ISO 20400: Neue Norm für nachhaltige Beschaffung

Am 24. April 2017 veröffentlichte die Internationale Organisation für Normung (ISO) die ISO 20400, die erste internationale Norm für nachhaltige Beschaffung.

Hintergrund und Zielsetzung der neuen Norm

Bei einer nachhaltigen Beschaffung geht es nicht nur darum, welches Produkt gekauft wird, sondern auch von wem. Um die Zusammenarbeit von Unternehmen und Organisationen mit Lieferanten, die in sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten nachhaltig arbeiten, zu fördern, hat das Komitee der ISO/PC 277 einen neuen Standard eingeführt.

Das unter dem Titel „ISO 20400 (2017) Sustainable procurement – Guidance“ veröffentlichte Werk zielt darauf ab, Organisationen und Unternehmen, unabhängig von ihrer Tätigkeit und Größe, bei der Entwicklung, Organisation und Umsetzung nachhaltiger Einkaufspraktiken zu unterstützen. Es beschreibt Grundprinzipien der nachhaltigen Beschaffung und bietet ein Modell zu deren Umsetzung an.


Die Norm ISO 20400 wurde in einem vierjährigen Vorbereitungs- und Entwicklungsprozess erstellt und am 24. April 2017 erstmals veröffentlicht. Sie baut auf der BS 8903 auf, einem britischen Standard für nachhaltige Beschaffung aus dem Jahr 2010, allerdings sind die Grundprinzipien und Kernbegriffe der ISO 26000, der internationalen Norm für die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Organisationen, entnommen. Die einheitliche Terminologie erleichtert die Integration der nachhaltigen Beschaffung (ISO 20400) in ein umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement (ISO 26000).

 

Inhalt und Struktur der Norm

Vier Abschnitte bilden das Herzstück der Norm:

  • Abschnitt 4 bietet eine Einführung in das Thema nachhaltige Beschaffung sowie einen Überblick über die Grundprinzipien
  • Abschnitt 5 erklärt, wie man eine nachhaltige Beschaffung auf strategischer Ebene integriert
  • Abschnitt 6 beschreibt organisatorische Voraussetzungen und Anforderungen für die Umsetzung eines wirksamen Beschaffungssystems. Einen wichtigen Schwerpunkt bildet dabei die Qualifizierung der Mitarbeiter.
  • Abschnitt 7 beschreibt die operativen Prozesse und die Integration von Nachhaltigkeitskriterien


Bei einer konsequenten Anwendung der Norm ISO 20400 wird folgenden Aspekten Rechnung getragen:

  • Der Anforderung, Verantwortung für die Lieferkette zu übernehmen, gerecht zu werden
  • Rechtliche, finanzielle und ethische Risiken in Bezug auf Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu identifizieren
  • Die Nachhaltigkeitsleistung Ihrer Lieferanten zu überwachen und Verbesserungsanreize zu bieten
  • Wertschöpfende und nachhaltige Lieferantenbeziehungen aufzubauen

ISO 20400 ist jedoch keine zertifizierbare Managementsystem-Norm, sondern stellt lediglich eine Anleitung und Orientierungshilfe für ein nachhaltiges Beschaffungswesen dar.


Demnächst wird Austrian Standards (früher: Österreichisches Normungsinstitut) auf Grundlage einer zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz akkordierten Übersetzung der ISO 20400 eine österreichische Norm für nachhaltige Beschaffung veröffentlichen (siehe ÖNORM ISO 20400:2017 04 15 , Entwurf).

Mehr zur internationalen Norm für nachhaltige Beschaffung (ISO 20400) erfahren Sie auf der ISO-Website.

01.06.2017