Prozess des Monats 11/09 - Harmannsdorf
Niederösterreich
Die Inhalte dieser Seite gestaltete Prozessbegleiter DI Andreas Zbiral (NÖ Dorf- & Stadterneuerung).
1. Kurzprofil zur Gemeinde:
Die Marktgemeinde Harmannsdorf befindet sich im südlichen Weinviertel (Bezirk Korneuburg), etwa 15 km vor den Toren Wiens. Das 55 km2 große Gemeindegebiet liegt am Übergang der Donauebene (obere Donauterrasse) zur sanften Hügellandschaft des Weinviertels. Die landwirtschaftlich geprägte Landschaft weist einen für das Weinviertel sehr hohen Waldanteil von 28% auf (Rohrwald und Kreuttal). Aufgrund der günstigen Lage im Nahbereich von Wien ist die Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich angewachsen, auf heute knapp über 3.500 Einwohner. Die 7 Ortschaften der Marktgemeinde Harmannsdorf haben bereits seit über 20 Jahren Erfahrungen mit Bürgerbeteiligungsprozessen im Rahmen der Dorferneuerung (5 Orte haben eine Dorferneuerungsverein). Als Weiterentwicklung stieg Harmannsdorf 2006 in die Aktion „Gemeinde21“ (Anm.: dem niederösterreichischen LA21-Prozess) ein und führt seit damals einen erfolgreichen Prozess durch.
2. Ansprechpersonen
Marktgemeinde Harmansdorf
Bgm. Norbert Hendler
Günter Hartl (G21-Kontakt Verwaltung)
2111 Harmannsdorf, Kirchengasse 5
t: 02264-7500
gemeinde@harmannsdorf.gv.at
www.harmannsdorf.gv.at
Kernteamleitung
GR Johann Pfalz, 2111 Seebarn, Johannesgasse 2 und
GR Anneliese Nebenführ, 2111 Harmannsdorf, Weichselgasse 14
Prozessbegleitung
DI Andreas Zbiral, NÖ Dorf- und Stadterneuerung
t: 0676 – 88 591 211
andreas.zbiral@dorf-stadterneuerung.at
www.dorf-stadterneuerung.at
LA21-Leitstelle im Bundesland
Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Raumordnung und Regionalpolitik
Landesgeschäftsstelle für Dorferneuerung - Koordinierung Agenda21
Gaswerkgasse 9, A-3500 Krems
post.gde21(at)noel.gv.at
f 02732 - 9025-11204
DI Bernhard Haas
t 02732 - 9025-10802
bernhard.haas(at)noel.gv.at
DI Alexandra Schlichting
t 02742 - 9005-14902
alexandra.schlichting(at)noel.gv.at
www.gemeinde21.at
3. Prozessverlauf der LA 21 in der Marktgemeinde Harmannsdorf
Herbst 2005: Information über Gemeinde21, Bildung des Kernteams (=Steuerungsgremium)
Frühjahr 2006: Vorbereitung des Einstiegs, Bildung der Struktur (5 Arbeitskreise), BürgerInnentag mit 180 TeilnehmerInnen, Motto: 7 Orte – eine Gemeinde, Gemeinderatsbeschluss
Herbst 2006: BürgerInnenbefragung (guter Rücklauf mit 23% der Haushalte), Entwicklung des Zukunftsbildes (= LA21-Leitbild) in 3 Abenden, Sieger beim Ideenwettbewerb mit dem Projekt „Alt werden im Dorf“
Frühjahr 2007: Entwicklung des Maßnahmenprogramms, selbstständige Sitzungen der Arbeitskreise, Beginn der Projektentwicklungen und Umsetzung, Anerkennung Zukunftsbild und Maßnahmenprogramm im Gemeinderat
Herbst 2007: Energietag mit Unterzeichnung Klimabündnismanifest (200 TeilnehmerInnen), Etablierung des G21-Halbjahrestreffen (erweitertes Kernteam) an dem regelmäßig rund 20 Personen aus allen Arbeitskreise teilnehmen, Projektentwicklung und –umsetzung
Frühjahr 2008: Projektentwicklung und –umsetzung
Herbst 2008: Drehtag für den G21-Film, G21-Aktionstag „Lokale Wirtschaft & Klimaschutz“ mit ca. 150 TeilnehmerInnen und 15 Aussteller, 1. Gesundheitstag à Einstieg in das Landes-Programm „Gesunde Gemeinde“, Unterzeichnung der Aalborg-Charta, Projektentwicklung und –umsetzung
Frühjahr 2009: Projektentwicklung und –umsetzung, Teilnahme am G21-Gipfel in Echsenbach
Nähere Informationen, Berichte (Zukunftsbild, Maßnahmenprogramm)und Protokolle sind auf der Webseite der Marktgemeinde Harmannsdorf unter www.harmannsdorf.at à Gemeinde21 zu finden
4. Ausgewählte Projekte und Aktionen
Wirtschaftsverzeichnis Harmannsdorf
Erhebung aller Wirtschaftstreibenden (Gewerbe, Landwirte, Dienstleiter, …) in der Gemeinde, Zusammenstellung in einer attraktiven Broschüre, Über 100 Eintragungen auf 40 Seiten (Auflage 2.500 Stück), Verteilung an alle Haushalte und Auflage an zentralen Stellen, Projektleitung: GR Herbert Ulrich, Gertraud Wittek; Folgewirkungen: als weitere Aktivität die G21-Veranstaltung „Lokale Wirtschaft & Klimaschutz“ mit ca. 150 TeilnehmerInnen und 15 Aussteller, weiters entwickelte sich eine Tauschbörse, die sich regelmäßig trifft, um ohne Geld regionale Güter und Dienstleistungen auszutauschen (siehe www.talente-noe.at)
Apfelsaft aus unserer Gemeinde
Bereits lange vor dem Start der „Gemeinde21“ pflanzte anlässlich der Milleniumsfeiern 1996 (1000 Jahre Österreich) der Dorferneuerungsverein Harmannsdorf über 1.000 Obstbäume auf öffentlichen Straßen und Plätzen der Gemeinde. Seitdem werden die Bäume fachkundig gepflegt und tragen nun alljährlich reichlich Frucht. Aktuell werden jährlich etwa 8.000 kg Äpfel geerntet und in einem Fachbetrieb zu 4.000 Liter Apfelmost gepresst. Dieser wird in den Schulen zum Selbstkostenpreis angeboten (als Alternative zu den herkömmlichen Automatengetränen) und an die BürgerInnen verkauft. Nach ersten kleinen Förderungen trägt sich das Projekt einstweilen von selbst. So werden nicht nur das Landschaftsbild der Gemeinde ökologisch bereichert und alte Obstsorten bewahrt, sondern auch das daraus entstehende Naturprodukt gemeinsam genossen. Dieses Projekt wurde beim Wettbewerb "Ideenbörse" der NÖ Dorf- und Stadterneuerung ausgezeichnet. Informationen: Karl Paul, Obmann des Dorferneuerungsvereins
Jugendshuttlebus
Dieses innovative Pilotprojekt baut auf dem zuvor erstellten Jugendkonzept auf, das zu dauerhaft bestehenden Kontakten der Jugendgruppen der einzelnen Ortschaften führte. Nun entwickelten die Jugendlichen ein speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Shuttlebus-Service. Ein Bus führt Sie zu festgesetzten Abfahrtsterminen zu den gemeinsam ausgewählten Veranstaltungen und Partys in der Region und bringt sie zu nächtlicher Stunde wiederum zurück nach Hause.
Der sehr gut angenommene Jugendshuttlebus trägt somit zur Reduktion des regionalen Verkehrsaufkommens bei, aber auch zur persönlichen Sicherheit der Jugendlichen (Schlagwort: nächtliche Verkehrsunfälle mit Jugendlichen). Der Jugendshuttlebus wurde auch von der örtlichen Exekutive und den Eltern der Jugendlichen begeistert aufgenommen. Finanziert wird das Projekt durch einen Beitrag der Festveranstalter, einen geringen Fahrtkostenbeitrag der Jugendlichen, sowie Förderungen der Gemeinde und des Landes NÖ. Dieses bereits seit mehreren Jahren bestehende Musterprojekt, das schon zu Beginn auf großes Interesse stieß, wurde in der Folge auch auf die angrenzenden Gemeinden ausgeweitet und wird nun auf Ebene der Kleinregion „10 vor Wien“ weitergeführt. 2008 wurden 29 Veranstaltungen angefahren und über 7000 MitfahrerInnen gezählt. Das Projekt erhielt den NÖ Dorf- und Stadterneuerungspreis 2005. Nähere Infos
7-Orte-Weg – Rad- und Freizeitwegenetz
Gleich zu Beginn des Lokalen Agenda 21-Prozesses im Herbst 2005 wurde diese ortsübergreifende und ortsverbindende Idee vorgestellt. Sie wird nun unter der Ausnützung des bestehenden Wegenetzes konkretisiert und umgesetzt (2007-2010). Während die bestehenden regionalen Radrouten verstärkt unter einem touristischen Aspekt angelegt wurden, soll das örtliche Wegenetz vor allem für die kurzen Wege innerhalb und zwischen den 7 Orten im Alltag errichtet werden.
Projektziel ist die Entwicklung eines Radwegnetzes, um alle 7 Orte miteinander zu verbinden. Der 7-Orte-Weg soll sich zu einem wichtigen lokalen Vernetzungsinstrument für den Alltagsradverkehr entwickeln. (Verbindung zu zentralen Einrichtungen wie Hauptschule, Gemeindeamt, Bank, Kaufhäuser, Sportstätten, Freizeiteinrichtungen z.B. Badeteiche, etc.) Auch die Verknüpfung mit den Radwegenetzen in angrenzenden Gemeinden (z.B. Großrußbach, Stetten) ist vorbereitet. Dieses Projekt wurde auch von klima:aktiv ausgezeichnet und finanziell unterstützt.
Alt werden im Dorf – Soziales Zentrum Würnitz
Zur Ausgangslage: Durch zwei große Bauphasen in den letzten 40 Jahren hat sich der Ort um ein Mehrfaches vergrößert. Die vor Jahrzehnten entstandenen familiengerechten Einfamilienhäuser sind heute für ältere Personen oft zu groß und tw. auch zu teuer geworden. Mangels Beschäftigung und preiswerter Wohnmöglichkeiten haben aber auch viele Jugendliche das Dorf verlassen. Die Dorferneuerung Würnitz hat 2005 an dem Ideenwettbewerb der Niederösterreichischen Dorf und Stadterneuerung teilgenommen und ist als Preisträger hervorgegangen. Das übergeordnete Ziel dieser Idee ist nun durch die Errichtung eines Dorfzentrums im leerstehenden Pfarrhof und mit den darin geplanten Angeboten einen Beitrag zu leisten, dass die Senioren an ihrem Lebensabend in die Gemeinschaft des Dorfes eingebettet bleiben und dass junge Menschen einen Platz für Aktivitäten finden. Im Detail sind folgende Inhalte vorgesehen: Die Errichtung eins Dorfzentrums mit speziellem Augenmerk auf ältere Menschen und Jugendliche, die Errichtung eines Mehrzweckraumes (gemeinsame Nutzung Senioren, Gemeinde, Pfarre, Vereine, etc.), die Errichtung eines Büros für eine Sozialstation (gemeinsame Nutzung mit anderen nötigen Büroräumen) und eines Ärztezimmers. Als langfristige Erweiterungsmöglichkeit ist auch „Betreutes Wohnen“ angedacht. Der Gemeinde21-Arbeitskreis Soziales & Gesundheit schuf in mehrjährigen Bemühungen die Voraussetzungen für dieses sehr komplexe und weitsichtige Vorhaben. Unterstützung fanden Sie im Bürgermeister a.D. Leopold Steindl. Nach einem nun einjährigen Kindergarten-Provisorium wird das Sozialzentrum Würnitz 2010 umgesetzt werden. Informationen: Luise Kasess, Leiterin des Arbeitskreises und langjährige Obfrau des Dorferneuerungsvereins.
5. Ausblick
Die fünf Arbeitskreise setzen selbstständig ihre Tätigkeiten fort und treffen sich regelmäßig. Halbjährlich gibt es koordinierende Besprechungen des Kernteams. Der Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung und Fertigstellung der begonnen Projekte (siehe oben). Ein deutlich spürbarer neuer Akzent im Bereich Gesundheit wird durch den kürzlich erfolgten Beitritt zu Aktion „Gesunde Gemeinde“ gesetzt. Hier arbeitet eine neue Gruppe an Informationen und Veranstaltungen zu diesem Thema. In Vorbereitung sind größere Aktivitäten im Bereich Klimaschutz / Erneuerbare Energien. Dazu gibt es erste Studien über ein Biomasse-Heizwerk für den Ortskern des Hauptortes. Aber auch neue Ideen tauchen auf, wie z.B. die Herausgabe eines „7-Orte-Folders“, um vom neuen Tourismusprojekt „Fossilienwelt“ in der Nachbargemeinde profitieren zu können.
In der Marktgemeinde Harmannsdorf kann man nach nunmehr über 20 Jahren Dorferneuerung und bald 5 Jahren „Gemeinde21“ mit einigen ausgezeichneten Projekten und weiteren Ideen im besten Sinne des Wortes von einem „nachhaltigen Prozess“ sprechen.
6. Redaktion und Rückfragen
DI Andreas Zbiral, NÖ Dorf- und Stadterneuerung
t: 0676 – 88 591 211
andreas.zbiral@dorf-stadterneuerung.at
www.dorf-stadterneuerung.at
30.10.2009, Nachhaltigkeit Lokale Agenda 21














