http://www.nachhaltigkeit.at
Home

Das Österreichische
Nachhaltigkeitsportal

Servicelinks

Hauptnavigation

Suche



Inhalte

Dialog des Monats 09/10: Weinbau im (Klima-)Wandel

Acht verschiedene Blickwinkel auf das Monatsthema "Weinbau im (Klima-)Wandel" bieten ein weites Spektrum an Einsichten: Es kommen Stimmen aus den Bereichen Wissenschaft, Verwaltung, Kunst und Kultur, dem Weinbau und dem NGO-Bereich zu Wort.

 
Glatt Josef
Foto: Glat...
Dipl.-Ing. Josef Glatt, MBA, Direktor des Österreichischen Weinbauverbandes

 
Projekt „Nachhaltig produzierter österreichischer Wein“
 
Nachhaltigkeit ist in der Landwirtschaft seit vielen Jahren ein wichtiges Thema und zunehmend auch im Weinbau. Der Weinbau ist aufgrund der eingesetzten Pflanzenschutzmittel und Dünger, sowie aufgrund des Energie- und Wasseraufwandes eine sehr intensive Form der Landwirtschaft. Vor allem im englischsprachigen Raum wird nachhaltig produzierter Wein immer stärker thematisiert und wird immer mehr auch zu einem Vermarktungsinstrument. Mittlerweile beschäftigen sich auch einige romanische Weinländer (Spanien) mit dem Thema nachhaltig produzierter Wein.
 
Das Projekt WeinKlim, das im Weinbaugebiet Traisental durchgeführt wurde, gab erste Antworten auf oben gestellte Fragen und legte damit die Basis für weiterführende Projekte. Eine Idee bestand in der Entwicklung eines Zertifizierungssystems für nachhaltigen Wein, das WinzerInnen eigenständig anwenden können. Damit erhalten WinzerInnen nicht nur eine Nachhaltigkeits-Bewertung des von ihnen produzierten Weins, sondern auch Ideen für weitere Verbesserungen in Richtung Nachhaltigkeit.
 
Der Österreichische Weinbauverband beabsichtigt, aufbauend auf den bisherigen Vorleistungen im Hinblick auf umweltgerechte Produktionsweisen, wie biologische oder integrierte Produktion von Wein, eine verstärkte Positionierung des österreichischen Weines in Richtung Nachhaltigkeit. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Projektpartnern wie dem LFZ Klosterneuburg, der Universität für Bodenkultur, sowie der SERI-Nachhaltigkeitsforschungs und -kommunikations GmbH sollen der Status quo der österreichischen Weinwirtschaft im Hinblick auf Nachhaltigkeit erhoben, Verbesserungsstrategien ausgearbeitet, und eine diesbezügliche Kommunikationsstrategie entwickelt werden.
 
Ziele und damit auch erwartete Ergebnisse sind:
-       Definition und Entwicklung von Kriterien für nachhaltigen Wein(bau) in den drei Bereichen Ökologie, Soziales und Ökonomie.
-       Entwicklung der Elemente eines Zertifizierungssystems mit Schwerpunkt auf der ökologischen Dimension von Nachhaltigkeit (Treibhausgase, Wasser, Ressourcen, Biodiversität, Toxizität). Ansprechende Darstellung der Elemente des Zertifizierungssystems in einem Handbuch.
-       Entwicklung einer Kommunikationsstrategie für Nachhaltigkeit im Weinbau für Informationszwecke und als Marketingstrategie.
 
Vorteile, die sich aus dem Projekt ergeben:
-       Erhöhung der Nachhaltigkeitsperformance von WinzerInnen, die mit dem Zertifizierungssystem arbeiten.
-       Prominente Positionierung von nachhaltigem österreichischem Wein im internationalen Wettbewerb.
-       Die teilnehmenden WinzerInnen können Nachhaltigkeit gemeinsam nach außen kommunizieren. Da das Projekt als Gemeinschaftsprojekt angelegt ist, kann dadurch mehr Aufmerksamkeit für das Thema erlangt werden, als durch Strategien von einzelnen WinzerInnen. 
 
 
 
Jaborek Christian
Foto: Jabor...
Dr. Christian Jaborek, Lebensministerium, Leiter der Abteilung III/8 - Wein

 
Nachhaltige Produktion - im Weinbau seit Jahrtausenden gelebte Praxis
 
Die Dauerkultur Wein mit nach heutigen Maßstäben wirtschaftlichen Nutzungszeiten von 25-30, vereinzelt bis 50 Jahren ist Teil einer Jahrhunderte – in manchen Gegenden Jahrtausende – alten Kulturgeschichte und aus diesem Blickwinkel bereits per se als „nachhaltig“ zu bezeichnen. Bezeichnend für eine vorausschauende Planung ist, dass seitens der österreichischen Weinwirtschaft trotz der beständigen und konservativen Produktionsart, bei der auch Begriffe wie Geschichte und Tradition eine große Rolle spielen, frühzeitig Konzepte zur zukünftigen Entwicklung und Gestaltung in Angriff genommen werden. Dies bedeutet jedoch keineswegs automatisch, dass man in der Vergangenheit nicht nachhaltig gewirtschaftet hätte. Schonung der Ressourcen und der Erhalt des Erbes für Generationen ist schon immer ein zentrales Anliegen eines vorwiegend in bäuerlichen Familienbetrieben strukturierten Produktionszweigs gewesen. Dies aber nicht etwa aus einer weltanschaulichen Haltung oder gar einer politischen Ideologie heraus, sondern einfach aus dem Wissen, dass nach dem schon klassisch gewordenen Begriff der ökosozialen Marktwirtschaft ein nachhaltiger Erfolg nur dann zu erzielen ist, wenn die gesetzten Maßnahmen gleichzeitig ökonomisch sinnvoll, ökologisch verträglich und sozial gerecht sind. Wie diese Erkenntnis zum Ausdruck bringt, wäre jede einseitige Verschiebung dieses Gleichgewichts, egal in welche Richtung, der Sache selbst abträglich.
 
Mit dem ÖPUL (Österreichisches Programm für eine umweltgerechte Landwirtschaft) und dem Weinbau-Spezialprogramm KIP (Kontrollierte Integrierte Produktion) hat Österreich schon beim EU-Beitritt in Europa neue Maßstäbe im Bereich umweltverträgliche und schonende Wirtschaftsweise gesetzt. In den letzten Jahren führen immer zahlreicher werdende Betriebe den Gedanken des biologischen oder biodynamischen Weinbaus weiter und stellen ihre Produktion nach den Richtlinien der einschlägigen Vereinigungen um. Vor wenigen Monaten schließlich ist auch die sogenannte biologische Weinproduktion (dabei ist die Summe aller Bearbeitungsmethoden bei der Weinbereitung im Keller, also in der Produktionsphase nach dem Weingarten, angesprochen) auf der europäischen Ebene in Diskussion gekommen. Hier geht es nun darum, die entsprechenden Standards sowie die Organisation der zugehörigen Kontrollen auf eine einheitliche europäische Basis zu bringen.
 
Mit dem neuen Projekt „Nachhaltig produzierter österreichischer Wein“ verfolgt der österreichische Weinbauverband nun das Ziel, durch die Festlegung von einheitlichen Kriterien und mit der Einführung eines Zertifizierungssystems mit Schwerpunkt auf der ökologischen Dimension von Nachhaltigkeit den Zugang und die Teilnahme von möglichst vielen WinzerInnen zu erreichen.  
 
Will man dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis, dem technischen Fortschritt und den sich verändernden Bedürfnissen der Gesellschaft wirklich gerecht werden, so erscheint es jedenfalls angebracht, ein gewisses Augenmaß zu bewahren und nicht möglicher Weise romantische Wunschvorstellungen als politische Forderungen zu formulieren, welche sich in der Praxis als unrealistisch erweisen. Natürlich soll es erlaubt sein, Gedankenexperimente anzustellen, jedoch kann eine provokante Frage wie etwa: „Werden wir in ein paar Jahren statt Wein Oliven oder Zitrusfrüchte produzieren?“ wohl allenfalls zur plakativen Darstellung des Phänomens Klimawandel, nicht jedoch als konkrete Handlungsanweisung an die Branche verstanden werden. Dagegen erscheint die Frage nach der Verschiebung des Produktionsschwerpunkts von Weiß- auf Rotwein auf den ersten Blick schon naheliegender. Allein: Diese Annahme hieße, die Rechnung sprichwörtlich ohne den Wirt, nämlich die Konsumentinnen und Konsumenten, also die von ihnen ausgehende Marktnachfrage, zu machen. Außerdem gedeihen bekanntlich auch in mediterranen Regionen vorzügliche Weißweine und in Italien beispielsweise sind die Weingärten zu 48% mit Weißweinsorten bepflanzt. Es erscheint daher angebracht, sich der Frage „Wie begegnen wir in der Weinwirtschaft dem fortschreitenden Klimawandel?“ sorgfältig sowie aus jedem Blickwinkel der Betrachtung auf eine seriöse und wissenschaftlich gestützte Art zu nähern.
 
Bei Empfehlungen letztlich darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Politik zur Aufgabe hat, die Rahmenbedingungen für die Produktion und Vermarktung, in diesem Fall des Produktes Wein, zu definieren. Diese haben in einem Rechtsstaat bekanntlich Gesetzescharakter und sind somit für alle Beteiligten bindend. Vor der demokratischen Legitimierung müssen die entsprechenden Vorschläge daher nicht nur objektiv richtig, sondern auch konsens- und mehrheitsfähig sein. 
  

 
Loimer Victoria
Foto: Loime...
Dipl.-Ing. Viktoria Loimer, Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Fachabteilung Pflanzenproduktion

 
Nachhaltigkeit im Bioweinbau Österreich
 
Mit circa 2700 ha biologisch bewirtschafteten Weinbauflächen macht der Bioweinbau immerhin 5% des Weinbaus in Österreich aus, und damit liegt Österreich im EU Vergleich im absoluten Spitzenfeld.
Im Zuge der Untersuchungen des Projektes „Weinbau im Klimawandel: Anpassungs- und Mitigationsmöglichkeiten am Beispiel der Modellregion Traisental (WEINKLIM)“ wurde leider nur ein Biobetrieb untersucht. Fakt ist aber, dass auch der Klimawandel und dessen Auswirkungen nicht an dieser Bewirtschaftungsart vorübergehen werden.
Welche Komponenten sind es nun, bei denen Einsparungen getätigt werden könnten, wo kann man Emissionen von Treibhausgasen vermeiden und wie lässt sich das mit den Richtlinien der biologischen Produktion vereinbaren?
 
Wie das Projekt zeigt, ist eine Komponente in der Weinproduktion die Bearbeitung des Bodens und das Management der Begrünung. Grundsätzlich ist im Bioweinbau weitestgehend eine ganzjährige Begrünung laut EU Gesetz (EU Bio-Verordnung VO (EG) 834/200) anzustreben, laut den Richtlinien der Maßnahme Erosionsschutz ist ein Offenhalten und Bearbeiten des Bodens in der EW1 vom 1. Mai bis zum 30. November des Teilnahmejahres erlaubt. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass vor allem die Intensität der Bodenbearbeitung die Emission der Treibhausgase erhöht, und bei bedeckten Böden weniger Emission besteht.
 
Da aber aufgrund von ungünstigen Witterungsverhältnissen und Wasserkonkurrenz der Begrünung auch im Bioweinbau eine Bodenbearbeitung notwendig ist, auch wenn mit Einsaaten von Tiefwurzlern versucht wird, langfristig eine Auflockerung des Boden zu erzielen, ist die ganzjährige Begrünung nicht in allen Regionen Österreichs durchführbar. Vor allem im Unterstockbereich wurden Emissionen gemessen, die laut dem Winzer Rudolf Hofmann, der am Projekt beteiligt war, Möglichkeiten zu Einsparung bieten. Da Mineraldüngereinsatz laut Verordnung nicht erlaubt ist, fällt dieser Faktor einer erhöhten Lachgasemission im Bioweinbau weg. Dazu kommt noch, dass das Ausbringen von organischem Düngermaterial, das den Mineraldünger ersetzen soll, eine Bindung von CO mit sich bringt und somit den Anteil der Emission, wenn auch kurzfristig, verringern kann.
 
Aber nicht nur die Bodenbearbeitung wird ein Thema sein, sondern auch der Einsatz von Pflanzenschutz- und Pflanzenhilfsmittel (Pflanzenstärkungsmittel) wirft einige Fragen auf. Die Berechnungen des Carbon Footprints ergeben, dass den größten Beitrag am CO-Ausstoß der Traubenproduktion im Weingarten (ohne Bodenemission) der verursachte Dieselverbrauch darstellt. Es wurde festgestellt, dass im Bioweinbau vermehrte Spritzgänge notwendig sein können. Einerseits lassen sich nicht alle Pflanzenschutz- und Hilfsmittel zur gleichen Zeit kombiniert ausbringen, da durch unterschiedliche pH- Werte eine Fällung oder Ausflockung erfolgen kann, die das jeweilige Mittel unwirksam macht. Weiters stehen uns im Bioweinbau Belagsmittel als Pflanzenschutzmittel zur Verfügung und je nach Witterungsbedingungen sind für einen ausreichenden Schutz der Pflanze mehr Spritzgänge notwendig. Gerade in diesem Bereich liegen Möglichkeiten in der Reduktion der Gesamt- CO -Bilanz eines Bioweinbaubetriebes und werden neue Aufgaben auf dem Bioweinbau zukommen.
Ein weiterer Punkt, der in diesem Projekt herausgestrichen wurde, ist der Verpackungsbereich. Hier unterscheidet sich der Bioweinbau nicht von der konventionellen Produktion. Die traditionelle Verwendung von Glasflaschen wird im gesamten Weinbereich überdacht werden müssen, je nachdem werden Anpassungen der Biorichtlinien diskutiert werden.
 
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die ermittelten Erkenntnisse des Projektes zeigen, dass auch im Biobereich Einsparungen in der Treibhausgasemission notwendig sind und vor allem in der Bodenbearbeitung, dem Dieselverbrauch, und, wie auch im konventionellen Weinbau, bei der Verpackung Möglichkeiten in der Reduktion liegen. Das Ziel muss es sein, Bereiche und Möglichkeiten herauszuarbeiten, die einerseits eine Reduktion des Treibhausgasausstoßes bewirken, aber auch für den Weinbauer in der Praxis durchführbar bleiben.
 
 
Die Bio-Winzerin Ilse Maier vom Geyerhof
Foto: -
Ilse Maier, Bio-Weinbäuerin am Geyerhof im Weinbaugebiet Kremstal

 
Einige Gedanken zum Thema „Wein im Klimawandel“
 
Grundsätzlich bin ich ein sehr vorsichtiger Mensch. Ich hüte mich, unüberprüfbare Prognosen, Schlussfolgerungen und Behauptungen aufzustellen. Ein besonders sensibles und gleichzeitig verlockendes Thema ist die Auswirkung des Klimawandels auf meine Weingärten bzw. ob meine biologisch bewirtschafteten Flächen besser mit einer Veränderung der klimatischen Verhältnisse umgehen können als benachbarte konventionelle.
 
Faktum ist, dass Pflanzen, die in einem gesunden, möglichst natürlichen Umfeld aufwachsen, besser mit Stresssituationen umgehen können. Allerdings setzen Trockenheit, Nässe, extreme Temperaturen auch den besten, gepflegtesten, biologischen Weinreben zu.
 
Meine Erfahrung und Einschätzung einer Klimaveränderung ist folgende: In den vergangenen Jahren hatten wir mit extremen Witterungssituationen zu kämpfen. Einerseits gab es mehrere Jahre sehr geringe Niederschläge, dann die extrem hohen Niederschlagsmengen während des gesamten Jahresverlaufes, sehr tiefe Wintertemperaturen, ungewöhnlich heiße Sommer usw. Oft war die Witterung nicht der Jahreszeit entsprechend. Diese Beobachtungen sind für mich in keiner Weise ein Anlass, auf Rebsorten der wärmeren Klimazonen umzusteigen.
 
Allerdings ist Flexibilität nötiger denn je. Die Pflege der Weingärten kann nicht mehr nach einem tradierten Schema durchgeführt werden. Es wird in Zukunft von enormer Wichtigkeit sein, zu welchem Zeitpunkt welche Behandlung bzw. Maßnahme durchgeführt wird, wie sich meine Arbeit auf die Qualität meiner Trauben auswirkt. Es wird auch weiterhin gelingen, typische Weißweine wie Grüner Veltliner und Riesling zu keltern, es wird jedoch mehr Fingerspitzengefühl und Verständnis für die Komplexität des Systems Weingarten erforderlich sein. Wissen um die Aromabildung, den optimalen Lesezeitpunkt und die für die jeweilige Lage optimale Erntemenge sind nur einige Faktoren, die dann den Unterschied ausmachen.
 
Allerdings denke ich, dass es möglicherweise zu einer Verschiebung der besten Lagen kommen könnte. Reine Südlagen werden nur mehr mit Bewässerung hohe Qualitäten hervorbringen, kühle Lagen könnten profitieren. 
 
Regner Ferdinand
Foto: Regne...
Univ. Doz. Dr. Ferdinand REGNER; HBLAuBA Klosterneuburg, Leiter der Abteilung
 Rebenzüchtung 
 

Weinbau im Klimawandel in Hinblick auf Trends in der Sortenpolitik
 
So wie das Klima zu keiner Zeit stabil war, verhält es sich auch mit den Rebsorten. Allerdings gibt es zur Auswahl der Rebsorten zahlreiche Einflussfaktoren, von denen viele gewichtiger für die wirtschaftliche Prosperität des Weinbaues sind als der Klimafaktor. Jedoch kann sich keine Rebsorte längerfristig etablieren, die ernste Probleme mit den klimatischen oder standortbedingten Gegebenheiten hat.
 
Das Weinklima in Österreich respektive im Traisental entspricht einem kühlen Weinbauklima, was sich im internationalen Vergleich an der Temperatursumme oder der Sonnenscheindauer pro Vegetationsperiode nachvollziehen lässt. Die Prognosen für einen starken Temperaturanstieg ergeben sich einerseits aus den zu kühlen Phasen von den 60er bis zu den 80er Jahren und einigen sehr heißen Jahren (2000, 2003) im neuen Jahrtausend. Die jährliche Ausprägung des Klimas ist hierzulande sehr individuell und wird gerade beim Wein mit der nötigen Beachtung des Jahrgangs berücksichtigt. Langfristig betrachtet gab es schon immer zu heiße und trockene, aber auch zu feuchte und kühle Vegetationsperioden. Der klimatische Durchschnittswert wäre gewünscht, wird aber selten erlebt, weil die Streuung unseres wechselhaften Klimas sehr groß ist. Der Weinbau in unseren Breiten hat bisher aber von der Klimaerwärmung profitiert und dies ist auch einer der Gründe für die qualitativen Erfolge der letzten Jahre.
 
Das wechselhafte Klima erforderte auch in vergangenen Zeiten eine Abstimmung der Sortenauswahl. Die Antwort der Winzer damals war das Auspflanzen eines Sortengemisches, um das Risiko in der Produktion zu minimieren. Es gibt auch heute keine Rebsorte, die mit allen ungünstigen Witterungsverläufen zurechtkommt, sondern einzelne Sorten, die verschiedene Stärken z.B. gegen Winterfrost, Trockenheit oder kühl-feuchtes Blütewetter aufweisen. Eine Konzentration des Weinbaues in unseren Breiten auf eine einzige oder einige wenige Sorten hat daher auch den Nachteil, dass klimabedingte Schädigungen dramatischer ausfallen als bei einer breiteren Streuung an Sorten. Immerhin stehen in Österreich 35 verschiedene Qualitätsweinrebsorten zur Verfügung von denen manche schon seit Jahrhunderten bei uns kultiviert werden.
 
Die Einführung neuer Sorten - vor allem aus südlicheren Ländern - brächte zusätzlich zur neuen Weintypizität eine Menge an klimarelevanten Risken mit sich. Daher wird sich eine Sortenveränderung sinnvollerweise eher in einer Verschiebung der Flächenausmaße hin zu klimastabileren heimischen Sorten ergeben. Ein deutliches Zeichen dafür ist die beständige Abnahme von Sorten, die einen frühen Reifezeitpunkt besitzen, wie Müller Thurgau, Frühroter Veltliner oder Blauer Portugieser. Andererseits steigt die Fläche von spätreifenden Sorten wie Rheinriesling, Blaufränkisch oder Cabernet Sauvignon. In vielen österreichischen Weinbaugebieten (auch im Traisental) dominiert der Grüne Veltliner den Anbau. Diese Sorte ist vom Klima sehr wohl stark in ihrer Typizität geprägt und könnte durch zu heiße und trockene Sommer eine neue sensorische Charakteristik erlangen. Allerdings wäre gerade im Falle unserer Leitsorte ein Umstieg auf andere Sorten marketing- und marktmäßig ein großer Rückschlag. Folglich wird sich die Weinwirtschaft im Falle eines stärkeren Temperaturanstieges zusätzlicher Anbautechnologien bedienen, die eine Produktion in gewohnter Qualität ermöglichen.
 
Zu diesen Maßnahmen zählt unter anderem eine Bewässerung. In den letzten Jahren wurden viele Bewässerungsprojekte realisiert, sodass heute schon ca. 10% der Weinbaufläche damit ausgestattet ist. Viele dieser Anlagen waren noch kaum in Betrieb, weil die letzten drei Jahre ausreichend oder sogar ein Zuviel an Niederschlag bescherten. Mit zunehmender Erwärmung wird die bewässerte Rebfläche weiter ansteigen. Die Terminisierung der Lese wird dann eher von der Säure als vom Zuckergehalt abhängen und das Lesegut wird man bei hohen Temperaturen kühlen. Der damit verbundene Aufwand wird aber die Produktionskosten deutlich erhöhen.
 
Was die Variabilität innerhalb der Sorte angeht, darf man sich beim Grünen Veltliner keine allzu großen Unterschiede erhoffen. Aber es gibt alte Klone und Typen, die im Reifeverhalten Unterschiede erkennen lassen. Meistens sind diese Eigenschaften aber die Folge von phytopathologischen Problemen. Gesunde Stöcke mit sortentypisch großem Ertragsvolumen reifen in der Regel später. Die Ersetzung alter virustragender Anlagen durch zertifizierte Klone ist bereits in Gang gekommen und wird fortgesetzt. Folglich wird auch das Reifungsverhalten eher wieder einheitlicher.
 
Trotzdem scheint es sinnvoll, verschiedene Klone der Sorte zu pflanzen, um damit eine breitere Streuung der ohnehin sehr engen Genetik zu erreichen. Dies kann auch als Vorsorge im Hinblick auf klimatische Stabilität betrachtet werden, ohne den Anspruch erheben zu können, dass es bestimmte Klone gibt, die höhere Temperaturen besser vertragen. Langfristig könnte dies aber natürlich ein Selektionskriterium werden. Aber auch hier darf man sich keine Wunder erwarten. Mutationen – wodurch auch immer ausgelöst – verändern den Genotyp normalerweise nur geringfügig. Hitzestabilisierende Gene kommen vor allem in Sorten vor, die heißes, trockenes Klima sehr gut vertragen. Der Weg über Einkreuzungen in bestehende Sorten zu deren Verbesserungen ist ein langfristiges Unternehmen mit geringer Akzeptanz der Märkte. Allerdings: Wenn schon die Entscheidung zu neuen Sorten getroffen wird, dann sollten diese nicht nur klimatisch angepasst, sondern auch „low input“ Sorten sein. Idealerweise wären das Sorten mit Pilzwiderstandsfähigkeit (PiWis) bei deren Bewirtschaftung der CO Aufwand markant zurückgenommen werden kann.
 
Eine Reifeverfrühung wurde und wird im Allgemeinen durch Traubenreduktion erreicht. Lässt man auf Grund der klimatischen Erfordernisse die Traubenreduktion weg, so ergeben sich größere Erntevolumina mit späterer Reife. Eine ähnliche Entwicklung könnte in der Kulturführung erreicht werden, indem man die Einzelstockbelastung erhöht und den Standraum und die Stockhöhe ausweitet. Bei all diesen Schritten stellt sich aber die Frage, ob damit nicht der Qualitätsgedanke unterwandert wird. In den letzten Jahrzehnten wurde nämlich gerade die andere Richtung zwecks Zugewinns an Reife eingeschlagen. Jedenfalls gibt es neben der Bodenbearbeitung viele reifebeeinflussende Faktoren, die der Klimaerwärmung entgegengehalten werden können.
 
Kurzfristig lässt sich daher keine Notwendigkeit der Sortenveränderung auf Grund der Klimaverschiebung erkennen. Mittelfristig würden Kulturmaßnahmen eine einfachere Möglichkeit darstellen die Veränderungen durch das Klima abzuschwächen. Langfristig - und das ist die Konzeption des Projektes - wird niemand haftbar zu machen sein wenn der Grenache im Traisental nicht reif wird. Daher sollte man mit der Sortenumstellung lieber bis 2040 warten, vielleicht gibt es ja dann schon die hitzestabilen Veltliner Klone.
 
 
Soja Gerhard
Foto: Soja ...
DI Dr. Gerhard Soja, MSc, AIT Austrian Institute of Technology GmbH, Leiter des Projekts WEINKLIM

 
Weinbau und Klimawandel – alles schon da gewesen?
 
Der Sektor Landwirtschaft ist so vielgestaltig, dass der Klimawandel ein breites Spektrum von Gewinnern (überwiegend in höheren Breitegraden) und Verlierern (überwiegend in niedrigen Breitengraden) schafft. Der Weinbau wird sich ebenfalls je nach geografischer Lage mit Vorteilen oder Nachteilen konfrontiert sehen. Unter österreichischen Verhältnissen scheinen die Vorteile zu überwiegen, wenngleich Anpassungserfordernisse überall als Herausforderung zu berücksichtigen sind, insbesondere angesichts eines Planungshorizonts von über 3 Jahrzehnten für die Anlage und Bewirtschaftung eines Weingartens.
 
Die Ausbreitung des Weinbaus in Österreich wird üblicherweise in seiner Limitierung durch Höhenlage und Wärmeangebot gesehen. Doch diese Standardmeinung verdient eine kritische Hinterfragung. Die derzeitige Verteilung und Ausdehnung von Weinbaugebieten ist eher ein Produkt gesetzlicher Regelungen und Traditionen als klimatischer und bodenkundlicher Gegebenheiten. In früheren Jahrhunderten war der Weinbau in Österreich noch in Gebieten vertreten, welche derzeit hunderte von Kilometern von den klassischen bekannten Weinbauregionen entfernt sind.
 
Vom 13. bis ins frühe 16. Jahrhundert erfuhr der Weinbau in Österreich in allen Bundesländern einen Aufschwung, selbst in jenen, welche derzeit als "Weinregion Bergland" zusammengefasst sind und wo der Weinbau als "Sonder-Sonderkultur" mit maximal zweistelligen Hektarflächen pro Bundesland vertreten ist. Die historische Ausbreitung geschah in der Phase des hochmittelalterlichen Temperaturoptimums, welches nach derzeitigen Modellvorstellungen maximal so warm war wie jetzt, eher aber noch etwas kühler. Die wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaus beruhte auf der Abnahme durch nahe gelegene, sich rasch entwickelnde Städte, welche Alternativen zum damals mühseligen Ferntransport von Wein brauchten. Und aufstrebende Städte gab es in allen Bundesländern – das Schloss Linz war von Weingärten umgeben; die heutige Universität Linz steht inmitten ehemaliger Weingärten; Aschach führt noch heute die Trauben im Gemeindewappen; in der Stadt Salzburg gab es am Rainberg vor Jahrhunderten Weingärten; Tirol mit seinen aufstrebenden Städten benötigte Weinbau im Inn- und Gurgltal; Vorarlberg hatte Anbaugebiete in der Rheinebene bis Rankweil und Feldkirch; Wein aus Kärnten war sogar am Wiener Hof nachgefragt.
 
Der Rückgang des Weinbaus in diesen Gebieten ab dem späten 16. Jahrhundert war teilweise das Produkt der als "kleinen Eiszeit" bezeichneten kühleren Periode der nachfolgenden Jahrhunderte; teilweise löschten Reblaus und Peronospora im frühen 19. Jahrhundert die letzen Spuren aus. In manchen Gebieten wie in Oberösterreich wurde der Most-Obstbau der Nachfolger der früheren Weinkultur.
 
Diese hohe Sensibilität der Weinbau-Ausbreitung gegenüber den natürlichen Klimaschwankungen zeigt das Potential für die Wiedergewinnung früherer Weinbaugebiete unter den derzeitigen Temperaturbedingungen, welche zumindest vergleichbar, wenn nicht noch wärmer als im Hochmittelalter sind. Um diese Chance, die der anthropogene Klimawandel bietet, nutzen zu können, erfordert es allerdings mehr als experimentierfreudige LandwirtInnen, welche WinzerInnen werden wollen. Es braucht Weinbaugesetze, wie sie z.B. in den vergangenen Jahren in Oberösterreich und Kärnten geschaffen worden sind, und die Führung von Weinbaukatastern mit entsprechendem Entwicklungspotential. Schließlich darf in Österreich das Auspflanzen von Weinreben nur bei Vorhandensein eines entsprechenden Pflanzungsrechts erfolgen.
 
Neue Weinbaugebiete ermöglichen eine größere Vielfalt bei Produktion und Produkten, nicht zuletzt auch bei nicht-alkoholischen Traubenprodukten. Insbesondere in Regionen, in denen die Landwirtschaft für die meisten LandwirtInnen nicht mehr als ein Zubrot zu Tourismus und Nebenerwerb ist, sind neue wirtschaftliche Chancen auch Überlebenschancen für den landwirtschaftlichen Betrieb.
 
Der 6 %ige Rückgang der österreichischen Weinbaufläche von 1999 bis 2009 ist großteils durch einen Rückgang der Weißweinflächen bedingt (-17,5 %). Gerade in klassischen österreichischen Weißwein-Anbaugebieten stellt sich die Frage, inwieweit die Sortencharakteristika von Grüner Veltliner und Riesling gleich geblieben sind, wenn doch die heutigen Temperaturbedingungen deutlich über jenen liegen, unter denen diese Sorten groß geworden sind. Zwar sind die Untergrenzen der Temperaturansprüche von Weinsorten gut bekannt, viel weniger weiß man jedoch, was geschieht, wenn dieselbe Sorte in einem wesentlich wärmeren Klima reift, z.B. unter den Säureabbau fördernden höheren Nachttemperaturen.
 
Möglicherweise ist es eine Chance für die traditionellen Sorten, ihren Weincharakter zu erhalten, wenn sie in "neuen" alten Weinbaugebieten wieder erst im Oktober gelesen werden können anstatt in den klassischen Weinbaugebieten Mitte September vor Wespen und Botrytis gerettet werden müssen. Die bekannten Weinbaugebiete könnten alternativ auf die Selektion besonders langsam reifender Klone der etablierten Sorten setzen, wie dies z.B. als Ergebnis des Forschungsprojekts WEINKLIM für das Traisental empfohlen worden ist.
 
Mögliche Nachteile bzw. Herausforderungen durch den Klimawandel sollen aber nicht vergessen werden. Die Ausbreitung neuer Krankheiten wie z.B. die von Rebzikaden übertragenen Phytoplasmen bereiten in manchen Regionen Kopfzerbrechen. Die Vektoren scheinen sich bei wärmeren Bedingungen neue Ausbreitungsgebiete zu erschließen. Auch für den Bioweinbau wird die Situation nicht gerade einfacher – generell haben es in der Landwirtschaft extensive Bewirtschaftungs­maßnahmen schwieriger als intensive, geeignete Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel zu setzen.
Die Weinherstellung war immer schon eine besonders anspruchsvolle Variante der Pflanzen- und Lebensmittelproduktion – die Chancen stehen daher gut, dass die WinzerInnen auch mit der Herausforderung Klimawandel zurechtkommen.
 
 
Wildenberg Martin
Foto: Lukas Wa...
Mag. Martin Wildenberg, Global 2000, Mitarbeiter im Nachhaltigkeitsprojekt

 
Nachhaltiger Wein - Genuss muss keine Sünde sein
 
Nachhaltigkeit ist eng mit dem Begriff der Lebensqualität verknüpft und gerade ein gutes Glas Wein gehört da für viele dazu.
Wie aber soll nachhaltiger Weinbau aussehen? Nachhaltige Landwirtschaft ist ressourcenschonend und emissionsarm. Sie erhält und schafft ästhetisch und ökologisch wertvolle Kulturlandschaft und stellt eine zukunftssichere ökonomische Basis für den landwirtschaftlichen Betrieb und damit für die regionale Wertschöpfung dar. Wird die Lebensmittelproduktion ganzheitlich betrachtet, dann gehören zu einer nachhaltigen Landwirtschaft auch die daran anschließenden Verarbeitungs- und Vertriebsketten und schließlich auch die KonsumentInnen. Hier kann vor allem durch sinnvolle Verpackungen, gute Logistik, faire Einkaufspolitik und bewusste Kaufentscheidungen viel erreicht werden.
Produktauszeichnungen, welche die KundInnen über die Umweltwirkung der jeweiligen Produkte informieren, z.B. durch Ausweisung des CO Rucksacks, können helfen, die Landwirtschaft in eine nachhaltigere Richtung zu lenken. In der Praxis setzt GLOBAL 2000 dies gerade in Kooperation mit der Caritas und REWE International AG um, wobei die gesamte Bereitstellungskette von der Produktion bis zur Filiale betrachtet und mit neun Indikatoren bewertet wird. Ab September werden österreichische Tafelweintrauben erhältlich sein, deren ‚Nachhaltigkeits-Performance“ dann an den neun Indikatoren abgelesen werden kann. (Siehe http://www.proplanet-label.at)
 
Will man selbst einen Beitrag leisten und den CO-Rucksack pro Flasche Wein klein halten, empfiehlt es sich, beim Einkauf CO-neutrale Verkehrsmittel (zB das Fahrrad oder die Füße) zu benutzen, da das CO aus der „persönlichen Logistik“ oft den höchsten CO-Anteil pro Flasche zu verantworten hat.
Zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft gehören also nicht nur Maßnahmen, die eine Adaption des Weinbaues an den Klimawandel erlauben. Pro-aktiv müssen der Ressourcenverbrauch sowie die Emissionen an CO und anderen umweltwirksamen Substanzen, vor allem Pestiziden, schnellstmöglich reduziert werden.
Der Weinbau steht vor besonderen Herausforderungen, was die Nutzung von Pestiziden betrifft. Nach Angaben des Pesticide Action Networks werden auf Europas Weinstöcken 15 Prozent aller Pestizide versprüht – wobei Wein nur drei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ausmacht.
Mit einem durchschnittlichen Pestizideinsatz von 12,2 kg pro Hektar (2003) liegt Österreich knapp hinter Spanien (11,7 kg/ha) und weit vor Deutschland (31 kg/ha), Frankreich (32 kg/ha) und Italien (45 kg/ha).
Durch das gestiegene Bewusstsein der KonsumentInnen ist allerdings auch unter den WinzerInnen ein Trend zur weniger intensiven Bewirtschaftung zu erkennen.
Zu diesem Trend haben auch Studien, wie die von GLOBAL 2000 in Kooperation mit anderen NGOs durchgeführten Untersuchungen zur Pestizidbelastung in europäischen Weinen, beigetragen. (Download: http://www.global2000.at/module/media/data/global2000.at_de/content/wein/Hintergrundpapier_Weintests_Maerz08.pdf)
Dabei wurden in einer einzigen Flasche deutschen Weins Rückstände von bis zu 10 verschiedenen Pestiziden gefunden, während in den sieben untersuchten österreichischen Weinen zwischen ein und vier verschiedene Pestizide nachgewiesen wurden. Durch den Kelterprozess liegt die Pestizidbelastung bei Weinen normalerweise unter den gesetzlichen Höchstwerten, allerdings kommt es bei Tafeltrauben leider immer wieder zu Höchstwertüberschreitungen. (siehe: http://www.untersuchungsämter-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=1&Thema_ID=5&ID=1233&Pdf=No)
Ein Vergleich zwischen dem Pestizideinsatz (kg/ha) von Spanien, Italien, Deutschland und Österreich zeigt das.
Pestizideinsatz hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und der Umwelt, er schlägt sich auch negativ in der CO Bilanz nieder. Daher sollten neue Sorten nicht nur an neue Klimabedingungen angepasst sein, sondern auch weniger Pestizideinsatz benötigen. Dass dies möglich ist und gleichzeitig gut schmeckt, beweisen z.B. die Pilz-widerstandsfähigen Traubensorten und der daraus gekelterte Wein des burgenländischen Rebzüchters Herrn Dipl.-Ing. Weiss (siehe http://www.piwi-international.org )
Dass es auch ganz ohne Pestizide geht, zeigen die etwa 500 heimischen Bio-WeinbäuerInnen. Biowein schont übrigens nicht nur die Umwelt, er ist außerdem nachweislich bekömmlicher und zeichnet sich durch einen höheren Gehalt an gesundheitsfördernden Substanzen, z.B. bestimmten Gerb und Farbstoffen sowie Resveratrol, aus. Diese Stoffe werden für die antibakterielle und gefäßschützende Wirkung des Weines verantwortlich gemacht.
 
In diesem Sinne: Prost!
 
 
Zum Abschluss wird das Thema „Weinbau im (Klima-)Wandel“ noch aus einem gänzlich anderen Blickwinkel betrachtet: Der Berliner Künstler Heiko Michels überlegte sich, wie wohl der Wein (in diesem Fall ein Veltliner) selbst darüber denken könnte. Entstanden ist so der nachfolgende „Monolog eines Veltliners“:

 
Michels Heiko
Foto: Michels ...
Heiko Michels, Autor und Theaterregisseur aus Berlin
- www.limited-blindness.eu
Bukettreiche Antworten eines Veltliners, den keiner gefragt hat
 
Plopp. eine Flasche Veltliner wird geöffnet, ein Glas eingegossen
Sauer! Ich bin sauer, ja, ich bin sauer! ...Wie, du findest mich süß? … ICH BIN NICHT SÜß! Ich schmeck nur grad mal so! Normalerweise ist hier vorne diese dezent aggressive weiße Pfeffernase, und hier hinten dieses stählerne zitronenfrische Säurerückgrat. Das gibt mir meine Spannung! Und dazwischen, da kann sich dann dieser Körper aufspannen, dieses Kantig-Exotische, diese Tremolo von Wiener Schotterterroir in dieser elegant-erotischen Pfirsichnote… Ja, das glaub ich, dass DU Pfirsich schmeckst, aber das hat hier nichts mehr mit Eleganz zu tun, das ist ja nur noch Haribo, was da die ganze Zeit aus mir raustranspiriert! Ich fühl mich total unharmonisch, und alle finden mich dabei auch noch süß, und das macht mich sauer, aber umso saurer mich das macht, umso süßer werde ich. Das ist wirklich ein Problem…
 
Du magst mich? Ja das ist ja grad mein Problem, dass Du mich magst. Ich will nicht, dass du mich magst. Ich will dich herausfordern: Ich will dich mit meinen Kanten anstoßen, dich mit meiner Säure einschnüren, und dann mit meinem leichten Alkohol – mit einem LEICHTEN Alkohol, sag ich – dir einen frischen autochtonen Rausch geben und mit dir lange durch die Wiener Nacht fließen, mit Nachhall, mit Schweif! ...
 
Du findest mich extrem? Ah, diese Gemütlichkeit: NATÜRLICH BIN ICH EXTREM. Das ist doch mein Job als Wein, ich bin doch der Katalysator des Extremen. Aber letztes Jahr, da war  Katalysatorverstopfung: Schnee bis zum 30. März, am 1. April plötzlich zwanzig Grad, Hitze und kein Regen bis Ende Mai, Gewitter im April, mit Hagel, was soll ich denn mit Hagel anfangen? Das ging das ganze Jahr so weiter. Das war wirklich Stress, aber nicht dieser positive Tag-Nacht-Stess, der Süße und Säure so komplex verflicht. Nee, Trockenstress. Im August war es nur noch heiß. Diese Wiener Schotterböden sind völlig ausgedörrt, strahlten noch nachts Hitze zu mir hoch. Wie soll man denn da sein Wasser noch halten? Wie soll man denn da seine Frische bewahren?  Wie soll man denn DIESEM Extremen noch einen Ausdruck verleihen? Dieses Säuregerüst ist völlig zusammengeklappt, diese zunehmend gestresste Säure ist einfach versüßlicht. Das hat mich umgehauen, trotz meines exzentrischen Charakters. Da war nichts mehr zu katalysieren. Und das einzige, was übrig blieb: extrem süß, extrem verklebt, extrem viel Alkohol. Keine Struktur. Kein Nachhall…
 
Wie, du willst mich jetzt wieder zukorken? … Morgen ist ja auch noch ein Tag? Glaubst du das? Dieser infantile Geschmack, dieser infantile Blick auf die Welt. Schmeckst du mich überhaupt? Ich will, dass du das bewusst schmeckst, wie ich hier so dahinschmecke, lies doch mal was aus mir heraus! … passt schon zu Eis und Fisch? WAS? Diese pseudofreundliche Unverbindlichkeit. Hast du mir überhaupt zugehört? Das muss doch mal nachhallen, ich will meine Nachhalltigkeit wieder! Meinen Schwanz. Geht doch zu euren Merlots und Nero d`Avolas! Ich geh in die Berge, an irgendeinen einsamen Alpenkamm. Ich werde Gletscherwein. Ich werde wild wuchern, zwischen herannahender Sonne und eiskaltem Gletscherwasser, ohne Reberziehung und Heurige, MICH stören keine Mutationen, das mach ich ja dauernd, mich rhizomatisch zu verflechten, zu rauschen, zu wuchern, zu fließen, mich zu verwandeln, andere zu verwandeln, mich neu zu erfinden… Die Flasche wird verkorkt.
 
 

Weitere Informationen:

Zum Thema des Monats Weinbau im (Klima-)Wandel

"Person des Monats" auf ist der Winzer Rudolf Hofmann aus der Römerstadt Traismauer.
 
 
 

15.04.2011, nachhaltigkeit.at