Prozess des Monats 11/10: Gemeinde Hofamt Priel
Niederösterreich
Die Inhalte dieser Seite gestaltete der Prozessbegleiter Ing. Paul Schachenhofer von der NÖ Dorf- und Stadterneuerung.
Gemeindestatistik: die niederösterreichische Ortsgemeinde Hofamt Priel liegt im Bezirk Melk, umfasst 39,6 km², liegt auf einer Seehöhe von 220 - 852 Metern. 1.655 Einwohner leben in 590 Häusern, zusätzlich sind 335 Zweitwohnsitze gemeldet.
Die Gemeinde Hofamt Priel bildet die Grenze vom Strudengau zum Nibelungengau und ist ein romantisches, von Wäldern umgebenes, Streusiedlungsgebiet an den Südhängen des Donautales. In den höheren Regionen bietet sich dem Betrachter ein wunderschöner Panoramablick vom Donaukraftwerk (Ybbs-Persenbeug) und dem Schloss Persenbeug bis ins Alpenvorland.
Die ausgedehnten und ruhigen Wälder bieten sich dem Wanderer, Spaziergänger und Mountainbiker geradezu an. Der "Kneippwanderweg" verschafft unseren BürgerInnen und Gästen gleichermaßen Erholung. Der Rückstauraum des Donaukraftwerkes eignet sich besonders für den Segel-, Wasserski- und Motorbootsport. Dazu stehen private Bootsanlegestellen und Bootsvermietung zur Verfügung. Es gibt auch die Möglichkeit zum Sportfischen. Auf dem Sportplatzgelände finden sich Einrichtungen für Fußball, Tennis, Asphaltstockschießen und Beach-Volleyball. Die Gemeinde ist ein idealer Ausgangspunkt für Tagesausflüge mit Bahn, Schiff, PKW oder Fahrrad (Donauradweg) z.B. in die Wachau oder den übrigen Nibelungengau. Die Nähe zur Westbahn und Westautobahn machen Hofamt Priel zum idealen Wohnstandort mit raschen Verbindungen zu den Zentren St. Pölten, Wien, Amstetten und Linz.
2. Ansprechpersonen
Gemeinde Hofamt Priel
Bgm. Friedrich Buchberger
Dorfpaltz 1
3680 Hofamt Priel
t +43(0)7412-52421
gemeinde@hofamtpriel.at
Kernteamleitung
DI Alexandra Schlichting
alexandra.schlichting@noel.gv.at
Prozessbegleitung
Ing. Paul Schachenhofer
NÖ Dorf- und Stadterneuerung, Regionalbüro Waldviertel
t +43(0)676-88591234
paul.schachenhofer@dorf-stadterneuerung.at
3. Prozessverlauf in der Gemeinde Hofamt Priel
Die Gemeinde Hofamt Priel hat mit Februar 2006 die Phase „Entscheiden“ mit dem Start des Gemeindeimpulses begonnen. In dieser Phase erfolgte der schrittweise Aufbau des Kernteams, welches für den weiteren Prozessverlauf die operative und strategische Führung innehatte.
Bei einer Auftaktveranstaltung im Mai 2006 wurde einer breiten Öffentlichkeit die Aktion Gemeinde 21 vorgestellt und durch den Hauptreferenten Ing. Karl Sieghartsleitner die Gemeinde Steinbach an der Steyr präsentiert, ein Musterbeispiel wie nachhaltige Entwicklung funktionieren kann. Noch im Mai wurden „Dorfgespräche“ durchgeführt, deren Ziel es war die Bevölkerung auf die Ziele der Gemeinde 21 aufmerksam zu machen und für die Gestaltungsmöglichkeiten und die Problemlösungen im eigenen Lebensumfeld zu sensibilisieren.
Aufbauend auf diese Ergebnisse konnte die zweite Phase „Orientieren“ starten. In sechs Arbeitsgruppen wurden Ziele und Zukunftsvisionen entwickelt und Maßnahmen, Projekte und Ideen zur Umsetzung überlegt. Am Ende dieses Diskussionsprozesses wurden die Ergebnisse in einer gemeinsamen Sitzung zusammengeführt und abgestimmt. Das Zukunftsbild für Hofamt Priel wurde am 30. März 2007 der Öffentlichkeit präsentiert. Danach erfolgte noch die detaillierte Ausarbeitung des Maßnahmenplanes in den Projektgruppen, Gremien der Gemeinden und dem Kernteam. Von Juli 2008 bis Juni 2010 erfolgte die Umsetzungsphase, in der die Projekte des Maßnahmenplanes schrittweise verwirklicht wurden. Insgesamt waren ca. 150 Personen aktiv am Entwicklungsprozess beteiligt, in der Projektumsetzung noch viele mehr.
4. Ausgewählte Projekte und Aktionen
Logo-Wettbewerb
Das Gemeindeamt Hofamt Priel war bis zum Herbst 1999 in der Nachbargemeinde Persenbeug beheimatet, und auch in vielen anderen Dingen des alltäglichen und gesellschaftlichen Lebens war der Hauptort der Nachbargemeinde des Zentrum für Hofamt Priel. Mit dem Neubau des Gemeindezentrums ist es gelungen auch den gesellschaftlichen Schwerpunkt in die Gemeinde zurück zu holen. Die Entwicklung eines eigenen Logos gleich zu Beginn des Gemeinde 21 Prozesses war daher ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung der Identität der Gemeinde Hofamt Priel. Ein Wettbewerb mit dem Motto „Typisch Hofamt Priel“ wurde ausgeschrieben. So sollten Vorschläge für ein Logomotiv gesammelt werden. Über 70 Einreichungen von SchülerInnen und Erwachsenen wurden gesammelt, welche in einer öffentlichen Präsentation durch eine Publikumswertung bewertet wurden. Eine Jury traf die Endauswahl der besten Motive. Die Gewinner durften ein VIP-Wochenende beim Weltcuprennen am Semmering verbringen. Die verschiedenen Entwürfe wurden dann von einem Grafiker weiterbearbeitet und zu einem Logo zusammenführt, welches nun vielerorts zu finden ist, z. B. auf T-Shirts, offiziellen Schriftstücken der Gemeinde, Autos, usw.
Wirtschaftsmappe Hofamt Priel
In dieser Broschüre wurden alle Wirschaftsbetriebe, Dienstleister, Vereine und öffentlichen Einrichtungen zusammengefasst, um einen Überblick über das bestehende Angebot in der Gemeinde zu geben. Jede/r TeilnehmerIn konnte sich auf einer Seite präsentieren und stellte die Informationen und Bilder selbst zur Verfügung, welche in ein einheitliches grafisches Layout gebracht und gedruckt wurden. Die Mappe wird den neuen GemeindebürgerInnen übergeben oder bei Veranstaltungen und Messen aufgelegt.
Welcome-Party für neue GemeindebürgerInnen
Die Gemeinde Hofamt Priel hat 2007 erstmals alle GemeindebürgerInnen, welche die letzten drei Jahre neu ihren Hauptwohnsitz angemeldet hatten zu einer Willkommensparty eingeladen. Dabei wurde die Gemeinde präsentiert, die Ziele der Gemeindeentwicklung vorgestellt aber auch die Wirtschaftsbetriebe und Dienstleistungen wurden an Hand der Wirtschaftsmappe den TeilnehmerInnen näher gebracht. Die Vereine der Gemeinde stellten sich mit Schautafeln vor und ihre VertreterInnen waren persönlich vor Ort und standen für Fragen zur Verfügung. Durch den persönlichen Kontakt und gezielte Information will man die Integration der neuen BürgerInnen fördern. Rund die Hälfte der Eingeladenen nahm dieses Angebot gerne an.
Miscanthusheizung Hofamt Priel
Am 25. Oktober 2009 wurde in Hofamt Priel im Rahmen des Kindergartenzubaus die neue Miscanthusheizung in Betrieb genommen. Unter dem Titel „Energiekreislauf Hofamt Priel“ wurde im Zuge der Gemeinde21 die Projektidee entwickelt. „Miscanthus wird von der Familie Furtlehner in unserer Gemeinde gepflanzt – geerntet – gepresst – im Kindergarten verheizt und die Asche auf dem Feld wiederum aufgebracht. So entsteht ein ganz natürlicher Kreislauf, der für viele andere Dinge Vorbild ist und zum Klimaschutz wesentlich beiträgt.
Das Projekt garantiert uns volle Versorgungssicherheit durch Produktion vor Ort und kurze Lieferwege. Darüber hinaus bleibt die Wertschöpfung zur Gänze in der Gemeinde und der Brennstoff ist um einiges günstiger als das bisher eingesetzte Heizöl. Neben den wirtschaftlichen Fakten ist uns als Klimabündnisgemeinde auch der Klimaschutz wichtig, und somit ist das Projekt ein ganz wichtiger Schritt im Sinne einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung“, erklärt Bürgermeister Buchberger das Projekt.
Sport- und Mehrzweckhalle
Die bestehende Asphaltstockanlage wird überdacht und damit eine Anlage zur ganzjährigen, wetterunabhängigen Nutzung geschaffen. Durch einen Bodenbelag aus Schutzplatten kann die Halle auch für vielfältige andere Aktivitäten und Veranstaltungen aktiv genutzt werden. Insgesamt entsteht nun ein multifunktionales Sportzentrum, welches Stocksport, Fußball, Tennis, Volleyball und Tischtennis beherbergen wird.
Der Stocksport hat in den letzten Jahren in der Region einen enormen Aufschwung erlebt und so haben Sportgruppen aus 7 weiteren Gemeinden ihr Interesse an der Nutzung der Anlage bereits angemeldet. Die Halle soll aber auch für Feste und Turniere zur Verfügung stehen.
Die Finanzierung erfolgt durch die Gemeinde Hofamt Priel, die Sportunion - Sektion Stockschützen und durch Förderungen des Landes NÖ. Besonders wichtig zu erwähnen ist der hohe Eigenleistungsanteil, der durch die Vereinsmitglieder ehrenamtlich geleistet wird. Bereits in der ersten Bauphase bis zur Errichtung des Hallendaches wurden rund 3700 freiwillige Arbeitsstunden erbracht. Bis zur Fertigstellung sind geschätzte 7000 Arbeitsstunden notwendig.
5. Ausblick
Nach einer Präsentation des bisher Erreichten vor der Bevölkerung werden die Projekte und Aktivitäten des Maßnahmenplans nun selbstständig weitergeführt bzw. umgesetzt. Nach intensiven Jahren der Entwicklungs- und Beteiligungsarbeit in der Gemeinde wird nun eine Prozesspause eingeleitet, wobei der weitere Kontakt, der Zugang zu Informationen usw. durch den Beitritt zum G21-Club weiter gewährleistet ist. Weiters wurden auch die Aalborg-Commitments unterzeichnet, um den eingeschlagenen Weg der "nachhaltigen Gemeindeentwicklung" auch auf internationaler Ebene zu dokumentieren und langfristig zu sichern. Parallel dazu wird ab 2011 die Dorferneuerung in den einzelnen Orten wieder aktiv und führt die Inhalte bzw. neuen Entwicklungen in den kommenden Jahren auf örtlicher Ebene fort.
6. Redaktion und Rückfragen
Ing. Paul Schachenhofer
NÖ Dorf- und Stadterneuerung
t: 0676 – 88 591 234
paul.schachenhofer@dorf-stadterneuerung.at
www.dorf-stadterneuerung.at
11.11.2010, nachhaltigkeit.at








