Prozess des Monats 03/2016: Innsbrucker Stadtteilprozess Mühlau

BürgerInnenbeteiligung wird in Innsbruck groß geschrieben. Aktuell laufen mehrere Prozesse gleichzeitig – einer davon wurde kürzlich in Mühlau abgeschlossen.

 

 

Der Stadtteil Mühlau liegt am Hang der Nordkette, nördlich des Inns und hat knapp über 2.500 EinwohnerInnen (Stand: 01.01.2016). Rund13 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre, ca. 17 Prozent älter als 65 (Stand April 2014).

Mühlau ist ein Stadtteil, der die vergangenen Jahre eine starke Veränderung durchlebt hat – Zuzug, Neubauten und Verdichtung haben das soziale Gefüge des Stadtteils verändert und geprägt.

Ziel des Beteiligungsprozesses war es, die BewohnerInnen, Vereine und Organisationen vor Ort als ExpertInnen ihres Umfeldes ernst zu nehmen, Lösungsideen mit ihnen zu entwickeln und sie dazu zu animieren, selbst aktiv zu werden.

Im Vorfeld der vorliegenden Ausschreibung wurde von einer Initiativgruppe aus Mühlau in Zusammenarbeit mit der Stadt Innsbruck eine Erhebung durchgeführt.

Von Beginn an war die enge Abstimmung zwischen der ProzessbegleiterInnen, der Auftraggeberin (Stadt Innsbruck), der Verwaltung der Stadt und der Steuerungsgruppe sehr wichtig, um den Prozessverlauf zu reflektieren und die daraus gewonnenen Erfahrungen als Gewinn und für die Weiterentwicklung zu nutzen.

Mühlau hat das große Privileg eine Struktur vor Ort zu haben – die Dorfwerkstatt. Sie ist ein Verein, der Agenden der Kommunikation und des Netzwerkes übernimmt. Im Rahmen des Prozesses wurde die Arbeitsplattform Mühlau entwickelt. Dort sind alle Vereine, die Dorfwerkstatt und alle VertreterInnen der Projektgruppen miteinander vernetzt.

Ein wichtiger Punkt im Prozess war die Reflexion und Verdichtung von Ideen sowie eine Konsensbildung für Lösungen. Bestehende Ideen und Lösungsansätze wurden reflektiert, eingegrenzt und verdichtet, sodass mit Ende des Stadtteilprozesses wertvolle Grundlagen für Entscheidungsfindungen und Beschlussfassungen zur Kommunikation mit der Stadt Innsbruck zur Verfügung stehen.

Die breite Einbindung der Menschen im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsverfahrens und unter Berücksichtigung der Kriterien des Landes Tirol für Agenda 21 Prozesse und die professionelle Anwendung des methodischen Instrumentariums für Beteiligungsverfahren tragen dazu bei, in möglichst vielen Fragen Konsens zu erzielen.

Rückblickend kann festgestellt werden, dass der Fokus auf diese Verknüpfung und die Kommunikation mit der Auftraggeberin, der Verwaltung und der Steuerungsgruppe von Beginn an, ein wesentlicher Faktor für das Gelingen des Prozesses darstellt hat.

Prozessverlauf der LA 21 in Mühlau

Start war im Juni 2015 mit einem BürgerInnenrat. Knapp dreißig Personen, die nach Zufallsprinzip aus dem Melderegister ausgewählt wurden, nahmen an eineinhalb Tagen teil und entwickelten gemeinsam Lösungen und Ideen. Ihr Wissen als AlltagsexpertInnen war gefragt. Im Zuge der ersten Stadtteilkonferenz im Juli wurden die Ergebnisse der breiten Öffentlichkeit präsentiert und die Menschen zur Mitarbeit in Resonanzgruppen eingeladen.

Nach der Sommerpause fanden die Resonanzgruppen zu den Themen „Infrastruktur“, „Verkehr“ und „Netzwerk“ statt und verdichteten die Anliegen und Ideen. Durch die Konkretisierung bildeten sich zu klaren Projektideen Gruppen mit Verantwortlichen, Teams, Zielen, Anliegen, Überlegungen und Kontakte zur Stadtverwaltung heraus.

Die zweite Stadtteilkonferenz im Dezember 2015 informierte die MühlauerInnen über die Weiterentwicklung der Ideen und lud zur fortwährenden Mitarbeit ein.

Die abschließende Projektwerkstatt im Februar 2016 verdichtete die Projektideen erneut. Aktuell wird in Mühlau in fünf Projektgruppen gearbeitet – „Kommunikation“, „bauliche Infrastruktur“, „grüner Lebensraum“, „Verkehr und Raumordnung“ und „Netzwerk Mühlau“.

Ideenplattform

Begleitend zum und im Prozess entstand eine Website, die als Kommunikationsmedium genutzt wird: http://muehlau.gemeinde21.org/

Lesson learned

  • Strukturen vor Ort sind wichtig und tragen zu einer Weiterentwicklung des Prozesses nach dessen Abschluss (wenn die Prozessbegleiter nicht mehr da sind) maßgeblich bei.
  • Beteiligung braucht Struktur, Klarheit, Anbindung und Zeit.
  • Wenn das Ende von Beginn an ins Auge gefasst wird, richtet sich das Handeln aller Beteiligten danach.

Ausblick

Die Projektideen sind mittlerweile soweit gediehen, dass jeweils ein Team von BürgerInnen für und mit diesen Vorschlägen in die Kommunikation mit der Verwaltung der Stadt Innsbruck treten kann und wird. Von Verwaltungsseite wird dieser Dialog unterstützt.

Ansprechpersonen

Redaktion: Ulrike Amann, Georg Mahnke

02.03.2016