Monatsthema 08/10: Kunst und Nachhaltigkeit
Das Monatsthema August 2010 beleuchtet das Spannungsfeld Kunst und Nachhaltigkeit. Wir betrachten aktuelle Werke und deren SchöpferInnen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und finden die Vermutung, KünstlerInnen wären Seismographen für gesellschaftliche Änderungen und Anliegen, bestätigt.
Die Sehnsucht nach Werten, Kern-Emotion der Nachhaltigkeits-Pioniere, wird am besten von den KünstlerInnen weitergetragen und teilweise auch gestillt. Immer mehr KünstlerInnen stellen sich den Herausforderungen des breiten Spektrums einer „nachhaltigen Lebensweise“ und tragen zur weiteren, emotionalen und intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Thema bei. Wir beleuchten dabei nicht nur das offensichtlichste Feld „Natur und Umweltzerstörung“, sondern auch jenes der „sozialen Spannungen und Ungerechtigkeiten“ und das der „wirtschaftlichen Nachhaltigkeit“, um dem Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigen Entwicklung zu entsprechen.Das erste Augustwochenende 2010 war, nach vier Jahren langwieriger Planung und Diskussion durch das Kunsthaus Bregenz, nun letztlich doch Zeitpunkt für die feierliche Eröffnung des "Horizon Field", der wohl ausgedehntesten Installation des Künstlers Antony Gormley. Der Engländer hat im Bregenzerwald auf einer Fläche von 150 Quadratkilometern in über 2000 m Seehöhe einhundert Eisenskulpturen aufgestellt. Zuvor standen ähnliche Denkmäler in New York - dort allerdings auf Wolkenkratzern - in London, Stavanger und Cuxhaven. Die 650 kg schweren Burschen sind aus Eisen. Der Prozess des Rostens würde, so Gormley, dem Bluten der Menschheit entsprechen. Die Auseinandersetzung mit den Fragen: "Fügt sich die menschliche Kultur in die Natur? Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?" regte den Künstler zu diesen für viele beunruhigenden Skulpturen an. Bis April 2012 werden Gormleys Eisenmänner die Berge bevölkern und dort für Besinnung und heilsame Irritation sorgen. Weitere Infos: www.kunsthaus-bregenz.at
KünstlerInnen fungieren als Seismographen für gesellschaftlich wichtige Entwicklungs-Prozesse, in diesem Fall für Nachhaltige Entwicklung. Aktuell läuft gerade das Projekt „the human rights“ im Wiener Museumsquartier, das sich mit der Erklärung der Menschenrechte von 1948 auseinandersetzt und der Tatsache, dass jene nicht nur ständig verletzt werden, sondern dass deren 30 Artikel zwar in 360 Sprachen übersetzt wurden, aber dennoch für viele nicht zugänglich sind - denn viele Menschen können weder lesen noch schreiben. Eine der vielen Programmpunkte ist der „freedom wing“, eine begehbare Installation im MQ. Lukas M. Hüller interpretiert die Menschenrechtserklärung mit einer analogen Panaromakamera und verwandelt den Hof des MQ in eine Galerie. Eng an das Projekt „freedom wing“ gebunden ist die Township-Schule Ithuba Skills aus Johannesburg in Südafrika, initiiert von Christoph Chorherr. Die beiden Wiener Künstler Lukas Hüller & Juliane R. Hauser, ließen mit den Jugendlichen der Township-Schule und den Künstlern Armin Guerino aus Wien, Kevin Harrison aus England und Laurent van Wetter aus Belgien (The Artist for Human Rights) die dringlichsten Probleme transparent werden. Hüller und Hauser weisen darauf hin, dass die Menschenrechtsdeklaration einer Korrektur bedarf, da sie, „aus heutiger, globaler Sicht fehlerhaft sei. Denn heute begegnen wir den Problemen in der dritten Generation der Menschenrechte; sie betreffen vor allem die häufig unerfüllten Rechte auf Ernährung & freien Zugang zu Trinkwasser, Frieden und das Recht auf gleichmäßige Verteilung der einheimischen natürlichen Ressourcen – scheinbar vorwiegende Probleme der so genannten Drittweltländer, sieht man von Nutznießern und Verursachern ab... “. Die spannende Ausstellung ist bis Ende August 2010 zu sehen.
Bis September 2010 kann man die Ausstellung „Art in Nature“ in Memoriam Hermann Prigann bestaunen. Prigann, der 2008 in Mallorca verstarb, erlangte mit seinen Arbeiten internationales Ansehen. Inhaltliche Parallelen findet man zu Robert Smithsons (1938 - 1973), herausragender Vertreter der „Land Art“ im Amerika der 60er-Jahre. Das Interesse an Landschaften, die durch den Menschen verändert werden können, ließ ihn nie wieder los. Besonders in seinem Werk „Himmelstreppe“ spürt man als Zuseher und „Betretender“ seines Werks eine gewisse magische, archaische Grundatmosphäre. Der Künstler behielt immer einen stark lokalen Bezug - so stammen die Steinquader aus einem aufgelassenen Lokal im Ruhrgebiet. Bei der jetzigen Ausstellung macht der „Skulpturenwald“ im deutschen Rheinelbepark auf die Rückkehr der Natur aufmerksam. Das Brachland, entstanden durch den Rückzug der Kohle- und Stahlindustrie, wird zunehmend „vergrünt“, der Wald beginnt „sein Areal“ zurückzuerobern. Im „Zulassen“ als künstlerischen Akt wird auch hier wieder ein Denkanstoß in Richtung Nachhaltigkeit an die Bevölkerung gesetzt.
Die Himmelstreppe von Hermann Prigann lässt den Besucher spüren, wie es sein kann, wenn man geographische Räume einmal „bewusst“ durchschreitet.
Der Österreicher Alfred Hruschka ist als Spurensicherer unterwegs. Das Material - Naturfasern, wie etwa Sackleinen - vom Nimbus der kommerziellen Ware entkleidet und in den ehrenvollen Rohstoff des Künstlers transformiert - erfährt eine vielfältige Behandlung - es wird gerissen, übermalt, beschichtet, verdeckt, gerissen, geklebt, genäht. „Am Anfang war das Wort. Die Erde – der Same – die Pflanze – die Faser – das Garn – das Tuch – der Sack“, schreibt Eva Choung-Fux über die Arbeit Hruschkas, „Im Kontinent seines Ursprungs gefüllt mit Gewürzen, kommt der Sack nach Europa. Wird entleert, weggelegt, entsorgt. Sowohl der olfaktorische, haptische und visuelle Reiz, als auch die Verneigung vor den unzählbar vielen Menschen, die Hand angelegt haben bis hierher, ist für den Künstler Motivation genug, nun seinerseits Hand anzulegen. Dem Werk von Hruschka haftet die Geste der Demut an.“ Es ist dies mehr als bloss Recycling-Kunst, es ist eine Verbeugung vor der Kraft sozialer Wärme.
Dies ist nur eine von Eva Grubers landschaftsgestaltender Interventionen an der Schwarza.
Der Österreicher Joachim Eckl hat sich in seiner oberösterreichischen Heimat unter dem Label HEIM.ART ein Künstlerdomizil geschaffen und ganz einer nachhaltigen Lebensweise verschrieben. Seine "sozialen Skulpturen" sollen an den achtsamen Umgang mit Ressourcen und mit anderen Menschen gemahnen. Durch intensiven Austauch uns Zusammenarbeit mit seinen Künstlerkollegen, darunter Klaus Rinke und Tony Cragg, wurden Joachim Eckls Werke über die Grenzen des Landes hinaus berühmt und geschätzt. Infos über den Künstler und seine Werke unter www.heimart.at bzw. unter Person des Monats August 2010.
Der Oberösterreicher Joachim Eckl dockt an archaische Notwendigkeiten an. In seinen Arbeiten ist oft das Element Wasser ein zentrales Thema. Hier seine Arbeit „River“.
Den Aspekt der nachhaltigen Wirtschaft bringt Hermann Redlingshofer ins Spiel. Er verquickt die Balanced Scorecard mit dem 3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit und lässt ein Mobile aus blauen Wasserröhren über dem Besucher der Austellung schweben. Der Umstand, dass keine der Röhren „einzeln“ bewegt werden kann, soll verdeutlichen, dass alles in engem Zusammenhang steht. Wir hören den Schmetterling husten.
Der deutsche Künstler Werner Henkel stellt die Natur und den Menschen, der sich darin aufhält, ganz ins Zentrum seines Schaffens. Unter www.naturarte-wernerhenkel.de meint er zu seinem persönlichen Kunstkonzept: "Meine Kunst ist eine Annäherung an die Natur, beschäftigt sich mit den Energien, Ausdrucksformen, Fragen der Ökologie und wissenschaftlichen Arbeitsweisen vom Standpunkt der Kunst aus. Zentral ist dabei das Beziehungsgefüge, das Stoffwechselfeld Mensch - Natur. Natur ist gegenwärtig immer auch kulturell überformte, sozial konstituierte Natur. So führt die künstlerische Auseinandersetzung mit der Natur zur Reflexion über den menschlichen Zugriff auf Natur und ihre gesellschaftliche Nutzung und Vernutzung." Was hier trocken klingen mag, findet in Henkels Werken eine überaus sinnliche Anmutung. Seine Pflanzenpressungen mit Graphit, Erde, Blättern und unterschiedlichsten Materialen lassen uns die Fragilität der Natur genauso wahrnehmen wie deren unendliche Kraft. Aktuell erntet Henkel derzeit viel Lob und Aufmerksamkeit für sein Skulptur "Schonung" (Kunstverein Cloppenburg), wobei hundert Axtstiele im Bauch der Erde stecken, und das Solarobjekt "C-H-O-Batterie" (Ökologiestation Bremen) mit geschnittenen Palmblättern, Elektronikbauteilen, Kupferfarbe und Metall.
Aus Eisenbahnschienen schuf Michael Thomas „Ventile der Erde“ als Sinnbild für den Überdruck, den die Menschen dem Planeten Erde zumuten.
Auch Kühe sind am Klimawandel beteiligt. „Komm jetzt!“ (2004) von Michael Thomas.
Christian Gagelmann drückt in seiner Holzskulptur die Gespaltenheit des Menschen in seinem Wunsch nach einer Nachhaltigen Entwicklung aus. Die Skulptur ist Exponat auf der Ausstellung „Kunst trifft Nachhaltigkeit“ im deutschen Neckargemünd 2010.
Aber nicht nur die bildnerische Kunst befasst sich mit dem Thema der Nachhaltigen Entwicklung - Ansatzpunkte finden wir in allen Formen des künstlerischen Ausdrucks, ob in der Musik, wo wir mit Woodstock an das wohl intensivste Gefühlsspektakel zurückdenken, als auch in der Filmproduktion, ob dies nun Blockbusters sind, die verschiedenste Formen der Umweltzerstörung und Ausbeutung beleuchten oder aber die in der realen Welt angesiedelten immer beliebter werdenden Film-Dokumentationen. Allen voran sei natürlich Al Gore mit „Eine unbequeme Wahrheit“ erwähnt. Nachdem er mit seinen warnenden Vorträgen durch die halbe Welt gereist war, schnitt man aus selbigen diese Doku zusammen. Ganz ohne Effekthascherei, bewusst einfach und wahrheitsgetreu. Der ehemalige Vizepräsident der USA gewährt uns einen Blick in eine äußerst unbequeme Zukunft. Die globale Erwärmung ist eine Gefahr, die wir uns nicht „wegdenken“ sollten - jeder einzelne kann mitwirken, die Gefahr zu verringern. „Working Man‘s Death“ von Michael Glawogger zeigt auf expressive Weise körperliche Schwerstarbeit in den illegale Minen der Ukraine, den Alltag der Schwefelarbeiter in Indonesien und einen Schlachthof in Nigeria. Eine harte Welt, die unserem Blickfeld längst abhanden gekommen ist. Bilder, die einem das Wort „Work-Life-Balance“ grotesk erscheinen lassen. In „Über Wasser“ entführt uns Udo Maurer in die Welt des Wassers. Danach erscheint uns ein Glas Wasser keinesfalls mehr als selbstverständlich. In den Slums von Nairobi entscheidet Wasser über Sein und Nichtsein, das Verschwinden des Aralsees lässt eine Wüste entstehen und die Fischer ohne Lebensgrundlage zurück. Ein Film, der nachdenklich stimmt und wieder einen Denkanstoss in Richtung Nachhaltige Entwicklung gibt.
Weiterführende Links:
Kritikerin Brigitte Werneburg über Wirtschaft und Kunst:
http://www.revisionsverlag.de/wordpress/?p=116
Literatur-Tipp: "Kunst und Nachhaltigkeit" im Verlag Moderne Kunst, Herausgeber: Friedemann Malsch.
The human rigths project - Menschenrechtsartikel 13 (Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen.) und 26 (Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung.)
Bis September 2010 kann man die Ausstellung „Art in Nature“ in Memoriam Hermann Prigann bestaunen. Prigann, der 2008 in Mallorca verstarb, erlangte mit seinen Arbeiten internationales Ansehen. Inhaltliche Parallelen findet man zu Robert Smithsons (1938 - 1973), herausragender Vertreter der „Land Art“ im Amerika der 60er-Jahre. Das Interesse an Landschaften, die durch den Menschen verändert werden können, ließ ihn nie wieder los. Besonders in seinem Werk „Himmelstreppe“ spürt man als Zuseher und „Betretender“ seines Werks eine gewisse magische, archaische Grundatmosphäre. Der Künstler behielt immer einen stark lokalen Bezug - so stammen die Steinquader aus einem aufgelassenen Lokal im Ruhrgebiet. Bei der jetzigen Ausstellung macht der „Skulpturenwald“ im deutschen Rheinelbepark auf die Rückkehr der Natur aufmerksam. Das Brachland, entstanden durch den Rückzug der Kohle- und Stahlindustrie, wird zunehmend „vergrünt“, der Wald beginnt „sein Areal“ zurückzuerobern. Im „Zulassen“ als künstlerischen Akt wird auch hier wieder ein Denkanstoß in Richtung Nachhaltigkeit an die Bevölkerung gesetzt.
Die Himmelstreppe von Hermann Prigann lässt den Besucher spüren, wie es sein kann, wenn man geographische Räume einmal „bewusst“ durchschreitet.
Der Österreicher Alfred Hruschka ist als Spurensicherer unterwegs. Das Material - Naturfasern, wie etwa Sackleinen - vom Nimbus der kommerziellen Ware entkleidet und in den ehrenvollen Rohstoff des Künstlers transformiert - erfährt eine vielfältige Behandlung - es wird gerissen, übermalt, beschichtet, verdeckt, gerissen, geklebt, genäht. „Am Anfang war das Wort. Die Erde – der Same – die Pflanze – die Faser – das Garn – das Tuch – der Sack“, schreibt Eva Choung-Fux über die Arbeit Hruschkas, „Im Kontinent seines Ursprungs gefüllt mit Gewürzen, kommt der Sack nach Europa. Wird entleert, weggelegt, entsorgt. Sowohl der olfaktorische, haptische und visuelle Reiz, als auch die Verneigung vor den unzählbar vielen Menschen, die Hand angelegt haben bis hierher, ist für den Künstler Motivation genug, nun seinerseits Hand anzulegen. Dem Werk von Hruschka haftet die Geste der Demut an.“ Es ist dies mehr als bloss Recycling-Kunst, es ist eine Verbeugung vor der Kraft sozialer Wärme.
Alfred Hruschka erzählt von unserer Verknüpfung mit der dritten Welt - hier auf einem Siebdruck auf Jute. O.T. 2009
"Die Kunst verhält sich zur Natur wie der Wein zur Traube", sinnierte Franz Grillparzer und hätte in den Arbeiten der österreichischen Künsterin Eva Gruber sicherlich seine Bestätigung gefunden. In ihren knapp 300 "Landschaftsgestaltenden Interventionen" an der Schwarza in Niederösterreich setzte sie dem Fluss ein Denkmal. Gerade die Vergänglichkeit ihrer Objekte durch das mögliche Wegschwemmen durch den Fluss machen sie zu einer zarten Erinnerung an das Werden und Vergehen und die Kostbarkeit der Natur.
Dies ist nur eine von Eva Grubers landschaftsgestaltender Interventionen an der Schwarza.
Der Österreicher Joachim Eckl hat sich in seiner oberösterreichischen Heimat unter dem Label HEIM.ART ein Künstlerdomizil geschaffen und ganz einer nachhaltigen Lebensweise verschrieben. Seine "sozialen Skulpturen" sollen an den achtsamen Umgang mit Ressourcen und mit anderen Menschen gemahnen. Durch intensiven Austauch uns Zusammenarbeit mit seinen Künstlerkollegen, darunter Klaus Rinke und Tony Cragg, wurden Joachim Eckls Werke über die Grenzen des Landes hinaus berühmt und geschätzt. Infos über den Künstler und seine Werke unter www.heimart.at bzw. unter Person des Monats August 2010.
Der Oberösterreicher Joachim Eckl dockt an archaische Notwendigkeiten an. In seinen Arbeiten ist oft das Element Wasser ein zentrales Thema. Hier seine Arbeit „River“.
Den Aspekt der nachhaltigen Wirtschaft bringt Hermann Redlingshofer ins Spiel. Er verquickt die Balanced Scorecard mit dem 3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit und lässt ein Mobile aus blauen Wasserröhren über dem Besucher der Austellung schweben. Der Umstand, dass keine der Röhren „einzeln“ bewegt werden kann, soll verdeutlichen, dass alles in engem Zusammenhang steht. Wir hören den Schmetterling husten.
Die schwebende „Balanced Scorecard“ der Nachhaltigkeit von Hermann Redlingshofer.
Der deutsche Künstler Werner Henkel stellt die Natur und den Menschen, der sich darin aufhält, ganz ins Zentrum seines Schaffens. Unter www.naturarte-wernerhenkel.de meint er zu seinem persönlichen Kunstkonzept: "Meine Kunst ist eine Annäherung an die Natur, beschäftigt sich mit den Energien, Ausdrucksformen, Fragen der Ökologie und wissenschaftlichen Arbeitsweisen vom Standpunkt der Kunst aus. Zentral ist dabei das Beziehungsgefüge, das Stoffwechselfeld Mensch - Natur. Natur ist gegenwärtig immer auch kulturell überformte, sozial konstituierte Natur. So führt die künstlerische Auseinandersetzung mit der Natur zur Reflexion über den menschlichen Zugriff auf Natur und ihre gesellschaftliche Nutzung und Vernutzung." Was hier trocken klingen mag, findet in Henkels Werken eine überaus sinnliche Anmutung. Seine Pflanzenpressungen mit Graphit, Erde, Blättern und unterschiedlichsten Materialen lassen uns die Fragilität der Natur genauso wahrnehmen wie deren unendliche Kraft. Aktuell erntet Henkel derzeit viel Lob und Aufmerksamkeit für sein Skulptur "Schonung" (Kunstverein Cloppenburg), wobei hundert Axtstiele im Bauch der Erde stecken, und das Solarobjekt "C-H-O-Batterie" (Ökologiestation Bremen) mit geschnittenen Palmblättern, Elektronikbauteilen, Kupferfarbe und Metall.
Michael Thomas schuf den Realen Relativismus und den „gemeinen Hausschwamm“: Seine persönlichen Gestaltungsmöglichkeiten, die Gesellschaft für einen nachhaltigen Lebensstil oder nachhaltiges Bewusstsein zu sensibilisieren sieht er in einer Dokumentation der gesellschaftlichen Strukturen und Gewohnheiten. Und nennt dies Realen Relativismus. Eine Realität, die durch die Manipulation der Sicht der Dinge relativiert wird. „Beispielhaft dafür ist der Arbeitszyklus „Ventile der Erde“. Unser Planet steht unter Druck,“, so Michael Thomas, „ökologisch gesehen sogar unter Überdruck. Die Arbeit „Der gemeine Hausschwamm“ bringt den aus Erdöl hergestellten Wegwerfartikel Spülschwamm in einen sehr ästhetischen, dauerhaften Zustand und spricht sich zudem für einen nachhaltigen Umgang mit Wasserressourcen aus. Findet der nachhaltige Umgang statt, tritt das Ventil in Aktion und lässt den Druck entweichen. Ich installiere themengebundene Ventile aus verschiedenen Materialien weltweit, um einen möglichst flächendeckenden Druckabbau zu gewährleisten. Aktuell habe ich ein Konzept für ein monumentales Cortenstahl Ventil als Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Schwetzingen erarbeitet.“
Auch das Gemälde „Komm jetzt!“ von Michael Thomas, das zwei Rinder, die im Wasser stehen, zeigt, soll daran erinnern, dass Rinder durch ihre Verdauung klimaschädliches Methan erzeugen. Die Kuh hat anstelle von vier, sechs Zitzen und der Bulle steht für den berühmten Börsen-Bullen, Symbol für fallende Kurse. Ein raffinierter Querverweis auf die Gewinnsucht, die einer nachhaltigen Business-Entwicklung mit gemildertem Wachstum im Wege steht.
Auch das Gemälde „Komm jetzt!“ von Michael Thomas, das zwei Rinder, die im Wasser stehen, zeigt, soll daran erinnern, dass Rinder durch ihre Verdauung klimaschädliches Methan erzeugen. Die Kuh hat anstelle von vier, sechs Zitzen und der Bulle steht für den berühmten Börsen-Bullen, Symbol für fallende Kurse. Ein raffinierter Querverweis auf die Gewinnsucht, die einer nachhaltigen Business-Entwicklung mit gemildertem Wachstum im Wege steht.
Aus Eisenbahnschienen schuf Michael Thomas „Ventile der Erde“ als Sinnbild für den Überdruck, den die Menschen dem Planeten Erde zumuten.
Auch Kühe sind am Klimawandel beteiligt. „Komm jetzt!“ (2004) von Michael Thomas.
Samuel J. Fleiner kuratiert die Ausstellung „Kunst trifft Nachhaltigkeit“ in der Villa Menzer in Neckargemünd, die im Mai begann und noch bis August 2010 läuft (siehe Dialog des Monats 08/10). Er findet die Holzfigur von Christian Gagelmann besonders interessant. Da sie den Menschen zeigt, wie er seiner eigenen Geschichte fassungslos gegenübersteht. Er steht sich selbst auf dem Fuß. „Was ist, steht auf dem Kopf“, entnehmen wir Fleiners Ausstellungstext, „ und ist die Weltsicht und Fühlweise und bestimmt sein Handlungsprinzip. Dem Künstler geht alles zu langsam. Weil die Menschen sich weigern zu denken, meint er, dass die heute aktuellen, weltweit im Vordergrund diskutierten Themen (Fundamentalismus, Globalisierung, Ökologie) gar nicht oder nur langsam vorankommen. Seine Arbeit lässt aber auch eine andere Deutung zu: Die kommenden Generationen tragen wir bereits in und mit uns. Sie sind von unserem Verhalten jetzt abhängiger denn je. Wir ernten die Früchte von Bäumen, die Menschen vor uns gepflanzt haben.“
Christian Gagelmann drückt in seiner Holzskulptur die Gespaltenheit des Menschen in seinem Wunsch nach einer Nachhaltigen Entwicklung aus. Die Skulptur ist Exponat auf der Ausstellung „Kunst trifft Nachhaltigkeit“ im deutschen Neckargemünd 2010.
Aber nicht nur die bildnerische Kunst befasst sich mit dem Thema der Nachhaltigen Entwicklung - Ansatzpunkte finden wir in allen Formen des künstlerischen Ausdrucks, ob in der Musik, wo wir mit Woodstock an das wohl intensivste Gefühlsspektakel zurückdenken, als auch in der Filmproduktion, ob dies nun Blockbusters sind, die verschiedenste Formen der Umweltzerstörung und Ausbeutung beleuchten oder aber die in der realen Welt angesiedelten immer beliebter werdenden Film-Dokumentationen. Allen voran sei natürlich Al Gore mit „Eine unbequeme Wahrheit“ erwähnt. Nachdem er mit seinen warnenden Vorträgen durch die halbe Welt gereist war, schnitt man aus selbigen diese Doku zusammen. Ganz ohne Effekthascherei, bewusst einfach und wahrheitsgetreu. Der ehemalige Vizepräsident der USA gewährt uns einen Blick in eine äußerst unbequeme Zukunft. Die globale Erwärmung ist eine Gefahr, die wir uns nicht „wegdenken“ sollten - jeder einzelne kann mitwirken, die Gefahr zu verringern. „Working Man‘s Death“ von Michael Glawogger zeigt auf expressive Weise körperliche Schwerstarbeit in den illegale Minen der Ukraine, den Alltag der Schwefelarbeiter in Indonesien und einen Schlachthof in Nigeria. Eine harte Welt, die unserem Blickfeld längst abhanden gekommen ist. Bilder, die einem das Wort „Work-Life-Balance“ grotesk erscheinen lassen. In „Über Wasser“ entführt uns Udo Maurer in die Welt des Wassers. Danach erscheint uns ein Glas Wasser keinesfalls mehr als selbstverständlich. In den Slums von Nairobi entscheidet Wasser über Sein und Nichtsein, das Verschwinden des Aralsees lässt eine Wüste entstehen und die Fischer ohne Lebensgrundlage zurück. Ein Film, der nachdenklich stimmt und wieder einen Denkanstoss in Richtung Nachhaltige Entwicklung gibt.
Weiterführende Links:
Kritikerin Brigitte Werneburg über Wirtschaft und Kunst:
http://www.revisionsverlag.de/wordpress/?p=116
Kunst und Landschaft unter http://www.slap.de
Kunst trifft auf Nachhaltigkeit unter http://www.arte-sustenibile.org
Walter Spielmann über Kunst und Nachhaltigkeit: http://www.jungk-bibliothek.at/vorwort.pdf
Literatur-Tipp: "Kunst und Nachhaltigkeit" im Verlag Moderne Kunst, Herausgeber: Friedemann Malsch.
Autor: Wallner & Schauer GmbH (www.zukunftsberater.at).
Recherche und Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik
Recherche und Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik
04.08.2010, Nachhaltigkeit Home















