Person des Monats 08/2010: Joachim Eckl
Der österreichische Künstler Joachim Eckl, der sich selbst auch als Sozial-Ingenieur bezeichnet, hat sich voll und ganz dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben und lebt seine Berufung in Oberösterreich am idyllischen Mühltalhof. Wir sprachen mit ihm über seine gelungene Melange aus Kunst und Nachhaltigkeit.
"Die Kraft der Vision erzeugt den Wert der Kunst", erklärt Eckl, "in der Fachwelt wird das, was ich mache, im Rahmen des ,erweiterten Kunstbegriffs‘ als soziale Skulptur bezeichnet. Die Idee dahinter: Man kann im Rahmen der Kunst schöne und wertvolle Formen nicht nur aus Holz, Ton, Stein oder Bronze bauen, sondern diese auch aus menschlichem Handeln, Denken und Bewusstsein formen. Ziel dieser Gestaltungsimpulse ist die Erzeugung sozialer Organismen, die aus sich heraus ein Eigenleben entwickeln und wachsen." Eckl arbeitete mit Tony Cragg, Klaus Ringe, Christo, Jean Claude und Jeff Koons, um nur einige zu nennen. Nach einjährigem Studienaufenthalt in New York war es ihm ein Anliegen, das Regionale in seiner Heimat auf künstlerische Weise zu ehren, zu interpretieren und zu schützen. Unter dem Label HEIM.ART® (www.heimart.at) realisiert er seit 14 Jahren Kunst- und Kulturprojekte verschiedenster Art. Freund und Künstler, wie Nickolas Treadwell, Malcom Pointer, Alan Levi und Thomas Paster haben sich mit Ihren Werken und Wirken in seiner Region rund um den Mühltalhof angesiedelt und inspirieren die gesamte Umgebung weit über die Grenzen hinaus mit Ihrer weltoffenen und kreativen Haltung.
Was halten Sie davon, wenn Kunst versucht, sich nützlich zu machen? Ist Kunst vielleicht eines der wirkungsvollsten Medien, um der Gesellschaft die Notwendigkeit von nachhaltigem Handeln klar zu machen? Betreffend sowohl den Schutz der Natur, die soziale Gerechtigkeit als auch Fairness in der Arbeits- und Wirtschaftswelt.
Ja, das ist ja ihre ureigene Aufgabe! Sie muss dem Menschen „nützen“, wesentlich indem sie durch die „Überhöhung des Alltags“ ins Sinnvolle und Geistreiche eindringt. „Die Kunst ist nicht dazu da, unsere Wohn- und Schlafzimmer zu schmücken - sie ist eine Waffe gegen den Feind“, wie Picasso einmal so trefflich bemerkte. Stellt sich die Frage: Wer ist der Feind? Ich sehe den „Feind“ im uninspirierten und stumpfsinnigen Menschen. In diesem Zustand ist sich der Mensch selbst sein eigener Feind. Es geht darum, den Menschen ihre eigene Waffe gegen ihre Uninspiriertheit in die Hand zu geben. Kunst muss sich als Inspirations- und Impulsgeber für die Menschheit „nützlich machen lassen“ - sie muss unsere Sinne und unseren Geist schärfen!
Nachhaltiges Handeln“ - Was ist das? Das BP-Ölleck im Golf von Mexiko kann auch als nachhaltiges Handeln gesehen werden. Es wird sicherlich langfristig wirken - aber wie? Die entscheidende Frage ist: Wie kann konstruktiv, entsprechend dem menschlichen Wesen, seiner Bestimmung und seinen zukünftigen Entwicklungsbestrebungen gehandelt werden. Dazu bedarf es eines Bewusstseins in Bezug auf die bisherige Entwicklung der Menschheit. Aus der Arbeit an den Kernfragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? entsteht für den freien Menschengeist die Herausforderung vom „erkenne dich selbst“ hin zum „bestimme dich selbst“ zu kommen. So gesehen geht es in der Kunst um die permanente Arbeit am Menschen und seinem Bild von sich selbst. Ohne diese andauernde Entwicklung eines Menschenbilds gibt es keine langfristige - oder hier besser: Nachhaltige - Orientierungsmöglichkeiten für unser Handeln.
Kunst ist Anschauungssache. Tiere machen keine Kunst - Kunst ist etwas Menschliches, das ganz wesentlich vom „Blick“ des Betrachters abhängt. So zielt die Kunst - über die individuelle Anschauung - stets auf den menschlichen Geist und sein Bewusstsein. Sie ist also ein Inspirations- und Verinnerlichungs-Impuls. Man muss sich ihr aussetzen - sie anschauen - um sich ein eigenes Bild machen und sich selbst dabei bilden zu können. Die Arbeit an der persönlichen Sichtweise, am eigenen Blick des Menschen auf sich selbst und seine Existenz, seine Welt, verstehe ich als den wichtigsten Nachhaltigkeits-Impuls der Kunst. Die Kunst funktioniert dabei als eine Art Werkzeug, dessen man sich bedienen muss, um ihre Wirkung und ihren Nutzen in Anspruch nehmen zu können.
Können Sie eine vermehrte Beschäftigung mit Nachhaltigkeitsthemen in der aktuellen Kunstszene bemerken - wenn ja, wo?
Ich habe den Eindruck, dass sich die etablierten Kunstinstitutionen gegenwärtig vermehrt am Kunstmarkt orientieren. Oft versuchen sie - in Kooperation mit Wert-anlegenden Sammlern - eine wichtige Rolle als Wertbestimmungs- und -Erzeugungsinstrument am Markt zu spielen. Die Schlagzeilen machen heute mehr die Kunst-Preise als die Kunst-Werte. Soziale Impulse in Richtung Nachhaltigkeit lassen sich schwer verkaufen. Dabei geht´s nämlich mehr um ein Bewegen und um ein Berühren der Menschen, als um Waren und Prestigeobjekte.
Darf Kunst überhaupt jemals ein MITTEL zu etwas sein oder muss KUNST zweckfrei bleiben?
Wer Geist gewinnen will muss schöpfen - davon bin ich überzeugt! Es ist die Aufgabe des Menschen aus seiner Kreativität und Freiheitsfähigkeit die Welt zu erkennen und zu gestalten. Wer seine Kreativität nicht in Anspruch nimmt, kann sich als Mensch nicht frei entwickeln und daraus menschliche Gestaltungsimpulse für die Welt geben.
Wo sehen Sie ihre Gestaltungsmöglichkeiten, die Gesellschaft für nachhaltigen Lebensstil oder nachhaltiges Bewusstsein zu sensibilisieren? Gibt es konkrete Beispiele in Ihrer aktuellen Arbeit - wenn ja, welche?
Die Arbeit mit Kindern erscheint mir wesentlich. Und das vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass wir alle „Nachfahren und Vorfahren“ sind. Wenn man sich ernsthaft damit beschäftigt, wie sich die Menschheit im Laufe der Kulturgeschichte entwickelt hat, entsteht nicht nur ein Gefühl, sondern auch ein Bewusstsein für die zukünftigen Entwicklungs- und die Gestaltungsmöglichkeiten der Menschen.
In diesem Sinne möchte ich auf meine "Schöpfungsprojekte" und auf das kürzlich realisierte Projekt „Korn-Osiris“ hinweisen. Diese „partizipativen Projekte“ kann man als soziale Skulpturen verstehen. Es sind Gestaltungs-Impulse ins Bewusstsein der Menschen, die durch gemeinsames Wahrnehmen, Erinnern und Handeln wirksam werden. Die Kraft einer künstlerischen Vision generiert dabei die Energie, aber auch den Wert des Handelns. Wenn 360 Menschen gleichzeitig gemeinsam Wasser aus dem gesamten Flusslauf schöpfen um einen Augenblick des ganzen Flusses zu erfassen entsteht ein Geist der langfristig formend wirkt. Oder: wenn eine Schulklasse gemeinsam einen Erdmenschen - eine Menschengestalt aus Erde - baut und darauf Korn aussäet, entsteht eine gemeinsame Faszination für den aus der menschlichen Gestalt herauswachsende Lebensgeist.
Fühlen sie gesellschaftliche Verantwortung in Ihrem Dasein als Künstler?
Jeder Mensch ist Teil der Menschheit, jeder Mensch ist ein notwendig soziales Wesen und deshalb hat auch jeder Mensch eine gesellschaftliche Verantwortung im Dasein. Der Künstler ganz besonders, weil ihm durch seinen Zugang zum menschlichen Kreativitätspotential das Werkzeug für gesellschaftliche Gestaltungs-Impulse zu Verfügung steht.
Joachim Eckl "Korn-Osiris", Juni 2010
Joachim Eckl schuf zusammen mit Kindern die soziale Skulptur "Korn-Osiris". Der Künstler meint dazu: "Wenn eine Schulklasse gemeinsam einen Erdmenschen - eine Menschengestalt aus Erde - baut und darauf Korn aussäet, entsteht eine gemeinsame Faszination für den aus der menschlichen Gestalt herauswachsende Lebensgeist."
03.08.2010, Nachhaltigkeit Home






