journal nachhaltigkeit 3/2010: Nachhaltige Entwicklung braucht Entschleunigung
Entschleunigung darf in den Programmen der Verkünder der Nachhaltigkeit nicht fehlen, schreibt Peter Heintel in seiner Einleitung zum Thema der jüngsten Nummer des journal nachhaltigkeit.
Nachhaltigkeit fasst größere Zeitabschnitte ins Auge, will nicht nur in Generationen denken - und „richtet sich daher gegen unsere zeitraffende Fortschrittsideologie, deren Charakter Beschleunigung impliziert“. Eine Kultur der Nachhaltigkeit, die sich der Entdeckung qualitativer Entwicklungsmöglichkeiten verpflichtet fühle, setze voraus, sich in neue Zeitverhältnisse einzurichten und Eigenzeiten wahrzunehmen: „Die Rhythmik des Lebendigen“, so Heintel, „ist eine andere als die der Uhr.“Eigenzeiten wahrzunehmen gilt es dabei in vielen Bereichen:
Fritz Reheis fordert Zeit für Bildung und daher die „Befreiung von der Turboschule“. Denn von jener Bildung, die in unseren Schulen verabreicht würde, bliebe bei vielen Kindern nur wenig haften. Das, so Reheis, „liegt an einem falschen Umgang mit der Zeit“.
Den „Zeitwohlstand“ der Menschen zu erhöhen ist das Ziel „kommunaler Zeitpolitik“. Ingrid Mairhuber erläutert dieses Konzept, das in Italien mittlerweile gesetzlich als kommunales Planungsinstrument verankert ist: Es zielt auf eine abgestimmte Koordinierung der zeitlichen Zugänglichkeit öffentlicher und privater Dienstleistungen.
Die Rückgewinnung der funktionalen Vielfalt des öffentlichen Raums nennt Andrew Kilpatrick als eine von vielen Argumenten für eine radikale Entschleunigung des Verkehrs. „Shared Space“ ist ein bewährtes Instrument dazu: Statt Fahrbahn und Gehsteig und unzähligen Verkehrsschildern eine öffentliche Fläche, auf der sich alle gleichberechtigt bewegen – mit Blickkontakt und in Eigenverantwortung.
Neben den Beiträgen zum Heftthema ergänzen News aus dem Akteursnetzwerk Nachhaltiges Österreich, LA21 reports und ein Bericht zum Ministerratsbeschluss zur Österreichschen Strategie nachhaltige Entwicklung (ÖSTRAT) das Informationsangebot des journal nachhaltigkeit.
Downloads
journal nachhaltigkeit 3/2010 (PDF 556,11 kB )
01.10.2010, nachhaltigkeit.at


