Dialog des Monats 11/09: Ökologische Nachhaltigkeit von Produkten
Gastkommentare von Franz Hölzl (SPAR), Barbara Schmon (BMLFUW), Barbara Schausberger, IGLO, Christian Kornherr (VKI, Koordination Umweltzeichen), Herbert Aichinger (Europäische Kommission), Hildegard Aichberger (WWF) und Rainer Schultheis (Redakteur österreichischer Rundfunk).
Hildegard Aichberger, DI Dr., MBA, Geschäftsführerin des WWF Österreich
Heute nicht nachhaltig zu produzieren, bedeutet morgen hohe Ausgaben für die Beseitigung der ökologischen Schäden. Tagtäglich fragen wir uns, welchen Beitrag wir als Einzelne in Hinblick auf Nachhaltigkeit leisten können. Dabei ist es so einfach. Jeder Konsument kann mit der Wahl seiner Konsumgüter mitentscheiden, in welche Richtung sich die Welt künftig entwickelt.
Der bewusste Umgang mit dem täglichen Konsum ist der Motor für eine nachhaltige Entwicklung des Handels. Die Bereitschaft zu nachhaltigen Produkten wächst stetig. Doch mit der Vielfalt an Labels wird der Konsument zunehmend verunsichert und die Kaufentscheidung im Supermarkt entwickelt sich mehr und mehr zu einem Spießrutenlauf, welche Produkte vertrauenswürdig sind und welche nicht. Eine Aufgabe von Umwelt-NGOs wie dem WWF ist es, Licht in den Label-Dschungel zu bringen und eine möglichst transparente und einfache Kaufempfehlung zu transportieren. Niemand will sich mit wissenschaftlichen Zahlen oder Berechnungen auseinandersetzen. Wenn KonsumentInnen einkaufen gehen, möchten sie den Empfehlungen von Labels vertrauen können und mit ruhigem Gewissen zu den ausgelobten Produkten greifen, ohne sich dabei über die Produktionsmethoden Gedanken zu machen. Es herrscht ein Konsens darüber, welche Kriterien ein wirklich nachhaltiges Produkt erfüllen muss. Biologische Produktion, fairer Handel oder regionale Produkte bilden hierbei die Eckpfeiler. Wenn die verschiedenen Labels auf diese Kriterien hin überprüft werden, dann trennt sich sehr schnell die Spreu vom Weizen. Alles, was unter dem Strich übrig bleibt, wird einer nachhaltigen Entwicklung des Marktes und damit dem Angebot gerecht. Natürlich sind die geforderten Standards nicht nur auf Lebensmittel beschränkt. Nachhaltiger Konsum ist auf jegliche Form von Konsumgütern des Alltags anwendbar (z. B. Verkehr, Strom, Textilien und Bekleidung etc.).
Aufgabe der NGOs ist es also einerseits dem Handel einen nachhaltigen Weg aufzuzeigen und auf der anderen Seite Bewusstsein für die Kaufentscheidungen der KonsumentInnen zu schaffen. Die Auslobung von Labels spielt hierbei eine zentrale Rolle und stellt ein wichtiges Kommunikationselement dar. Unser wachsender ökologischer Fußabdruck ist Realität und nur durch nachhaltiges Konsumverhalten kann jeder Einzelne seinen Beitrag leisten, den persönlichen Fußabdruck zu senken und eine Veränderung des Marktes in Richtung einer nachhaltigen Zukunft herbeizuführen.
wwf@wwf.at
DI Franz Hölzl, Nachhaltigkeitsverantwortlicher SPAR mit der Zielsetzung: Steigerung der Ressourcenproduktivität im Unternehmen und in den angebotenen Produkten.
Klimaschutz ist eines der ganz großen Themen, die uns alle derzeit beschäftigen. Viele unserer Kunden machen sich große Gedanken, wie sie ihren Beitrag dazu leisten können. Den ökologischen Fußabdruck eines Produktes zu beurteilen, stellt Konsumenten jedoch vor eine fast unlösbare Aufgabe. Eine Kennzeichnung der Produkte wäre daher aus Sicht von SPAR auf jeden Fall sinnvoll, um den Konsumenten eine echte Wahlmöglichkeit und Orientierung zu geben. Aber um das ganze wirklich sinnvoll zu machen, müssen unbedingt bestimmte Voraussetzungen gegeben sein: Es sollte ein von Fachexperten definierter Kriterienkatalog erstellt werden, der möglichst auf Ebene einer Verordnung festgeschrieben ist, und an den sich alle halten müssen, die eine CO²- Kennzeichnung auf ihren Produkten angeben. Ansonsten droht die Gefahr, dass so mancher versucht, die Produkte „schönzurechnen“ oder bewusst Teile aus der Beurteilung herausnimmt (wie zum Beispiel beim einem bereits am Markt befindlichen Joghurt, bei dem nur das Produkt, nicht jedoch die Verpackung berücksichtigt wird). Außerdem sollte im Sinne der Konsumenten die Art der Kennzeichnung einheitlich sein. Mit einem „Pickerl-Wildwuchs“ ist niemandem gedient.
Derzeit entstehen viele Einzelinitiativen, wir von SPAR halten das aus den oben genannten Gründen jedoch nicht für zielführend. Wir rufen daher Händler und Produzenten zu einer Vereinheitlichung auf. Diese Art der Herangehensweise an ein Thema hat sich zum Beispiel bei der ARGE für gentechnikfrei erzeugte Lebensmittel sehr bewährt.
Franz.HOeLZL@spar.at
Dr. Barbara Schmon, Lebensministerium, Abteilung II/3, Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik
Der Label- Dschungel: Gratwanderung zwischen Information und Überforderung
Ein „footprint“ für Produkte ? Hilfreich oder kontraproduktiv? Vordergründige Wirtschaftsinteressen mit mehr Schein als Sein oder doch ernsthafte Bemühungen?
Einige „first mover“ in Europa zeigen wie es geht - schauen wie also über die Grenzen:
Begonnen hat die Umweltstiftung Carbon Trust in Großbritannien im März 2007. In Zusammenarbeit mit der Supermarktkette Tesco wurde ein Pilotprojekt gestartet, um den Product Carbon Footprints (PCF) nach einer eigens entwickelten Methodik zu berechnen. Inzwischen haben sich mehr als 15 Unternehmen der Initiative angeschlossen.
Wer nun also bei Tesco einkauft, hat die Wahl: Er kann zum Orangensaft aus Konzentrat greifen, dessen Produktion 260 Gramm CO2-Ausstoß (je 250 ml) verursacht hat, oder zum Direktsaft, der es auf 360 Gramm bringt. Ein auf die Verpackung aufgedruckter Fußabdruck, der sogenannte „Carbon Footprint“, erklärt dem Käufer die Klimabilanz des Produktes. Welche Mengen Fett, Kalorien und andere Inhaltsstoffe bei verschieden Produkten gleich mitverzehrt werden, das steht in Großbritannien schon lange auf den Packungen. Eine weitere Information scheint daher nicht zu überfordern.
In der Schweiz wurde durch Migros ein CO2-Label eingeführt, das hingegen die klimaschonendsten Produkte innerhalb einer Warengruppe kennzeichnet und so für die KonsumentInnen direkt am „point of sale“ Transparenz schafft. Als erstes wurden zwei Produkte im Waschmittelsortiment mit dem Label "Climatop" versehen. Berechnet wird auf Basis international anerkannter Datengrundlagen des Schweizerischen Zentrums für Ökoinventare „ecoinvent“. Bevor ein Produkt mit dem CO2-Label deklariert wird, muss das Resultat der Bilanzierung einer zusätzlichen kritischen Prüfung durch eine zweite Fachstelle unterzogen werden. Erst wenn diese Fachstelle grünes Licht gibt, erhalten die „CO2-Champions“ das Label. Ein zertifiziertes Produkt kann das Label zwei Jahre benutzen. Danach muss eine erneute Beurteilung stattfinden, um die Nutzung zu verlängern.
Die Berechnungen an Waschmittelprodukten zeigen jedoch auch, dass der in der Produktion eingesparte Co2- Verbrauch nur dann wirksam werden kann, wenn die VerbraucherInnen das Potenzial nicht durch Überdosierung wieder kompensieren. Also ohne zusätzliche Bewusstseinsbildung wird es nicht gehen.
Eosta (Niederlande) geht noch einen Schritt weiter: es bietet seinen KundInnen „klimaneutrales Obst“ mit TÜV –Zertifikat an. Eosta arbeitet dabei mit der Stiftung "Nature and More" zusammen. Berücksichtigt wird hier der gesamte Lebenszyklus der Produkte. Die Treibhausgase, die während Produktion, Transport, Verarbeitung und Vertrieb entstehen, werden mithilfe so genannter Kohlenstoff-Credits kompensiert (z.B.wird durch spezielle Kompostierung der Grünabfälle die Entstehung von Methangas vermieden und kann gegengerechnet werden). Potentiale einer „klimaneutralen Landwirtschaft“ werden damit sichtbarer gemacht.
Unsere globale Wirtschaftsweise und der internationaler Handel erzeugt also Druck und forciert die verschiedensten Ansätze. Ökonomisch gesehen hat man als first-mover dabei Chancen, es birgt aber auch Risiken: Die Berechnungsmethode ist noch nicht vereinheitlicht, die Frage der Datenerhebung noch nicht ganz gelöst. Glaubwürdigkeit kann daher auch wieder schnell verspielt sein.
Die Erinnerung wie lange es dauern kann, einmal „gesäte Skepsis“ bei KonsumentInnen wieder zu entkräften, sieht man am Beispiel biologische Produktion: „Ist wirklich auch bio drin, wenn bio draufsteht?“ begleitet uns noch heute – trotz maximaler Regelung, unabhängigen Kontrollstellen und seriösem Engagement aller Beteiligten
Beim CO2- Label scheint die Wirtschaft die Politik zu überholen: Der Aktionsplan der EU zeigt nur zaghafte Bemühungen gemeinsame Linien zu entwickeln und Positionen zu erarbeiten. Gespräche mit den einzelnen Mitgliedstaaten sind noch für diesen Herbst in Aussicht gestellt, ein Forum mit dem Handel auf europ. Ebene ist in die Wege geleitet worden.
Reflexartiger Widerstand ob der noch offenen Fragen kann jedenfalls nicht die Antwort sein. Dafür ist das Thema zu wichtig. Gemeinsame Herangehensweise, Abstimmung und Harmonisierung auf der Methodenebene ist jedenfalls Gebot der Stunde. Diese Fragen sind zu klären. Das war auch einhelliges Ergebnis des gemeinsam mit ECR durchgeführten Workshops, der im Oktober als Auftakt unseres Stakeholder – Dialogs zu diesem Thema durchgeführt wurde. Leicht verständliche und nachvollziehbare Information am Produkt ist der nächste Schritt. Die ECR – Plattform als Arbeitsgruppe von Produzenten und Handel ist uns dabei wichtiger Partner für eine gemeinsame Vorgehensweise.
Wie sollte eine Kennzeichnung aussehen? Nur CO2 ist jedenfalls zuwenig - Ressourcenverbrauch lässt sich nicht nur an einem Indikator festmachen, ohne dass man sich in Zielkonflikten hinein bewegt. Wird’s aber zu komplex, geht es an den KonsumentInnen vorbei. Und haben wir nicht schon genug Labels?
Die Schweizer Kette Migros hat damit offensichtlich keine Probleme: Die Anzahl der Labels, vor allem auch im regionalen Bereich, ist bei weitem höher als bei uns. Manchen ist „fair trade“ wichtig, andere bevorzugen „bio“ und auch „regional“ bekommt nach Umfragen immer mehr Aufwind. Das Energie-Kennzeichnungssystem auf den Elektrogeräten haben die KonsumentInnen in relativ kurzer Zeit angenommen, man ist mit den „+++“ kaum mehr nachgekommen. Man hat gelernt.
Noch ist man sich dabei offensichtlich nicht im Wege. Andererseits muss es wohl ein langfristiges Ziel sein, nachhaltige Produkte nicht mit „entweder/oder“ anzubieten (kurze Wege versus bio oder fair gehandelt, energiesparend versus reparaturfreundlich).
Und bis dahin: Der Markt verträgt auch noch ein weiteres Label, sofern die Fragen geklärt und das Vertrauen der KonsumentInnen nicht auf die Probe gestellt wird.
barbara.schmon@lebensministerium.at
Dipl.-Ing. Barbara Schausberger, IGLO, Leiterin der Abteilung Produktentwicklung und Ernährung
Der Nachhaltigkeitsgedanke gewinnt immer mehr Bedeutung in unserer Zeit. Theoretisch betrachtet, handelt es sich um ein sehr simples Prinzip: Nicht auf Kosten unserer eigenen Zukunft leben.
Für KonsumentInnen stellt sich in der Praxis jedoch die Frage: Wie kann ich mit meinem Verhalten zu einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung beitragen?
Um die ökologische Nachhaltigkeitsqualität eines Produktes oder einer Dienstleistung transparenter zu machen, ist eine einheitliche Berechnungsmethode eine zentrale Voraussetzung. Dies ist wichtig, um in der Folge einerseits eine leicht verständliche und vergleichbare Informationsbasis für Konsumenten zu bieten und andererseits auch die Ressourceneffizienz und Klimabilanz eines Unternehmens zu verbessern.
Eine Berechnungsmethode muss der Vielschichtigkeit der Nachhaltigkeit gerecht werden. Es ist notwendig, sich dem Thema ganzheitlich anzunähern und die wichtigsten umweltrelevanten Ressourcen zu betrachten.
Neben kurzen Transportwegen von den umliegenden Feldern in den Verarbeitungsbetrieb im Marchfeld setzen wir daher in unserem Iglo Gemüsebauprogramm seit vielen Jahren auf nachhaltige Methoden wie bespielsweise Fruchtwechselwirtschaft und Gründüngung, um die Ackerböden langfristig gesund zu erhalten. Neben dem Engagement im Gemüse-Bereich, ist auch die Beachtung bestandserhaltender Fischereimethoden Iglo ein besonderes Anliegen. Deshalb wurde 1997 zusammen mit dem WWF das Marine Stewardship Council (MSC) – sinngemäß übersetzt mit „Rat zur Bewahrung der Meere“ – ins Leben gerufen. Seit 1999 als unabhängige Non-Profit-Organisation agierend, hat sich das MSC zum Ziel gesetzt, weltweit verantwortungsbewusste, umweltgerechte und wirtschaftlich vertretbare Fischfangmethoden zu fördern und so der Überfischung der Meere entgegenzuwirken. Die Arbeit des MSC beruht auf dem Verhaltenskodex für nachhaltige Fischerei der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und basiert auf drei Grundprinzipien, welche die Nachhaltigkeit der Fischbestände, ein intaktes Ökosystem in den Fischereigründen und ein effektives Fischereimanagement sicher stellen sollen. Daraus resultiert ein strenges Prüfverfahren mit jährlichen Kontrollen, dem sich die Fischereien, die das MSC-Gütesiegel beantragen, unterwerfen. Mittlerweile tragen bereits rund 70% des österreichischen Iglo Tiefkühlfisch-Absatzes das MSC-Siegel.
Ein relevantes Indikatorenset für die Nachhaltigkeitsqualität sollte daher mehrdimensional sein. Das heißt, nicht nur klimarelevante Treibhausgase – wie CO2 , sondern auch der Verbrauch an Wasser, an Land, an erneuerbaren und nicht erneuerbaren Ressourcen sind zu bewerten. Denn neben den Auswirkungen auf das Klima sind vor allem auch die Knappheit von sauberem Trinkwasser und die Begrenztheit von Rohstoffen auf unserer Erde zu berücksichtigen. Auch wenn es gute Gründe für Vereinfachungen geben mag, haben doch eindimensionale Betrachtungen, die nur einen Umweltindikator berücksichtigen, ihre Grenzen.
Berechnungsmethoden und Standards für einzelne Indikatoren oder Indikatorensets sind derzeit in Entwicklung. Dies ist begrüßenswert, doch ist es wünschenswert - im Sinne der Transparenz für KonsumentInnen - ein einheitliches Umfeld und Rahmenbedingungen zu schaffen.
Barbara.Schausberger@iglo.com
DI Christian Kornherr, Koordination Umweltzeichen. Verein für Konsumenteninformation
KonsumentInnen von heute sind pro Tag etwa 5000 Werbeeindrücken ausgesetzt. In Österreich werden 10 Milliarden Euro pro Jahr für Werbung ausgegeben, das sind € 2.500 pro Haushalt, was in etwa dem monatlichen Konsumbudget eines Durchschnittshaushalts entspricht. Angesichts dieser Größenordnung liegt die Frage auf der Hand, wie Information über nachhaltige Produkte gestaltet sein muss, um bis zur Kaufentscheidung durchzudringen und so nachhaltiges Verbraucherverhalten zu fördern.
Laut Studie „Konsument und Umwelt“ der AK Wien, zuletzt durchgeführt 2005, fühlt sich immerhin ein Drittel der VerbraucherInnen über die Umweltverträglichkeit von Produkten gut informiert. 80% orientieren sich beim Kauf biologisch hergestellter Lebensmittel an der Produktkennzeichnung. Ebenso viele KonsumentInnen wünschen sich eine verpflichtende Kennzeichnung über die Umwelteigenschaften der Produkte. Gewünscht wird dabei in erster Linie eine Aussage über deren allgemeine Umweltverträglichkeit, wobei davon auszugehen ist, dass dabei ein Vergleich mit anderen Produkten angestrebt wird.
VerbraucherInnen benötigen also am Point of Sale eine klare, nachvollziehbare und glaubwürdige Orientierung in Form einer ökologischen Gesamtbewertung. Diese muss transparent sein, relevante Aspekte des Produktlebenszyklus berücksichtigen, alle Anspruchsgruppen im Rahmen der Entwicklung einbeziehen und von unabhängigen Dritten verifiziert sein. Diese Information bieten im non food Bereich Umweltzeichen vom Typ I nach ISO 14024 wie z.B. das Österreichische Umweltzeichen.
Information über nachhaltige Produkte wird aber erst dann relevant wenn dieser vertraut wird, bekannte ist und daher als solche erkannt wird und ausreichend viele Produkte davon erfasst sind. Bekanntheit und Vertrauen in die Kennzeichnung sind für biologische und fair gehandelte Lebensmittel auf einem Niveau, das optimistisch stimmt und in Teilbereichen echte Wahlfreiheit bietet. Im wesentlich heterogeneren non food Bereich gilt es bestehende unabhängige und glaubwürdige Labels, wie das Österreichische Umweltzeichen als Marke weiter zu entwickeln, die Bekanntheit zu steigern und die Produktanzahl zu erhöhen.
Ecodesign und Energiekennzeichnung sind diesbezüglich sehr spannende Prozesse auf EU Ebene. Bereits beschlossen ist die Ausweitung der Eco-Design Richtlinie auf Energie relevante Produkte, wie z.B. Fenster. Deren Labelling mit der bekannten A – G Einstufung nach der Energiekennzeichnungsrichtlinie ist zurzeit in Diskussion. Darüber hinaus könnte die Eco-Design Richtlinie, im Rahmen der neuerlichen Revision bis zum Jahr 2012, konkretere Rahmenbedingungen zur Integration weiterer Lebenszyklusparameter enthalten, die über den Energieverbrauch hinausgehen. Dieser Weg könnte in letzter Konsequenz tatsächlich zu einer verpflichtenden Kennzeichnung der Umwelteigenschaften vieler Produktgruppen führen.
Die umfassende Bewertung der sozialen Qualität von Produkten ist dagegen noch nicht so weit entwickelt. Entsprechende Standards gibt es zwar bereits. Sie werden in „ethischen Warentests“ europäischer Verbraucherorganisationen veröffentlicht, nachdem diese vom Verein für Konsumenteninformation im Jahre 2000 weltweit erstmals eingeführt wurden (www.konsument.at/ethik). Ob diese Information sich jemals in Form eines Labels am Markt zeigen wird bleibt abzuwarten.
CKornherr@vki.at
Dr. Herbert Aichinger, Advisor Unit "Industry", DG Environment, European Commission
Die Europäische Kommission hat mit der Verabschiedung des Aktionsplans für nachhaltige Produktion und Verbrauch eine Initiative beschlossen, die aus einer Reihe von legislativen und nicht legislativen Elementen besteht. Das gemeinsame Ziel aller dieser Elemente ist es, Produkte auf den Markt zu bringen die insgesamt geringere Umweltauswirkungen haben. Zentraler Bestandteil des Maßnahmenpakets ist die neugestaltete Ökodesign Richtlinie die zukünftig auch für energierelevante Produkte und nicht nur für energieverbrauchende Produkte wie bisher Anwendung finden soll. Damit soll erreicht werden, dass Produkte mit erheblichen Umweltauswirkungen über den Lebenszyklus gesehen nicht mehr marktfähig sein werden. Parallel dazu wurden auch die Kennzeichnungsbestimmungen angepasst, sodass der Konsumenten ausreichend über die Umweltauswirkungen bzw. den Energieverbrauch der Produkte informiert wird.
Als freiwilliges Instrument steht hier das gemeinschaftliche Umwelteichen zur Verfügung. Die entsprechende Verordnung wurde ebenfalls völlig neu gestaltet, es soll ganz besonders umweltfreundliche Produkte von Top Qualität auszeichnen.. Dieses Zeichen wird zukünftig verstärkt von Kommissionsseite gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten beworben werden wobei insbesondere auch an eine Zusammenarbeit mit den großen Einzelhandelsketten, den Retailern, gedacht ist. Dieser Wirtschaftssektor wird als besonders wichtig zur Erreichung nachhaltiger Konsummuster angesehen. Darum wurde das sogennannte Retail Forum ins Leben gerufen, eine Plattform zum Austausch von besonderen Erfahrungen bzw. Praktiken auf dem Gebiet der besseren Konsumenteninformation, die Erhöhung des Angebots umweltfreundlicher Produkte sowie der Reduktion der Umweltauswirkungen dieser Handelsketten selbst.
Die ersten Erfahrungen mit diesem Gremium sind sehr erfolgsversprechend, die Zahl der teilnehmenden Firmen wächst kontinuierlich an und das Engagement die gesteckten Ziele des Forums zu erreichen ist seitens der betroffenen Wirtschaftskreise ist besonders groß. Der hohe Wettbewerb zwischen den einzelnen Handelsfirmen ist ein zusätzlicher unterstützender Faktor zum Erlangen weiterer Umweltverbesserungen. Die Ergebnisse des Erfahrungsaustausches werden regelmäßig in kurzen Reports publiziert und dienen auf diese Weise als Informationsblätter für die gesamte betroffene Branche. Das erste über die Energieeffienz in Supermärkten ist bereits veröffentlicht, ein zweites über die Optimierung von Verteilungsketten und Logistik steht kurz vor der Verabschiedung, ebenso ist ein Report über die bessere Kommunikation an den Konsumenten in Vorbereitung. Darüberhinaus plant die Kommission besonders "umweltfortschrittliche" Retailer mit einem jährlich zu vergebenden Award besonders auszuzeichnen.
Herbert.Aichinger@ec.europa.eu
Mag. Rainer Schultheis, Redakteur beim österreichischen Rundfunk, hat sich in den letzten Jahren neben Wetter und Klima auf Themen der Nachhaltigkeit spezialisiert. Kinderbuchautor und Träger des österreichischen Klimaschutzpreises
Gerade jetzt, vor dem UN-Klimagipfel Anfang Dezember 2009 in Kopenhagen, werden Begriffe wie CO2 und Treibhausmissionen in der medialen Wahrnehmung sehr präsent sein, aber: wie sieht es mit Begriffen wie carbon footprint (zu Deutsch Co2-Fussabdruck), oder ökologischer Rucksack aus? Die sind in der Medienwelt derzeit eher unterrepräsentiert. Ein Grund mag sein, dass solche Größen zum Teil parallel verwendet werden. Ein anderer, dass das Thema rasch interdisziplinär wird: schließlich geht es bei der Betrachtung des Fußabdrucks nicht mehr nur bloß um CO2 sondern gleich auch um den Ressourcenverbrauch.
Sicher ist: gerade öffentlich rechtliche Sender werden ihrem Auftrag zutiefst gerecht, Themen der ökologischen (und sozialen) Nachhaltigkeit aufzugreifen und verständlich, also popularisierbar zu machen.
In den letzten Jahren streitet die scientific community nicht mehr darüber, ob der Mensch das Klima beeinflusst. Die letzten UND Klimaberichte sind unzweifelhaft. Gestritten wird da eher schon von Entscheidungsträgern über die politischen Maßnahmen. Darüber, wie Länder diesen Einfluss zukünftig verringern können.
Ist es sinnvoll, die CO2-Ausstöße der Nationalstaaten bloß in Korrelation zu ihren Emittenten zu sehen?
Oder anders gefragt: wenn zunehmend dienstleistungsorientierte Länder ihre Primärindustrie in andere Staaten verlagern, die Produkte aber von dort wieder zukaufen - haben sie dann schon etwas Klima-schützendes getan?
Produktspezifische Bewertungen des Co2 Anteils über den carbon footprint schaffen Klarheit und sie fordern den Käufer und damit den Unternehmer auf, nachhaltig zu handeln.
Bei der Einführung von Effizienzklassen von Produkten wie Kühlschränken, Geschirrspülern hat das hervorragend funktioniert. Niemand kauft heute mehr D-Klasse Kühlschränke, A-Klasse Geräte sind oft Standard und leistbarer geworden. Ähnlich muss es bei einem allgemeinen Nachhaltigkeitslabel laufen: Beim heuer Mitte September ausgetragenen World resources forum in Davos haben Entscheidungsträger der Europäische Union laut darüber nachgedacht, solche Nachhaltigkeitslabel für einige Produktgruppen zu schaffen. Und der Co2-Fußabdruck sollte Teil dieses Labels sein.
Zudem scheint ein Nachhaltigkeits-Cluster für den Konsumenten deutlich verständlicher und "sinnstiftender" zu sein als Angaben etwa bei Kfz, wie viel kg CO2 man von A nach B benötigt: Es wird mit einem Nachhaltigkeitslabel nämlich der Lebenszyklus des Produktes von der Produktion über die Nutzung bis zur Verschrottung dargestellt - und nicht nur die genutzte Phase.
So gesehen ist es von der Medienseite höchst an der Zeit, die Anzahl an "Freiheitsgraden" bei der Berichterstattung über den Klimaschutz zu erhöhen: weg von der bloßen CO2-Emissions-Debatte in zu einer systemischen (und interdisziplinären) Betrachtung: ein Diskussion darüber, wie man das Klima schützt kann nur über eine Diskussion geführt werden, wie man die Ressourcen schont.
rainer.schultheis@orf.at
Weitere Informationen:
Thema des Monats 11/09: Ökologische Nachhaltigkeit von Produkten - Bewertung und Sichtbarmachung
Person des Monats 11/09: Thomas Lindenthal
11.11.2009, Nachhaltigkeit Personen & Ansichten








