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journal nachhaltigkeit 2/2010: Globale Verantwortung - nachhaltiges Handeln

Wir müssen den Raum- und Zeithorizont unserer Verantwortung ausweiten, schrieb Hans Jonas schon vor mehr als 30 Jahren. Heute – nach Jahrzehnten einer sich stetig beschleunigenden Globalisierung – offenbaren sich die Dimensionen dieses Satzes stets aufs Neue und immer deutlicher: von der weltweiten Finanzkrise bis zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.

„Globale Verantwortung – nachhaltiges Handeln“ ist das Thema der zweiten Ausgabe des journal nachhaltigkeit in diesem Jahr. Die Heftredaktion hat dazu die Gedanken und Meinungen von Petra Gruber,  Vera Besse, Heidi Grobbauer und Josef Zotter eingeholt.
 
Individuelles Handeln und gesellschaftliche Fehlentwicklungen wirken längst über den lokalen Kontext, über nationalstaatliche Grenzen hinaus auf fremde Kulturen, auf die gesamte Biosphäre und in die ferne Zukunft, schreibt Petra Gruber,Geschäftsführerin des Instituts für Umwelt-Frieden-Entwicklung, in ihrem einführenden Beitrag zum Thema dieses Hefts. Damit aber, so Gruber, werde die Gerechtigkeitsfrage formuliert: „Entlang globaler Wert(ab)schöpfungsketten fließen die Vorteile ungleich in die Zentren der ökonomischen und politischen Macht, während die marginalisierten Menschen in der Peripherie die ökologischen und sozio-ökonomischen Belastungen zu tragen haben.“ Globale Verantwortung bedeute da, „anderen Gesellschaften keine Ungerechtigkeiten zuzufügen und sich keine Vorteile auf Kosten unserer Mitwelt zu verschaffen.“
 
Und wie übersetzt sich das in unseren Alltag, auf unseren Lebensstil?
Nicht ohne Widersprüche, merkt Vera Besse, Obfrau des Vereins SOL, Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil, an: Wer aus Solidarität bio-fairen Konsum übt, muss um die Zusammenhänge wissen und über gewisse Kaufkraft verfügen. „Das ergibt in letzter Konsequenz die Perversität, dass es die Armen hier sind, die die Armen woanders ausbeuten“. Wir brauchen Umverteilung hier, um die Ungleichverteilung in der Welt erkennen zu können.
 
Wissen wir denn um die Zusammenhänge?
Das ist heute eine der wichtigen Aufgaben von Bildung: „Junge Menschen befähigen, ein Bewusstsein für globale Zusammenhänge zu entwickeln“, schreibt Heidi Grobbauer, Geschäftsführerin von KommEnt, Gesellschaft für Kommunikation, Entwicklung und dialogische Bildung. Eine Strategie „Globales Lernen“ wird dazu mit Unterstützung des Bildungsministeriums und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gerade erarbeitet.
 
Und was bedeutet globale Verantwortung für Unternehmen?
Josef Zotter, Gründer der gleichnamigen Schokolade-Manufaktur, ist da explizit: Globale Verantwortung funktioniere am besten in regionalen Wirtschaftskreisläufen. „In Lateinamerika, wo wir unseren Kakao beziehen, haben wir einen regionalen Fokus. Das funktioniert. Die Bauern verdienen mehr, sie mischen am Weltmarkt mit, aber in einer Nische, die nur sie bedienen können.“ Das macht Zotter mit seinen Produkten auch: „Wir bedienen keine Supermärkte, weil wir den Mittelstand und die Fachhändlerstrukturen stärken wollen“. 
 
Neben den Beiträgen zur Themenstrecke des Hefts ergänzen Netzwerk-News wie stets das Informationsangebot des journal nachhaltigkeit. Der LA21 report kommt diesmal aus der Salzburger Gemeinde Bergheim. Der ÖSTRAT-Splitter widmet sich der „Lernwelt Sozialkapitel“. Wir wünschen nachhaltige Lektüre.

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30.06.2010, nachhaltigkeit.at