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Dialog des Monats 06/10: Der österreichische Ressourceneffizienz Aktionsplan (REAP)

Im aktuellen Dialog des Monats nehmen Dieter Drexel (Industriellenvereinigung), Kora Kristof (Wuppertal Institut), Marko Susnik (Wirtschaftskammer Österreich), Hubert Rhomberg (Geschäftsführer Rhombergbau) und Leopold Weber (BM für Wirtschaft, Familie und Jugend) Stellung zum österreichischen Ressourceneffizienz Aktionsplan.

 
 
ANDI_BRUCKNER
Foto: Drexel
Dl Dieter Drexel

stv. Bereichsleiter Industriepolitik
Industriellenvereinigung

 
Ressourceneffizienz ist der Dreh- und Angelpunkt eines auf Dauer globalisierungsfähigen Wirtschaftssystems. Dabei ist es unstrittig, dass der aktuelle Ressourcenverbrauch in unseren Breiten noch weit von dieser Globalisierungsfähigkeit entfernt ist.
Gleichzeitig ist Ressourceneffizienz und gezielte Ressourcennutzung für die Industrie eine wichtige Säule für die Sicherung des Standorts und für die Schaffung eines zukünftig entscheidenden Wettbewerbsvorteils.
 
Für die Industriellenvereinigung sind es zwei Stossrichtungen die es zu verfolgen gilt, um zu einer Erhöhung der Ressourceneffizienz in einem globalen Bilanzraum beizutragen. Zum einen muss es darum gehen Produktion so ressourceneffizient wie möglich zu gestalten, um mit jeder Produktionseinheit gegenüber weniger effizienter Produktion irgendwo in der Welt einen Beitrag zur globalen Ressourceneffizienz zu leisten. Zum anderen sind Forschung und Entwicklung die Schlüssel zu neuen ressourcenoptimaleren Produkten und Anwendungen die über Ihre Verbreitung weit über Österreich hinaus eine hohe Hebelwirkung entfalten können.
 
Vor diesem Hintergrund tut die österreichische Nachhaltigkeitsstrategie gut daran, die Erhöhung der Ressourceneffizienz der österreichischen Wirtschaft als zentrales Leitziel einer nachhaltigen Entwicklung zu formulieren. Noch besser freilich wäre es, wenn wir zu einer höheren Ressourceneffizienz der gesamten Gesellschaft gelangen könnten.
Der nun zu erstellende Ressourceneffizienz-Aktionsplan bietet die Chance dafür.


Kristof
Foto: Kristof
Dr. Kora Kristof

Programmleiterin "Materialeffizienz und Ressourcenschonung"
Wuppertal Institut
 
 
Gratulation, dass sich das Lebensministerium zusammen mit den zentralen Stakeholdern auf den Weg begibt zu einem „Ressourceneffizienz-Aktionsplan für Österreich“! Damit der Einstieg erfolgreich ist, ist es zunächst wichtig, erstens eine Institution zu schaffen, die „Kümmerer“ für eine erfolgreiche Umsetzung ist und dazu mit den notwendigen Voraussetzungen ausgestattet ist. Denn nichts ist überzeugender als der Erfolg, den Unternehmen und Konsument/-innen konkret spüren. Damit das Thema Ressourceneffizienz aus seinem Dornröschenschlaf aufwacht, ist es zweitens wichtig, eine Ressourceneffizienzkampagne aufzulegen. Zielgruppe sollten derzeitige und künftige Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und die Medien sein. Die Ressourceneffizienzkampagne und die schlagkräftige Institution ebnen dann den Weg, alle fünf Kernstrategien einer erfolgreiche Ressourcenpolitik umzusetzen:

- „Nachhaltige Zukunftsmärkte – Innovationen eine Richtung geben”: Die F&E- und Innovationsförderung, aber auch die Anreizsysteme müssen an anspruchsvollen Ressourceneffizienzzielen und den erschließbaren Potentialen ausgerichtet werden.

- „Starke Institutionen – Schlüssel für eine erfolgreiche Diffusion”: Erfolgreiche Umsetzung braucht „Kümmerer”. Deshalb ist es sinnvoll, eine koordinierende Institution zu schaffen, die die schon bestehenden Aktivitäten einbindet. Auch der Kreis der einschlägigen Berater/-innen und Unternehmensnetzwerke sollte ausgebaut und weiterqualifiziert werden.

„Ressourceneffiziente Produkte”: Vorreiter, die besonders ressourceneffiziente Produkte entwickelt haben, zu fördern und sichtbar zu machen, hat sich als genauso erfolgreich herausgestellt, wie Strategien, die den Marktdurchschnitt auf eine Ressourceneffizienzsteigerung ausrichten oder das „Dirty End” vom Markt nehmen.

- „Der Staat als Nachfrager – Vorbild und Marktmacht”: Die staatliche Nachfragemacht kann Märkte verändern, wenn Ressourceneffizienz in der Beschaffung eine wesentliche Rolle spielt und Innovationsprozesse aktiv angestoßen werden. Und der Staat hat eine Vorbildfunktion.

- „Veränderung in den Köpfen”: Alle anderen Kernstrategien werden zum Scheitern verurteilt sein, wenn sie nicht flankiert werden durch die Veränderung in den Köpfen. Dabei geht es um drei Aspekte: das Thema in die Köpfe bringen, Qualifikationen – von der Schule bis zur Universität und in der beruflichen Bildung – schaffen und Erfolge sichtbar machen.

Diese Kernstrategien wurden im Rahmen des Großprojekts „Materialeffizienz und Ressourcenschonung" (MaRess) identifiziert, das vom deutschen Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt gefördert und vom Wuppertal Institut mit 31 Partnern bearbeitet wird.
Unter http://ressourcen.wupperinst.org/downloads/index.html finden Sie mehr Informationen zu den Kernstrategien (Downloads der Papers zu Arbeitspaket 7).

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf dem Weg zum „Ressourceneffizienz-Aktionsplan für Österreich“! 



Portraitfoto Dipl.-Ing. Dr. Marko Susnik, Wirtschaftskammer Österreich
Foto: Marko...
Dipl.-Ing. Dr. Marko Susnik

Abteilung für Umwelt und Energiepolitik
Wirtschaftskammer Österreich 
 

Umweltpolitik ist Ressourcenpolitik ist Wirtschaftspolitik
Die Wirtschaft muss die Knappheit der Ressourcen und die Tragfähigkeit der Umwelt bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Bei der effizienten Nutzung von Rohstoffen und Energie im Produktionsprozess besteht kein Konflikt zwischen ökonomischen und ökologischen Zielen. Die Bemühungen um mehr Effizienz verbessern die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und stimulieren Innovationen. Bei der Gestaltung der Umweltpolitik geht es deshalb auch um den Zugang zu natürlichen Ressourcen. Deshalb ist Umweltpolitik auch Ressourcenpolitik. Sie steuert den Zugang zu einem knappen Gut – den natürlichen Ressourcen. Ressourcenpolitik ist damit Wirtschaftspolitik, weil natürliche Ressourcen einen der unabdingbaren Faktoren eines jeden Produktionsprozesses darstellen. Indem die Umweltpolitik deren Verwendung steuert, steuert sie gleichzeitig auch die wirtschaftliche Entwicklung.
Für die österreichische Wirtschaft ist die Zusammenarbeit an einem Nationalen Aktionsplan zur Ressourceneffizienz eine willkommene Herausforderung, noch besser und noch wettbewerbsfähiger zu werden.
Ein integraler Bestandteil von effizienter Rohstoffnutzung sind effiziente Rohstoffkreislaufe, die Rohstoffe lange als Wertstoffe im Umlauf halten. Besonders wichtig ist es, dass Unternehmen, die effizientere Verfahren entwickeln und auf diese setzen möchten, unter die Arme gegriffen wird, da Forschung und Entwicklung bzw. neue Strukturen teuer sind. Das können gerade KMU nur durch Förderungen und professionelle Beratung schaffen.
Eine unreflektierte „Vision“ mit absoluten quantitativen Reduktionszielen  sehen wir in Anbetracht einer stetig steigenden Bevölkerung bis 2050 als sehr kritisch, Insbesondere wenn man jeder Österreicherin und jedem Österreicher das Anrecht auf einen vergleichbar guten Lebensstandard zuspricht. Es wird aber zweifelsohne und gerade auf Grund des Bevölkerungswachstums notwendig sein, dass wir alle unsere Ressourcen effizienter nutzen werden müssen. Dieser Weg von der Politik jedoch sehr behutsam beschritten werden, um nicht Versorgungsengpässe zu provozieren.
Wesentlich bei den Arbeiten zum Aktionsplan ist, dass Österreich Maßnahmen nur unter Berücksichtigung des europäischen  Kontextes trifft. Nationale Alleingänge außerhalb eines einheitlichen Binnenmarkt und einer europäischen Partnerschaft würden den Wirtschaftsstandort Österreich schwächen, ohne das Ziel einer  gemeinsamen Strategie zur Ressourceneffizienz zu erfüllen.
Die österreichische Wirtschaft erwartet sich bei der Erarbeitung eines Nationalen Aktionsplanes zur Ressourceneffizienz mit der Politik Gespräche, die auf gleicher Augenhöhe und mit Sensibilität für wirtschaftliche Probleme stattfinden. 
 
 

Hubert Rhomberg
Foto: Hube...
Dl. Hubert Rhomberg

Geschäftsführer Rhombergbau Bregenz
 
 
Gastkommentar Rhomberg Gruppe zum Ressourceneffizienz – Aktionsplan für Österreich:
Die jetzt schon spürbare Rohstoffknappheit wird sich weiter verschärfen. Die Entwicklung der Schwellenländer und der zunehmende Wohlstand erfordern immer mehr Ressourcen. Wenn die Weltbevölkerung unseren derzeitigen westlichen Lebensstil kopierte, würden wir ab dem Jahr 2030 mehr als zwei Planeten an Ressourcen benötigen, so der WWF Report 2008.
Insbesondere die Bauwirtschaft verbraucht direkt und indirekt einen erheblichen Anteil von Ressourcen und Energie. Sie muss Verantwortung dafür übernehmen und neue Möglichkeiten der Dematerialisierung ihrer Leistung realisieren. Unternehmen denen dies gelingt, werden Wettbewerbsvorteile erzielen, in dem sie sowohl weniger Ressourcen verbrauchen und damit Kosten sparen als auch völlig neue Produktansätze entwickeln.

Wir haben uns in unserer Firmenphilosophie der Nachhaltigkeit verschrieben und befassen uns beispielsweise stark mit der Optimierung der Lebenszyklen von Bauwerken. Abhängig von der Gebäudeart betragen die Errichtungskosten von Gebäuden im Durchschnitt lediglich 20 Prozent der Gesamtkosten. 80% sind laufende Betriebskosten, wie z.B. Energie, Reinigung, Instandhaltung, Wartung. Dasselbe Prinzip gilt für den Ressourcenverbrauch von Energie und Chemikalien (Reinigungsmittel) für den Betrieb von Gebäuden. Betriebskosten werden überwiegend schon in der Planungsphase determiniert. Das bedeutet, dass eine Reduktion der laufenden Kosten um 10%, einer 40 %igen Baukostenreduktion entspricht. Vorausschauendes Denken und das Verständnis von Zusammenhängen sind erforderlich, um die Potenziale der Lebenszyklusoptimierung erschließen zu können.

Vom Ressourceneffizienz-Aktionsplan erwarten wir uns einerseits transparente Konsumenteninformation. Dadurch wird ein entsprechendes Kaufverhalten bewirkt und das Produzentenverhalten gelenkt. Effizienzpotentiale bei Unternehmen und Produkten werden ausgeschöpft. Andererseits erwarten wir uns auch Informationen darüber, wo die maßgeblichen Stellhebel sind, um als Unternehmen entsprechend reagieren zu können. Eine zusätzliche sinnvolle Maßnahme im Rahmen des Aktionsplanes ist unseres Erachtens die Lenkung über eine differenzierte Besteuerung - weg von den Löhnen hin zu den Ressourcen. Außerdem erachten wir es bei öffentlichen Vergaben als wichtig, bei Zuschlagskriterien den Ressourceneinsatz zu berücksichtigen und zu bewerten, und damit verbunden eine generelle Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus der Gebäude (Objekte) anzustellen.
Weil das Thema Ressourceneffizienz für uns ein großes Anliegen ist, sind wir Partner im Projekt BRIX. Wir arbeiten gemeinsam mit anderen Unternehmens- und Forschungspartnern an der Entwicklung eines Tools zur Messung des Ressourcenverbrauchs bei der Herstellung und zur Optimierung der Ressourceneffizienz von Produkten und Dienstleistungen. 
 
Weber
Foto: Weber
MR Univ.Prof.Dr. Leopold Weber

Leiter der Abteilung IV/7 - Rohstoffpolitik
Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
 
 
"Mineralische Rohstoffe sind für unsere Wirtschaft unverzichtbar. Die vergangenen Jahre haben aber gezeigt, wie verwundbar eine Wirtschaft sein kann, wenn sie nicht ausreichend mit mineralischen Rohstoffen versorgt wird. Die Versorgungsstörungen der letzten Jahre sind dabei keineswegs auf die Erschöpfung der Ressourcen, vielmehr auf den starken Rohstoffbedarf fernöstlicher aufstrebender Wirtschaftsräume zurückzuführen. Global gesehen sind hiervon die Erze, Industrieminerale und Energierohstoffe betroffen. Vielfach wird dabei aber übersehen, dass auch die heimischen „Massenrohstoffe“ wie Sand und Kies zunehmend verknappen. Derartige Rohstoffe können aus Kostengründen nur im unmittelbaren Umfeld der Verbraucher gewonnen und nicht international gehandelt werden. Die Zugänglichkeit zu derartigen Rohstoffvorkommen wird aber auf Grund der diametralen Interessen zwischen Produzenten und Anrainern immer größer.
Um die heimischen Rohstoffressourcen auch für die nächsten Generationen sichern zu können, wurde der österreichische Rohstoffplan ausgearbeitet, durch welchen die Zugänglichkeit zu derart konfliktfreien Rohstoffvorkommen gewährleistet sein soll.

Ein Hauptziel der auf Nachhaltigkeit abzielenden österreichischen Rohstoffpolitik ist aberr nicht nur die raumordnerische Sicherung von Rohstoffvorkommen („raumordnerischer Lagerstättenschutz“), sondern auch eine optimale Nutzung von Lagerstätten („bergmännischer Lagerstättenschutz“). Dazu zählt auch die Entwicklung moderner, umweltschonender Abbaumethoden, Aufbereitungs- und Verarbeitungsmethoden. Zur Rohstoffsicherung trägt aber nicht nur der Bergmann, sondern die gesamte Gesellschaft bei, insbesondere wenn durch den Einsatz von Alt- und Abfallstoffen („Urban Mining“) die natürlichen Ressourcen geschont werden können. Effizienter Umgang mit Rohstoffen, aber auch Materialien ist heute eine wichtige Grundlage dafür. Nachhaltiges Handeln ist daher auch bei den nicht erneuerbaren mineralischen Rohstoffen möglich… "

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Weitere Informationen:

Das Thema des Monats Juni 2010 "Der österreichische Ressourceneffizienz Aktionsplan (REAP)" finden sie hier . 
"Person des Monats" ist der amtierende EU-Umweltkommissar Dr. Janez Potočnik; seinen Gastbeitrag zu diesem Monatsthema finden sie hier
 
Kommentar von Umweltminister Niki Berlakovich zum Monatsthema Juni 2010
 
Statement von Bundesministerin Doris Bures

Gastkommentar von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner

22.06.2010, nachhaltigkeit.at