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BMLFUW/UBA/Gröger
Foto: BMLFUW/UBA/Gröger

Monatsthema 09/10: Weinbau im (Klima-)Wandel

Dieses „Thema des Monats“ ist der Versuch, Fragen der Anpassung / Mitigation zum Klimawandel einmal etwas abseits typischer Diskussionspfade zu stellen. Wein ist als Produkt, aber auch als kulturelles Objekt, ein wichtiger Symbol- und Sympathieträger für ganze Regionen.

Zugleich verbindet man die Arbeit der WinzerInnen mit den Themenfeldern Natur und Kultur sowie mit Themen der Nachhaltigkeit. Dies wird beim Thema „Klimawandel“ besonders deutlich.
 
Weintrauben reagieren einerseits sensibel auf Klimaveränderungen, andererseits sind die Produktion und der Konsum von Wein wie bei jedem anderen Produkt mit Auswirkungen auf den Klimawandel verbunden, die es möglichst gering zu halten gilt. ProduzentInnen wie KonsumentInnen haben vielfältige Möglichkeiten zur Reduktion ihres „Carbon Footprint“. Der CO-Fußabdruck bilanziert die Treibhausgasemissionen, die durch ein Unternehmen oder ein Produkt (Gut und Dienstleistung) verursacht werden.
 
Daher haben wir uns entschlossen, das Thema „Klimawandel“ einmal aus der Sicht des Wein(bau)s – oder gewissermaßen durch die Linse eines Weinglases zu betrachten. Wir stützen uns dabei unter anderem ganz wesentlich auf den kürzlich erschienenen Abschlussbericht des Projekts „Weinbau im Klimawandel: Anpassungs- und Mitigationsmöglichkeiten am Beispiel der Modellregion Traisental“ (WEINKLIM; Soja et al. 2010 – siehe die Literaturangaben am Ende dieses Beitrags). In diesem Projekt untersuchten fünf Forschungsinstitutionen gemeinsam mit Traisentaler Weinbaubetrieben den Einfluss des Klimawandels auf den Weinbau im Traisental und die Treibhausgas-Emissionen durch Weinanbau, -erzeugung, und –vertrieb.
 
Österreich ist ein Weinland

2,5 Millionen Hektoliter Wein werden jährlich produziert. Auf rund 50.000 ha Fläche wird Wein angebaut. Auf dem Großteil der österreichischen Weinanbaufläche (66 %) werden Weißweinsorten produziert, jedoch ist in den letzten 10 Jahren der Rotwein-Anteil merklich gestiegen.
 
Die wichtigsten Rebsorten in Österreich sind Grüner Veltliner, Welschriesling, Müller-Thurgau, Weißburgunder und Riesling beim Weißwein und Zweigelt, Blaufränkisch, Blauer Portugieser, Blauburger und Blauer Wildbacher unter den Rotweinsorten.
 
Rund 85 % der weltweit wachsenden Weintrauben sind für die Produktion von Wein und Sekt bestimmt, 5 % werden zu Rosinen getrocknet und nur 10 % kommen als Tafeltrauben (Speisetrauben) in den Handel. (siehe http://www.friedberger.at/weinviertlerbiotafeltrauben.htm) Obwohl Tafeltrauben aus Österreich im Moment vermehrt nachgefragt werden, wird der Großteil der Ernte weiterhin für die Weinerzeugung genützt.
 
Ausgehend von der Bedeutung des Weinbaus für Österreich beleuchten wir in diesem Artikel zunächst, welche Auswirkungen ein künftiger Klimawandel auf unsere Weinbaugebiete und den Weinbau haben wird und welche Anpassungen möglich sind. Im zweiten Teil dieses Artikels befassen wir uns mit dem Einfluss auf und Maßnahmen zur Reduktion der Folgen des Klimawandels.
 
Anpassung an die Folgen des Klimawandels: Die Betroffenheit des Weinbaus

Der Rebstock ist ein indirekter Klimaindikator. Wie mit einem meteorologischen Messinstrument können schon geringe Änderungen in der atmosphärischen Umwelt über die Traubenentwicklung und -qualität registriert werden.

Zwei klimarelevante Faktoren sind in der landwirtschaftlichen Produktion und in besonderem Maße im Weinbau entscheidend: die Temperatur und die Wasserverfügbarkeit. Andere Beschränkungen des Pflanzenwachstums, wie z.B. Nährstoffe, Schadstoffe, Krankheiten bzw. Schädlinge, können mit etwas Aufwand ausgeglichen werden. Doch die Temperatur- und Wasserbedingungen entscheiden, ob die Pflanzenproduktion wirtschaftlich ist oder nicht.
 
Nehmen klimawandelbedingte Extremwetterereignisse zu? 
 
Tief „Lothar“ mit über 100 Toten in Europa. Der für New Orleans verheerende Hurrikan „Katrina“. Die Jahrhundertflut (Elbenhochwasser) 2002 sowie häufige regionale Hochwasserereignisse. Die Orkantiefs „Emma“ und „Xynthia“ der letzten 2 Jahre. In diesem Sommer die Flutkatastrophe in Pakistan und die Extremhitze in Russland. Man könnte meinen, Unheil bringende Wetterereignisse – auch für die WinzerInnen – hätten in den letzten Dekaden zugenommen. Gerade lokale Extremwetterphänomene wie Hagelgewitter, Tornados oder durch große Niederschlagsmengen verursachte Muren oder Lawinenabgänge sind aber, was zukünftige Änderungen betrifft, heute leider (noch) nicht gut vorhersagbar. Damit lässt sich die Frage nach einer Zunahme an künftigen Wetterextremen nicht befriedigend beantworten.
Verlockend für gewisse auch interessensgesteuerte Meinungsmacher, ein rasches "JA" zu finden. Eine "NEIN" Antwort drängt einen rasch in die Ecke der KlimaskeptikerInnen. Woran mangelt es, präzise zu antworten? 
 
Es mangelt vor allem an der Modellauflösung großräumiger Klima-Computermodellierungen: Diese können solche kleinräumigen Extremereignisse kaum bis gar nicht erfassen. Auch in der Rekonstruktion des Klimas der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte –  diese ist wichtige Grundlage für zukünftige Klimaprognosen - ist die Faktenlage ungenügend: Lange und dichte Zeitreihen gerade bei Extremwettersituationen, also quasi bei Ausreißern einer Reihe, sind selten vorhanden.
So unbefriedigend diese Aussage für die Beschreibung möglicher Folgen des Klimawandels ist, reichen eigentlich die bereits gut belegten Aussichten über das zukünftige Klima aus, um alle Alarmglocken hinsichtlich unseres Umgangs mit Ressourcen – und generell unserer Natur – läuten zu lassen. Gut belegt ist zum Beispiel Folgendes: Im Ostalpenraum wird die Temperatur unaufhaltsam bis ins Jahr 2100 um 3 bis 3,5 Grad steigen. Genauso unaufhaltsam wird es in 90 Jahren nur mehr 10 % der aktiven Gletscherfläche geben. Allein schon unter den Gesichtspunkten der Messgröße Temperatur lässt sich folgern: Der Klimawandel schreitet voran.

Die Spezies Mensch hat sich auf das Spiel "Russisches Roulette" eingelassen – das Wetter wird im Zuge des Klimawandels anders. Ob extremer, weiß die Menschheit nicht; und das, obwohl - und zwar erstmalig in der Geschichte des Planeten Erde - der Mensch direkt Einfluss auf das zukünftige Klima genommen hat.

Welchen Einfluss übt die Temperatur aus?

Der Weinbau zählt in Österreich zu den wärme-limitierten Kulturarten: Der Wärmebedarf von Rebsorten bestimmt, wie weit und bis in welche Höhe sich eine bestimmte Sorte durchsetzt. Betrachtet man die Klima-Prognosen für Österreich bis ins Jahr 2100, könnte man vermuten, dass die Temperatur-Probleme des Weinbaus zurückgehen könnten und die Gefahr frostbedingter Ernteausfälle sinken könnte. In Wahrheit sind die Zusammenhänge aber komplexer.

Der sogenannte Huglin-Index stellt ein Maß für den Wärmebedarf verschiedener Rebsorten dar und ist eine Wärmesumme aus dem Tagesmittel und dem Tagesmaximum der Lufttemperatur. Dieser Index steigt im langfristigen Trend deutlich. Dies bedeutet, dass in Zukunft auch Rebsorten mit einem höheren jahreszeitlichen Temperaturniveau in Österreich angebaut werden könnten. Die Durchschnittstemperaturen steigen vor allem im Frühling und Frühsommer; im Spätsommer und Herbst ist der Anstieg nicht so dramatisch, wie Auswertungen für das Gebiet Krems-Traisental gezeigt haben (Soja et al., 2010). Diese Entwicklung bewirkt, dass Austrieb, Blüte und Reifebeginn früher einsetzen. Am Beispiel Riesling im Weinbaugebiet Pfalz ist zu erkennen, dass die Entwicklungsstadien Austrieb, Blüh- und Reifebeginn durch den Temperaturanstieg um 1,2°C (Jahresdurchschnittstemperatur) der letzten 30 Jahre um rund 20 Tage früher erreicht werden, wie Dr. Matthias Petgen vom DLR Rheinpfalz feststellte. Detaillierte Literaturhinweise finden Sie am Ende dieses Artikels.
 
Trotz Temperaturzunahme ist das Risiko für Spätfrost aber praktisch nicht gesunken. In Teilen Österreichs könnte sich das Spätfrostrisiko sogar erhöhen. Daher erhöht der verfrühte Austrieb die Gefahr von Spätfrost-Schäden – besonders in empfindlichen Entwicklungsphasen. Bei höheren Temperaturen verschärft sich außerdem die Fäulnisproblematik, vor allem bei einer Häufung von Niederschlägen während der Reife. Welche Folgen der frühe Austrieb für den Wein hat, können Sie im Absatz „Qualität“ lesen.

Gibt es in Zukunft einen erhöhten Bewässerungsbedarf in den Weingärten?

Ein wichtiger Begriff beim Thema „Wasserversorgung“ ist die Evapotranspiration. Dieser Term kombiniert die Verdunstung von Wasser über die Blätter der Pflanzen (Transpiration) und die Verdunstung von Wasser von der Bodenoberfläche (Evaporation), entspricht also dem gesamten Wasserbedarf für die Pflanzenproduktion. Ist der Wasserbedarf (die Evapotranspiration) größer als die nutzbare Niederschlagsmenge, trocknet der Boden aus. Das ist im pannonisch beeinflussten Klimagebiet Ostösterreich nicht unüblich; in den Wintermonaten wird dieses Bodenwasserdefizit wieder ausgeglichen.

Betrachtet man die Temperatur-Trends in Österreich, so könnte man meinen, dass früher oder später Wasserknappheit dem Weinbau zu schaffen machen könnte. Um die Temperatur-Erhöhung zu kompensieren, wäre eine größere Niederschlagsmenge erforderlich – laut regionaler Klimaprognosen scheint die Jahresniederschlagssumme aber langfristig nicht zuzunehmen. Außerdem ist eine Verschiebung von größeren Niederschlagssummen vom Sommer- ins Winterhalbjahr zu erwarten, was bedeutet, dass gerade im Sommer wenig Wasser zur Verfügung steht.

Andererseits könnte die fehlende Niederschlagsmenge zu einem sehr geringen Anteil auch über die ansteigende Luftfeuchtigkeit kompensiert werden. Höhere Luftfeuchtigkeit birgt aber gleichzeitig ein großes Problem: Sie sorgt für erhöhten Pilzbefall, wie zum Beispiel Peronospora, Oidium und Botrytis.

Wie wirken sich die klimatischen Änderungen auf die Qualität des Weins aus?

Wenn der Erntetermin trotz verfrühten Austriebs gleich bleibt, wird den Trauben eine längere Vegetationsperiode ermöglicht. Es können somit reifere, an Inhaltsstoffen reichere Trauben geerntet werden.

Eine Auswertung eines Datensatzes der Weinbauschule Krems zeigte im Zuge des WEINKLIM Projektes, dass im Zeitraum 1984-2007 der Zuckergehalt bei den Sorten Grüner Veltliner und Riesling stieg und der Säuregehalt der Trauben sank. Weiterführend können Sie hierzu auch die Dissertationen von Mag. Brigitte Schicho, „Mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf den steirischen Weinbau“ – diese ist allerdings noch nicht abgeschlossen – und Alexander Wimmer, „Die Klimaänderung (in) der Wachau: Die Klimaänderung der Wachauer Winzer“ lesen.
 
Diese klimatisch bedingten Qualitätsveränderungen können auch durch einen früheren Erntetermin nicht vollständig ausgeglichen werden. Somit stellt sich die Frage, wie an den jeweiligen Standorten der Charakter einer bestimmten Sorte erhalten werden kann, wenn jetzt schon der Einfluss des Klimawandels auf die Trauben- bzw. Weinqualität deutlich nachweisbar ist.

Hierzu sind die Schilderungen von Josef Umathum interessant: Der Bio-Winzer aus Frauenkirchen veröffentlicht regelmäßig seine Wetter- und Klimabeobachtungen und erklärt die Entstehung eines Jahrganges in seinem Online-Tagebuch.
 
Eine Frage, die sich so mancher bei Beschäftigung mit dem Thema „Wein und Klima“ stellt, ist: Wie sollen die WinzerInnen mit den Klima-/Witterungsveränderungen der letzten Jahre umgehen? Kann das mit den derzeitigen Weinsorten funktionieren?
 
Derzeit wird noch immer das Sortenspektrum der letzten 20 Jahre angebaut und der Weinbau ist nicht im Verschwinden. Warum also sollten die derzeitigen Sorten die Klimaentwicklung der letzten 20 Jahre nicht abgefedert haben? Die Frage ist eher, ob die Weincharakteristika der derzeitigen Sorten in den derzeitigen Weinbaugebieten in 50 oder 100 Jahren noch mit den heutigen vergleichbar sein werden. 
 
Vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Klimawandels stellt sich auch noch eine andere interessante Frage, nämlich, ob in Österreich künftig ein Weinbau wie im Mittelmeerbereich ermöglicht werden könnte. Dagegen scheint aber Folgendes zu sprechen: Auch in den mediterranen Regionen gibt es sehr unterschiedliche Erziehungs- bzw. Kultursysteme, deren Ausbreitung hauptsächlich von der Mechanisierung abhängt. Die Änderungen im österreichischen Weinbau wurden auch eher durch die Mechanisierung herbeigeführt als durch verändertes Klima. Neue Sorten aus dem Mittelmeerraum werden in Österreich kaum getestet, weil die KonsumentInnen diese Sorten nicht mit unseren Regionen in Verbindung bringen und weil das Weinbaugesetz den kommerziellen Anbau ohnehin verbietet – es ist nur der Aussatz aus der zugelassenen Sortenliste erlaubt. Außerdem ist fraglich, ob die Winterhärte der mediterranen Rebsorten ausreichen würde, selbst wenn die Ansprüche an die Wärmesumme nicht zu hoch für unsere Verhältnisse wären. Auch am Mittelmeer sterben ab und zu ganze Plantagen ab, wenn ein polarer Kaltluftvorstoß bis nach Sizilien oder Griechenland reicht. 
 
Österreich wird nie wirklich einer mediterranen oder submediterranen Klimazone zuzuordnen sein: aufgrund der Lage mit dem Alpenbogen und entsprechend zu kalten Wintern bzw. feuchtgemäßigten Sommern. Es ist eben ein großer Unterschied zwischen einem Kärntner Becken mit Kaltluft/Nebelseen im Winter und relativ gemäßigten, mediterran beeinflussten Tälern in Südtirol.

Wie gehen nun die WinzerInnen mit der nachweislich veränderten Situation um?

Im bereits erwähnten Projekt „WEINKLIM“ wurden in einem gemeinsamen Prozess von WinzerInnen und WissenschaftlerInnen etwa folgende Maßnahmen zum Umgang mit den veränderten Klimabedingungen für den Weinbau entwickelt:
 
Klon- und Unterlagenmischungen mit erhöhter Stressresistenz
Die bisher in den österreichischen Weinbauschulen bzw. HBLAs genutzten Selektionen von Klonen und Unterlagen zeigten sehr unterschiedliche Eigenschaften in Bezug auf Resistenz gegen unterschiedliche Faktoren. Nachdem es viele verschiedene Stressfaktoren gibt, kann eine bestimmte Resistenz allein nicht ausreichen. Durch Mischung ausgewählter Klone und Unterlagen könnte man die gesamte Resistenz in einem Weingarten steigern. Die Forschung hat in diesem Fall die Aufgabe, geeignete Klone zu selektieren. Eine Möglichkeit ist es auch, heute nicht mehr übliche Klone zu erforschen – zum Beispiel anhand der Bestände in aufgelassenen Weingärten. 
 
Ausweitung der Anbauzonen nach oben/Rückgewinnung historischer Weinbaulagen
Um den durch höhere Temperaturen verursachten verfrühten Austrieb zu vermeiden, könnte man die Weinproduktion in höher gelegene Rieden verlegen. Möglich wäre auch die Nutzung von bisher gemiedenen Hängen mit Ausrichtung nach Norden o.Ä. Außerdem gibt es in höher gelegenen Gebieten auch Teile, die früher als Weingärten genutzt wurden und wieder bewirtschaftet werden könnten. Für die Ermöglichung dieser Maßnahme ist allerdings agrarpolitisch viel zu tun. Betrachtet man jedoch den Wiederaufbau des Kärntner Weinbaus und die Weinregion Bergland, ist das Potenzial dieser Maßnahme sichtbar.  
 
Hagel-, Sonnen- und Vogelschutz durch Netze
Vor allem in der Steiermark ist im Obstbau die Verwendung von Netzen als Schutz gegen Hagel, Vögel und starke Sonneneinstrahlung üblich. Auch der Weinbau kann und sollte sich gegen diese Gefahren schützen. Im Weinbau wurden Netze bisher hauptsächlich als Vogelschutz verwendet. Um diesen mit Hagel- und Sonnenschutz zu kombinieren, sind möglicherweise technische Weiterentwicklungen notwendig.
 
Investitionen in Bewässerung
Den meteorologischen Trends der letzten Jahre zufolge ist kein Rückgang der Niederschläge im Sommerhalbjahr zu bemerken, wir sind aber auch vor einer Trendumkehr nicht gefeit. Investitionen in Bewässerungen – vor allem in Tropfbewässerungsanlagen – können daher in der Zukunft sehr sinnvoll sein. 
  
Es ist aber nicht so, dass der Weinbau nur Betroffener des Klimawandels ist. Wie jeder produzierende Wirtschaftszweig, jedes andere Konsumgut, hat auch der Wein(bau) selbst einen Einfluss auf den Klimawandel durch Anbau, Maschinen, Verpackung, Transport etc. Ein Liter Wein in der Flasche hat zum Beispiel einen CO-Fußabdruck von rund 1,7 kg COe (carbon dioxide equivalents, CO-Äquivalente), wovon der Großteil der Treibhausgasemissionen der Verpackung zuzuschreiben ist (Soja et al., 2010).

Mitigation: Was WinzerInnen dazu beitragen (Können), den Klimawandel zu verlangsamen

Immer mehr WinzerInnen stellen sich der Herausforderung Klimawandel nicht nur im Sinne möglicher Anpassungen, sondern auch proaktiv. Das bedeutet, sie tun etwas gegen den drohenden Klimawandel – zum Beispiel durch Reduktion ihres eigenen ökologischen und CO-Fußabdrucks.

Ein Beispiel für aktiven Klimaschutz ist das österreichische Traisental. Im Projekt WEINKLIM wurden basierend auf den CO-Fußabdruck-Ergebnissen für Traisentaler Weinbetriebe Maßnahmen für einen zukunftsfähigen Weinbau entwickelt.

Um ihren CO-Fußabdruck zu verkleinern, können WinzerInnen zum Beispiel die Bodenbearbeitung reduzieren. Modellierungsarbeiten des Instituts für Bodenforschung der Universität für Bodenkultur Wien zeigten, dass der Boden bei minimaler Bodenbearbeitung (max. eine Bearbeitung pro Jahr) 0,5 bis 1 t CO-Äquivalente pro Hektar und Jahr  aufnimmt. Bei intensiver Bearbeitung wird er aber zu einer CO-Quelle, deren Emissionen 1-2 t pro Hektar und Jahr betragen können.

Die Rückführung von Rebschnitt und Grünschnitt-Material kann als organischer Dünger dienen und durch Oberflächenbegrünung oder Kompostabgaben ergänzt beziehungsweise ersetzt werden. Gut gereifter Kompost sorgt für Bodenfruchtbarkeit sowie stabile Humusverbindungen im Boden und unterstützt längerfristig eine Erhöhung des Kohlenstoffgehalts im Boden. Die verstärkte organische Düngerzufuhr hätte aber eine erhöhte Nachfrage nach Kompost zur Folge. Eine große, zentral gelegene Kompostieranlage inklusive zentral organisiertem Transport für eine Vereinigung von WinzerInnen könnte wahrscheinlich kostengünstiger und ökologischer für die Herstellung von Kompost sorgen als viele kleine Anlagen.

In der Treibhausgasbilanz von Weinbaubetrieben spielt der Dieselverbrauch landwirtschaftlicher Maschinen eine große Rolle. Daher könnte durch eine geringere Anzahl der Traktordurchfahrten und Einsatz von sparsameren Traktoren der CO-Fußabdruck der Weinbaubetriebe verkleinert werden. Neue, Sprit sparende Geräte könnten die Treibhausgas-Emissionen reduzieren. Ein Maschinenring und die damit verbundene Aufteilung des maschinellen Investitionsaufwandes könnten insbesondere bei kleinen Betrieben für wesentliche ökonomische und ökologische Einsparungen sorgen. Eine sinnvolle Bündelung von Arbeitsschritten könnte die Durchfahrten im Weingarten reduzieren und somit Diesel und Arbeitszeit sparen.

Die Verpackungsmaterialien spielen eine große Rolle für den CO-Fußabdruck des Weins. Nachdem großteils neue Flaschen eingesetzt werden, trägt die Glasproduktion einen wesentlichen Anteil bei. Zudem verursacht der Alu-Schraubverschluss bei der Produktion einen hohen Energieaufwand, daher wäre aus Sicht der Treibhausgasreduktion die Verwendung von Naturkork empfehlenswert. Neue Alternativen für Abfüllbehältnisse sollten angedacht und dabei auch die Anforderungen hinsichtlich ansprechendem Design und Erhaltung der Weinqualität berücksichtigt werden.

Oft ist in den Betrieben nicht bekannt, wie sich der Stromverbrauch zusammensetzt. Sinnvoll bzw. überlegenswert wäre daher der Einsatz separater Stromzähler für Wohnbereich, Keller und Presshaus – eventuell sogar für einzelne Geräte – sodass potentielle Energieeinsparungen beziehungsweise Einsparungsmöglichkeiten ausgelotet und sichtbar gemacht werden können. Die Nutzung von erneuerbaren Energien wie z.B. Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik kann die Treibhausgasemissionen des Stromverbrauchs wesentlich reduzieren.
Ein gutes Beispiel in Sachen Klimaschutz ist auch das Weingut Stift Klosterneuburg. Dieses – das älteste Weingut Österreichs – wurde als erstes Weingut Österreichs von „ClimatePartner Austria“ nach umfassenden CO-Fußabdruck-Analysen und Optimierungen als klimaneutral zertifiziert.

Bio-Landbau: Wie arbeiten die Bio-WinzerInnen?

Die Bio-Weinbau-Fläche in Österreich erweiterte sich in den letzten 10 Jahren stark. Trotzdem ist der Anteil des Bio-Weinbaus mit 6 % der gesamten Rebfläche in Österreich – verglichen mit dem Gesamtanteil der Bio-Landwirtschaft von rund 15 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche Österreichs – noch relativ gering, wie Ekkehard Lughofer für das Lebensministerium ermittelte.
 
Im Bio-Weinbau hat die natürliche Bodenfruchtbarkeit einen sehr hohen Stellenwert. Viele Maßnahmen werden getroffen, um sie zu erhalten und zu erhöhen. Die Richtlinien für den Bio-Landbau, die vor allem dem Schutz der Umwelt dienen, untersagen beispielsweise den Einsatz von chemischem Dünger und die Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen. Es gibt hier die gesetzlichen Richtlinien aus der EU-Bio-Verordnung und z.B. die darüber hinausgehenden Richtlinien von Bio Austria, an die sich die Mitglieder zu halten haben, um das Bio Austria-Label führen zu dürfen.

Durch das Verbot des Einsatzes von Mineraldünger und die Bemühungen zur Reduktion des Pestizideinsatzes können im Bioweinbau Treibhausgasemissionen eingespart werden. Jedoch bleibt im Einzelfall offen, ob gegebenenfalls der zusätzliche Dieselverbrauch durch mechanischen Pflanzenschutz und die durchschnittlich geringeren Erträge das mögliche Reduktionspotential wieder aufheben.

Um nicht auf chemischen Dünger, Herbizide, Insektizide etc. angewiesen zu sein, werden meist sehr widerstandsfähige Rebsorten angepflanzt – zunehmend auch Neuzüchtungen mit hohen Resistenzen.
Doch völlig auf chemische Mittel zu verzichten, ist sehr schwierig, denn Schädlinge und Pilzbefall können unter Umständen die gesamte Ernte gefährden. Daher wird es unter manchen Bio-WinzerInnen zunehmend beliebter, nicht vollständig auf chemische Mittel zu verzichten, sich aber auf das absolut notwendige (und erlaubte) Maß einzuschränken.

Auf jeden Fall ist zu erkennen, dass immer mehr WeinbäuerInnen auf die Wünsche der KonsumentInnen reagieren und Bio-Wein produzieren. Auch einige prominente WinzerInnen haben ihre Betriebe auf biologischen Weinbau umgestellt. Verbände und Initiativen wie Bio Austria, Bio Veritas oder Demeter sind in Bezug auf biologischen Weinbau sehr aktiv.

Blick über die Grenzen - Initiativen in Richtung Nachhaltigkeit im Weinbau:

Frankreich: Die Region Champagne als Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit
In der Champagne kümmert sich ein interprofessionelles Komitee um die Nachhaltigkeit im Weinbau. Die WinzerInnen aus der Champagne haben einige Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Lebensräume, wie zum Beispiel die Begrünung der Weinberge und ihrer Randgebiete oder die Weiterentwicklung der Wasserwirtschaftspläne, ins Auge gefasst.

Heute ist die Hälfte der in der Champagne eingesetzten Produkte für die biologische Landwirtschaft zugelassen. Durch Investitionen in Forschung und Entwicklung wurde erreicht, dass in der Champagne deutlich weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden mussten. Es wurde eine Biotechnologie entwickelt, welche die Fortpflanzung der Schädlinge durch den Einsatz von Pheromonen unterbindet. Dadurch werden herkömmliche Insektizide kaum noch verwendet.

Die Champagne will sich außerdem für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser, den Nebenprodukten aus der Weinherstellung und Abfallstoffen einsetzen. Der Wasserverbrauch soll durch optimierte Reinigungsverfahren, bessere Ausgestaltung der Räume und natürlich sparsame Wasserverwendung reduziert werden. Durch das Auffangen und die Wiederaufbereitung von Abwasser wird versucht, den Aufbereitungsgrad der Abwässer von 92 % auf 100 % zu steigern. Nebenprodukte enden nicht als Abfall, sondern werden vollständig verwertet. Außerdem werden momentan drei Viertel des bei der Champagne-Produktion entstehenden industriellen Abfalls wiederaufbereitet – das Ziel ist auch hier eine Quote von 100 %.

Der Champagne-Gesamtverband hat das Ziel, die Kohlendioxidemissionen der Weinregion bis 2020 um 25 % zu senken. Im Jahr 2003 wurde eine CO-Bilanz für die gesamte Branche erstellt und ein Klimaplan entwickelt. Die Einführung der leichteren Champagne-Flasche im März 2010 war ein wichtiger Schritt auf diesem Weg, da dadurch jährlich ca. 8000 t COe eingespart werden können. Die neue 835 Gramm-Flasche bewahrt die Qualitätsmerkmale, Sicherheitsstandards und auch den historischen Charakter der bisher verwendeten Champagne-Flaschen.

Für weitere Informationen finden Sie auf der Website www.champagne.de bzw. in der Broschüre CHAMPAGNE - Vom Terroir zum Wein als PDF-Datei.

Deutschland: Zertifizierungen als Ansporn, nachhaltig zu produzieren
In Deutschland stehen vor allem Normen wie ISO 14001 oder EMAS II im Mittelpunkt. Es geht hierbei vor allem um zertifiziert nachhaltige Produktion von Wein. Für die zertifizierten Betriebe gibt es mehrere Vorteile: Neben optimierten Prozessen und Geldeinsparungen ist natürlich auch der PR-Aspekt nicht unwesentlich.

Beispielhaft sei hier eine deutsche Initiative zum Thema Nachhaltiger Weinbau vorgestellt:
Im Bottwartal findet ein Pilotprojekt mit dem Titel „W.E.I.N.“ (wirtschaftlich, energiesparend, innovativ, nachhaltig) statt. Das Ziel „nachhaltiger Weinbau“ im Bottwartal wird erreicht durch:

- konsequente umweltschonende Bewirtschaftung der Weinberge,
- Verringerung der Spritzungen durch Einsatz von Nützlingen, Verwendung biologischer Methoden, Nutzung von Prognosegeräten,
- Verwendung von umweltfreundlichen Spritzmitteln, die ungiftig sind, rasch abgebaut werden, keine Nebenwirkungen haben,
- Erhaltung und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit durch Begrünung, ausgewogene Düngung nach Bodenanalyse und humusschonende Bodenpflege und Reduzierung der Erosion,
- Schonung der nicht erneuerbaren Ressourcen,
- Förderung der Biotop- und Artenvielfalt. etc.

Südafrika: Entwicklung in Richtung nachhaltiger Weinproduktion

In Südafrika gibt es einige Aktivitäten bezüglich „Nachhaltiger Weinbau“.
Das Projekt IPW (Integrated production of wine in South Africa) vereint erfolgreich wichtige Stakeholder der Wein-Lieferkette in Ihren Bemühungen für nachhaltige Weinproduktion: WinzerInnen, TraubenerzeugerInnen, Weinforschungsinstitute und LieferantInnen. Die südafrikanischen WeinproduzentInnen, die entsprechend wirtschaften, konnten die Produktionskosten durch geringeren Wasserverbrauch und Reduktion des Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatzes drastisch verringern. Seit dem Jahr 2000 wird fast der gesamte südafrikanische Wein nach den Prinzipien des IPW produziert.

Ein weiteres südafrikanisches Projekt ist die 2004 ins Leben gerufene "Biodiversity & Wine Initiative" (BWI). Der Schwerpunkt dieser Initiative liegt auf der Erhaltung der Artenvielfalt am Kap, die durch die Monokultur Wein gefährdet wird. Inzwischen sind 40 % der südafrikanischen WinzerInnen in dieser Initiative vertreten.

Eine von der Regierung gestartete Initiative nennt sich Broad-Based Black Economic Empowerment. Bis zum Jahr 2010 soll ein Viertel aller Weinbetriebe unter schwarzer Führung sein. Im Rahmen dieser Initiative sticht das Projekt Thandi hervor, bei dem Einheimische durch geeignete Bildungsmaßnahmen dazu befähigt werden, eigenverantwortlich zu wirtschaften. 2003 bekam das Projekt als erstes Weingut die Fair-Trade-Akkreditierung zugesprochen. Inzwischen nehmen drei Weingüter am Thandi Projekt teil.

Nachhaltiger Weinbau: Englischsprachige Länder als Vorbilder

Die Messung und Kommunikation der Treibhausgasemissionen von Produkten mittels CO-Fußabdruck wird seit 2007 vom englischsprachigen Raum ausgehend gefördert und ist mittlerweile zu einem weltweiten Trend geworden. Beispielhaft werden hier zwei Initiativen zu nachhaltigem Weinbau, die weit mehr als Klimaschutz thematisieren, vorgestellt.

Kalifornien: SWP (Sustainable winegrowing program)

In Kalifornien wurde vom Weininstitut und der California Association of Winegrape Growers (CAWG) der Kodex für nachhaltigen Weinbau (Code of Sustainable Winegrowing Practices) entwickelt. Dieser dient den WinzerInnen als Instrument zur Selbsteinschätzung – er kann mit Hilfe des Kodex können diese ihr eigenes Weingut in Bezug auf Nachhaltigkeit abschätzen. Alternativ steht den WinzerInnen das "Positive Points System" zur Verfügung. Dieses System zur Selbstkontrolle, das vom Central Coast Vineyard Team entwickelt wurde, zeigt mittels einfacher Fragen den derzeitigen Stand und das Potenzial des Weingutes auf.

Neuseeland: SWNZ (Sustainable Winegrowing New Zealand)

Unter der Dachmarke "Clean and green" hat sich die Organisation "Sustainable Winegrowing New Zealand" entwickelt. Was einst ein Zusammenschluss von ein paar WinzerInnen war, sorgt heute dafür, dass auf etwa 60 % der Weinbaufläche Neuseelands nachhaltiger Weinbau betrieben wird. .

 
Weitere internationale Initiativen sind die ADME Produktkennzeichnung, das AMETYST Programm (für Energieeffizienz in der Kellerwirtschaft), das International Wine Industry Greenhouse Gas Protocol and Accounting Tool, und EPD (Environmental Product Declaration).

 
  
Referenzen:

Matthias Petgen, DLR Rheinpfalz, „Reaktion der Reben auf den Klimawandel“ in der Schweizerischen Zeitschrift für Obst- und Weinbau, Nr. 9/07, Seiten 6-9

J. Eitzinger, K. C. Kersebaum, H. Formayer „Landwirtschaft im Klimawandel – Auswirkungen und Anpassungsstrategien für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe in Mitteleuropa“, 2009, ISBN: 978-3-86037-378-1

Soja, G., R. Rodriguez-Pascual, F. Zehetner, M. Gerzabek, L. Kühnen, G. Rampazzo-Todorovic, O. Duboc, B. Schildberger, K. Vogl, M. Mehofer, I. Omann, E. Burger, J. Haslinger, V. Dockner, S. Grünberger, M. Soja, R. Roch, K. Hackl und R. Hofmann: Abschlussbericht zum Forschungsprojekt 100416 des BMLFUW "Weinbau im Klimawandel: Anpassungs- und Mitigationsmöglichkeiten am Beispiel der Modellregion Traisental (WEINKLIM)". AIT Austrian Institute of Technology, 2010, 185 pp.

Ekkehard Lughofer, Verwaltungspraktikant Abteilung III/8 (Wein) des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft: „Bio-Weinbau in Österreich – Ein Bericht zu Struktur, Entwicklung und Richtlinien des Bioweinbaues“, 2009
 
Weiterführende Informationen zum Thema „Nachhaltigkeit im Weinbau – Verwendung und Nutzen des Begriffs Nachhaltigkeit“ finden Sie auch in der Bakkaulareatsarbeit von Daniel Bauer und auf www.der-winzer.at unter: Meldungen – Fachartikel – Marketing – „Nachhaltiger Weinbau im internationalen Überblick“.

 
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Dieses Monatsthema wurde von Maria Riegler (SERI) und Friedrich Hinterberger (SERI) erstellt.

Dank: Für ihre Unterstützung, Kommentierung und textliche Inputs danken wir Eva Burger, Ines Omann, Rainer Schultheis und Gerhard Soja ganz herzlich.

 
Weitere Informationen:

"Person des Monats" ist der Winzer Rudolf Hofmann aus der Römerstadt Traismauer.
 

Gastkommentare und Statements zu diesem Monatsthema können Sie hier lesen.
 

01.09.2010, Nachhaltigkeit Personen & Ansichten