Im Zeit-Raum: Global Change: Gesunde Nahrung für alle! (Wien, 09.09.2010)
Wege zu einer nachhaltigen Agrar- und Ernährungskultur. Franz Theo Gottwald, Agrar- Klima- und Nahrungsmittelexperte aus München, und Franz Fischler, Ex-EU-Landwirtschaftskommissar und Präsident des Ökosozialen Forums Europa im Gespräch mit Johannes Kaup.
Die jüngsten Zahlen der UN-Welternährungsbehörde FAO belegen, dass die Zahl von 856 Millionen hungernder Menschen binnen eines Jahres um 180 Millionen Menschen gestiegen ist. Das bedeutet, dass im Jahre 2010 weltweit bereits 1 Milliarde und 30 Millionen Menschen hungern werden oder schwer unterernährt sein werden. Dazu kommen auch klimabedingte und demografische Veränderungen, die die Landwirtschafts- und Ernährungspolitik global vor enorme Herausforderungen stellt.Der bislang eingeschlagene Weg in Richtung "Farming" ist geprägt von einer monokulturellen, energieintensiven, billigst möglichen Massenproduktion. Die Ölabhängigkeit der heutigen Land- und Lebensmittelwirtschaft durch den Einsatz von Düngemitteln, Pflanzenschutz, Futtermittel, Transport und Hygienemaßnahmen ist enorm hoch. In vielen Ländern des Südens werden die Existenzgrundlagen für Millionen Menschen durch veränderte ökologische und klimatische Bedingungen bedroht. Eine ausschließlich von Profitstreben geleitete Ökonomie, mit unfairen Preisen für Rohstoffe und ungerechten Rahmenbedingungen für den Handel, schwacher ländlicher Infrastruktur und vielen anderer Problemen führt spürbar in die Sackgasse.
Es braucht heute ein Alternativkonzept, das den Gedanken einer nachhaltigen multifunktionalen Agri-Kultur fundamental ernst nimmt. Die vier Kernkompetenzen einer multifunktionalen Landwirtschaft: Ernährungssicherheit, Energie, Wasser und Erholung werden auch in Österreich für eine lebenswerte Zukunft immer wichtiger. Dies ist kein Thema des Landwirtschaftssektors allein. Erst wenn wir unsere zentrale Verantwortung als Konsumenten verstehen, die wir mit unseren alltäglichen Kaufakten wahrnehmen oder nicht, lässt sich ein Wandel einleiten, der auch politisch den Druck aufbauen kann, um gerechte Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungskultur im Inland sowie auf globaler Ebene einzufordern.
Franz-Theo Gottwald ist Geschäftsführer des European Network for Eco Agro-Culture sowie Präsident der Schweisfurth-Stiftung. Der promovierte Philosoph und Theologe lehrt an der Humboldt-Universität Berlin, der Hochschule für Politik in München, sowie der Shanghai Academy of Social Sciences.
Franz Fischler ist Präsident des Ökosozialen Forums Europa. Der Doktor der Agrarwissenschaften war österreichischer Landwirtschaftsminister sowie zehn Jahre lang EU-Kommissar für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Wiener Zeitung, dem Ökosozialen Forum Europa und BIO AUSTRIA.
RadioKulturhaus - Großer Sendesaal, Wien 09.03.10 18:30 Uhr
Eintritt: EUR 12,-/14,-
Mit RadioKulturhaus-Vorteilskarte 10% bzw. 30% Ermäßigung
Eine Zusammenfassung der Veranstaltung wird am 20.3.2010 um 22.05 auf Ö1 gesendet - siehe: http://oe1.orf.at/programm/201003205301.html.
02.03.2010, Nachhaltigkeit Personen & Ansichten

