LA 21 Plus: Agenda der 3. Generation in Wien
Wien stellt ein neues Modell zur Lokalen Agenda 21 vor
Das Jahr 2009 markiert einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung der LA 21 Wien. In gleich mehreren Agendabezirken gehen beinahe zeitgleich die Projektlaufzeiten zu Ende. Die LA 21 nutzte diesen Zeitpunkt, um ein weiteres Mal an der Verbesserung ihres Konzeptes zu arbeiten und damit ein neues Kapitel in ihrer Erfolgsgeschichte auf zu schlagen. Das „Plus“ steht für eine Vielzahl an Neuerungen in den Bereichen Strategien, Strukturen und Arbeitsweisen.
Vier Strategien für eine nachhaltige Entwicklung
Um nachhaltige Entwicklung in Wien noch besser als bisher zu fördern und zu gestalten, wurden dem neuen Modell vier zentrale Strategien zu Grunde gelegt.
- Ausbau von Good Governance Prozessen
Das zentrale Anliegen der LA 21, möglichst viele Akteursgruppen in den Prozess einer nachhaltigen Bezirks- und Stadtentwicklung einzubinden, soll noch stärker als bisher Berücksichtigung finden. Das Ziel ist eine Erweiterung der Akteurskooperationen auf der Projektebene um beispielsweise VertreterInnen der Wirtschaft oder gemeinnützige NGO's vermehrt als PartnerInnen zu gewinnen. Des weiteren wird ein Ausbau der Beteiligungsformen und damit eine Einbeziehung neuer Zielgruppen durch einen stärkeren Methodenmix angestrebt. Dies beinhaltet unter anderem eine intensivere Nutzung des Internets.
- Zweistromverfahren
Wie bisher werden Bürgerinnen und Bürger motiviert und unterstützt eigene Ideen bottom-up in den Prozess einzubringen. Zusätzlich werden thematische Impulsprogramme in den Themenfeldern "Nachhaltige Mobilität und öffentlicher Raum", "Stadtteile für Jung und Alt" und "Interkultureller Dialog" angeboten. Diese stellen einerseits eine stärkere Anbindung von LA 21 Plus Projekten an Politiken und Programme der Stadt sicher. Andererseits sollen durch sie Projekte auf Bezirksebene angeregt werden.
- Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Die Öffentlichkeitsarbeit wird zusätzlich zu den Aktivitäten im Bezirk vermehrt bezirksübergreifend erfolgen. Mit der Präsentation der LA 21 als wienweites Gesamtprojekt sind mehrere Vorteile verbunden: Die Arbeit im lokalen Raum erhält eine breitere Aufmerksamkeit, und auf Ebene der Stadt wird es leichter, interessante Entwicklungen in den Bezirken wahrzunehmen und gegebenenfalls zu unterstützen.
- Kompetenzentwicklung, Wissenstransfer und -marketing
War das Lernen der am Prozess beteiligten AkteurInnen schon bisher ein wichtiger Teil der LA 21, so soll dieses im Sinne einer nachhaltigen Kompetenzentwicklung in Zukunft noch stärker gefördert werden. Es ist vorgesehen, vermehrt inhaltliche und methodische Expertise in die Agendaprozesse einzubringen und den bezirksübergreifendenen Wissensaustausch zu stärken. Die Lokale Agenda 21 Wien soll mit dem neuen Projekt stärker als Kompetenzstelle in einzelnen Wissensbereichen positioniert werden. In Folge erhält die Aufbereitung und Kommunikation von entstandenem Wissen einen wichtigen Stellenwert.
Good Governance - Leitvision des neuen Steuerungsmodells
Ein erster Schritt in der Umsetzung der Strategien wurde bereits im Design der neuen Steuerungsstrukturen getan. Aufbauend auf dem bisherigen Modell wurden jene Bereiche ausgebaut und erweitert, welche für die Anforderungen des Good Governance, wie Transparenz, Partizipation, Verantwortlichkeit von besonderer Bedeutung sind. Das Ergebnis ist ein Steuerungsmodell, welches sowohl dauerhaft tragfähige Strukturen als auch ausreichend Raum für Veränderung und Entwicklung bietet. Die Steuerung der LA 21 Plus erfolgt über drei Gremien (3D-Steuerung):
Steuerungsgruppen auf Bezirksebene
Diese bilden weiterhin das zentrale Steuerungsgremium in den Bezirken. Hier erfolgt die Entwicklung, Umsetzung und Steuerung von Projekten im Dialog zwischen Bezirkspolitik, BürgerInnen und anderen relevanten AkteurInnen. Gemäß dem Zweistromverfahren können Projektideen direkt und unkompliziert bottom-up eingebracht werden. Zugleich gibt es die Möglichkeit, Angebote innerhalb der Impulsprogramme aufzugreifen und den eigenen Bedürfnissen entsprechend zu adaptieren. Zusammensetzung: Bürgerinnen und Bürger; VertreterInnen der Bezirkspolitik, VertreterInnen des Vereins LA 21 Wien.
Impulsplattform
In der Impulsplattform erfolgt die Erarbeitung von Impulsprogrammen entlang der Themenfoci Stadtteile für Jung & Alt, Interkultureller Dialog sowie Nachhaltige Mobilität und öffentlicher Raum. Die Impulsprogramme verstehen sich als Angebote, um die Entwicklung von Projekten in den Bezirken anzuregen und zu unterstützen. Die Arbeitsweise der Impulsplattform ist durch die Zusammenführung von fachlichen und politischen Diskursen mit den praktischen Erfahrungen aus den Bezirken bestimmt. Dadurch wird einerseits die politische Unterstützung und die Integration von Projekten in Programme der Stadt sichergestellt. Andererseits werden damit Aufgaben des Monitorings und der Qualitätssicherung wahrgenommen. Schließlich kann derart auch auf die lokalen Rahmenbedingungen und damit die Umsetzbarkeit von Projekten Rücksicht genommen werden.
Transfergruppe
Ihre Aufgabe ist vor allem der Wissens-und Informationstransfer zwischen den Geschäftsgruppen der Stadt Wien und der Impulsplattform. Sie leistet Vorarbeiten für die Entwicklung der Impulsprogramme, damit diese in dem großen Gremium der Impulsplattform gut bearbeitet und weiterentwickelt werden können. Reflexion, Monitoring und Vorschläge für Qualitätssicherungsmaßnahmen sind ebenfalls Teil ihres Aufgabengebietes. Darüber hinaus ist die Transfergruppe eine wichtige Schnittstelle zum Vorstand für den sie Entscheidungen vorbereitet. Zusammensetzung: VertreterInnen der Magistratsabteilungen 17 Integrations- und Diversitätsangelegenheiten, MA18 Stadtentwicklung, MA 22 Umwelt, MA 24 Sozial Planung, der Geschäftsgruppe Stadtentwicklung und Verkehr sowie des Vereins LA 21 Wien.
Sowohl die Transfergruppe als auch die Impulsplattform wurden bereits konstituiert und haben in ihren ersten Sitzungen Handlungsfelder in den Themenfoci, Ziele und mögliche Aktivitäten diskutiert.
Für Rückfragen stehen Ihnen die Autoren des „Vereins Lokale Agenda 21 in Wien zur Förderung von Bürgerbeteiligungsprozessen“ www.la21wien.at zur Verfügung: Mag. Josef Taucher (01-5858040-11, taucher@la21wien.at) und Mag. (FH) Johannes Kellner (01-5858040-12, kellner@la21wien.at).
17.09.2009, nachhaltigkeit.at




