiche: die „Grundsätze & Methodik“, das „Portfolio“ und das „Umfeld“ der Kassen. [8]
Umweltzeichen für Grüne Fonds: Im Auftrag des Lebensministeriums erarbeitete der Verein für Konsumenteninformation (VKI) gemeinsam mit ExpertInnen aus dem Gebiet des nachhaltigen Investments Richtlinien zur Vergabe des Österreichischen Umweltzeichens für Grüne Fonds. Generell ist das Österreichische Umweltzeichen ein Kennzeichen für Produkte und Dienstleistungen, die bezüglich definierter Merkmale umweltfreundlicher sind als andere. Dadurch werden den KonsumentInnen Informationen über umweltfreundliche Alternativen geboten. Das Umweltzeichen für Grüne Fonds wird für Investmentfonds nach klaren und transparenten Kriterien vergeben. Fonds, die bisher das Umweltzeichen erhalten haben sind beispielsweise die Sparkasse Oberösterreich Kapitalanlagegesellschaft m.b.H, die VINIS Gesellschaft für nachhaltigen Vermögensaufbau und Innovation m.b.H. oder die 3 Banken-Generali Investment GmbH. [9]
Europäische Vorbilder
Im europäischen Raum gibt es bereits einige nachahmenswerte Beispiele für eine Neuausrichtung des Vermögensmanagements der öffentlichen Hand. So hat beispielsweise der Stadtrat der Stadt München im Februar 2008 beschlossen, dass Wertpapieranlagen der Stadt künftig an ethischen, ökologischen und nachhaltigen Kriterien ausgerichtet werden. Damit wird das Dreieck der gesetzlich verankerten kommunalen Anlagegrundsätze (Rentabilität, Sicherheit und Liquidität) um eine vierte Dimension, die „Anlage mit Prinzipien“ bezeichnet wird, erweitert. Im Rahmen dieser Prinzipien investiert München in Körperschaften bzw. Unternehmen, die sich so verhalten, dass über die Bedürfnisse der heutigen Generation hinaus die Bedürfnisse der künftigen Generationen im Fokus bleiben. Weiters werden bei der Geldanlage vorrangig Partner berücksichtigt, die für eine faire Arbeits- und Sozialumwelt sorgen (z.B. familienfreundliche Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten, Arbeitssicherheit). München weitet außerdem seine Investments auf Partner aus, die nachhaltig mit ökologischen Ressourcen umgehen und die in ihrer Geschäftspolitik auf Umweltverträglichkeit achten oder diese fördern. [10]
In Norwegen hat Finanzministerin Kristin Halvorsen dem Parlament vorgeschlagen, umgerechnet rund 3 Mrd. US-Dollar aus dem Vermögen des Norwegischen Pensionsfonds gezielt in ökologische Investments umzuschichten und den "Government Pension Fund - Gobal" zu einem Vorzeigefonds im Bereich Klimastrategie machen. [11]
Dieser Fonds ist mit einem verwalteten Vermögen von knapp 400 Mrd. US Dollar der größte Fonds in Europa und einer der größten Staatsfonds der Welt. Er besteht aus 2 Fonds, dem "Government Pension Fund - Global" und dem "Government Pension Fund - Norway", diese wurden 2006 zusammengeführt.
Der „Government Pension Fund“ soll die Öleinnahmen langfristig und nachhaltig investieren um für die Zeit, in der die Ölreserven der Nordsee zur Neige gehen, sicher und verantwortungsvoll vorzusorgen.
Bereits 2004 verpflichtete sich Norwegen per Gesetz, die Gelder des "Government Pension Fund - Global" nach ethischen und ökologischen Kriterien anzulegen. Das ethische Fundament - die so genannten „Ethical Guidelines“ - basiert dabei auf 2 Instrumenten: der Ausübung von Eigentümerrechten (Schwerpunkte der Verpflichtungen liegen dabei auf „good corporate governance“, Kinderrechten und dem Umweltschutz) und dem Ausschluss von bestimmten Unternehmen aus dem Anlageuniversum. Zum einen sollen das Vermögen des Fonds gemehrt werden, um so der moralischen Verpflichtung gegenüber den künftigen Generationen gerecht zu werden, andererseits soll nicht in Unternehmen investiert werden, die Menschenrechte verletzen, Korruption unterstützen oder der Umwelt schaden.
Anfang April 2009 wurde der Bericht über das Management des Government Pension Fonds 2008 veröffentlicht.[12]
Quellen und Literatur:
[1] http://www.gruenesgeld.at/about/definition.php
[2] BMU et al. 2000, S.3
[3] Hoffmann et al. 2004, S.7
[4] http://www.gruenesgeld.at/anlageformen/index.php
[5] Goethe Universität, Kommuniqué der Projektgruppe Ethisch-Ökologisches Rating
[6] Standard Artikel - Expertengruppe Bundesfinanzierungen
[7] Grünes Geld (Expertenwissen, ethisch-ökologische Veranlagung)
[8] ÖGUT (Themen, Nachhaltiger Finanzmarkt, Nachhaltigkeitsprüfung)
[9] Grünes Geld (Zertifizierung, Umweltzeichen)
[10] Internet-Portal zum öko-fairen Handel(n) (Aktuelles - Stadt München für ethisches Vermögensmanagement)
[11] Börsen-Kurier 21 vom 21. Mai 2009, Seite IV
[12]Wikipedia: Statens pensjonsfond - Staatlicher Pensionsfonds Norwegens
Attac Statement zur Finanzkrise und demokratische Alternativen: Die Zeit ist reif: Demokratische Kontrolle der Finanzmärkte!
BMU, UBA, BMLFUW (2000): Mehr Wert: ökologische Geldanlagen. Ecologic, Arbeitsbereich „environmental finance“. Berlin, Wien.
Goethe Universität: Politische Leitplanken für nachhaltige Märkte und nachhaltigen Wettbewerb. Kommuniqué. Projektgruppe Ethisch-Ökologisches Rating. Frankfurt am Main.
Hoffmann, J., Scherhorn, G., Busch, T. (Hg.) (2004): Darmstädter Definition Nachhaltiger Geldanlagen. Darmstadt Definition of Sustainable Investments. CRIC. Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Darmstadt. (http://www.cric-online.org/download/ws31.pdf)
Kommuniqué Plattform „Ethisch-ökologische Veranlagung“ (www.gruenesgeld.at/kommunique/index.php)
Scherhorn, Gerhard (2008): Nachhaltige Entwicklung: Die besondere Verantwortung des Finanzkapitals. Erkelenz.
Scherhorn, Gerhard (2009): Chance zur Revision? Finanzkrise 2008, in: Nachhaltiges Investment, Politische Ökologie 112-113, München.
Weitere Literaturempfehlungen:
Gabriel, K. (2007): Nachhaltigkeit am Finanzmarkt. Mit ökologisch und sozial verantwortlichen Geldanlagen die Wirtschaft gestalten. oekom Verlag. München.
Hoffmann, J. & Scherhorn, G. (2002): Saubere Gewinne. So legen Sie Ihr Geld ethisch-ökologisch an. HERDER spektrum. Freiburg, Basel, Wien.
Kohrs, T./Grün, A. (2008): Ethisch Geld anlegen. Vier Türme, Münsterschwarzach
Missbach, A. (2007): Saubere Renditen. Ökologisch und sozial verantwortungsvoll investieren. Ein Ratgeber der Erklärung von Bern und der Stiftung für Konsumentenschutz. h.e.p. verlag ag. Ott Verlag. Bern.
Scherhorn, G. (2008): Nachhaltige Entwicklung: Die besondere Verantwortung des Finanzkapitals. Sustainable development: The outstanding responsibility of financial capital. Altius Verlag. Erkelenz.
Politische Ökologie 112-113 (2008): Nachhaltiges Investment. Blaupause für den Neuanfang, oekom Verlag München.
Coming soon:
Gabriel, K. & Schlagnitweit, M. (2009): Das gute Geld. Ethisches Investment. Hintergründe und Möglichkeiten. ISBN 978-3-7022-3026-5.
Ausgewählte Links - Österreich:
ÖGUT-Plattform Ethisch-ökologische Veranlagung: Grünes Geld und ÖGUT
Die Informations- und Bildungsinitiative der ksoe zu Ethik-Investment
Umweltzeichen Grüne Fonds und zugehörige Richtlinie
Neue Richtlinien für Finanzgeschäfte der Gemeinden (Österreichischer Gemeindebund)
Ausgewählte Links - International:
Erklärung von Bern
Eurosif
Forum nachhaltige Geldanlagen
Norwegischer Pensionsfonds
UNEP Finance Initiative - Innovative financing for sustainability
UN-Principles for responsible investment
The Do's and Don'ts of Sustainable Banking/Collevecchio-Declaration
Statements und Gastkommentare zum Thema "Nachhaltige Investments":
Zahlreiche ExpertInnen haben sich zum vorliegenden Thema geäußert - ihre Beiträge finden Sie unter ##quot##Dialog des Monats##quot##. Der Beitrag von Dipl.-Ing. Dr. Christian Plas, unserer "Person des Monats September 2009", ist hier nachzulesen.
23.03.2010, nachhaltigkeit.at


