Interview: Erwin Dirnberger zum Zeit-Hilfs-Netz Steiermark und ähnliche Initiativen
Das „Miteinander“ in den Gemeinden zu stärken und die Lebensqualität vor Ort zu heben, darin liegt für Erwin Dirnberger, Landtagsabgeordneter und Präsident des Steiermärkischen Gemeindebundes, der wesentliche Beitrag, den Zeit- und Hilfsbörsen in einer schnelllebigen und alternden Gesellschaft wie der unseren leisten können. Lesen Sie mehr im folgenden Interview.
Zum Hintergrund: In vielen Ländern, zB. in Kanada, England, Japan und in den USA sind Zeittauschsysteme für organisierte Nachbarschaftshilfe - hierzulande auch als Zeit- und Hilfsbörsen oder Talente-Tauschringe bekannt, weit verbreitet und gut bewährt. Auch in verschiedenen österreichischen Regionen, so etwa in Vorarlberg und in Oberösterreich, sind in den letzten Jahren derartige Netzwerke entstanden und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. In der Steiermark wird derzeit ebenfalls an der Errichtung und Verankerung von lokalen und regionalen Zeit- und Hilfsbörsen gearbeitet.
Herr LTAbg. Dirnberger, der Steiermärkische Gemeindebund fungiert als Partner der Initiative „Zeit-Hilfs-Netz Steiermark“, die Teil des aktuellen Arbeitsprogrammes zur Österreichischen Strategie Nachhaltige Entwicklung (ÖSTRAT) ist und hauptverantwortlich vom Land Steiermark getragen wird. Als Präsident des Steiermärkischen Gemeindebundes und Sprecher für Gemeinden im Landtag wissen Sie bestens Bescheid um die Anliegen, Bedürfnisse und Nöte der steirischen Gemeinden.
Welche gesellschaftliche Bedeutung hat für Sie die Idee der Zeit- und Hilfsbörsen?
Die Modelle der Zeit- und Hilfsbörsen können ein wichtiges Instrument sein, um die demografischen Herausforderungen der Zukunft zu erleichtern und das Miteinander in den Gemeinden zu stärken. Einerseits wird die Vernetzung der älteren Bevölkerung untereinander vermehrt erforderlich sein, andererseits muss die Generationenvernetzung verbessert werden. Im „Miteinander“ gehen mancher Orts viele Dinge zunehmend verloren und gerade in einer alternden Gesellschaftsstruktur sollte die Befähigung dazu gestärkt und die Wachsamkeit der Gesellschaft gehoben werden.
Warum engagiert sich der Stmk. Gemeindebund für das "Zeit-Hilfs-Netz Steiermark"? In welcher Weise können Gemeinden und Regionen von solchen Einrichtungen profitieren? Welche Effekte erhoffen/erwarten Sie sich von dieser Initiative?
Ziel muss es sein, die Menschen möglichst lange in vertrauter Umgebung zu halten und damit einerseits das Sozialsystem zu entlasten, aber wichtiger noch die Lebensqualität in den Gemeinden zu stützen. Die Initiative der Nachbarschaftshilfe, der Ehrenamtlichkeit ist eine zusätzliche Säule zu den bestehenden Sozialsystemen und dringend notwendig.
Was braucht es ihrer Meinung nach, damit freiwilliges nachbarschaftliches Engagement wirkungsvoll und dauerhaft gestärkt wird und mit welchen Hemmnissen bzw. Schwierigkeiten ist bei der praktischen Umsetzung vor Ort zu rechnen?
Gott sei Dank gibt es dieses freiwillige nachbarschaftliche Engagement noch, aber es nimmt zunehmend ab. Das gegenseitige Vertrauen muss wieder gestärkt werden und eine verstärkte Werteorientierung ist in unserer Gesellschaft notwendig, im ländlichen aber vor allem auch im urbanen Raum - nicht alles was einen Wert hat, muss einen Preis haben.
Schwierig ist bei solchen Initiativen die rechtliche Seite, die dringend einer Klärung zugeführt werden sollte. Als Partner des Projekts „Zeit-Hilfs-Netz Steiermark“ werden wir uns als Gemeindebund dafür einsetzen.
Welche Unterstützung bietet das Land Steiermark interessierten Gemeinden bzw. potentiellen Trägerorganisationen für den Aufbau und den laufenden Betrieb einer lokalen Zeit- und Hilfsbörse?
Über die Beteiligungsprozesse der Lokalen Agenda 21 und die Vorort-Organisation der Landentwicklung Steiermark ist für eine gute Projektumsetzung gesorgt. Mit dem Verein Lichtblick und den beiden Landesträgerorganisationen ist von der Versicherung über ein umfangreiches Informationsnetzwerk, bis hin zu Weiterbildungsangeboten ein breites Unterstützungsangebot aufgestellt.
Danke für das Gespräch!
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Dieses Interview für nachhaltigkeit.at entstand im Mai 2012; die Fragen stellte Dr.in Elfriede Danner (Lebensministerium, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik).
Zum Interviewpartner:
Erwin Dirnberger ist Präsident des steiermärkischen Gemeindebundes und Abgeordneter der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) zum Steiermärkischen Landtag. Dirnberger ist verheiratet, Vater von drei Kindern, Nebenerwerbslandwirt und lebt in der steirischen Gemeinde St. Johann-Köppling.
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Weitere Hinweise:
Der Aufbau eines steirischen Modells für Zeit- und Hilfsbörsen (Zeit-Hilfs-Netz Steiermark) ist eine der Initiativen zum Themenfeld „Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Sozialkapital“ des Arbeitsprogramms 2011ff zur Österreichischen Strategie Nachhaltige Entwicklung (ÖSTRAT).
OwnerIn, also verantwortliche Institution für diese ÖSTRAT- Initiative, ist das Land Steiermark. PartnerInnen der Initiative sind der Steiermärkische Gemeindebund sowie die Bundesländer Vorarlberg und Oberösterreich.
Lesen Sie auch den Artikel zum „Zeit-Hilfs-Netz“ Steiermark von Gudrun Gruber (Landentwicklung Steiermark). Interessante Informationen bietet auch dieses ExpertInnen-Gespräch.
31.05.2012, nachhaltigkeit.at


