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Dialog des Monats 01/10: Besser statt mehr: Wachstum im Wandel

Im Dialog des Monats beziehen Landwirtschafts- und Umweltminister Berlakovich, Franz Fischler (Ökosoziales Forum), Caroline Haberfellner (BMF), Karl Aiginger und Margit Schratzenstaller (WIFO) sowie Leida Rijnhout (Northern Alliance for Sustainability) Stellung, wie sich das Wirtschaftssystem aus Ihrer Sicht entwickeln muss, um nachhaltig zu werden. 

 
Bundesminister Nikolaus Berlakovich
Foto: BMLFUW/Rita Ne...
DI Nikolaus Berlakovich – Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
 
Wachstum ist grundsätzlich positiv besetzt - in der Natur, bei den Kindern und natürlich in der Wirtschaft. Jahrelanges Wirtschaftswachstum hat zu großem Wohlstand geführt, Österreich zu einem der reichsten Länder gemacht, Exporterfolge erzielt und viele andere positive Begleiterscheinungen mit sich gebracht - ich erinnere nur an die Zeiten der Vollbeschäftigung.
Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise ist Wachstum in Verruf geraten, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Verteilung des Reichtums nicht gerecht und die ökologischen Grenzen wurden ebenfalls nicht immer respektiert. 

Wachstum ist weiterhin grundsätzlich positiv, sollte sich aber nicht nur in "BIP-Einheiten" ausdrücken. Ich bin für Maßnahmen, die zu steigender Lebensqualität der Menschen beitragen. Wachstum muss in Zukunft sozialverträglich und umweltgerecht sein, um langfristig weder die Wirtschaft, noch die Ökosysteme noch den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft zu gefährden. Wachstum wird sich auch anders definieren müssen: Natürlich ist das Bruttoinlandsprodukt ein eingeführter, vergleichbarer Indikator, der weiterhin seine Lebensberechtigung hat. Gleichzeitig muss das BIP erweitert werden - um Aussagen zu Umwelt- und Lebensqualität und sozialen Fragestellungen.
 
Es gibt die win-win-win Bereiche, also Maßnahmen, die der Umwelt, der Wirtschaft und dem Sozialen gleichzeitig förderlich sind. Green jobs ist so ein Beispiel. Wir brauchen Arbeitsplätze in neuen, zukunftsträchtigen Bereichen. Wir brauchen Maßnahmen gegen den Klimawandel und zur Förderung erneuerbarer Energie, und beides soll auch der Wirtschaft zugute kommen. In Österreich gibt es derzeit ca 180.000 Menschen, die sogenannte grüne jobs haben - dazu zählen Biobauern genauso wie die MitarbeiterInnen meines Ressorts, die Abfallwirtschaft und vieles mehr.
 
Auch die Bekämpfung des Klimawandels kann zu einer win-win Geschichte werden. Wir müssen die globale Klimaerwärmung auf 2 Grad begrenzen, damit nicht unzählige Menschen zu Klimaflüchtlingen werden, Wetterextreme uns bedrohen, Natur- und Artenvielfalt sich verändern. Investitionen in erneuerbare Energie, Energieeffizienz, öffentlichen Verkehr und andere Mobilitätsmaßnahmen machen auch wirtschaftlich Sinn und schaffen Arbeitsplätze in Österreich.
 
"Besser statt mehr" ist keine Absage an jeden Konsum aber meines Erachtens eine Aufforderung zu bewussterem Umgang mit Ressourcen, mit Zeit, mit Mitmenschen. Konsumieren kann auch umwelt- und sozialverträglich sein, indem österreichische Lebensmittel bevorzugt werden, öffentliche Verkehrsmittel statt dem Auto verwendet werden und defekte Geräte nicht weggeworfen, sondern repariert werden.
 
Wir sind sicher nicht am Ende der Diskussion angelangt und es bedarf einer Einbindung vieler Meinungsbildner, um bei den KonsumentInnen und ProduzentInnen ein Bewusstsein für ressourcenschonendes Wirtschaften bei gleich hoher Lebensqualität zu schaffen. Die Konferenz "Wachstum im Wandel" am 28. und 29. Jänner 2010, die das Lebensministerium gemeinsam mit Partnern in der Aula der Wissenschaften in Wien veranstaltet, soll einen wichtigen Beitrag in dieser Diskussion leisten.
 

Franz Fischler
Foto: Bueltemeyer
Dr. Franz Fischler
Präsident Ökosoziales Forum
 
Zukunftsfähig mit Ökosozialer Marktwirtschaft
 
Wir müssen endlich Verantwortung für uns und die kommenden Generationen übernehmen. Das geht nicht ohne eine ökosoziale Wende in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen. Unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem hängt in der derzeitigen Form von quantitativem Wirtschaftswachstum ab. Wir verbrauchen weltweit zurzeit 60 Mrd. Tonnen Ressourcen pro Jahr, das ist um 50 Prozent mehr als im Jahr 1980. Die damit zusammenhängenden Umweltprobleme wie der Klimawandel wachsen überproportional. Die bislang übliche Strategie, ökonomische Probleme wie Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung und budgetäre Engpässe mit Hilfe langfristig hoher quantitativer Wachstumsraten zu entschärfen, ist künftig nicht mehr länger tragbar. Die Nutzung natürlicher Ressourcen ist die Grundlage unseres Lebens und jeglicher wirtschaftlicher Aktivität, gefährdet aber im heutigen Ausmaß die weitere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Wirtschaftswachstum bedeutet heute noch mehr Ressourcenverbrauch. Es muss daher dringend über Alternativen zu einem rein auf quantitativem Wachstum aufbauenden Wirtschaftssystem nachgedacht werden. Ein solches qualitatives Wachstum muss das bisherige ressourcenintensive bloß quantitative Wirtschaftswachstum ablösen.
 
’Wohlstand für alle’ war das Credo der Sozialen Marktwirtschaft des Ludwig Erhard. ‚Mehr Lebensqualität für alle – heute und morgen’ ist das Ziel der Ökosozialen Marktwirtschaft heute. Dass ein ‚Immer-noch-mehr’ nicht zukunftsfähig ist, leuchtet ange­sichts der aktuellen Probleme wohl jedermann ein. Die Ökosoziale Marktwirtschaft zielt daher auf das ‚Besser’ und nicht bloß auf das „Mehr“. Ein neues qualitatives Wachstum bedeutet die Verbesserung der objektiven Lebensbedingungen und des subjektiven Wohlbefindens für jede/n Einzelne/n. Zu den objektiven Faktoren zählen materielle Sicherheit, Gesundheit, sozialer Zusammenhalt, Bildung, Wirtschaft und Arbeit sowie die Umwelt.
 
Das erfordert die Berücksichtigung aller Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung, also den Erhalt der ökologischen, der sozialen und der wirtschaftlichen wie auch der kulturellen Grundlagen eines guten Lebens. Gleichzeit ist die Dynamik der Wirtschaft Voraussetzung für den erforderlichen Strukturwandel zu einer nachhaltigen Produktions- und Konsumstruktur, in der neue Wirtschaftssektoren entstehen, während andere stagnieren oder gänzlich verschwinden. Dazu brauchen wir einen revolutionären Wandel in den meisten Wirtschafts- und Lebensbereichen, vom Ressourcen- und Energieverbrauch, über die Forschung & Entwicklung und Bildung bis zum Abgabensystem. 

 
Caroline Haberfellner
Foto: Caro...
Mag. Caroline Haberfellner

Wirtschaftspolitische Referentin im Bundesministerium für Finanzen
 
(Der Inhalt des folgenden Kommentars fällt in die alleinige Verantwortung der Person Caroline Haberfellner)
 
Wirtschaftswachstum: Begründung unseres Lebensstandards und dessen größte Gefahr?
 
Laut UNO wird die Weltbevölkerung voraussichtlich 2012 die 7-Milliarden-Marke erreichen. Bis 2050 wird die Bevölkerung um etwa ein weiteres Drittel wachsen. Will man den Lebensstandard der „neuen“ Menschen sowie jenen der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern auf das Niveau der Menschen in den Industriestaaten heben, dann wird Wirtschaftswachstum auch in den nächsten Jahrzehnten eine Grundvoraussetzung bleiben. Wachstum ist auch deshalb notwendig um – im Lichte des technologischen Fortschritts – Arbeitsplätze zu bewahren bzw. neue zu schaffen. Kurz gesagt, sichert bzw. erhöht Wirtschaftswachstum unseren Lebensstandard. Das ist der wesentlichste positive Aspekt, den „Wachstum“ mit sich bringt bzw. überhaupt erst begründet. Kurioserweise ist Wachstum einerseits die Triebfeder unseres Lebensstandards und andererseits auch gleichzeitig dessen größte Gefahr. Das Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte führte zu enormen negativen Folgen für die Umwelt. Aber was kann getan werden um diese negativen Konsequenzen rückgängig zu machen bzw. zumindest nicht weiter auszudehnen? Es wird häufig argumentiert, dass - wenn Wirtschaftswachstum eine der wesentlichsten Ursachen dieser Entwicklungen ist - wir am besten aufhören sollten zu wachsen. Von heute auf morgen nicht mehr zu wachsen ist jedoch kein in der Realität umsetzbarer Lösungsvorschlag. Was wir jedoch schon heute ändern können, ist damit beginnen so gut wie möglich ökologisch nachhaltig zu wirtschaften und zu leben. Dabei wird es in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle des Staates sein die richtigen Impulse für die Wirtschaft und Bevölkerung zu setzen. Unternehmen und die Bevölkerung können beispielsweise durch die stärkere Akzentsetzung in der öffentlichen Ausgabenstruktur (z.B. durch höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung im grünen Technologiebereich) oder durch die verstärkte Ausrichtung der Steuer- und Abgabenpolitik auf Umwelt- und Klimaziele zu einem ökologisch nachhaltigeren wirtschaften bewegt werden. Gleichzeitig ist auch eine Änderung gewisser Rahmenbedingungen bzw. veralteter, nicht nachhaltiger Strukturen notwendig. Hat sich beispielsweise das Modell der „Kurzarbeit“ in der Krisenzeit als soziale Abfederungsmaßnahme erfolgreich bewährt, muss in der mittleren Frist überlegt werden, ob es auch weiterhin Sinn macht Beschäftigte künstlich in einem Industriezweig zu halten der als nicht nachhaltig erscheint, zumindest in seiner aktuellen Ausrichtung. Die Umschulung oder Weiterbildung dieser Beschäftigten im Sinne ökologischer Aspekte würde beitragen nicht zeitgemäße Strukturen aufzubrechen und in nachhaltige Bahnen zu lenken. 
 
Um aber überhaupt auf die konkrete Umsetzung notwendiger Maßnahmen für ein ökologisch und sozial verträglicheres Leben hoffen zu können, muss auf die gegenwärtige Bedrohung durch nicht nachhaltiges wirtschaften noch deutlicher hingewiesen werden. Wie das Scheitern der UNO-Klimakonferenz in Kopenhagen kürzlich bewiesen hat, reicht es anscheinend nicht aus „nur“ darauf hinzuweisen, dass wir durch nicht nachhaltiges wirtschaften buchstäblich an dem Ast sägen auf dem wir selbst sitzen. Eine weitere Möglichkeit um die gegenwärtige Bedrohung sichtbarer zu machen, ist die Darstellung der zu erwartenden ökonomischen Kosten, verursacht durch Hurrikans, steigende Meeresspiegel, Ernteausfälle und dergleichen. Es gibt bereits zahlreiche Versuche der Abbildung solcher absehbarer volkswirtschaftlicher Kosten (z.B. Stern-Review 2006). Dabei ist es nicht verwunderlich, dass alle Berechnungen unterschiedlich hohe Werte liefern, da derartige Projektionen komplex und mit großer Unsicherheit behaftet sind, vor allem was die Feststellung von Kausalitäten zwischen Ursache (z.B. Ressourcenausbeutung und Treibhausgasemission) und Wirkung (z.B. Erderwärmung und Naturkatastrophen) betrifft. Eine der wichtigsten Schlüsse, die aus allen Berechnungen gezogen werden können ist jedoch, dass für Klimaschäden immer mehr bezahlt werden muss je länger mit entsprechenden Gegenmaßnahmen zugewartet wird. Auch wenn die Kosten für den Klimaschutz heute als beträchtlich erscheinen, sie werden in Zukunft noch beträchtlicher sein. Diese nicht sehr überraschende Erkenntnis muss schließlich in Zusammenhang gebracht werden mit der kurzfristigen Sicht der Politikgestaltung. Niemand will jetzt jene Kosten und Lasten tragen, wenn „erst“ kommende Generationen (bzw. Politiker) davon profitieren. Auf der anderen Seite ist man sehr wohl bereit jetzt in Überfluss (nicht nachhaltig) zu leben, auf Kosten und zu Lasten künftiger Generationen. Die immer höher werdenden Kosten (und Schäden) vor sich herzuschieben und damit kommende Generationen zu belasten scheint nicht sehr fair.
 
Die große Herausforderung in den nächsten Monaten und Jahren wird darin bestehen auf nationaler und internationaler Ebene ökonomische und budgetäre Ziele mit Zielen der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bringen. Die Ende Jänner 2010 in Wien stattfindende internationale Konferenz „Wachstum im Wandel“ leistet dafür einen wertvollen Beitrag, für das bessere Verständnis der Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Notwendigkeiten von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten.   


Leida Rijnhout
Foto: Leida R...
Dr. Leida Rijnhout

Acting Secretary General ANPED, Northern Alliance for Sustainability, Brussels - Belgium
 
Fair share of natural resources – contraction and convergence
 
There are still some certainties in life: we have one planet, we have limited natural resources, all economic activities need natural resources, so economic growth is limited as well. Nevertheless most of our policymakers, economists and politicians keep on stressing that economic growth is necessary for solving the problems in the world. But unfortunately this economic growth obsession in the Northern countries is bringing us at the moment more problems than solutions. The gap between the poor and the rich is getting wider, environmental degradation is getting worse and irreversible, armed conflicts because of scarce natural resources are increasing and massive migration flows are destabilising cultures and economies.
 
Already in the seventies a handful of enlightened economists started to point out that our economy has to remain within the limits of our environmental capital and capacity of absorption of waste (including the CO2-emissions). For a good oversight on the issue of economic growth and sustainable development, please visit: http://www.sd-network.eu/?k=quarterly%20reports
 
After many years it is more or less accepted that the huge “over-emissions” of CO2 by the industrialised world cause big environmental and social problems in the developing world. In Copenhagen this fact was one of the difficult points to deal with for the Northern countries. That is to say: they recognise the fact, but don’t want to accept the logical consequences. We have to cut down drastically our emissions of CO2 in a relative short period and compensate the caused damage.
 
The same is happening for the over consumption of worlds natural resources. The Northern lifestyle is based on overexploitation of resources (mainly from the South). We are using their productive lands, air, water, minerals, cheap labour, forests – for our way of living and don’t leave enough for endogenous development of their own economy. It is even worse. We leave them with erosion, pollution, desert, health problems, corruption and conflicts.  
 
Just like the proposals we see in the climate change debates there is a need for using the contraction and convergence model in the debate of achieving a fair and equal use of natural resources. For giving space to the developing world it is crucial that the industrialised world will be freed of their growth and consumption addiction.
 
But, alas, those new analyses of our economic reality do not gain enough space to change the way of thinking and acting. Not only in the world of politics or economics, but also mainstream civil society organisations don’t want to recognise that economic growth will not help us out of environmental and/or developing problems. Environmental NGO’s and Trade Unions have strong beliefs in Green growth, Green jobs and often see sustainable development as the creation of win-win situations: technological solutions that will bring jobs and decrease environmental degradation. They are right, no doubt about it, but it will not be enough to achieve a fair and sustainable economy.
 
The majority of NGO’s, working on international cooperation, still believe that economic growth is necessary to fight poverty. The more we produce, the more we can share of this accumulating wealth. That would be true if the cake (the planet) grows with us. The new economics foundation (UK) calculated that we need far more than one planet for a little poverty alleviation (not even eradication). See: http://www.neweconomics.org/publications/growth-isn%E2%80%99t-working
 
Main questions remain: why this collective denial? Why is it so difficult to face the truth? Why do politicians, policy makers, most of civil society organisations still believe in the Business-as-usual model (with some green and social adaptations)?
 
Luckily there are alternative voices getting stronger. There is a growing movement of organisations stressing the need for “degrowth”, “zero-growth”, etc. The most important goal for them is to put back our global economy within the limits of the carrying capacity of the planet for the use of resources and the absorption of waste. And to achieve a fair distribution of the access of resources. Maybe we have to focus more on wealth reduction in favour of poverty eradication?
 

Karl Aiginger
Foto: Karl A...
Prof. Dr. Karl Aiginger (Institutsleiter WIFO)

 
 
 
 
 
Margit Schratzenstaller
Foto: Margit...
und Dr. Margit Schratzenstaller-Altzinger (wissenschaftliche Mitarbeiterin WIFO)
 
Die Rückkehr zu einem stabilen Wirtschaftswachstum und ein Rückgang der Arbeitslosigkeit nach der Finanz- und Wirtschaftskrise sind Hauptanliegen der Wirtschaftspolitik. Wirtschaftswachstum umfasst nicht nur den quantitativen Zuwachs der Menge an Gütern und Dienstleistungen die in einer Volkswirtschaft produziert werden, sondern auch Verbesserungen der Qualität. Zwei Drittel des BIP (Brutto-Inlandsprodukt) sind heute Dienstleistungen incl. Gesundheit, Kultur etc. Wachstum kann somit verstanden werden als Prozess der Ausweitung von Optionen und Handlungsalternativen durch ein vermehrtes Angebot von Gütern und Dienstleistungen, für die Nachfrage besteht. Wachstum soll die materiellen und immateriellen Handlungsmöglichkeiten ausweiten: auf individueller, aber auch gesamtgesellschaftlicher Ebene sowie für jene Gruppen, die dies aus eigener Kraft nicht können. Es ist damit die Voraussetzung für die Ausweitung der Beschäftigung sowie die Erzielung höherer Einkommen, aber auch für Umverteilungsmaßnahmen für benachteiligte Gruppen und somit für die Verbesserung der sozialen Bedingungen. Nicht zuletzt erleichtert Wachstum die Konsolidierung der durch die Krisen(bekämpfungs)kosten stark belasteten öffentlichen Haushalte.

Das Ausmaß zusätzlicher wachstumsinduzierter Beschäftigung hängt nicht allein von der quantitativen Komponente, sondern auch von strukturell-qualitativen Charakteristika des Wachstums ab – konkret von seiner Arbeitsintensität. Die Qualität des Wachstums ist auch davon abhängig, inwieweit es zur Erfüllung individueller und gesellschaftlicher Wünsche sowie zur Leistungs- und Verteilungsgerechtigkeit beitragen kann. Ebenso ist es eine Frage der Qualität des Wachstums, d.h. der Art der produzierten Güter und Dienstleistungen sowie der damit einhergehenden Produktions- und Konsumweisen, ob Wachstum in einem Trade-Off zu Ressourcenschonung, also zu einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung einer Volkswirtschaft, steht: Ein "qualitatives Wirtschaftswachstum" ist mit einer ressourcenschonenden Wirtschaftsweise vereinbar. Zudem sind Wachstum und die damit verbundenen Einkommenszuwächse bei privaten Haushalten und Unternehmen bzw. die verbesserte budgetäre Situation der öffentlichen Haushalte eine hilfreiche Voraussetzung für die Finanzierung umweltschonenderer Produktionstechniken bzw. Konsumweisen.
 
 

Weitere Informationen:
 
Thema des Monats 01/10
 
Person des Monats 01/10: Tim Jackson
  
 

14.01.2010, nachhaltigkeit.at