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Monatsthema 10/09: Nachhaltige Organisation von Veranstaltungen

Der Begriff Nachhaltige Veranstaltungen – oder Green Events – wird seit wenigen Jahren immer prominenter. Denn es wird mehr und mehr bewusst, dass die Art der Organisation und die Teilnahme an Veranstaltungen sehr hohe Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft aufweisen.

Das beginnt bei der Art der Anreise, bei der Verpflegung oder bei der Ausgabe von Merchandising-Materialien oder Give-aways.  Den ökologischen Rucksack, die Wertschöpfung vor Ort und die Sozialverträglichkeit von Veranstaltungen zu erkennen, zu bewerten und zu verbessern sind Themen, die unter dem Dachkonzept Nachhaltige Veranstaltungen diskutiert werden.

Dass ressourcenschonendes Verhalten bei Veranstaltungen und Kongressen nicht mehr nur eine rein individuelle Angelegenheit von  Privatpersonen darstellt, zeigt der Trend, dass immer mehr VeranstalterInnen auf eine nachhaltige Organisation Wert legen.

Dieser Trend kann sehr effektvoll werden, denn die MICE Branche (Meeting, Incentive, Congress, Event) bewegt – Wirtschaftskrise hin oder her – viel; viele Ressourcen, viel an Geld und viele Menschen: Allein die UEFA Fußball EM 2008 verzeichnete rund 62 Millionen BesucherInnen insgesamt, das berühmte Donauinselfest in Wien meldet jährlich rund 3 Millionen BesucherInnen und an Tagungen und Kongressen fanden im Jahr 2008 allein in Wien mehr als 3000 Veranstaltungen mit knapp 400 000 TeilnehmerInnen statt, wobei diese zum Großteil international anreisten. Regionale Feste und Veranstaltungen sind dabei noch gar nicht erfasst.

Wie nachhaltig ein Event veranstaltet wird, bleibt mangels einheitlicher Standards aber oft noch unklar. Vor allem deshalb, weil Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) in der MICE Branche als ziemliches Neuland gelten.  Dennoch sind viele Initiativen zur Entwicklung und Vereinheitlichung von Standards bereits im Gange – für Österreich ist hier insbesondere die während der EU Ratspräsidentschaft initiierte Initiative Green Events Austria zu nennen.
 
Green Events Austria  
 
Green Events Austria ist eine vom Lebensministerium in Kooperation mit dem Österreichischen Ökologieinstitut gestartete Initiative, die auf die österreichische EU-Präsidentschaft 2006 zurückgeht. Zielsetzung ist es, Standards für nachhaltige, an ökologischen Kriterien ausgerichtete Events und Veranstaltungen in den verschiedensten Bereichen zu etablieren. Durch diese Initiative hat Österreich maßgeblich zur internationalen Positionierung des Themas beigetragen. Unter der Rahmeninitiative Green Events Austria werden:

 
- Pilotprojekte durchgeführt und begleitet,
- Veranstaltungen, Websites und Newsletter zum Thema nachhaltige Veranstaltungen für den Wissenstransfer organisiert,
- Impulse und Aktivitäten zur Bildung von Netzwerken gesetzt
- jährliche Schwerpunktinitiativen für Veranstalter und Veranstalterinnen durchgeführt und
- Fachjournale, Zeitschriften und Zeitungen zum Thema nachhaltige Veranstaltungen informiert

Um die einzelnen Initiativen innerhalb von Österreich zu vernetzen, wurde das Bund-Bundesländer-Netzwerk »Nachhaltige Feste in Österreich« ins Leben gerufen. Neben dem Lebensministerium sind alle Bundesländer – mit Ausnahme von Kärnten – an dem Netzwerk beteiligt.

Welche Themen konkret behandelt werden, welche Projekte und welche Partnerschaften unter dieser Rahmeninitiative realisiert werden, kann auf der Homepage www.greeneventsaustria.at nachgelesen werden.

Was macht eine nachhaltige Veranstaltung aus? 

Aufgrund der starken Auswirkungen der MICE Branche auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft sollte bereits bei der Planung von Veranstaltungen entsprechend umgedacht und gehandelt werden.  „Green Events“ steht für umweltgerechte und nachhaltige Organisation von Veranstaltungen. Energie­effizienz, Abfallmanagement, regionale Wertschöpfung sowie soziale Verantwortung sind zentrale Aspekte bei der Umsetzung nachhaltiger Events. Außerdem können große Veranstaltungen dazu beitragen, das Thema Nachhaltigkeit einer sehr großen Anzahl an Menschen und Zielgruppen nahezubringen, die sonst nicht erreicht werden könnten.

Nachhaltige Veranstaltungen umfassen Events aller Art, vom regionalen Feuerwehrfest bis hin zu multimedialen Großereignissen wie die Fußball EM 2008. Einheitliche Standards und Leitlinien für eine solche Bandbreite zu entwickeln ist daher schwierig. Dennoch können einige grundlegende Aspekte hier genannt werden. Green Events berücksichtigen während des gesamten Organisationsablaufs Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte. Konkrete Maßnahmen, die ein Green Event charakterisieren, sind etwa folgende:

 
- Green Events verringern Umweltbelastungen, indem sie bereits in der Vorbereitungsphase ein Nachhaltigkeitsmanagementsystem einrichten
- Energiesparpotenziale ausschöpfen und erneuerbare Energien einsetzen
- Abfallvermeidungs- bzw. Verwertungssysteme integrieren
- durch den Event verursachte Treibhausgase (inkl. Anreise der TeilnehmerInnen), Luftverschmutzung und Lärmbelästigung minimieren und/oder Kompensationsmaßnahmen initiieren
- Trainings- und Awareness Raising-Maßnahmen zur Umsetzung von Nachhaltigkeit für die MitarbeiterInnen von Events bereitstellen
- auf die Wertschöpfung vor Ort achten 
 
Nachhaltige Eventgestaltung soll aber nicht nur den ökologischen Rucksack vermindern und für die Gesellschaft insgesamt Positives beitragen, auch der oder die Veranstalter selbst können ganz konkrete Vorteile daraus ziehen. Ganz vorne zu nennen ist hier sicherlich eine Kostenersparnis (weniger Energieverbrauch etwa bedeutet auch weniger Kosten), die, je größer das Event, umso mehr zum Tragen kommt.  Daneben kann ein bestimmter Imagegewinn für die Veranstaltung und/oder den Ort der Veranstaltung ganz konkrete Vorteile bringen.
 
 
Wie engagiert sich Österreich konkret?

Im Jahr 2006 wurde im Hinblick auf die Vorbereitung der EU-Präsidentschaft ein „Leitfaden zur umweltgerechten Organisation von Veranstaltungen“ Leitfaden zur umweltgerechten Organisation von Veranstaltungen3109,6 kB entwickelt und herausgegeben. Er enthält Empfehlungen und praktische Hinweise zu den 10 wichtigsten Themenfeldern, die für die Organisation von Konferenzen höchste Umweltrelevanz aufweisen. Um dem Grundgedanken der Nachhaltigkeit mit seiner sozialen und wirtschaftlichen Säule gerecht zu werden, wurden zudem die Themenfelder „Barrierefreiheit“ und „Gender Mainstreaming“ mit einbezogen. 
 
Im Oktober 2007 fand der 4. Österreichische LA 21-Gipfel „Wir spinnen Zukunft!“ statt, veranstaltet vom Lebensministerium, dem Land Salzburg und der Impulsregion 21. Der Bericht „Fachliche Grundlagen zur Bilanzierung der Nachhaltigkeit des 4. LA 21-Gipfels“ Fachliche Grundlagen zur Bilanzierung der Nachhaltigkeit des 4. LA 21-Gipfels168,12 kB schätzt ökologische, ökonomische und soziale Effekte ab, die durch diesen Gipfel erzielt worden sind. Wenn auch keine finalen Bilanzen, aufgrund von noch fehlenden Methoden und Daten, erstellt werden konnten, so konnten doch konkrete, positiv bewertete Teilbilanzen ermittelt werden.
 
Die UEFA EURO 2008, mit rund 62 Millionen BesucherInnen die größte Sportveranstaltung, die je in Österreich und der Schweiz durchgeführt wurde, konnte nicht nur für die Kommunikation des Themas Nachhaltigkeit, sondern auch für die Berichterstattung und Bilanzierung der Auswirkungen auf Wirtschaft, Umwelt und Soziales genutzt werden. So entstand der erste multilaterale Nachhaltigkeitsbericht zu einem Sportevent Nachhaltigkeitsbericht UEFA EURO 20089347,08 kB, herausgegeben von den beiden Gastgeberländern Österreich und Schweiz unter Mitarbeit der EURO 2008 Switzerland Austria (SA) sowie der acht Host Cities Basel, Bern, Genf, Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg, Wien und Zürich.
 
Österreich ist zudem aktuell im Rahmen eines Multi-Stakeholder Prozesses an der Ausarbeitung eines sogenannten Sector Supplements zu den GRI (Global Report Initiative www.globalreporting.org) mitbeteiligt. Dabei werden Sustainability Reporting Guidelines für den Bereich Events entwickelt. Die Terms of Reference finden Sie hier: Terms of Reference 77,75 kB
  
 
 
Auszeichnungen, Zertifizierungen, Standards

In Österreich verfügen wir noch über keine offiziellen, staatlich anerkannten Standards zur umfassenden Zertifizierung von nachhaltigen Veranstaltungen. Es gibt aber bereits einige Zertifikate, die Teilaspekte abdecken. Im Bereich Tagungen und Kongresse etwa gehören hier dazu:

EMAS alternativ EMAS easy
Zertifizierung für Kongresshäuser und kleinere Organisationen

EMAS ist die Kurzbezeichnung für Eco-Management and Audit Scheme, auch Öko-Audit genannt. Die EMAS-Verordnung misst der Eigenverantwortung der Wirtschaft bei der Bewältigung ihrer direkten und indirekten Umweltauswirkungen eine entscheidende Rolle zu. EMAS ist Orientierungshilfe bei der Wahl von Veranstaltungsorten und Eventzulieferfirmen.


Österreichisches Umweltzeichen
für Kongress- und Tagungshotels

Produkte und Dienstleistungen mit dem Österreichischen Umweltzeichen, die bei einem Event zum Einsatz kommen, erfüllen umfassende Anforderungen an Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit sowie Gebrauchstauglichkeit. Es ist nicht nur für die Organisation von nachhaltigen Veranstaltungen eine wichtige Orientierungshilfe, sondern auch für die Unterkünfte der Veranstaltungsteilnehmer und -teilnehmerinnen. 
 
Aber nicht nur Kongress- und Tagungshotels sowie beim Kongress eingesetzte Produkte und Dienstleistungen sollen künftig mit einem Umweltzeichen zertifiziert werden. Großes Interesse besteht seitens der Kongresswirtschaft, dass künftig ein Kongress selbst als temporäres Event nach transparenten und nachvollziehbaren Kriterien mit einem Umweltzeichen ausgezeichnet werden kann, wenn die Kriterien erfüllt werden. Das Lebensministerium unterstützt dieses Anliegen. Eine eigene Umweltzeichen-Richtlinie für „Nachhaltige Meetings“ soll daher erarbeitet werden und voraussichtlich 2010 verfügbar sein.  
 
 
International gibt es aber bereits eine Zertifizierung, den Britischen Standard für nachhaltiges Eventmanagement, den BS8901, herausgegeben vom britischen Institut für Normung. Der Standard umfasst sämtliche veranstaltungsrelevanten Bereiche, vom Energiebedarf über die Transportmittel bis hin zum Abfallmanagement. Ende 2009 soll eine überarbeitete Fassung der BS8901 vorliegen, eine Weiterentwicklung zur weltweiten ISO-Norm wird gerade in Zusammenhang mit den olympischen Spielen 2012 in London diskutiert. Die Zertifizierung nach einem internationalen Standard ist jedoch schon seit längerer Zeit möglich. Das Unternehmen Green Globe Certification hat sich auf nachhaltiges Wirtschaften der Tourismus- und MICE-Branche spezialisiert, rund 200 Kriterien müssen die AntragstellerInnen erfüllen, um das Siegel verliehen zu bekommen.


Beispiele von Projekten in Österreich

„G’scheit feiern“ im Leobener Weihnachtsdorf

Das Leobener Weihnachtsdorf war im Jahr 2008 erstmals nach den ökologischen Vorgaben von »G´scheit feiern« ausgerichtet. »G´scheit feiern« heißt die steirische Initiative im Rahmen des Bund-Bundesländernetzwerks von Green Event Austria. Die drei Grundkriterien dieser steirischen Veranstaltungsform, nämlich Verwendung von Mehrweggeschirr, Anbieten von regionalen Produkten und die Bereitstellung von öffentlichen Verkehrsmitteln, wurden über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen umgesetzt.
Das Gütesiegel »G´scheit feiern« soll umweltbewusstes, traditionelles Feiern garantieren. Für »G´scheit feiern« wurden daher Qualitätskriterien in den Bereichen Abfall- und Mehrweg-Produkte sowie An- und Abreise ausgearbeitet. Um eine Veranstaltung unter dem Motto »G´scheit feiern« durchführen zu können, muss sich der Veranstalter schriftlich verpflichten, diese Kriterien zu erfüllen.
Damit ist für die Festbesucher sichergestellt, dass bei Verwendung der Werbelinie den definierten Qualitätskriterien entsprochen wird.
 
Green Meeting Alpbach 2009
 
Alpbach in Tirol ist mittlerweile ein gefragter Kongressstandort. Der Verein Europäisches Forum Alpbach als Veranstalter und das Congress Centrum Alpbach als Kongressanbieter haben sich dazu entschlossen, das Europäische Forum Alpbach 2009 zu einer an den Prinzipien der Nachhaltigkeit orientierten Tagung Österreichs zu machen. Titel der Initiative: »Green Meeting Alpbach 2009«. Diese Initiative zur nachhaltigen Planung und Durchführung des Europäischen Forum Alpbach sollte Maßnahmen zur ökologisch nachhaltigen und verantwortungsvollen Handhabung in allen Bereichen des Konferenzmanagements setzen. Im Vordergrund der Initiative Green Meeting Alpbach stehen die Verwendung regionaler und saisonaler Produkte im Catering, die Stärkung des öffentlichen Verkehrs, ein effizientes Energiemanagement im Konferenzzentrum, gezielte Abfallvermeidung und die Beschaffung nachhaltiger Produkte.

Schi WM Schladming 2013

Die Schladminger Schi-Weltmeisterschaft im Jahr 2013 soll nach Plänen der Veranstalter eine nachhaltige Veranstaltung werden. Land Steiermark, Stadt Schladming, Umweltministerium und das Österreichische Ökologie Institut wollen die WM als erste klimaneutrale Wintersport-Großveranstaltung abhalten.

Ziel ist es, dass das Thema Nachhaltigkeit sowohl in der Vorbereitung zur Schi-WM, als auch in der Durchführung und in den langfristigen Effekten optimal platziert wird. Die zuständigen Ressorts des Landes Steiermark starteten daher Anfang 2009 gemeinsam mit der Region einen Prozess, um die Event-Vorbereitungen in Richtung Nachhaltigkeit zu optimieren. Als erstes strategisches Ziel wurde festgelegt, dass die WM Schladming 2013 als erste klimaneutrale Wintersport-Großveranstaltung einen Meilenstein setzen wird. Über den Zeitpunkt 2013 hinaus soll eine Musterregion für Energie- und Ressourceneffizienz aufgebaut werden.

 
 
Autorin: Doris Schnepf, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sustainable Europe Research Institute (www.seri.at). Recherche und Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik
 
 
Statements zum Thema:
Im
Dialog des Monats 10/09 beantworten Elisabeth Freytag, Abteilungsleiterin EU-Angelegenheiten Umwelt und Manfred Koblmüller, Ökologie Institut, grundlegende Fragen zu nachhaltigen Veranstaltungen.

Personen des Monats 10/09 sind Fiona Pelham, UK – Vorsitzende des BS 8901, Gründungsmitglied von Positive Impact, Eventmanagerin und Matthias Schultze, Geschäftsführer des World Conference Center Bonn und Vizepräsident des Europäischen Verbandes der Veranstaltungscentren e.V.

23.03.2010, nachhaltigkeit.at