Prozess des Monats 07/2017: Innsbrucker Stadtteilprozess Vill

Der Stadtteil Vill hat 2016 ein Leitbild zur Lokalen Agenda 21 veröffentlicht und widmet sich vor allem der Ortsentwicklung. Ein Thema beschäftigt Vill besonders und es ist nicht allein damit, wenn es um ehemalige dörfliche Strukturen geht – der Leerstand. Wie dieser besonders genutzt werden kann zeigt die „Traube“, eine ehemaliges Gasthaus, das nun zum Mittelpunkt im Ort wurde.

Vill ist ein Dorf, das 1942 zu einem Stadtteil der Landeshauptstadt Innsbruck eingemeindet wurde. Heute zählt Vill 541 Einwohner mit Hauptwohnsitz und 58 Personen mit Nebenwohnsitz. Der Ort liegt südlich vom Innsbrucker Zentrum, am Abhang einer Mittelgebirgsterrasse des Patscherkofels, auf rund 820m Höhe. Vill bietet heute noch ein dörfliches Erscheinungsbild mit etlichen Bauernhöfen und ist Naherholungsort für viele Innsbruckerinnen und Innsbrucker.

Ansprechpersonen

Mag.a Christine Oppitz-Plörer, Bürgermeisterin von Innsbruck

Dr. Max Profanter, Vorsitz des Stadtteilausschusses von Vill

DI Diana Ortner, LA 21-Leitstelle, Dorferneuerung Tirol

Prozessbegleitung

Stadt:Labor – Architekten, Martin Mutschlechner, Alexa Baumgartner

 

Prozessverlauf der LA 21 in Vill

Seit Mitte März 2015 wird der Innsbrucker Stadtteil Vill von den Stadt:Labor – Architekten begleitet. Stadtteilausschuss wie auch Bürgerinnen und Bürger werden dabei unterstützt, ihre Ideen und Visionen für den Ort umzusetzen. Bei einem Leitbildprozess wurde in enger Abstimmung mit den Bürgerinnen und Bürgern, politischen Vertreterinnen und Vertretern und der Prozessbegleitung an der Erstellung einer Vision für Vill gearbeitet. Ziel des Projektes war es, eine Strategie für die zukünftige räumliche, soziokulturelle, ökonomische und ökologische Entwicklung des Ortes zu finden.

Das Leitbild wurde 2016 öffentlich präsentiert und beinhaltet klare Zielsetzungen, einen Zeitplan, sowie einen Maßnahmenkatalog für die Ortsentwicklung von Vill. Die Ausarbeitung des Leitbildes erfolgte auf mehreren Ebenen unter Einbeziehung aller Interessierten. Die Prozessbegleitung übernahm Moderation und Kommunikation unter allen eingebundenen Personen.

Von Beginn an war der Prozess erfolgreich, hatte der der Stadtteilausschuss von Vill bereits viel Vorarbeit hinsichtlich einer zukünftigen Entwicklung des Ortes geleistet. Bei verschiedenen Workshops, Interviews, einer Zukunftskonferenz sowie fachlichen Inputs wurden folgende vier Themenschwerpunkte diskutiert: „Verkehr und Mobilität“, „Leben und Kultur“, „Landwirtschaft und Gewerbe“ sowie „Wohnen und Bauen“. Diese Themen wie auch das Leitbild sind in einer Broschüre  nachzulesen.

Im Jahr 2016 wurde der Leitbildprozess zudem als LA 21-Prozess zertifiziert. Anhand der damit zur Verfügung gestellten finanziellen Förderung durch das Land Tirol war es möglich, eine Maßnahme aus dem Leitbildkatalog für Vill zu realisieren. Ein wesentlicher Eckpfeiler des Leitbildes ist die zentrale Bedeutung des ehemaligen „Gasthofes Traube“ und des Dorfplatzes von Vill für den dörflichen Lebensraum. In Abstimmung mit dem Stadtteilausschuss von Vill wurde ein Kreativwettbewerb für die temporäre Nutzung der „Traube" und des davorliegenden Dorfplatzes ausgerufen, um ein mögliches Potenzial für dem Ort daraus abzuleiten.

Der Stadtteilausschuss von Vill durfte sich über 15 eingereichte Projekte freuen. Eine Fachjury wählte aus diesen drei Projekte aus. Drei weitere Projekte lokaler Unterstützerinnen wurden mit einer besonderen Er­wähnung ausgezeichnet.

Von April bis September 2017 wird die „Traube“ nun mit der Unterstützung der Preisträgerinnen und Preisträger zum Austragungsort unterschiedlichster Veranstaltungen und Aktivitäten.  Diese reichen von kulturellen und kulinarischen Veranstaltungen, Informationsabenden, Do-It-Yourself Workshops wie Bierbrauen oder Upcycling bis hin zu einem Stammtisch am Dorfplatz, Märchennachmittagen und Volkstanzkursen. Die „Traube“ ist heute mehr als ein gewöhnliches Vereinshaus oder Gasthaus, sie ist zum Begegnungsort für städtisches und dörfliches Leben geworden.

Weitere Informationen zur „Traube“.

 

Projekte und Aktionen

04/2015 bis 01/2016:
Workshops in den Arbeitsgruppen für das Leitbild von Vill zu den Themen „Verkehr und Mobilität“, „Leben und Kultur“, „Landwirtschaft und Gewerbe“ sowie „Wohnen und Bauen“

09/2015:
Zukunftskonferenz „Übermorgen bei uns in Vill“

Seit 10/2015:
Vill auf Facebook: www.facebook.com/VillbeiInnsbruck/

11/2015:
Vorträge von Brigitte Hartwig (Expertin für Informationsdesign und Markenentwicklung, Dessau) und Björn Rasmus (Geschäftsführer der Genossenschaft Bioalpin, Innsbruck)

12/2015:
Kinderworkshop „Schriftzug für Vill“

01/2016:
Diskussion zu relevanten Themen des Leitbildprozesses zwischen dem Stadtteilausschuss von Vill und relevanten politischen Vertreterinnen und Vertretern der Innsbrucker Stadtgemeinde

04/2016
Abschlussfest und Präsentation des Leitbilds von Vill

01/2017:
Scheckübergabe bei der LA 21-Zertifizierung und Start des Kreativwettbewerbs für die „Traube“ und den Dorfplatz von Vill

Seit 04/2017:
Veranstaltungen innerhalb des Kreativwettbewerbs Traube – Vill

 

Ausblick

Die laufenden Veranstaltungen innerhalb des Kreativwettbewerbs in Vill werden als „Experiment“ gesehen und sollen Aufschluss darüber bringen, ob ein alternatives Veranstaltungszentrum am Standort Vill auch in Zukunft bestehen soll. Darauf bauend können Verhandlungsgespräche zwischen der Besitzerfamilie, der Stadtgemeinde Innsbruck und relevanten Beteiligten mit Jahresende gestartet werden.

Gleichzeitig gibt es ausgehend von der „Traube“ eine Veranstaltungsreihe zu den Themen Leerstand und Management dessen – zu zentralen Fragen, die viele Dörfer und kleine Ortschaften beschäftigen: Wie können Dorfkerne reaktiviert werden? Wie kann fehlende Infrastruktur, wie ein Gasthaus oder ein Nahversorger kompensiert werden? Wie kann man sich ein Dorfgasthaus 2.0 vorstellen? Der Kreativwettbewerb rund um die „Traube“ und den Dorfplatz von Vill zeigen Möglichkeiten zur Wiederbelebung eines Ortskernes auf.

 

Redaktion und Rückfragen

Alexa Baumgartner, Architektin

Stadt : Labor – Architekten
T +43 512 290505
alexa.baumgartner@stadtlabor-architekten.com

 

06.07.2017