Prozess des Monats 09/2017: Gemeinde Mischendorf

Die burgenländische Gemeinde ist seit dem Winter 2016 aktiv mit ihrer Agenda 21. Im Zukunftsprofil 2027 gilt der vorrangige Wunsch, das Wohlfühlen im Ort zu erhalten und auszubauen, dabei geht es um Möglichkeiten für Jugendliche genauso wie um die wirtschaftliche Situation.

Mischendorf ist eine Gemeinde mit 1.631 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) im Burgenland im Bezirk Oberwart in Österreich.

Die Großgemeinde Mischendorf ist im Bezirk Oberwart im unteren Teichbach-Tal auf einer Seehöhe von 265m gelegen. Von dort aus erstreckt sich das Tal flach nach Osten und geht in das Pinka- und Zickental über.

Mischendorf ist als Straßendorf mit unregelmäßiger Angerbildung angelegt. Die Gemeinde ist im Teichbachtal zu einem Mittelpunkt auf kirchlichem und verwaltungstechnischem Gebiet geworden. Wie in vielen anderen Landgemeinden auch, zogen immer mehr Einwohner und Einwohnerinnen im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte in die Städte, wodurch die Bevölkerungszahl der Großgemeinde stagniert.

Das Gemeindegebiet umfasst folgende sechs Ortsteile (in Klammern die EW-Zahl, Stand 1. Jänner 2015)

 

Ansprechpersonen

Prozessbegleitung: Zeus Consulting, Mag. Dr. Christoph Mezgolits, CMC, Goldbergweg 17, A-7035 Steinbrunn/Burgenland, www.zeus-consulting.at

LA21-Leitstelle im Bundesland: Hofrat DI Wallner – Referat Dorfentwicklung

Kernteam der Gemeinde Mischendorf

Arbeitsgruppe Positionierung, Bevölkerungsentwicklung, Bauplätze
DI Krumpl-Rogatsch Andreas, Vizebgm. Schendl Brigitte

Arbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit
Bgm. Ing. Csebits Csebits, Kantauer Thomas

Arbeitsgruppe Kinder und Jugend
Schendl Alexandra, Gratzl Andreas

Arbeitsgruppe Pensionisten und Senioren
Artwohl Petra, Kopfer Karina

Arbeitsgruppe Ortsbild und Infrastruktur
Schendl Wilfried, Horvath Ernst

Arbeitsgruppe Natur, Energie und Umwelt
Sulyok Erich, Schuch Josef

 

Prozessverlauf der LA 21 in Mischendorf

Der Prozess in Mischendorf begann im Frühjahr 2016 mit der Bildung des Kernteams und einer IST-Analyse. Danach wurden gemeinsam mit dem Kernteam  die Stärken und Chancen der Gemeinde ausgearbeitet und Arbeitsschwerpunkte für den Zukunftsprozess definiert. Nach einer Ideensammlung gemeinsam mit der Ortsbevölkerung wurde in mehreren Arbeitsgruppensitzungen von BürgerInnen Visionen, Ziele und kurz-, mittel- und langfristige Projektmaßnahmen ausgearbeitet. Zuletzt wurde das Leitbild vom Kernteam zusammengefasst und soll demnächst nach Beschluss durch den Gemeinderat in einer BürgerInnenversammlung präsentiert werden.

Zukunftsprofil 2027 - Gesamtvision

„Mischendorf 2027 – da fühl` ich mich wohl!“

Die Gemeinde Mischendorf hat 2027 für ein positives Wirtschaftsklima gesorgt und daherdie ansässigen Wirtschafts- und Gewerbebetriebe gestärkt. Es wurden Anreize für neue Arbeitsplätze geschaffen, bestmögliche Arbeitsbedingungen für Heimarbeit ermöglicht,die Ansiedlung von Kleinst-, Klein- und Mittelbetrieben gefördert und die Nahversorgung der Bevölkerung unterstützt.

2027 hat die Gemeinde Mischendorf die vorhandene Qualität der Kinderbetreuung erhöht und zusätzliche Angebote für die Kleinkinder, Kindergartenkinder und Volksschüler geschaffen.

Für die Jugendlichen ist ebenfalls ein attraktives Angebot geschaffen worden, um die Jugend verstärkt ins Dorfleben zu integrieren und damit eventuell fester ans Dorf zu binden und ins Dorfleben zu integrieren.

Das Dorfleben ist durch Angebote für Menschen aller Altersstufen interessanter gestaltet und das Zusammengehörigkeitsgefühl verstärkt.

2027 ist Mischendorf eine ansprechend gestaltete Gemeinde mit einem vorbildlichen Ortsbild. Neu gepflanzte Bäume und viele gepflegte Blumen schaffen gemeinsam mit gepflegten Grünräumen ein schönes Ortsbild. Die verkehrsberuhigte Zone (30km/h) im Zentrum ist ausgeweitet, Wohnstraßen sind gekennzeichnet und am jeweiligen Ortsende sind Verkehrsinseln situiert.

Die Ortsbeleuchtung ist erneuert und entspricht auch in der Lichtwirkung und im Energieverbrauch modernen Maßstäben. Solarstrom wird in gemeinsam errichteten Anlagen erzeugt und genutzt.

Die Leichenhalle entspricht den Notwendigkeiten. Bauhof und Feuerwehr sind ausgelagert, was die Lebensqualität in der Gemeinde ebenfalls verbessert.

Ein gemeinsames zentrales Projekt für Feuerwehr, Bauhof bzw. Mehrzweckhalle ist umgesetzt.

Die Gemeinde hat Hausplätze angekauft und entsprechend gewidmet.

2027 ist Mischendorf eine Gemeinde mit vielen Bewegungsmöglichkeiten für Radfahrer und Wanderer. Die dafür notwendigen Wege sind in gutem Zustand und jederzeit nutzbar.

Die Ortsbevölkerung und besonders Kinder und Jugendliche haben wieder einen verbesserten Bezug zur Erzeugung und Nutzung von gärtnerischen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen.

Projekte und Aktionen

Folgende Umsetzungsprojekte sind geplant:

Firmenneuansiedelungen fördern

  • Fördersystem „Kommunalsteuerbegünstigung“ entwickeln
  • nur für Neugründungen im Gemeindegebiet gewähren
  • zeitliche Begrenzung der Förderung festlegen
  • Achtung bei Firmenschließungen und Wiedereröffnungen unter anderem Namen
  • Grundstücke für Neuansiedlungen erschließen


Lehrlingsausbildung fördern

  • Fördersystem für „Lehrlinge“ entwickeln
  • nur für ortsansässige Firmen anbieten
  • nur für Lehrlinge aus dem Gemeindegebiet auszahlen
  • Förderungsanspruch mit Zeugnis nachweisen
  • eventuell Prämien bei ausgezeichnetem Lehrabschluss

Gewerbeschecks

  • Firmen für das Projekt gewinnen, Anreize für die Firmen schaffen
  • Argumente für einen gemeinsamen Scheck finden
  • Einwegschecks oder wiederverwendbare Formulare prüfen
  • Sponsoren für den Druck auftreiben
  • Verkaufsstellen nicht nur bei der Gemeinde anbieten
  • Tafel bereitstellen für die Firmen, die den Scheck akzeptieren

Unternehmerstammtisch

  • Termin fixieren
  • Einladung mit einer allgemeinen Erklärung über die Sinnhaftigkeit des Projekts formulieren
  • Auftakt macht die Gemeinde, danach sollten sich die Unternehmer selbst organisieren
  • erster Termin neutral, dann eventuell Gasthaus
  • Getränke werden von der Gemeinde gesponsert

Büroräume für Home-Office-Tätigkeiten

  • Gemeinde stellt Büro zum Vermieten zur Verfügung
  • Breitbandinternet
  • Telefon
  • Drucker (Leasing und Wartung durch Gemeinde) oder durch Mieter selbst
  • Besprechungsraum
  • Lager, Archiv

Breitbandinternet für Heimarbeitsplätze

  • Förderung der Gemeinde für neue Häuser
  • Verhandlungen mit Telekom oder anderen Anbietern zum Netzausbau
  • Breitbandmilliarde im Land ansprechen

Vermittlungshilfe für „kleine“ Dienstleistungen

  • Tauschbörse im Internet einrichten
  • „Schwarzes Brett“ als zusätzliche Plattform

Nahversorgung verbessern

  • Shuttledienst zum Einkaufen
  • Botendienst zum Liefern
  • Taxigutscheine (Jugend und 60+) bereits vorhanden
  • Gemeindebus (bei anderen Gemeinden erkundigen)
  • eventuell private Anbieter oder andere Gemeinden einbinden

Einheimische für von der Gemeinde outsourcte Arbeiten

  • Landschaftspflege, Winderdienst, Reinigungsdienste, etc.
  • ortsanteilige Vergabe zur emotionalen Motivation
  • Wie soll die Bezahlung erfolgen? Sozialabgaben? Steuer? Gewerbe?

gemeinsames Fest aller Jugendlichen

Um den Zusammenhalt der Jugendlichen aus den verschiedenen Ortsteilen zu fördern, soll ein gemeinsames Fest aller Jugendlichen der Großgemeinde organisiert werden. Die betreffenden Jugendlichen kennen sich zumeist aus der gemeinsamen Zeit in Kindergarten und Volksschule. Bevor sie ein „mobiles“ Alter erreichen und sich somit ihre sozialen Kontakte selbst gestalten können, soll die Möglichkeit des verstärkten Kontaktes im Rahmen von einfachen Treffen und Festen geboten werden. Der logistische Aufwand ist nicht sehr hoch, es genügen eine oder mehrere Personen, die die Organisation durchführen.

Spielplatz

Für die kleineren Kinder soll auf dem Gelände vor dem Gemeindeamt ein Spielplatz errichtet werden. Durch die zentrale Lage bei Volksschule und Kindergarten ist eine Nutzung durch diese Kindergruppen möglich. Es muss nur eine geeignete Absicherung des Spielplatzes zur Straße errichtet werden. Ein weiterer Vorteil des Vorhabens stellt die optische Aufwertung des Platzes dar.

Rampe für den Seiteneingang der Kirche

Da immer mehr Menschen altersbedingt in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, können sie den Gottesdienst in der Kirche nicht vor Ort verfolgen, da die Stiegen ein großes Hindernis darstellen. Durch einfache bauliche Maßnahmen kann dieses Hindernis beseitigt werden. Diese Rampe ist auch eine Verbesserung für Kirchenbesucher mit Kinderwagen.

Die Errichtung einer Wohneinheit für betreubares oder betreutes Wohnen

Diese stellt eine große finanzielle Herausforderung dar und ist für viele Gemeindebürger nicht erschwinglich. Um die Kosten entscheidend zu senken, wäre ein Containerbau, ähnlich den Hotelcontainern bei der „Ratschen“ in Deutsch Schützen eine überlegenswerte Alternative. Diese Container sind, wenn sie entsprechend positioniert sind, an das Wasser, Abwasser und elektrische Netz angeschlossen und somit voll benutzbar. Ein weiterer Vorteil liegt in der variablen Größe und der leichten Ausbau- und Erweiterungsmöglichkeit.

verkehrsberuhigte Zone rund um den Hauptplatz

Um den Ortskern noch attraktiver zu gestalten, insbesondere im Zusammenhang mit einem geplanten Spielplatz vor der Gemeinde, ist eine verkehrsberuhigte Zone rund um den Hauptplatz sinnvoll. Bereits vor der Kirche und weitergehend wie bisher, soll eine 30 km/h Beschränkung den Verkehr verlangsamen. Diese sollte bis über den Hauptplatz hinausreichen. Zusätzlich sind verkehrsteilende, geschwindigkeitsmindernde Grüninseln bei den Ortseinfahrten sinnvoll. Eine Ausweisung von einigen Wohnstraßen ist überlegenswert.

Revitalisierung Leichenhalle

Die bestehende Leichenhalle soll umfassend revitalisiert, umgebaut und neu gestaltet werden, sodass zum einen der Außenbereich inkl. der Platz- und Grünraumgestaltung verschönert, als auch die Nutzbarkeit des gesamten Gebäudes verbessert wird.

Feuerwehren

Zentrales Projekt für die gesamten Feuerwehren der Großgemeinde, unmittelbare Anordnung eines modernen Bauhofes (LKW neu) samt Sammelstelle im Bereich des Fernheizwerkes.

neue Rad- und Wanderwege

Mischendorf liegt in einer landschaftlich wunderschönen Umgebung. Um dies für Einheimische, aber auch für Besucher und Besucherinnen besser nutzen zu können, sollen neue Rad- und Wanderwege geschaffen werden. Zunächst genügt eine Befestigung aus Kies oder Schotter, um auch bei nicht optimalen Witterungsbedingungen die Wege nutzen zu können. Interessant ist die Ausstattung diese Wege mit Informationstafeln zu verschiedenen Themen. Beispielsweise können landwirtschaftliche Fakten oder interessante Informationen zur Natur den Nutzern und Nutzerinnen nahe gebracht werden.

Gemeinschaftsgarten

Da auch in ländlichen Regionen der „Hausgarten“ zum Gemüseanbau kaum mehr genutzt wird, soll in einem Projekt die Idee eines „Gemeinschaftsgartens“ umgesetzt werden. Die Gemeinde kann ein entsprechend geeignetes Grundstück zur Verfügung stellen oder es kann von einem Privaten gepachtet werden. Die Fläche wird dann gemeinsam genutzt, durch intensive Betreuung, Kurse und ähnliche Informationsveranstaltungen soll das Bewusstsein für Grund und Boden und den damit verbundenen Möglichkeiten geweckt werden. Ein möglicher Partner für dieses Projekt können Kindergarten- und Schulkinder sein.

 

Ausblick

Das Dorferneuerungsleitbild wird bei der nächsten Gemeinderatssitzung beschlossen. Für die Gemeinderäte wird das in Zukunft die Grundlage für die nächsten Projekte sein.

 

Redaktion und Rückfragen

Gemeinde Mischendorf, Bgm. Ing. Martin Csebits, BEd, martin.csebits@mischendorf.bgld.gv.at, Tel. 0660/7827500.

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11.09.2017