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Foto: Dr. Wolfram ...

Interview mit Dr. Wolfram Tertschnig, Nachhaltigkeitskoordinator für den Bund

Lesen Sie hier, wie Wolfram Tertschnig, Abteilungsleiter im Lebensministerium und Ko-Vorsitzender der NachhaltigkeitskoordinatorInnen, Nachhaltige Entwicklung definiert, was sein beruflicher und privater Beitrag dazu ist und welche Herausforderungen und Chancen er für den angestrebten Wandel sieht.

 
 
nachhaltigkeit.at:  Was ist Ihre ganz persönliche Definition von „Nachhaltiger Entwicklung“?
Wolfram Tertschnig: „In Anlehnung an Brundtland: "Bedürfnisse so auszuleben, daß negative Auswirkungen auf die Ökosphäre möglichst gering sind;  ernten, was nachwächst: Chancen so nützen, daß Möglichkeiten anderer dadurch weder systematisch  noch  irreversibel behindert werden; Vielfalt schätzen,  schützen und nützen".  Und, angesichts immer größerer Knappheiten bzw. Diskrepanzen zwischen Soll und Ist: Dagegenhalten! Denn wegschauen, wenn manches bzw. vieles den Bach runtergeht, ist keine Alternative.“ 
 
nachhaltigkeit.at:  Angenommen, Sie als Filmregisseur(in) stünden vor der Aufgabe, Nachhaltige Entwicklung durch eine(n) Schauspieler(in) verkörpern. Mit welcher Schauspielerin bzw. welchem Schauspieler würden Sie diese Rolle besetzen?
Wolfram Tertschnig: „Keine Ahnung! Sexy/verführerisch/aufgeschlossen/engagiert wären für mich jedenfalls einige dieser Rolle zuordenbare Attribute.“

nachhaltigkeit.at:  Was ist die wichtigste Charaktereigenschaft die ein/eine Nachhaltigkeitskoordinator/in  besitzen muß um ihre/seine Tätigkeit erfolgreich ausüben zu können?
Wolfram Tertschnig: „Sozialkompetenz und persönliche Authentizität wären jedenfalls sehr hilfreich; "Dicke Bretter bohren können" ist ja noch nicht als Charaktereigenschaft registriert!“

nachhaltigkeit.at:  Was war ihr größter Erfolg bzw. an welches Ereignis in ihrer Tätigkeit als Nachhaltigkeitskoordinator/in denken Sie gerne zurück?
Wolfram Tertschnig:Die Aufbruchstimmung in der Arbeitsgruppe der Erstellungsphase der Bundesstrategie 2001/2002 hat uns gegenseitig gewaltig motiviert, viele Freundschaften begründet und mir persönlich viel Kraft gegeben.“

nachhaltigkeit.at:  Wie tanken Sie Kraft für die „Mühen der Ebene“ bzw. was motiviert sie „dran zu bleiben“?
Wolfram Tertschnig: „Da halte ich mich an ein Zitat der Anthropologin M. Mead: "Never doubt that a small group of people can change the world. Indeed that is the only way the world has ever been changed!"

nachhaltigkeit.at:  Was sind Ihre Prioritäten in den nächsten ein bis drei Jahren?
Wolfram Tertschnig: „Die Arbeit an der ÖSTRAT so zu gestalten, daß die politische Wesentlichkeit dieses Programms sichtbar und wirksam wird - in der Gewissheit, mein Bestes für eine nachhaltigere Entwicklung einzubringen und dies ohne meine Lebensqualität hintstellen zu müssen und jene der mir besonders wichtigen Menschen zu beeinträchtigen."
 
nachhaltigkeit.at:  Wir schreiben das Jahr 2030. Welche Spuren wollen Sie mit Ihrem beruflichen Wirken hinterlassen haben?
Wolfram Tertschnig: „Weniger Spuren als vielmehr ein gutes Gefühl, mein Bestes für eine nachhaltigere Entwicklung eingebracht zu haben.“
 
nachhaltigkeit.at: Wer hat Ihrer Meinung nach in Fragen der Nachhaltigkeit den größten Nachholbedarf? Die Gesellschaft, die Wirtschaft oder die Politik?
Wolfram Tertschnig: "Das "Floriani-Prinzip" ist mir grundsätzlich suspekt, und bei der Abwägung von  Handlungserfordernissen für eine nachhaltigere Entwicklung gänzlich fehl am Platz." 
 
nachhaltigkeit.at: Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt, dass es an nachhaltiger Entwicklung mangelt. Verstehen Sie die Krise als Chance bzw. Triebfeder für die Umsetzung nachhaltiger Entwicklung oder bremst sie diese? Warum?
Wolfram Tertschnig: "It´s a crime to waste a crisis" meint die US-amerikanische Zukunftsforscherin und  Okonomin Hazel Henderson. Wolfram Tertschnig, Nachhaltigkeitskoordinator im BMLFUW möchte ergänzen: die Hoffnung stirbt zuletzt."
 
nachhaltigkeit.at: Rollentausch: Stellen Sie sich vor, Sie wären ab morgen Politiker – was würden Sie als Erstes angehen?
Wolfram Tertschnig: "Hab ich mir sehr oft vorgestellt - die Konsequenzen behalte ich für mich."
 
nachhaltigkeit.at: Wie sieht für Sie ein gutes Leben aus?
Wolfram Tertschnig: "Authentizität: Eine möglichst gute Balance zwischen meinen Ansprüchen an mich, meinen tatsächlichen Möglichkeiten und meinem Handeln. Und: Motorradfahren im Winter ohne zu frieren wär auch nicht übel!"
 
nachhaltigkeit.at: Was hebt Ihre Lebensqualität?
Wolfram Tertschnig: "Tropenwald sehen, spüren, fühlen und hören; am Meer sein können, mit dem Motorrad von Null auf Hundert in 4 sec. zu beschleunigen, (m)ein Hund, Percussion in allen möglichen Formen, Freundschaft und Lieben, guter Rum & roter Wein, zu umweltpolitischen Errungenschaften einen Beitrag zu leisten. (-Die Reihenfolge ist zufällig gewählt, ausser bei den genannten Getränken.)"
 
nachhaltigkeit.at: Womit verbringen Sie den größten Teil Ihrer Freizeit?
Wolfram Tertschnig: "Damit, die oben genannten, großteils nicht berufskorrespondierenden Ansprüche an Lebensqualität und weitere Dinge mit den verfügbaren Tagen und Stunden in Einklang zu bringen - und ich gebe zu, ich bin damit regelmäßig überfordert!"  
 
nachhaltigkeit.at: Was ist Ihr ganz persönlicher Beitrag zur Nachhaltigen Entwicklung unseres Landes/Ihrer Region?
Wolfram Tertschnig: "Ich bin erst dabei, ihn zu erkennen….. Am ehesten das Bemühen möglichst viele Menschen von der Dringlichkeit und Wichtigkeit zu überzeugen, den nicht-nachhaltigen Entwicklungen und Trends mit eigenenen Mitteln und eigenem Handeln entgegenzutreten."
 
nachhaltigkeit.at: Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder/ für die nächste Generation?
Wolfram Tertschnig: "Liebevolle Eltern, die sie dabei unterstützen, zufriedene, wache, offene Erwachsene zu werden und ein selbstbestimmt glückliches Leben zu führen; und, im Gegensatz zur gegenwärtigen Generation, die Erde so zu hinterlassen zu können, wie sie sie gerne vorfinden würden oder gerne vorgefunden hätten."
 
 
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Kontaktdaten und weitere Infos zum Wirkungsbereich von Dr. Wolfram Tertschnig (Lebensministerium - Abteilung II/3) finden Sie auf der Liste der Mitglieder der NachhaltigkeitskoordinatorInnen- Konferenz .
       

20.08.2010, nachhaltigkeit.at