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Vineet Nayar
Foto: Vineet Nayar

Person des Monats 04/10: Vineet Nayar

Eines war bislang in den Köpfen der Europäer klar: gute Bildung, Ideenreichtum und Innovation findet man in Europa, die Hilfskräfte in Indien. Soziale Nachhaltigkeit analog. Doch Vineet Nayar stellt dies auf den Kopf!

 
Sozial nachhaltiges Management beginnt bei Vineet Nayar: Für ihn stehen die Menschen im Unternehmen an erster Stelle. Nicht der C.E.O. oder das obere Management wie in europäischen Konzernen. Er ist nicht derjenige, der alle Ideen hat, sondern derjenige, der seine Beschäftigten ermöglicht Werte zu kreieren.
 
In einem Interview in der New York Times (hier nachzulesen) beschreibt er dies so: "My job is to make sure everybody is enabled to do what they do well. This is part of our 'Employees First' philosophy." (Mein Job ist es sicherzustellen, dass jede(r) befähigt ist, das zu tun, was er/sie gut tun kann. Das ist Teil unserer 'Mitarbeiter zuerst' Philosophie)
Dies braucht eine Unternehmenskultur die auf dem Grundsatz des Vertrauens aufgebaut ist. Und dies wiederum benötigt volle Transparenz: Zum Beispiel werden alle Finanzinformationen des Unternehmens (HCL) auf der internen Webseite des Unternehmens veröffentlicht. Damit sind alle Leistungsindikatoren für alle Beschäftigte einsehbar. Vineet Nayar dazu: "We inverted the pyramid of the organization and made reverse accountability a reality.
So my 360-degree feedback is open to 50,000 employees — the results are published on the internal Web for everybody to see. And 3,800 managers participate in an open 360-degree and the results — they’re anonymous so that people are candid — are available on the internal Web for those who gave feedback to see. So, that’s reverse accountability.
The other thing we did was make sure everybody understands that the C.E.O. is the most incompetent person to answer questions, and I say this to all my employees very openly
." (Wir haben die Pyramide der Organisation umgekehrt und machen inverse Leitungsverantwortung zur Realität.
So ist mein 360-Grad-Feedback für alle 50.000 Beschäftigte offen - die Ergebnisse werden im internen Web für jeden einsehbar veröffentlicht. Und 3.800 Manager nehmen 360-Grad offen daran teil und die Resultate - diese sind anonym, damit die Menschen offen sind - sind im Intranet für die, die Feedback geben, verfügbar. So das ist inverse Leitungsverantwortung.
Das andere, was wir taten, war sicherzustellen, dass jede(r) versteht, dass der C.E.O. die ungeeignetste Person ist, Fragen zu beantworten. Und das sage ich allen meinen Beschäftigten sehr offen.)
 
Ein anderes Innovationsbeispiel ist der Umgang mit Ideen und Arbeiten der MitarbeiterInnen. Nicht das obere Management bewertet diese, sondern die Präsentationen dazu werden im Intranet veröffentlicht. Somit geben ca. 300-400 Personen aus den unterschiedlichsten Hierarchieebenen dazu Feedback und können die Arbeiten selbst weiter verwenden. Damit wird die Zusammenarbeit signifikant verstärkt. Ganz anders wird auch mit gegenteiligen Meinungen umgegangen. Sie werden als befruchtend angesehen und sind ausdrücklich erwünscht. Denn wichtig ist das Lernen voneinander. Auch die Leistungsbeurteilung hat HCL auf den Kopf gestellt: Nicht der Chef beurteilt die Mitarbeiter, sondern die MitarbeiterInnen ihre Führungskräfte. Und zwar regelmäßig und öffentlich. Jede(r) kann dabei Beschwerden und Wünsche per Email an die Führung richten - die Besonderheit: Nur der Beschwerdeverfasser kann den Vorgang als beendet erklären.

Es gibt zahlreiche weitere Beispiele für neue innovative und nachhaltige Ansätze für Projekte des Unternehmens. Alle anzuführen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Erwähnt seien auszugsweise folgende (Anm. des Autors: Um diese Beispiele zu beurteilen sollte sich der geneigte Leser immer die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Indiens vor Auge halten):
 
HCL School Intervention Program:
Gute Erziehung und Bildung ist das Recht jedes Kindes. 100 Freiwillige unterrichten dabei 800 Schüler in unterschiedlichen Bereichen wie Englisch, Mathematik, IT, Gesundheit und Hygiene und Umweltschutz. Weiters wird die Organisation von zum Beispiel Sommerkursen oder auch persönlichen Entwicklungsprogrammen übernommen.
 
Teach@Office:
HCL beschreibt das Teach@Office Programm mit folgenden Worten: "Es heißt meistens Wohltätigkeit oder Nächstenliebe beginnt zu Hause, bei HCL beginnt soziale Verantwortung im Büro". 250 ausgewählte und ausgebildete Mitarbeiter betreuen Beschäftigte in unterschiedlichen Standorten zu den Themen Lebensqualität, Motivation und Wissen. Ziel ist es, den Beschäftigten zu helfen, die Rahmenbedingungen so gut wie möglich zu gestalten.
 
Child Rescue and Rehabilitation program:
Das Programm bietet unbezahlte freiwillige Hilfe an und versucht gemeinsam mit NGOs Kindern wieder ein lebenswertes Leben zurückzugeben. Es wendet sich an Kinder, die unterschiedliche Formen von Missbrauch ausgesetzt waren und Rehabilitation benötigen. Zum Beispiel arbeiten in der "Bangalore initiative" 170 MitarbeiterInnen sehr eng mit dem Frauenministerium und NGOs zusammen.

Fund Raising Events and collection drive:
HCL arbeitet mit mehr als 10 NGOs zusammen um unterpriviligierten Menschen zu helfen. Die Fabriken und Standorte des Unternehmens werden für Flohmärkte und andere Veranstaltungen den NGOs zur Verfügung gestellt.
 
 
Die vielen Initiativen des Unternehmens und ihres C.E.O. bauen auf den gleichen Grundsätzen auf:
 
- Veränderung muss bei der Führung / im Management beginnen
- Verantwortung ist kein Absichtserklärung sondern gelebte Realität
- Im Zentrum steht immer der Mensch

 
Anhand dieser kurzen Vorstellung des Unternehmens und seines charismatischen Kopfes wird sichtbar, was soziale Nachhaltigkeit im Unternehmen sein kann. Viele dieser Ansätze sucht man in europäischen Unternehmen vergeblich. Somit wird uns einmal mehr gezeigt, dass nur laufende Innovation uns wirklich signifikant weiterbringt.
 
Weitere Informationen über Vineet Nayar und sein Unternehmen finden Sie unter den folgenden Links:

Twitter: http://twitter.com/vineetnayar
Artikel in Business Week: Artikel
Interview auf YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=cfw_TaSCayY 
Die Homepage des Unternehmens: http://www.hcltech.com/
 
 
 
Weitere Interviews und Beiträge zum Monatsthema April "Unternehmen schaffen Zukunft - Teil 2: Soziale Innovationen für nachhaltige Entwicklung" finden Sie im Dialog des Monats 4/2010.
Zum Thema des Monats April 2010 geht es hier.

 
Autor: Dipl.-Ing. Richard Tuschl, Consultant der Wallner & Schauer GmbH (www.zukunftsberater.at).
Recherche und Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik

 

16.06.2010, nachhaltigkeit.at