Monatsthema 11/10: Zivilgesellschaftliches Engagement
Angesichts ständig anspruchsvollerer Herausforderungen stellt sich immer mehr die Frage, wie sich unsere Gesellschaft in Zukunft entwickeln wird und soll. Die Zivilgesellschaft bildet als "Netzwerk von Gemeinschaften zwischen Individuum und Staat" eine starke soziale Basis, deren Antworten immer
mehr Gehör finden.Wir stehen heute vor vielen komplexen Herausforderungen - wie der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich, dem Klimawandel oder der steigenden Ressourcenknappheit - für die es keine ausreichenden Lösungen von oben geben kann. Damit wir uns dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung annähern können, braucht es das Engagement Vieler. Partizipation bietet hier die Möglichkeit, Menschen zu aktivieren und mehr Eigenverantwortung zu fördern. Ein steigendes Verantwortungsbewusstsein führt zu einer proaktiven Selbstorganisation, nicht „die da oben“, sondern wir alle können unsere Gesellschaft mitgestalten. Viele NGOs (NGO = non-governmental organisation, Nichtregierungsorganisation) und ideelle Vereine bekennen sich zu diesem sozialen Agieren unabhängig von einem staatlichen Auftrag in ihren Statuten und Zielen und bilden damit die Basis einer engagierten Zivilgesellschaft.
Zivilgesellschaftliche Akteure fungieren als Vermittler zwischen gesellschaftlichen Problemlagen der privaten Sphäre bzw. von Minderheiten und den staatlichen Instanzen. Dabei übernehmen sie eine gesellschaftliche „Alarmfunktion“, indem sie kritische Themen aufgreifen und für deren Risiken sensibilisieren, wie z.B. die globale Armut (siehe z.B. die Aktivitäten des NGO-Dachverbands Globale Verantwortung), ökologische Belastungen (siehe z.B. Dachverband Ökobüro) oder Probleme der Wirtschaftsordnung (siehe die Allianz „Wege aus der Krise“).
Aber bei aller Vernetzung der thematisch gleichgesinnten Organisationen können sie öffentliche Aufgaben nicht ersetzen bzw. nur selten an den Ursachen der Probleme etwas ändern. Was sie können, ist ihre fachspezifische Expertise einbringen und eine Art „Reparaturdienst“ anbieten - wie z.B. in der Entwicklungszusammenarbeit (vgl. Simsa 2001, S. 12f bzw. den Gastkommentar von Ruth Simsa, NPO-Kompetenzzentrum WU-Wien).
Eine wichtige Wirkung der Zivilgesellschaft ist die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch:
- die Schaffung von öffentlichen Räumen für Diskussionen und Wertefragen,
- die Möglichkeit, sich aktiv für die eigenen Werte zu engagieren
- und den Austausch heterogener Gruppen, der die unterschiedlichen Sichtweisen nachvollziehbarer machen kann (sofern die entsprechenden Räume des Dialogs dafür geschaffen werden).
1. Merkmale der Zivilgesellschaft
Der Begriff „zivilgesellschaftliches Engagement“ bezieht sich nach Emil Brix (Herausgeber einer Publikationsreihe zum Thema Civil Society im Passagen Verlag) auf zwei Aktivitäten, die mit diesen beiden Bedeutungen von Zivilgesellschaft angesprochen sind: zum einen das gemeinsame Engagement von BürgerInnen zur Lösung kleinerer oder größerer Probleme, die weder von Staat noch Markt noch Familie ausreichend lösbar sind („mit anpacken“), und zum anderen die politische Einflussnahme von BürgerInnen auf Staat und Markt („mitbestimmen“).
Charakteristika von zivilgesellschaftlichem Engagement sind demnach (vgl. Brix, 1998):
- Autonomie
- Recht auf freiwillige Vereinigung und Versammlung
- Vielfältigkeit in den Lebens-, Gestaltungs- und Organisationsformen
- Legalität
- Öffentlichkeit
- Vermittlungsfunktion und Interessensvertretung, v.a. benachteiligter Menschen
- BürgerInnen-Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen
- Schutz der allgemeinen Menschenrechte
In Hinblick auf die Wirksamkeit (Wirkmächtigkeit) spricht Rita Trattnigg, Referentin im Lebensministerium, im Rahmen eines Vortrags anlässlich der "Konferenz Zivilgesellschaft" im Juni 2008 (hier als PDF zum Download) von drei (möglichen) Strategien der Zivilgesellschaft: Dialog (mit Politik/Verwaltung), "Gegenmacht" (z.B. Protest, Kampagnen) und Selbstermächtigung (z.B. durch die Entwicklung von eigenen Projekten).
Während der Dialog und die Gegenmacht in direkter Beziehung stehen (- ist die Dialogbereitschaft hoch, wird es weniger Protestaktionen geben), scheint die die Stategie der Selbstermächtigung momentan neue Dimensionen zu berühren. Dies zeigt sich etwa am zivilgesellschaftlich organisierten Versuch, eine demokratische Bank zu gründen.
2. Entwicklung der Zivilgesellschaft
In Österreich spielte der Begriff der Zivilgesellschaft bis vor einigen Jahren vor allem in der Diskussion in Forschungskreisen eine gewisse Rolle; Emil Brix spricht von Österreich als "verspätete" Zivilgesellschaft im europäischen Vergleich: "Die josephinische Tradition hoher staatlicher Regierung, die gesellschaftliche Dominanz politischer Parteien und der Korporatismus haben viel Stabilität, aber wenig Bürgergesellschaft gebracht." ("Civil Society in Österreich", 1998, S. 16)
Der EU-Beitritt Österreichs hat Dynamik in die Entwicklung der Zivilgesellschaft gebracht. Konventionen wie die Aarhus-Konvention, EU-Richtlinien zur Öffentlichkeitsbeteiligung (z.B. die EU-Wasserrahmenrichtlinie) und der EU-Reformvertrag (Verankerung des Instruments der Bürgerinitiative) brachten NGOs an Verhandlungstische und in Verwaltungsnähe.
Wurden noch vor 10 oder 20 Jahren NGOs als störendes Gegenüber bei staatlichen Vorhaben wahrgenommen, so sitzen VertreterInnen der Organisationen heute als anerkannte Partner an fast jedem Verhandlungstisch, wenn es um sozialpolitische, umweltpolitische oder menschenrechtliche Fragen für die Allgemeinheit geht. Dies birgt natürlich die Gefahr einer Instrumentalisierung - Unabhängigkeit, Selbstverwaltung und Selbstbestimmung zählen daher zu den zentralen Forderungen der europäischen Zivilgesellschaft.
Die Entwicklung von Vereinbarungen und Standards für Beteiligungs- und Ausstauschprozesse zwischen Staat und Zivilgesellschaft sind ein notwendiger Schritt um eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und mit Qualitätssicherung zu gewährleisten:
2.1 Standards für Öffentlichkeitsbeteiligung
Die Standards für Öffentlichkeitsbeteiligung regeln den Umgang mit Beteiligungsprozessen einer breiten Öffentlichkeit im Zusammenhang mit der Entstehung von Politiken, Programmen und Gesetzen. Sie stehen den betroffenen Verwaltungsorganisationen als Leitfaden zur Verfügung, wie und in welcher Form die Öffentlichkeit in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden werden kann und soll. Zielsetzungen sind unter anderem, die Qualität und Transparenz von Entscheidungen zu erhöhen, das Vertrauen in die Politik und in die öffentliche Verwaltung zu stärken sowie breitere Grundlagen für politische und administrative Entscheidungsverantwortliche zu bieten.
Am 2. Juli 2008 wurden die Standards der Öffentlichkeitsbeteiligung (Empfehlungen für die gute Praxis) (PDF 166 kB) durch den Ministerrat beschlossen. Erarbeitet wurden diese von einer interministeriellen Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Interessensvertretungen, NGOs und externen Fachexpertinnen und Fachexperten im Auftrag des Bundeskanzleramtes und des Lebensministeriums.
Das Lebensministerium hat außerdem im Jahr 2002 gemeinsam mit ÖGUT die Strategiegruppe Partizipation gegründet, welche u.a. Rahmenbedingungen und Qualitätskriterien für zivilgesellschaftliches Engagement erarbeitet. Ziele sind u.a., den Begriff „Partizipation“ zu konkretisieren und bekannter zu machen; das Bewusstsein für Partizipation in der Öffentlichkeit, Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu stärken; Partizipationsstrategien für die Bereiche Umwelt und Nachhaltigkeit zu entwickeln; Partizipation zu fördern und PraktikerInnen konkrete Handlungsanleitungen zu bieten. Die Diskussionsergebnisse der Strategiegruppe werden als „Arbeitsblätter zur Partizipation“ veröffentlicht. Außerdem wurde ein Handbuch mit dem Titel „Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung“ erstellt.
2.2 Vereinbarungen zwischen Staat und Zivilgesellschaft
Das Auftreten von „Compacts“ als Vereinbarungen zwischen Staat und Zivilgesellschaft um die Jahrtausendwende bedeutet eine interessante Entwicklung. Mittlerweile sind es an die 15 Länder der EU, die ein solches Dokument erstellt haben oder es vorbereiten, ob „Compact“, „Memorandum of Understanding“, „Agreement“ oder „Charta“. Großes Vorbild: England, das seinen NGO-Compact in einer bisher unübertroffenen Detailliertheit ausgearbeitet hat.
Allen Vereinbarungen gemeinsam ist der Wunsch nach einer besseren, strukturierten und systematisierten Beziehung. Beide Parteien müssen dem Werk zustimmen und es unterzeichnen, es geht um grundlegende Prinzipien der Zusammenarbeit und Zusicherung der Unterstützung für die Zivilgesellschaft.
Siehe dazu auch die Stellungnahme der Person des Monats, Christiana Weidel (The World of NGOs).
Auf europäischer Ebene engagiert sich CEDAG, das Europäische Komitee für Vereine und freie Verbände, seit 1989 als Forum für mehr als 50.000 meist gemeinnützige Organisationen und insgesamt 9 Millionen Mitglieder. Es geht dabei um eine Anerkennung von Vereinen und gemeinnützigen Organisationen - die Akteure der zivilen Gesellschaft - durch die Institutionen der Europäischen Union, als PartnerInnen bei der Behandlung von sie betreffenden Fragen der Unionspolitik und deren Umsetzung.
Lesen Sie hier mehr im englischen Gastbeitrag von Valentina Abita (CEDAG).
3. Daten zum zivilgesellschaftlichen Engagement in Österreich
Das empirische Forschungsfeld Zivilgesellschaft ist noch relativ dünn untersucht, fundierte Studien zum zivilgesellschaftlichen Engagement gibt es wenige für Österreich. Das BMASK hat 2006 in einer Mikrozensus-Erhebung neun verschiedene Tätigkeitsfelder der Freiwilligenarbeit (jede ehrenamtliche, unentgeltliche Tätigkeit für Dritte) differenziert. Die Studie gibt eine kompakte Orientierung über Beteiligungsquoten, Motive für bzw. Argumente gegen ein freiwilliges Engagement und weitere Fakten zur Situation in Österreich (siehe auch 1. Bericht zum freiwilligen Engagement in Österreich).
ABBILDUNG 1: BETEILIGUNGSQUOTEN UND ANZAHL DER FREIWILLIGEN NACH BEREICHEN
Wie Abbildung 1 zeigt, engagiert sich etwa eine halbe Million ÖsterreicherInnen in Organisationen oder Vereinen, die dem Kulturbereich zuzurechnen sind. Im Sportbereich ist, gefolgt vom Bereich der Religion und der Katastrophenhilfsdienste, etwas weniger als eine halbe Million Freiwillige tätig. Im direkten Vergleich deutlich geringer ist die Zahl der (am ehesten zivilgesellschaftlich) Engagierten in den Bereichen Politik (242.178), Soziales (227.916), Umwelt (176.375) sowie Bildung (174.270). Der Bereich Gemeinwesen ist mit knapp 150.000 Freiwilligen das kleinste Tätigkeitsfeld. Dagegen engagieren sich im Bereich der informellen Freiwilligenarbeit knapp 1,9 Millionen ÖsterreicherInnen.
ABBILDUNG 2: MOTIVE FÜR FREIWILLIGES ENGAGEMENT
Aus Abbildung 2 wird sehr deutlich, dass kooperatives Verhalten („anderen helfen“) und soziale Beziehungen („Menschen treffen/Freunde gewinnen“) ganz vorne in den Begründungen bzw. Motiven für freiwilliges Engagement stehen. Erstaunlich wenig Bedeutung hat die gesellschaftliche Anerkennung: Hier gibt es großes Potenzial, zivilgesellschaftliches bzw. generell freiwilliges Engagement aufzuwerten.
ABBILDUNG 3: ARGUMENTE GEGEN FREIWILLIGES ENGAGEMENT
Wie in Abbildung 3 dargestellt, ist die Auslastung mit familiären Aufgaben das häufigste Hindernis, es wurde von 68,6 % der Befragten als zutreffend angegeben. Neben Doppel und Mehrfachbelastungen scheinen aber auch vergleichsweise leicht zu beeinflussende Faktoren freiwilliges Engagement zu verhindern. So geben 58,4 % der nicht freiwillig Engagierten an, niemals gefragt oder gebeten worden zu sein. 45,5 % stimmten zu, nie darüber nachgedacht zu haben, eine ehrenamtliche Tätigkeit zu beginnen. Daraus lässt sich zwar nicht automatisch der Schluss ziehen, dass all diese Personen durch persönliche Ansprache für eine freiwillige Tätigkeit zu motivieren sind, allerdings könnte dies Hinweis auf ein Potenzial an Freiwilligen geben, die durch Information, persönlichen Kontakt etc. aus dem eigenen Umfeld aktiviert werden könnten. (BMASK 2006, S. 8)
4. Grenzen zivilgesellschaftlichem Engagements
Neben all den Vorteilen und positiven Wirkungen zivilgesellschaftlichen Engagements sollen in diesem Kapitel noch die Grenzen angedeutet werden (ausführlich in Simsa 2001).
Eine fatale (liberale) Schlussfolgerung lautet, dass die „Engagierten von unten“ die „Aufgaben von oben“ übernehmen sollten und somit die „Kraft der Zivilgesellschaft“ zum Argument für den Rückzug des Wohlfahrtsstaates verwendet wird. Hier wird dem „Dritten Sektor“ eine Rolle zugewiesen, die sie nicht einhalten kann.
Da die Zivilgesellschaft kein homogener Apparat ist, sondern aus einer Vielzahl pluraler (auch konkurrierender), auf freiwilliger Basis gegründeter Organisationen besteht – kann sie nicht die Gesamtheit der Gesellschaft widerspiegeln. Sie kann daher kein Ersatz für fundierte Konzepte staatlicher Politik sein. Dafür hat sie auch keine demokratische Legitimierung: Eine mögliche Abhängigkeit von Geldgebern und Sponsoren ist mit zu bedenken, die Seriosität und Kongruenz der postulierten Werte können ebenfalls nicht generalisiert werden.
Ruth Simsa bringt die Schattenseiten des idealistischen „zivilgesellschaftlichen“ Engagements mit zwei Beispielen zum Ausdruck: Der Niedergang der Weimarer Republik wurde im Rahmen freiwilliger Vereinigungen vorbereitet, von Kriegervereinen über antisemitische Zirkel bis hin zur SA (Zimmer/Priller 1997). Auch gegenwärtig stützen sich fundamentalistische religiöse oder nationalistische Bewegungen in hohem Ausmaß auf zivilgesellschaftliche Organisationen und Vereinigungen (Keane 1998; Simsa, 2001, S.13).
Die Aufgabe von Politik und Verwaltung ist es daher Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der „dritte Sektor“ die Kraft der Vielen zugunsten einer pluralistisch-kooperativen Kultur und solidarischen nachhaltigen Gesellschaft entfalten kann. Sie soll die dafür notwendigen sozialen Prozesse im Sinne einer „Organisation von Selbstorganisation“ initiieren und unterstützen. Die zivilgesellschaftlichen Akteure tragen mit ihren kritischen Sichtweisen zu jenem "Mehr an Vielfalt" bei, das es braucht, um einen alternativen Weg jenseits des „business as usual“ zu ergründen.
5. Initiativen und Projekte zur Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements
5.1 ÖGUT-Umweltpreis
Die ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik) vergibt heuer zum 25. Mal den ÖGUT-Umweltpreis. Die Ausschreibung erfolgte in fünf Kategorien, unter anderem für Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement. Die Preisverleihung findet vor etwa 500 geladenen Gästen am 17. November 2010 in der Aula der Österreichischen Akademie der Wissenschaften statt. Näheres finden Sie hier.
5.2 Respekt.net: Investieren in die Zivilgesellschaft
Respekt.net ist eine Plattform für gesellschaftspolitisches Engagement der Zivilgesellschaft. Das Ziel ist es, Vorhaben zu fördern, mit denen BürgerInnen und Organisationen das private, wirtschaftliche und öffentliche Leben voranbringen.
Respekt.net verbindet gesellschaftlich relevante Ideen mit potenziellen UnterstützerInnen. Mit seiner Projektbörse macht Respekt.net sinnvolle Projekte schnell und einfach vielen Menschen zugänglich. So erhöht www.Respekt.net die Umsetzungschancen guter Ideen zur Verbesserung der Welt.
Mit seiner Projektbörse will www.Respekt.net vor allem Einzelpersonen und Gruppen helfen, ein lebendiges Forum für ihr Engagement zu finden. Lesen Sie dazu auch den Gastbeitrag von Andrea Hiller, Generalsekretärin von Respekt.net.
5.3 Bewegungsstiftung
Die „Bewegungsstiftung Österreich“ hat sich zum Ziel gesetzt, innovative Initiativen und Projekte sowie Personen (- "BewegungsarbeiterInnen") zu unterstützen, die gesellschaftlichen Wandel auslösen und sozialen wie ökologischen Mehrwert schaffen.
Die Bewegungsstiftung Österreich ist der Verein "Netzwerk für Bewegungsarbeit" und wird von den ehrenamtlichen InitiatorInnen, finanziellen UnterstützerInnen und KooperationsparterInnen getragen.
5.4 Vorarlberger Ehrenamts- und Freiwilligenversicherung
Mit der Einführung der Vorarlberger Ehrenamts- und Freiwilligenversicherung werden die Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement verbessert. Versichert sind alle Personen in Vorarlberg, die in rechtlich unselbstständigen Vereinigungen oder in Vereinen für das Gemeinwohl in Vorarlberg ehrenamtlich tätig sind. Weitere Informationen finden sich hier.
5.5 PROJEKT EUROPA 2010/2011
Mit dem Thema aktiv, kreativ, partizipativ – MitWirkung! bezieht sich der Kreativwettbewerb PROJEKT EUROPA 2010/11 auf das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit (2011). PROJEKT EUROPA bietet den Anreiz, sich aktiv, kreativ und partizipativ mit Fragen der MitWirkung zu beschäftigen: Ideen zum Thema entwickeln, gemeinsam aufbereiten und schöpferisch umsetzen.
- PROJEKT EUROPA wendet sich an alle Schularten und alle Schulstufen österreichweit.
- Einsendeschluss: Freitag, 18. März 2011
5.6 Lokale Agenda 21 – eine neue Dialogkultur
Die Lokale Agenda 21 (LA21) ist der Musteransatz, um auf lokaler und regionaler Ebene in enger Verbindung mit den Nachhaltigkeitsstrategien von Ländern, Bund und EU eine Nachhaltige Entwicklung umzusetzen.
Kreative Bürgerinnen und Bürger, Akteure aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung finden in einem offenen Beteiligungsprozess zusammen und widmen sich der zentralen Frage, wie die Lebensqualität in ihrem Lebensraum erhalten und ausgebaut werden kann, ohne dabei auf Kosten der Natur, auf Kosten der Wirtschaft und deren gewachsenen Strukturen oder auf Kosten der Gesellschaft handeln zu müssen. Oder es wird darüber nachgedacht und diskutiert wie gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Funktionen sich gegenseitig unterstützen können und welche Fehlentwicklungen es gibt, die uns den Zugang zu einer dauerhaften Lebensqualität versperren.
Ergebnis dieser Dialogkultur in Städten, Gemeinden und Regionen sind gemeinsam entwickelte Visionen, Leitziele und Maßnahmen zur Umsetzung der Ideen.
Hier finden Sie die offizielle Seite zur Lokalen Agenda 21 des Lebensministeriums für weitere und vertiefende Informationen. Den Gastkommentar zur Lokalen Agenda 21 in Österreich von Mag. Martina Schmalnauer-Giljum, LA21-Bundeskoordinatorin für das Lebensministerium, finden Sie hier.
Ende September/Anfang Oktober fand in Dornbirn, Vorarlberg, der 6. LA21-Gipfel statt. Titel der Tagung war „Vom Luxus des Wir – Nachhaltigkeit und Sozialkapital“. Hier können Sie sich Videomitschnitte ansehen, Präsentationsfolien und Broschüren herunterladen sowie eine ausführliche Dokumentation des Gipfels lesen.
5.7 BürgerInnen-Rat
Unter BürgerInnen-Rat versteht man ein Beteiligungsverfahren, das von Jim Rough (USA) entwickelt wurde und sich im englischen Original „Wisdom Council“ nennt. Es handelt sich dabei um eine einfache, kostengünstige und rasche Möglichkeit, Selbstorganisation und Eigenverantwortung in der Bevölkerung zu stärken.
Nach dem Zufallsprinzip werden zwölf bis fünfzehn Bürgerinnen und Bürger eines Ortes oder einer Region ausgewählt, die an eineinhalb Tagen miteinander arbeiten. Die Teilnehmenden des BürgerInnen-Rats werden dazu motiviert, Themen und Anliegen ihrer Wahl an diesen eineinhalb Tagen zu diskutieren. Aufgrund der auswahlbedingt vielfältigen Zusammensetzung der Gruppe geht es mit ziemlicher Sicherheit um Fragen, die viele Menschen in der Gemeinde bewegen. Zu diesen Themen diskutiert dann der BürgerInnen-Rat Thesen, Sichtweisen, Lösungsideen und Empfehlungen.
Details zum BürgerInnen-Rat
5.8 Das Jahr 2011 wird Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit
In der Europäischen Union üben zahlreiche Menschen während ihrer Freizeit ein Ehrenamt aus. Sie arbeiten unentgeltlich in Schulen, Krankenhäusern oder Sportclubs oder setzen ihre Arbeitskraft als Naturschützer oder Helfer in Entwicklungsländern ein. Daher schlug die Europäische Kommission vor, 2011 zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit zu erklären. Mit dieser Initiative erhalten die Mitgliedstaaten, lokalen und regionalen Behörden sowie die Zivilgesellschaft Unterstützung bei der Umsetzung folgender Ziele:
1. Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für Freiwilligentätigkeiten in der EU
2. Stärkung der Freiwilligenorganisationen und Verbesserung der Qualität von Freiwilligentätigkeiten
3. Honorierung und Anerkennung von Freiwilligentätigkeiten und
4. Sensibilisierung für den Wert und die Bedeutung von Freiwilligentätigkeit
Für die Dauer des gesamten Jahres 2011 sind in allen EU-Ländern vermehrt Veranstaltungen, Veröffentlichungen, Studien und Debatten zum Thema vorgesehen.
Nähere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Auch der Gastkommentar von Dr. Erika Winkler, der Nationalen Koordinatorin zum EJF 2011 im Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, befasst sich eingehend mit dem Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit.
5.9 Alternativenforen und Transition Town
Die Alternativenforen entstanden im Kontext des zivilgesellschaftlichen Zusammenschlusses von Attac Österreich, Global 2000, Greenpeace, SOS Mitmensch, Armutskonferenz, KAB, vida, PRO-GE, GdG und ÖH in der Allianz "Wege aus der Krise". Im Rahmen eines Alternativenforums können sich unterschiedlichste AkteurInnen vernetzen und lokale Initiativen und Projekte für eine nachhaltige Entwicklung starten.
Inspirationsquelle für die Entwicklung der Alternativenforen-Idee war das Modell der Transition Town Bewegung, die in England 2005 gestartet wurde. Bei Transition Twon geht es darum, einen guten Übergang vom Erdöl-Zeitalter auf ein Zeitalter ohne Erdöl zu schaffen und Resilienz (Krisenfestigkeit) zu entwickeln. Über die in Österreich gegründete Vernetzungsplattform Transition Austria & Alternativenforen können sich engagierte Menschen und Gruppen über alternative, zukunftsfähige Lösungsansätze austauschen, aktiv werden und voneinander lernen.
Am 27.-28. November findet in Kooperation mit den Alternativenforen ein Transition Town Training in Wien statt. Details und weitere Events finden Sie hier.
Einen näher erläuternden Gastkommentar zu Alternativenforen und TransitionTowns geben Edina Camus und Franz Nahrada.
5.10 Initiative Zivilgesellschaft
In der Initiative Zivilgesellschaft schließen sich österreichweit Organisationen, Projekte und Akteure der Zivilgesellschaft zusammen, die einen gesamtgesellschaftlichen Wandel für notwendig halten. Sie tun dies in der Absicht, gemeinsam eine wirksame gesellschaftliche Kraft zu bilden, um aktiv den notwendigen Wandel vorzubereiten und mitzugestalten.
Die spezielle Struktur und Arbeitsmethode der Initiative Zivilgesellschaft soll immer mehr gemeinsames Handeln ermöglichen und koordinieren. Dabei aber die Autonomie der einzelnen Mitgliedsorganisationen und ihrer Aktivitäten bewahren. Aus dem zivilgesellschaftlichen Pluralismus heraus soll - nach dem Prinzip "Einheit in der Vielfalt" - nach und nach eine neue Form der Gemeinsamkeit erwachsen.
Aktuelle Veranstaltung:
8. Konferenz Zivilgesellschaft
Wandel - global und lokal
19. - 21. November 2010
Schloss Zell an der Pram (OÖ)
Details
Einen Gastkommentar von Wolfgang Pekny, Mitbegründer und Obmann der Initiative Zivilgesellschaft, finden Sie hier.
5.11 Österreichs Portal für freiwilliges Engagement
Österreichs Portal für freiwilliges Engagement freiwilligenweb.at gibt einen Überblick für Interessierte und Freiwillige: Projekte zum Mitmachen, Informationen über Organisationen oder persönliche Informationen im Freiwilligenzentrum.
5.12 aktivwerden.at - Infos und Beteiligungsangeboten für Jugendliche
* Was heißt es, sich für eine bessere Welt zu engagieren?
* Welche Möglichkeiten gibt es für Jugendliche?
* Wie können Jugendliche in NGOs/NPOs aktiv werden?
* Welche Zugänge haben Jugendliche zu NGOs/NPOs?
* Welche Möglichkeiten der Mitwirkung, aber auch der Mitbestimmung bieten sich für sie?
* Wie finden NGOs/NPOs und Jugendliche zueinander?
Die Website www.aktivwerden.at bietet Jugendlichen die Möglichkeit mehr über jugendgerechte Engagementmöglichkeiten in allen auf der Website registrierten Organisationen (NGO-Liste) zu erfahren. Entstanden ist das Internetportal im Rahmen des Workshops „Welchen Platz haben Jugendliche in NGOs/NPOs?“ des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung in Kooperation mit der Demokratie-Initiative „Entscheidend bist DU!“ der Bundesregierung.
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Literaturhinweise:
Adloff, Frank (2005): Zivilgesellschaft. Theorie und politische Praxis. Campus Verlag. Frankfurt/Main.
BMASK (2006): 1. Bericht zum freiwilligen Engagement in Österreich
Brix, Emil (Hg.) (1998): Civil Society in Österreich. Reihe Civil Society der Österreichischen Forschungsgemeinschaft. Passagen Verlag, Wien.
Muehlmann, Pamela (2010): Zivilgesellschaftliches Engagement in der Landwirtschaft - Das Modell freiwilliger Arbeit in der Landschaftspflege. Dissertation, Universität für Bodenkultur, Wien.
Roth, Roland (2000): Bürgerschaftliches Engagement - Formen, Bedingungen, Perspektiven. In A. Zimmermann and S. Nährlich: Engagierte Bürgerschaft. Traditionen und Perspektiven. 25-48, Leske und Budrich, Opladen.
Simsa, Ruth (2001): Die Zivilgesellschaft als Hoffnungsträger zur Lösung gesellschaftlicher Probleme? Zwischen Demokratisierung und Instrumentalisierung gesellschaftlichen Engagements in: Institut für Sozialpädagogik (Hg.):Europäische Integration als Herausforderung: Rolle und Reform der sozialen Dienste in Deutschland. Frankfurt.
Weidel, Christiana (2007): The impact of agreements between the state and organisations of civil society in: E. Brix, J. Nautz, R. Trattnigg, W. Wutscher (Hg.): State and Civil Society, Passagen Verlag. Wien.
Weidel, Christiana (2008): Zivilgesellschaft in Europa – Zivilgesellschaft in Österreich. Gestaltet und gedruckt in Ungarn.
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Dieses Monatsthema wurde von Maria Riegler (SERI) und Christian Lechner (SERI) erstellt.
Weitere Informationen:
"Person des Monats" ist Christiana Weidel, Vorsitzende der österreichischen Informations- und Vernetzungsplattform The World of NGOs www.ngo.at - hier kommen Sie zur ihrem Beitrag.
Gastkommentare und Statements zu diesem Monatsthema können Sie hier lesen.
15.11.2010, nachhaltigkeit.at





