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Dialog des Monats 03/10: Produktinnovationen für nachhaltige Entwicklung

Experten und Unternehmen erklären in Interviews und Beiträgen ihre Standpunkte zum Thema "Unternehmen schaffen Zukunft - Teil 1: Produktinnovationen für nachhaltige Entwicklung".

 
DI Andreas Tschulik
Foto: BMLFUW
Herrn DI Tschulik - Lebensministerium, Abteilung VI/5 Betrieblicher Umweltschutz und Technologie 

 
Wieso ist das Thema Innovation so wichtig für das Lebensministerium?
 
Innovation ist für das Lebensministerium in mehrfacher Hinsicht wichtig: Technologische Innovationen entwickeln den Stand der Technik und damit auch das Umweltschutzniveau weiter. Neue, Ressourcen schonendere Produkte sind wichtig, um nachhaltigen Konsum zu forcieren. Außerdem sind innovative nachhaltige Technologien, Produkte und Dienstleistungen auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: heute sind schon 185.000 Personen in der Umweltwirtschaft beschäftigt und erwirtschaften fast 30 Mrd. Euro. Dabei sind innovative Umwelt- und Energietechnologien einer der stärksten Wachstumsbereiche und zwar gerade weil hier die österreichischen Unternehmen besonders innovativ sind.
 
Welche Maßnahmen setzt das Lebensministerium zur Verstärkung/Förderung von nachhaltigen Produktinnovationen in Österreich?
 
Einerseits geht es uns um die Verstärkung des Know-How zu Ecodesign, als zur Gestaltung und Entwicklung nachhaltiger Produkte. Hier unterstützen wir z.B. Workshops für Unternehmen, die diese Kompetenz weiterentwickeln wollen. Ein anderer Aspekt ist die nachfrageseitige Verstärkung von Innovationen über die öffentliche Beschaffung. Hier sind Umweltschutz und Innovationsgehalt neuer Produkte oft gemeinsame Zielsetzungen in der Produktentwicklung und durch die Forcierung einer nachhaltigen öffentlichen Beschaffung, wie z.B. durch den derzeit in Ausarbeitung befindlichen Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung, unterstützen wir die Innovationstätigkeiten.
 
Kann Österreich mit seiner Innovationskraft international mithalten?
 
Österreich kann gerade bei nachhaltigen Technologien, Produkte und Dienstleistungen international gut mithalten. Wir wissen, dass der Umwelttechnologie-Sektor in Österreich überdurchschnittlich viel in Forschung und Entwicklung investiert und das resultiert auch in einer sehr guten internationalen Wettbewerbssituation. Allerdings gilt auch hier, dass Österreich in vielen Bereichen der nachhaltigen Produkte noch immer "Innovation follower" und nicht "Innovation leader" ist. Es gibt für die Optimierung des österreichischen Innovationssystems also auch im Bereich Nachhaltigkeit noch viel Potenzial.
 
Werden Nachhaltigkeitsinnovationen in Österreich ausreichend gewürdigt und vor den Vorhang geholt?
 
Österreich hat eine gut entwickelte Kultur der Würdigung nachhaltiger Innovationen und das Lebensministerium arbeitet aktiv an der Weiterentwicklung. So wurde z.B. der diesjährige Staatspreis für Umwelt- und Energietechnologie erstmals im Verbund dreier Ministerien - Umwelt, Wirtschaft und Innovation - veranstaltet und internationale Vorzeigeprojekte österreichischer Unternehmen ausgezeichnet (Preisträger unter www.ecolinx.at).
 
 
 
Manfred Ergott
Foto: Manf...
Herr Manfred Ergott, Druckerei Janetschek

Warum investiert Ihr Unternehmen immer wieder in Nachhaltigkeit und in nachhaltige Produktinnovation?
 
Am Anfang standen die Bemühungen, unseren Betrieb zu „ökologisieren“, unsere Produktionsweise so Ressourcen schonend wie möglich auszurichten. Die Erfolge stellten sich prompt ein – und jeder Erfolg ist Triebfeder für das nächste Projekt. Diese Neuausrichtung unseres Traditionsbetriebes ist die wichtigste Maßnahme zur langfristigen Absicherung unseres Betriebes in einer strukturschwachen Region. 
 
Welchen Vorsprung können Sie dadurch gegenüber der Konkurrenz erzielen?
 
Eine klare Vorreiter-Rolle, die von unseren Kunden immer wieder bestätigt wird, verbunden mit einem hohen Maß an Glaubwürdigkeit. 

Wie konnten Sie bislang die Wirtschaftskrise meistern und haben Ihnen Ihre Nachhaltigkeitsinnovationen dabei geholfen? Wenn ja, wie?
 
Die Krise war für uns kein großes Problem, wir haben im Jahr 2009 sogar einen weiteren Standort dazu eröffnet und in die Implementierung eines Umweltmanagementsystems viel Energie investiert. Der Gewinn des TRIGOS in der Kategorie Ökologie hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass sich unser Betrieb auch im Vorjahr gut weiterentwickelt hat. Das dabei ausgezeichnete Öko-Kompetenz-Team ist in seinem Bestreben, das gesammelte Wissen zum Themenkomplex „Klimaschutz durch Ökodruck“ nach innen und außen weiterzugeben, deutlich gestärkt worden. Nicht zuletzt dadurch sind auch neue Kundenkreis auf unseren Betrieb aufmerksam geworden. 
 
Konnten dadurch mehr Jobs geschaffen werden bzw. konnten Sie in der Krise dadurch mehr Mitarbeiter halten?
 
Wir haben neue Jobs geschaffen, die Nachhaltigkeitsinnovationen sind nicht allein dafür verantwortlich, haben aber sicher mitgeholfen. 
 
Gibt es weitere Vorteile für Ihr Unternehmen? (z.B. Mitarbeitersuche)
 
Das Thema Mitarbeitersuche ist schon aufgrund der geographischen Randlage (nördlichste Druckerei Österreichs) ein Problem, das durch Erfolge und gewisse Alleinstellungsmerkmale am Markt zwar gemindert, jedoch nie ganz überwunden wird. Die Mitarbeiter identifizieren sich jedoch sehr stark mit dem Betrieb und sind dadurch sicher loyaler eingestellt. 
 
Werden für Sie Nachhaltigkeitsinnovationen in Österreich ausreichend gewürdigt und was würden Sie sich dafür wünschen?
 
Die Würdigung, die wir durch den TRIGOS-Preis im Vorjahr erhalten haben, war bereits ein deutliches Zeichen der Wertschätzung, das umso erfreulicher war, weil dadurch ein Projekt ausgezeichnet wurde, dass von den Mitarbeitern in Eigeninitiative entwickelt wurde.
Wünschenswert wäre, dass es zu keiner weiteren Verzettelung kommt, etwa durch weitere Preise. Ein Zuviel an Auszeichnungen sorgt für Verwirrung. Starke, aussagekräftige und anerkannte Prämierungen sind auf jeden Fall wichtig. 
 
Werden Unternehmen für diesen Themenbereich genügend unterstützt? Sind die Rahmenbedingungen in Österreich förderlich? Welche Änderungen wären notwendig?
 
In den letzten Jahren kann man nach und nach etwas Unterstützung spüren, vor fünf Jahren konnten wir in diesem Bereich noch wenig Hilfestellung orten. Das Hauptaugenmerk sollte in jedem Fall auf den Bereich Motivation gelegt werden. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer sollten Anreize dafür finden, sich für Nachhaltigkeits-Themen zu interessieren und in weiterer Folge Engagement in diesen Bereichen entwickeln. Projekte wie „Erfolg mit FAIRantwortung“ leisten hier sehr viel. 
 
 

  
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Wimmer
Foto: Ecodesig...
Herr Univ.-Prof. DI Dr. Wolfgang Wimmer, Technische Universität Wien


Welche Vorteile können Unternehmen aus Nachhaltigkeitsinnovationen gewinnen? 
 
Die konsequente Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit verschafft Unternehmen nicht nur die Sicherheit auf sich ändernde(wirtschaftliche) Rahmenbedingungen vorbereitet zu sein sondern auch die Chance sich Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten und darzustellen.
 
Werden Nachhaltigkeitsinnovationen in Österreich ausreichend gewürdigt und vor den Vorhang geholt?
Was ist in dieser Hinsicht derzeit möglich? 
 
Es gibt viele Unternehmen, die exzellente Produkte mit hervorragenden Umwelteigenschaften am Markt anbieten. Oft ist aber die Kommunikation zu den Vorteilen der Produkte nur wenig ausgeprägt oder wenig zielgruppenspezifisch.
 
Werden Unternehmen für diesen Themenbereich genügend unterstützt? Sind die Rahmenbedingungen in Österreich förderlich? Was für Änderungen wünschen Sie sich? 
 
Hier gibt es sicher noch Nachholbedarf. Dem wollen wir mit dem Sustainable Product Report Austria entgegenwirken.   
 
Gibt es für Sie ein bevorzugtes Produkt bzw. eine Dienstleistung, welche(s) DAS Beispiel einer auf nachhaltige Entwicklung ausgerichteten Innovation darstellt? 
 
Wir haben verschiedene Kunden, die ECODESIGN-Ideen erfolgreich in neuen Produkten mit weniger Energie- und Ressourcenverbrauch umsetzen. Von Elektronikprodukten über maschinenbauliche Anwendungen bis hin zu Büromöbel. Jedes Produkt kann zum ökointelligenten Produkt werden.   
 
Haben Sie in letzter Zeit einen Menschen kennengelernt, der Sie für Nachhaltigkeitsinnovationen sensibilisiert/geprägt/begeistert hat? 
 
Klaus Elle - ein Nachhaltigkeitsvisionär aus Hamburg, der Organisationen   und Unternehmen in den Transformationsprozessen zu Nachhaltigkeit begleitet (http://www.elle-elle.de)
 
 

 
Christopher Manstein
Foto: BMLFUW
Dipl.-Ing. Christopher Manstein - Lebensministerium, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik 

 
Das Thema Produktinnovationen für nachhaltige Entwicklung ist in der Wissenschaft und Forschung bereits öfters behandelt worden. In den 1990-er Jahren erfanden die Nachhaltigkeitspioniere Ernst Ulrich von Weizsäcker und Friedrich Schmidt-Bleek die Ideen „Faktor 4“ und „Faktor 10“ sowie das „MIPS-Konzept“ (MIPS = Material Input pro Serviceeinheit). Andere Beispiele sind Konzepte wie „Ecodesign“, „Zero Emission“ oder gerade aktuell „Cradle to Cradle“. Eine Vielzahl von Unternehmen – gerade in Österreich – hat sich diese und andere Konzepte zu Nutze gemacht und nachhaltige Produktinnovationen konzeptionell entwickelt, oft auch erfolgreich umgesetzt.
 
In der Praxis hat sich herausgestellt, dass es neben guten wissenschaftlichen Konzepten aber vor allem auf pfiffige und mutige Unternehmer ankommt, die nachhaltige Produktinnovationen bewirken, die entsprechenden Ideen weiter entwickeln und sie auch umsetzen bzw. dazu den nötigen langen Atem haben. 
 
Im Lebensministerium erarbeiten wir gerade den so genannten Ressourceneffizienz Aktionsplan für Österreich. In einem Dialog-Prozess zwischen Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Zivilgesellschaft sollen Ressourceneffizienzziele für Österreich festgelegt und entsprechende Leitmaßnahmen und Instrumente entwickelt werden. Ressourceneffizienz ist eine der wesentlichen Strategien für eine nachhaltige Wirtschaft und bei der Entwicklung des Ressourceneffizienz Aktionsplanes werden wir dem Thema Innovation einen besonderen Stellenwert zuordnen und Maßnahmen vorschlagen, die Unternehmen bei der Entwicklung nachhaltiger Produktinnovationen unterstützen.
 
Der Ressourceneffizienz Aktionsplan soll bis Ende 2010 fertig gestellt werden und wir werden über seine Entwicklung bereits im Monatsthema Juni 2010 auf www.nachhaltigkeit.at berichten.
 
 

Dipl.-Ing. Dr. Josef Tuppinger
Foto: Jose...
Dipl.-Ing. Dr. Josef Tuppinger, Produktmanagement, KWB

 
Warum investiert Ihr Unternehmen immer wieder in Nachhaltigkeit und in nachhaltige Produktinnovation?
 
Weil wir der Meinung sind, dass wirtschaftlicher Erfolg, Umweltbewusstsein und soziale Verantwortung kein Widerspruch sein muss. Es geht uns um den gelebten Schutz unserer einen Erde und um den Erhalt einer lebenswerten Zukunft. „Wir geben Energie fürs Leben“ ist unsere Botschaft, die uns in der Beziehung zu unseren MitarbeiterInnen, unseren Kunden und Kundinnen sowie unseren PartnerInnen verbindet. 
 
Welchen Vorsprung können Sie dadurch gegenüber der Konkurrenz erzielen?

Innovation ist die Basis für einen Vorsprung, motivierte MitarbeiterInnen mit kreativem Freiraum sind die Basis für Innovation. Mit dem verantwortungsbewussten Umgang unserer wertvollsten Ressource – dem Menschen – ist für uns Innovation kein einmaliger Akt sondern ein permanenter Zustand. Dadurch sind wir in der Lage im Kreis von sehr großen Unternehmen in der Branche mitzuspielen und den Ton anzugeben. 
 
Wie konnten Sie bislang die Wirtschaftskrise meistern und haben Ihnen Ihre Nachhaltigkeitsinnovationen dabei geholfen? Wenn ja, wie?
 
Natürlich ist die Krise nicht spurlos an uns vorüber gegangen. Die Einbrüche anderer Branchen und Maßnahmen mittelbarer Wettbewerber (Stichwort: Förderung für Ölheizung) haben auch unserem Markt zugesetzt und das gewohnte Wachstum stagnieren lassen. Geholfen hat uns in diesem Zusammenhang sicher auch unsere schlanke (nachhaltige) Unternehmensstruktur, die wir seit unserer Gründung weiterentwickeln um flexibel zu bleiben und für dynamische Entwicklungen gewappnet zu sein. 

Konnten dadurch mehr Jobs geschaffen werden bzw. konnten Sie in der Krise dadurch mehr Mitarbeiter halten?
 
Wir konnten trotz Krise unseren MitarbeiterInnenstand halten bzw. sogar leicht erhöhen. Der Grund liegt unter anderem darin, dass wir die Zeit nutzen um an neuen Innovationen zu arbeiten und unserer gespeicherten Ideen umzusetzen. 
  
Gibt es weitere Vorteile für Ihr Unternehmen? (z.B. Mitarbeitersuche)
 
Nachhaltig innovative Unternehmen sind attraktiv und es erreichen uns nicht nur in Krisenzeiten zahlreiche Initiativ-Bewerbungen. Man spürt aber auch bei vielen Menschen, die zu uns kommen um mit uns zu arbeiten, uns beliefern oder unsere Produkte kaufen, dass der eingeschlagener Weg einer zukunftsorientierten Unternehmensführung noch dazu mit einem nachhaltigen Produkt einen „Wert“ darstellt, den diese Menschen haben und leben wollen. 
  
Werden für Sie Nachhaltigkeitsinnovationen in Österreich ausreichend gewürdigt und was würden Sie sich dafür wünschen?
 
Ja, es gibt die eine oder andere Auszeichnung für nachhaltige Unternehmensführung und Innovationen. Den einen oder anderen Preis bzw. Auszeichnung konnten wir auch schon gewinnen (z.B. Trigos-Preis für soziale Verantwortung, Umweltzeichen Österreich, Innovationspreise etc.), worauf wir natürlich sehr stolz sind. Wünschen würden wir uns, dass die derzeitige positive Berichterstattung über die „Green-Economy“ „nachhaltig“ anhält. 
 
Werden Unternehmen für diesen Themenbereich genügend unterstützt? Sind die Rahmenbedingungen in Österreich förderlich? Welche Änderungen wären notwendig?
 
Die Unterstützung auf der Unternehmensebene kann als ausreichend gesehen werden. Woran aber auf jeden Fall noch gearbeitet werden muss, ist die Unterstützung auf Ebene der Endverbraucher. Hier hat man gerade jetzt die Chance durch entsprechende Förderungen im Bereich der Umwelt und der erneuerbaren Energien entscheidende Akzente zu setzen und den Wachstumsfaktor und Innovationsmotor der „Green-Economy“ auf Touren zu bringen.
Nicht zuletzt würde sich eine Ökologisierung des Steuersystems bei gleichzeitiger Entlastung des Faktors Arbeit nicht nur sehr positiv auf die Umwelt sondern auch auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt auswirken.
 
 
 
Die Fragen stellte: Dipl.-Ing. Richard Tuschl, Consultant der Wallner & Schauer GmbH (www.zukunftsberater.at)Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik



 
Zum Thema des Monats 3/2010 geht es hier.
 
Person des Monats 3/2010: Mag. Martin Troyer


 


 

19.03.2010, Nachhaltigkeit Home