Im Interview: Stefan Karasek, wohnpartner-Team 22

Nachbarschafts-Service und ehrenamtliche „EnergiepartnerInnen“ - eine Kombination, die Energieeffizienz niederschwellig in die Haushalte bringt! Dazu braucht es Beziehungspflege, Koordination und gute Unterstützung.

Red.: Was ist ihre Aufgabe bei "wohnpartner" und warum setzen Sie gemeinsam mit dem Ökosozialen Forum Wien das Projekt „Energiepartner von nebenan“ im Gemeindebau um?

Stefan Karasek: „wohnpartner“ unterstützt das nachbarschaftliche Zusammenleben in den Wiener Gemeindebauten. Da passen die EnergiepartnerInnen sehr gut dazu, denn auch hier geht es um freiwillige Hilfeleistungen im Alltagsleben und zwar für die eigene Nachbarschaft und im weiteren Sinn auch für den Gemeindebau im Allgemeinen.
Meine Aufgabe ist die Organisation und Koordinierung der Schulungen und vor allem der laufende Kontakt zu den EnergiepartnerInnen während und nach der Schulung – Beziehung und Zusammenarbeit will schließlich gepflegt werden. Außerdem unterstützen wir die ehrenamtlichen EnergiepartnerInnen auch dabei, ihr Angebot der Beratung zu bewerben und dazu nutzen auch wir unsere Kontakte zu den BewohnerInnen.
Die Kooperation mit dem Ökosozialen Forum Wien macht das Projekt erst wirklich möglich, denn wir haben die Kontakte im Gemeindebau und das Ökosoziale Forum hat die fachliche Expertise in Fragen der Energieeffizienz. Hier ergänzen wir uns sehr gut.

Red.: Ist Energieeffizienz ein Thema für die MieterInnen im Gemeindebau? Gibt es für MieterInnen diesbezüglich überhaupt Handlungsspielraum?

Stefan Karasek: Die MieterInnen interessieren sich aus zwei Gründen für´s Energiesparen: einerseits, um Kosten zu senken, andererseits aber auch um die Umwelt für nachfolgende Generationen zu schützen. Dabei nehmen viele MieterInnen Bedacht auf umsichtiges Haushalten, sind also bereit, ihr Verbrauchsverhalten zu ändern. Beim Thema energieeffiziente Geräte haben nicht alle dieselben finanziellen Möglichkeiten. Hohe Investitionskosten stehen dann oft zu langen Amortisationszeiten gegenüber. Die Menschen können das gerade durch die Beratung von EnergiepartnerInnen besser abwägen. Um Förderungen zu erhalten, fallen außerdem nicht gleich alle unter die festgelegten Einkommensgrenzen.
Für WohnungsmieterInnen im Allgemeinen ist davon auszugehen, dass der Spielraum auf das Nutzungsverhalten und die Auswahl der Haushaltsgeräte beschränkt ist. Die Entscheidung über ein effizientes Heizungs- und Warmwassersystem bleibt ja meist beim Hauseigentümer. Daher setzen die EnergiepartnerInnen beim Nutzungsverhalten an.

Red.: Zu ihren Erfahrungen mit dem Peer-to-Peer- Ansatz in der Begleitung der „Energiepartner von nebenan“: Was sind die Stärken und Schwächen dieses auf freiwilligen Engagement aufgebauten Projektes?

Stefan Karasek: Aus meiner Sicht haben die „Energiepartner von nebenan“ grundsätzlich einen offenen Zugang zu ihren Nachbarn und zu anderen Gemeindebau-MieterInnen. Sie knüpfen leicht und ungezwungen an den Alltagsproblemen der Menschen an. Diese Authentizität führt dazu, dass die BewohnerInnen die EnergiepartnerInnen schnell akzeptieren und ihren Rat auch gerne annehmen. Die Motivation im sozialen Umfeld etwas Gutes zu tun ist sehr groß.
Die EnergiepartnerInnen sind als Gemeindebau-BewohnerInnen gleichzeitig ExpertInnen des Gemeindebaus. Von daher kennen sie auch die spezifischen Probleme und gewinnen so erheblich an Glaubwürdigkeit bei ihren Nachbarn. Die Beratungen finden idealerweise in den Wohnungen statt, doch davor schrecken viele BewohnerInnen zurück. Die Notwendigkeit eines Wohnungsbesuchs und die damit verbundene Vertraulichkeit muss in Gesprächen vermittelt werden.

Red.: Was würden sie an diesem Projekt verbessern bzw. ausbauen wollen?

Stefan Karasek: Ehrenamtliches Engagement bedarf einer organisierten Betreuung. Diese bieten wir in verschiedenen Formen an, allen voran die regelmäßigen Austauschtreffen mit den EnergiepartnerInnen. Wir arbeiten gerade daran, diese Betreuung in den verschiedenen Bezirken Wiens noch individueller auf die EnergiepartnerInnen abzustimmen. Mit den in ganz Wien verteilten wohnpartner-Teams haben wir dafür die besten Voraussetzungen.
Um das Vertrauen und den Zugang zur Beratung  für BewohnerInnen zu verbessern organisiert wohnpartner außerdem „Energiecafes“ in Gemeindebauten. Dort können sich einerseits InteressentInnen vorab über die Beratung und Spartipps informieren. Andererseits können die BewohnerInnen dort bereits die EnergiepartnerInnen persönlich kennen lernen. Auch dieses Format gilt es noch zu optimieren.


 

Zur Person:
Stefan Karasek ( 40 J.), Absolvent des HTL-Kollegs für Maschinenbau,  Studium der Soziologie, wohnhaft in Wien;  derzeit beschäftigt bei wohnpartner-Team 22.

30.06.2014